Dienstag, 31. Dezember 2013

2014

Hach ne, watt is datt alles widda spannend.

Hoffentlich kommt datt neue Jahr auch pünktlich und hat keine Dellen. Ich muß gleich mal raus und gucken gehn.



Silvester 2013

So eine wilde Silvesterparty findet bei uns ja nicht statt. Meistens verbringen wir den Jahreswechsel zu zweit in den heimischen vier Wänden. So auch in diesem Jahr.

Schwere Entscheidungen stehen bevor. Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich müssen uns so langsam darüber klar werden, ob wir heute Abend unser lange schon mal ins Auge gefasstes Wintergrillen auf der Terrasse veranstalten. Dagegen spricht, daß meine Angetraute schon gestern etwas verfroren war und andeutete, davon vielleicht Abstand nehmen zu wollen. Mir fehlt zu solch einem Wintergrillen hingegen der Schnee, was aber nur als Beiwerk zu betrachten ist.

Plan B: Weinfondue. An Stelle des Fettes oder Brühe gehört als Basis Weißwein in den Fonduetopf. Das haben wir noch nie gemacht.

Wenn da nicht Plan C wäre: Grillen im Wohnzimmer. Natürlich mit dem Elektrogrill.

Alles, was wir benötigen, ist eingekauft.

Lassen wir die Dinge auf uns zukommen, noch ist ja etwas Zeit.

Meine Angetraute und ich wünschen allen Lesern einen schönen Jahreswechsel.

Treibt es, aber treibt es nicht zu doll.

Und damit sich auch hier ein schönes Foto mit bunten Lichtern findet, welches natürlich wieder einmal überhaupt nichts mit Silvester zu tun hat, habe ich dieses hier ausgesucht:

 
Hach, ich mag Industriearchitektur einfach.
Wer weiß, wo das aufgenommen wurde, bekommt wieder einen Keks.

Guten Rutsch!



Montag, 30. Dezember 2013

Zielgerade

Heute war ich arbeiten. Zwischen den Feiertagen nehme ich niemals Urlaub. Nur mit einer Notbesetzung im Büro und einem kaum klingelnden Telefon schaffe ich es mehr zu erledigen als an anderen Tagen des Jahres. Und ich genieße die Ruhe. Kein Radiogedudel, kaum Stimmen auf dem Gang. Irgendwie ist alles ungezwungener und entspannter. Fast so wie im Rahmen unserer Sonderaktionen, als wir zum Aktenabbau auch samstags zur Arbeit gekommen sind. Der Unterschied zu normalen Arbeitstagen ist wirklich frappierend.

Außerdem war dies der letzte Arbeitstag für Monate, an denen ich halbwegs meine Ruhe habe, denn ab nächstem Jahr darf ich mich wieder mit einem Auszubildenden beschäftigen. Dazu habe ich einen neu einzuarbeitenden Kollegen. Mal wieder. Wir zweifeln aber jetzt schon daran, daß er auch bei uns bleiben wird. Wie das alles funktionieren soll, weiß ich auch noch nicht, denn Rebeccas Einarbeitung ist noch nicht abgeschlossen.

Vor dem Büro, also eher der Außen- als der Innenseite, war ungewöhnlich lang anhaltend das Geräusch eines LKW-Motors zu hören. Noch länger als es die üblichen Weihnachtsmarktbesucherstaus der letzten Wochen erzeugen würden. Natürlich ist Weihnachten vorbei, aber jetzt strömen die Massen in die Innenstadt, um endlich wieder dem Konsum zu fröhnen, erhaltene Geschenkgutschein ein- und missliche Geschenke umzutauschen. Das hat ja alles keine Zeit.

Rein informell wagte ich einen Blick aus dem Fenster. Ein ausgewachsener LKW versuchte, rückwärts in unsere Tiefgaragenausfahrt zu fahren. Wir erinnern uns, daß unsere Tiefgarage ein eher ebenerdiges, teilweise nach oben offenes Parkdeck ist. Die Höhe passte, der Rest war Gefühlssache. Der Fahrer hatte wenig Gefühl und bekam die enge Kurve nicht. Die zweispurige, aufgrund der bereits beschriebenen Umstände relativ dicht befahrene Ringstraße vor dem Haus war minutenlang von ihm blockiert, das Verkehrschaos somit perfekt. Gute Show.

