Dienstag, 17. Dezember 2013

Irrungen und Wirrungen

Es war noch stockfinstere Nacht, als ich nach einstündigem Fristen meines Daseins als Lillys wärmespendende Matratze begann, mich im Bett zu recken und zu strecken. Das Radio dudelte auch schon einige Zeit vor sich hin. Ich hatte aber keine Lust mehr, länger liegen zu bleiben. Da Lilly nicht unbedingt aus Dummsdorf kommt, wusste sie, daß die herrlich gemütliche Schlafeinlage auf des Papas Brustkorb nun ihr Ende finden würde, was sie postwendend dazu veranlasste, freiwillig das Feld zu räumen.

Ich robbte an den Radiowecker heran und versuchte, ohne die Brille aufzusetzen eine Uhrzeit abzulesen. Die wird vor 5 Uhr morgens nämlich noch nicht so schön regelmäßig von der Radiotante angesagt. Im mörderischen Abstand von bestimmt 20 Zentimetern konnte ich das Zahlenwerk erkennen. 4.38 Uhr, eine gute Zeit zum Aufstehen. Es war Montag und ich hatte frei. Der letzte freie Tag meines Urlaubs. Meinen einwöchigen Resturlaub mit den nicht genommenen Tagen aus dem letzten Jahr sowie einiger freier Tage zum Überstundenabbau hatte ich um einen weiteren Tag verlängern müssen, denn sonst hätte ich es nicht geschafft, die Keine-Minute-länger-sonst-gibt-es-Ärger-Grenze einzuhalten.

Zum Jahresende hin ist aufgrund verschiedener Terminarbeiten, insbesondere im Zusammenhang mit unseren Abgabenzahlern, in meinem Fachbereich die Hölle los. Dummerweise ist die Grenze, bis zu der wir im Rahmen der gleitenden Arbeitszeit Plusstunden aufbauen dürfen, just zum Jahresende auf die Hälfte reduziert. Was also bedeutet, ein alljährlich regelmäßiges wieder auftretendes Mehr an Arbeit bei gleichzeitigem Abbau von Überstunden erledigen zu müssen. Unmöglich, aber nicht zu ändern. Also lassen wir ein paar Sachen vor die Wand fahren, bevor es Ärger mit der Personalabteilung gibt, und wenden im nächsten Jahr ein noch Mehr an Arbeit auf, um die Dinge wieder nachträglich zu bereinigen, die aus Zeitgründen nicht mehr gerettet werden konnten. Alle Jahre wieder…

Zu Hause wollte ich noch einige Dinge erledigten. Da ich ja ein netter Ehemann bin, hatte ich für mich geplant, hier noch herumstehenden Sperrmüll sowie einige größere Kartons voller Papier- und Elektroschrott ohne Anforderung eines Arbeitseinsatzes meiner Angetrauten der Müllverwertung zuzuführen. Und all das, bevor die zweitbeste Ehefrau von allen ihrerseits das Bett verlässt und mir Balduin, das Familienauto, wieder wegnimmt um  ihr Tagewerk zu beginnen. Also schleppte ich das Zeug schon mal auf unsere Terrasse. Von der Außenseite aus würde ich später den Wagen beladen. Aber noch war es für diese Arbeit zu früh. Ich wollte schließlich nicht Frau Kleinhüppgenreuthers dringend benötigten Schönheitsschlaf durch Ladegeräusche vorzeitig abbrechen lassen. Also wieder reingehen, Sally versorgen, eine gemütliche Runde durch Klein-Bloggersdorf drehen, die Sporttasche packen und dann erst mal den Sporttempel aufsuchen.

Um 8.20 Uhr war ich wieder vor Ort, parkte den Wagen unzulässig nahe an der Einmündung unseres Eckgrundstücks und belud die Nutzfläche des armen Balduin mit unserem alten Wohnzimmertisch, zwei Teppichen, Papier- und Elektromüll sowie jeder Menge Altglas und einer Tüte mit Plastikmüll, die ich gedachte dem Sperrmüll unterzujubeln. Lediglich einen alten Schreibtischstuhl habe ich nicht mehr mitnehmen können.

Auf der Deponie Entsorgungsanlage verlief alles wie geplant. Laut Kalendereintrag hatte meine Angetraute um 10.30 Uhr einen Termin. Es müsste an sich reichen, um 10.00 Uhr wieder vor Ort zu sein. Ich betrat gegen kurz nach neun Uhr die Wohnung. Früh genug. Meine Angetraute stand zu meiner Überraschung auch schon im Badezimmer und war dabei, sich zurecht zu machen.

Eine ihrer ersten an mich gerichteten Worte lauteten in etwa „Du, ich habe den Ökoklaus verwirrt.“

„Ähm, wie, was, wo, warum, wieso und vor allen Dingen und gegen wen?“

„Ich habe dich im Büro angerufen. Der Ökoklaus hat das Gespräch abgenommen.“

„Was wolltest du denn?“

„Ich dachte, du seist arbeiten und hättest Balduin mitgenommen. Da wollte ich dich lang machen, weil ich den doch gleich brauche. Aber der Ökoklaus stammelte etwas von wegen, daß du heute noch Urlaub hast.“

„Stimmt ja auch, hatte ich dir doch gesagt.“

„Steht aber nicht im Kalender.“

Das war zweifellos richtig. Der geneigte Leser muß wissen, daß etwas, was nicht in unserem Kalender steht, auch nicht stattfindet. Das ist in etwas vergleichbar mit denen Dingen, die nicht in der Wikipedia stehen – es gibt sie einfach nicht. Ich neige dazu es zu vergessen, meine Termine in unseren Kalender einzutragen. In Konsequenz müsste mein Urlaub also nicht stattgefund… ach ne, darüber mache ich mir keine Gedanken.

Jedenfalls wollte meine Angetraute zu ihrem Termin ungewohnt früh aufbrechen. Auch im Neustädter Ländchen gibt es so etwas wie einen Weihnachtsmarkt. Was gleichbedeutend ist mit der Verabschiedung von dem Gedanken, einen freien Parkplatz zu bekommen. Selbst, wenn dieser für Patienten, Gäste, Mitglieder etc. reserviert ist.

Gut, daß ich auf der Entsorgungsanlage so zügig durchgekommen bin.




Kommentare:

  1. funktioniert das mit dem Kalender auch umgekehrt? was drin steht passiert auch automatisch? trag doch mal "Lottogewinn" ein...
    Armer Ökoklaus, der denkt bestimmt, er hat dein Alibi platzen lassen ;-)

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    1. Ich habe früher, noch am Anfang meiner Beschäftigungszeit, so mal das Alibi eines Kollegen platzen lassen. Sein Pech, er hätte uns ja Bescheid sagen können.

      Das mit dem Lottogewinn funktionierte bislang nicht. Da muß man noch nacharbeiten.

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  2. Wenn er nicht im Kalender steht der Urlaubstag, dann hat er nicht stattgefunden und du kannst ihn dir immer noch nehmen. Hab ich das so richtig verstanden? ;-)

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    1. Nachdem ich heute gesehen habe, welche Katastrophen mich nach nur einer guten Woche Abwesenheit so erwarten, überlege ich ernsthaft, mir nie wieder Urlaub zu nehmen.

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  3. Hmmm... Dann ist der Terminkalender quasi sowas wie eine Zeitmaschine zum ungeschehen-machen? Damit kann man sicher gut Geld verdienen..... ;-)

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