Samstag, 7. Dezember 2013

Alle Jahre wieder

Die (Vor-)Weihnachtszeit birgt neben der vermeintlichen Besinnung bei Glühwein und Keksen auch Gefahren. Schreckliche Gefahren. Damit meine ich nicht das Risiko, im Gedränge der Einkaufspassagen oder der überwiegend einheitlichen Weihnachtsmärkte, über deren einstige Alternativen ich mich hier schon mal ausgelassen habe, zerquetscht zu werden. Und auch nicht die unerquickliche Möglichkeit, schon im Vorfeld des Hauptereignisses aller durch die Medien suggerierter heiler Welt so überdrüssig geworden zu sein, daß die Weihnachtsopfer sich nur noch wünschen, es möge endlich vorbei sein, damit man als guter Konsument seine erhaltenen, mit Liebe und unendlicher Fantasie ausgesuchten Geschenkgutscheine im nachweihnachtlichen Gedränge unter dem erneuten Risiko des Zerquetschtwerdens in der Großstadt endlich einzulösen vermöge. Die Gutscheine halten ja bekanntlich nicht bis zum nächsten Jahr und müssen noch vor Silvester umgesetzt werden.

Nein, hier geht es um wirkliche Gefahren. Oder besser gesagt: um die eine wirkliche Gefahr. Die ultimative Gefahr, welche am 15. Dezember im Jahre 1984 auf die Menschheit losgelassen wurde. Niemandem ist es bis heute gelungen, diese Gefahr in den Griff zu bekommen. Jahr für Jahr fällt sie erneut über uns her.

Da ich zwar zuweilen ein wirklich bösartiger Mensch bin, meinen hochgeschätzten Lesern aber nichts Entsprechendes antun möchte, verlinke ich zum besseren Verständnis der Sache auf den zugehörigen Wikipedia-Eintrag. Der Link kann also gefahrlos angeklickt werden:


Für die waghalsigeren unter meinen Lesern empfiehlt sich dann eher der nachstehende Link. Doch hier zitiere ich Judge Dredd mit den Worten, die er regelmäßig von sich gibt, bevor er eine Orgie von Blut und Gewalt über seine Mitmenschen loslässt: Sie wurden gewarnt!


Nachdem hier nun hoffentlich jeder im Bilde ist, wenden wir uns zunächst einer meinen Lesern wohlbekannten idyllischen Szene zu, die ich zwar etwas fantasielos aber dennoch nicht mehr mit anderen Worten beschreiben kann. Wir saßen in unserem Büro im LASA und arbeiteten vor uns hin. Es herrschte allgemeine Ruhe und Vollbeschäftigung, so wie die Kanzlerin es sich nur wünschen kann.  Wünschen darf sie, denn wir haben ja bald Weihnachten. Sven hatte gerade was in unserem Raum zu erledigen, als Mandy einen spitzen Schrei von sich gab. Da hörten wir es alle. Das Unaussprechliche tönte aus den Lautsprechern des Radios. Vereinzelte Anzeichen von Übelkeit kamen hoch, latente Aggressionen suchten sich ihren Weg und konnten nur mühsam zurückgedrängt werden.

Als lebensältester der Anwesenden versuchte ich, mit ausgeklügelten Methoden aus dem Standardwerk Psychologie für Anfänger, meiner natürlichen Autorität und einer volltönenden Stimme der nun drohenden Eskalation der Lage Herr zu werden.

„Leute, beruhigt euch, so kann das nicht weitergehen.“

Ich kam mir vor wie einer der in zahlreichen Büchern und Filmen immer wieder dargestellte Anführer eines Heeres, der mehr oder weniger einsam vor hunderten seiner Krieger steht und seine motivierende Rede hält. Und der dies mit so gewaltiger Stimme zu tun vermag, daß auch der letzte Kämpfer in der hinteren Reihe rechts außen noch von den Worten erfasst wird, während er sich gelangweilt mit dem kleinen Finger der linken Hand im Ohr puhlt.