Feierabend. Der Fahrer des LKWs hatte zwischenzeitlich einen Minibagger abgeladen und plättete damit einen Teil der Grünanlagen der so genannten Tiefgarage. Vermutlich soll endlich der von unseren Rauchern lange ersehnte Plastikpavillon aufgestellt werden, in welchem sie künftig ihre Sucht befriedigen können. Angekündigt war die Anschaffung schon seit März/April des Jahres. Gut Ding will Weile haben. Und eine europaweite Ausschreibung für die Beschaffung des Pavillons und Vergabe des gartenbaulichen Auftrages. Die Ausfahrt war blockiert. Aber es fanden sich andere Wege, das Parkdeck zu verlassen. Wozu gibt es Einfahrten?

Auf dem Rückweg wurde einem Fahrschüler drastisch vorgeführt, was es bedeutet, wenn der Fahrlehrer eingreift. Der Fahrschüler meinte, schneller aus dem Stand in einen Kreisverkehr einfahren zu können, als ich Zeit benötigen würde, mich bereits in Bewegung und im Kreisverkehr befindlich seine voraussichtliche Zielposition zu erreichen.

Im nächsten Kreisverkehr interessierte sich der Fahrer eines ehemaligen Militärmotorrads der Marke Knatterkiste, Typ Adolf 2000ebenso wenig für eventuellen Querverkehr, hatte aber niemanden an seiner Seite, welcher ihm die Bremse bedienen konnte. Dummerweise verfügte die alte Maschine auch nicht über motorradtypischen Beschleunigungswerte. Ich war viel zu sehr mit bremsen beschäftigt, als daß ich rechtzeitig die Umluftschaltung hätte bedienen können. Ergebnis: Das Wageninnere war keine abgasfreie Zone mehr. Und das alte Wehrmachtsmotorrad verbreitete einen wirklich enormen Gestank. Im nächsten Kreisverkehr gab es das gleiche Spiel, soweit es den Querverkehr betraf. Auf der folgenden Landstraße beschleunigte die Maschine nicht mal auf 70 km/h. Wenigstens ergab sich eine Gelegenheit, sie zu überholen.

Donnerstag geht es weiter. Neues Spiel, alte Regeln, immer der gleiche Mist.

Ich bin begeistert.



Sonntag, 29. Dezember 2013

Weihnachten oder Die Wahl des ungünstigen Zeitpunktes (3) - aktualisiert

Den Kontrolltermin hatten wir zu den regulären Praxisöffnungszeiten. Lilly zeigte sich in der Zwischenzeit zwar immer noch ausnehmend mäkelig beim Fressen, aber immerhin ging sie, wenn auch zögerlich, an den Thunfisch ran, von dem wir extra für sie eine Dose geöffnet hatten. Doch es war viel zu wenig.

Noch beeindruckt von den Ereignissen des Vortages begann ihr Protestgeheule gegen die Freiheitsberaubung dieses Mal nicht erst im Auto los, sondern schon, während wir das Haus noch nicht verlassen hatten. Ist ja auch gemein, vom Papa mitten im schönsten Nickerchen, während man an der warmen Heizung lehnte, gestört und gepackt zu werden, nur um sich dann in der doofen Transportbox wiederzufinden.

In der Praxis war es ausnehmend voll. Die Dame am Empfang hatte mehr als alle Hände voll zu tun. Offensichtlich fehlten ihr auch die notwendigen Fähigkeiten eines sinnvollen Abarbeitens der Belange einer größeren Menschenmenge und die Fähigkeit zu erkennen, was wann und in welcher Reihenfolge zu erledigen ist.

War sie zum Beispiel gerade dabei, Wechselgeld abzuzählen, als das Telefon klingelte. Das Telefonat wurde sofort angenommen. Dagegen spricht erst mal nichts. Anstatt den Anrufer aber kurz für eine Minute zu vertrösten, um den Kassiervorgang abzuschließen und den Patienten bzw. dessen Besitzer loszuwerden, wurde der Anrufende sofort und in vollem Umfang abgearbeitet, während es in der Praxis immer voller wurde. Nach erledigtem Telefonieren begann der Vorgang des Wechselgeldzählens wieder bei Punkt A wie Anfang. Und das geschah mehrmals hintereinander.