„Wir müssen diesem alljährlichen Elend ein Ende setzen. Hört mir zu, denn ich habe einen Plan.“

Ich warf meinen Blick in die Runde. Gut, die Masse Mensch aus den Filmen, die sich von dem Heerführer zuquatschen lassen muß, sieht beeindruckender aus, aber Mandy, Rebecca, Karla und Sven sollten mir genügen. Gequälte Ohren Augen schauten mich an. Mir schien, als ob trotz aller Zweifel ein Funken Hoffnung in ihnen zu erahnen war.

„Wir können es nicht ignorieren. Es kommt immer wieder. Immer und immer wieder. Und auch, wenn ich bekanntlich meinen lange geplanten, spontanen Amoklauf mit benzinbetriebener Kettensäge und extra langem Blatt bevorzugen würde, so wird auch dieses nicht unsere Lösung sein.“

Ja, ich hatte ihre Aufmerksamkeit. Gebannt hingen sie an meinen Lippen, während im Hintergrund von allen unbeachtet weiterhin das Unaussprechliche zu vernehmen war.

„Unser Ziel wird eine subtile Lösung sein, die einem intelligenten Menschen würdig ist. Wir müssen all das Negative, welches der Klang des Unaussprechlichen in uns auslöst, dauerhaft überdecken und positive Assoziationen damit verbinden.“

Rebecca hatte eine Idee. „Klasse Idee. Wir könnten jedesmal, wenn wir das Unaussprechliche hören, einen Schnaps trinken.“

Mandy meldete sich zu Wort. „Nein, das ist doof. Wenn ich immer einen Schnaps trinke, sobald ich das Unaussprechliche höre, bin ich ja schon am späten Vormittag hackevoll.“

Oh, meine Schäfchen, da mußte ich eingreifen.

„Rebecca, das funktioniert nicht. Mandys Einwand ist berechtigt. Außerdem trinke ich keinen Schnaps. Zudem sind wir doch etwas schöngeistiger orientiert, nicht wahr?! Habt ihr keine anderen Ideen?“

Es ist immer gut, die Mitarbeiter in so etwas mit einzubeziehen. Das verstärkt die Identifizierung mit dem Plan und macht dessen Ausführung sicherer. Wieder war es Rebecca, welche eine Lösung hatte.

„Dann muß halt Sven was für uns machen. Er ist schließlich unser Schuldbeauftragter. Wir könnten ihn in ein rosa Tutu stecken und ihn immer für uns tanzen lassen, sobald das Unaussprechliche gespielt wird.“

Na also, ich wusste doch, daß sie mich verstehen würden.

"Sven? Sven, komm sofort wieder her! SVEN!"



Kommentare:

  1. Guten Abend,
    freut mich, dass ich Gleichgesinnte finde, die dieses ganze Weihnachtsgeschäft genauso anwidert. Ich hatte mich ja in einem Post darüber ausgelassen, dass laut einer Umfrage der GfK bundesweit 15 Mrd Euro für Weihnachtsgeschenke ausgegeben werden. Was Weihnachtsmusik betrifft, würde ich am liebsten mit Ohrenstöpseln durch die Gegend laufen.

    Gruß Dieter

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    1. An sich habe ich den Endruck, daß es gar nicht so schwierig ist auf Mitbürger zu stoßen, welche ebenfalls entsprechende Abneigungen entwickelt haben. Unter diesen aber jemanden ausfindig zu machen, der auch seine Konsequenzen daraus zieht, ist der schwierige Teil.

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  2. Wir schenken uns dieses Jahr mal wieder nichts... Hoffentlich hält er sich auch dran, sonst schau ich diesmal echt doof aus der Wäsche!

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    1. Zwischen meiner Angetrauten und mir hat das sehr schnell geklappt. Meine Eltern und Schwiegereltern brauchten etwas Zeit zum Üben, wissen aber mittlerweile auch, wie das Nicht-Schenken funktioniert.

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