Schließlich kam ein Herr rein, der Tierfutter kaufen wollte, dies aber nicht vorher angemeldet hatte. Das Tierfutter lagerte also nicht griffbereit in der Nähe des Empfangstresens. Da der Herr ohne Tier gekommen war, wäre es wohl kein Problem gewesen, erst die wartenden Tierhalter abzuarbeiten, insbesondere natürlich diejenigen, die nur noch bezahlen mussten, um die Hütte wieder leer zu bekommen, um danachin den Keller zu gehen und das Futter zu suchen. Man beachte das Wort wäre im vorherigen Satz…

Im Rahmen von Lillys Untersuchung sollte dieser noch eine Wurmkur in Tablettenform verabreicht werden. Eine Mitarbeiterin hielt Lilly fest, während die anwesende Ärztin versuchte, die Tablette in Lillys Schnauze zu versenken. Nach wiederholten Misserfolgen löste meine Angetraute die Mitarbeiterin beim Festhalten ab, denn diese schien dahingehend noch etwas unerfahren zu sein. Lilly arbeitete mit allen Tricks, wehrte das schließlich zu Hilfe genommene Gerät zur Verabreichung der Tablette auch noch mit der Pfote erfolgreich ab, bis irgendwann mal die Tablette in der Schnauze blieb. Wenn auch nur vorübergehend, denn nach einem Biss wurde sie von Lilly als geschmacklich weniger wertvoll erkannt und in zwei Teilen wieder ausgespuckt. Doch was lange währt wird endlich gut; eine neue Tablette nahm schließlich den vorbestimmten Weg.

Nach Ende der Untersuchung begab ich mich mit Lilly wieder ins Auto, während meine Angetraute versuchte, den Bezahlvorgang zu erledigen. Nach gut 20 Minuten war sie dann auch damit fertig. Es geht doch nichts über sorgfältig geschultes Fachpersonal im Empfangsbereich…

Wir vermuteten, daß Lilly uns zu Hause mit dem Ar… nicht mehr ansehen würde, bis sie sich wieder beruhigt hätte. Stattdessen aber kam sie aus ihrer Box und fing an, uns freudig einige Streicheleinheiten abzutrotzen, wobei sie immer wieder zwischen meiner Angetrauten und mir hin- und herwechselte. Das hatte sie früher noch nie so gemacht.War es die Freude, daß wir sie wieder mit nach Hause genommen haben? Vermenschlichen wir die Kleine mal und interpretieren es so.

Natürlich ist noch nicht wieder alles in Ordnung. Bis zum nächsten Tierarzttermin befindet sich die zweitbeste Ehefrau von allen aushäusig. Ich bin ohne Auto, die Anbindung mit dem ÖPNV ist eher schlecht. Das heißt ich bin gezwungen, falls sich Lillys Zustand wieder verschlechtert, meinen Schwiegervater zu bitten, mich mit dem Auto zu fahren. Ja, das ist für mich ein nicht unerhebliches Problem, obwohl er über die Möglichkeit des Eintritts eines solchen Falls informiert wurde. Ich werde mich dazu überwinden können, wenn der Druck groß genug wird. Im Zusammenhang mit einer Verletzung Daisys ist mir das auch schon mal gelungen.

Ich hoffe, es wird nicht erforderlich. Auch für Lilly.


Nachtrag 7.48 Uhr:


Frühstück

  Es wird. Zwar langsam, aber es wird. Schön.


(Ende)



Samstag, 28. Dezember 2013

Weihnachten oder Die Wahl des ungünstigen Zeitpunktes (2)

Seit Heilig Abend hat Lilly nichts mehr gefressen, dafür aber mehrfach grüne Flüssigkeit erbrochen. Vom Verhalten war sie darüber hinaus immerhin unauffällig. Den ersten Feiertag lang beobachteten wir die Sache und unternahmen verschiedene Versuche, ihr das Futter schmackhaft zu machen. Immerhin nahm sie Wasser zu sich. Da ich während meiner freien Tage die Nachtwacheversorgung für Sally übernehme, was bedeutet, bis nach halb drei nachts aufzubleiben und trotzdem nach anschließenden zwei bis vier Stunden Schlaf aufzustehen, die Versorgung wieder aufzunehmen und dann das Tagewerk zu beginnen, konnte ich auch beobachten, was Lilly so treibt. Und das war mit Ausnahme der Futterverweigerung und des erneuten Erbrechens, soweit nichts Ungewöhnliches.

Für ein gewisses Amüsement sorgt stets der Gesichtsausdruck meiner Angetrauten, die ja deutlich vor mir zu Bett gegangen und noch deutlicher nach mir wieder aufgestanden ist, wenn sie feststellt, daß ich trotzdem auch noch beim Sport war oder Einkäufe erledigt habe. Ok, als Dauerzustand halte ich den Schlafmangel dann auch nicht aus, aber im Moment geht es. Ich werde ja auch von alleine nach der kurzen Zeit wieder wach und brauche keinen Wecker.

Am zweiten Weihnachtstag riefen wir bei unserer Tierarztpraxis an. Da dort mehrere Ärzte tätig sind, unterhält die Praxis ihren eigenen Notdienst. Unsere Katzen haben einfach ein Gespür dafür, wann die regulären Öffnungszeiten vorbei sind und das Wochenende oder Feiertage beginnen. Denn das sind die Zeitpunkte, zu denen man derart krank wird oder sich Verletzungen zuzieht, welche die Inanspruchnahme professioneller Versorgung unabdinglich machen. Und die Notdienst-Zusatzgebühren. Wir haben damit im Laufe der Jahre hinreichend Erfahrungswerte gesammelt.


Lilly


So fuhren wir zum vereinbarten Termin in die Praxis. Natürlich jammerte Lilly uns im Auto fortwährend die Ohren voll. Einfach ignorieren. Als sie dann endlich auf dem Praxistisch stand, zeigte Lilly sich von der friedlichen Seite und ließ alles Tastversuche seitens der Frau Doktor über sich ergehen. Man vermutete eine hier in der Gegend aktuell wohl grassierende Infektion. Schließlich bekam Lilly zwei Spritzen und wurde darüber hin aus noch zwei Mal gepiekt, als die Tierärztin ihr Wasserdepots anlegte. Dabei wird Wasser über eine Kanüle unter die Haut gespritzt und später vom Körper aufgenommen. Die gleiche Prozedur hatten wir seinerzeit bei Daisy auch schon durchgeführt und kannten das alles. Wenn man es selbst mal gemacht hat, wirkt es weniger bedrohlich. Insbesondere die sich temporär bildenden ausgeprägten Wasserbeulen unter der Haut. Nun noch Kontrolltermin für den Folgetag, Rechnung bezahlen *stöhn* und ab nach Hause.

Nach einiger Zeit würde Lilly auch wieder das Bedürfnis verspüren, Nahrung zu sich zu nehmen. Sagte man uns jedenfalls. Wir hatten etwas Schonkost mitbekommen, welche wir ihr geben sollten. Nicht mehr als einen Teelöffel voll auf einmal. Das angekündigte grundsätzliche Interesse an einer Nahrungsaufnahme bestand bei Lilly durchaus und sehr offensichtlich, jedoch lehnte sie weiterhin alles ab, was wir ihr anboten. Marty und Smilla mögen übrigens auch keine Schonkost. Alleine der Versuch, ihnen die Reste unterzujubeln, sorgte für ein demonstratives Desinteresse.

Am Abend des zweiten Weihnachtstages musste dann so langsam etwas geschehen. Die zweitbeste Ehefrau von allen zog etwas von Sallys Aufbaupräparat auf eine Spritze auf und versuchte, Lilly davon in die Schnauze zu geben. Doch die wehrte sich - für meine Angetraute unerwartet – ausgesprochen heftig gegen die Maßnahme. Wir sind dann ja entsprechend stur, so daß die Flüssigkeit ihren Bestimmungsort fand. Zumindest Teile davon. Die zum Glück auch nicht wieder erbrochen wurden. Aber bei dem Widerstand, den sie der Zwangsernährung entgegenbringt, ist dies kaum eine Option.


(wird fortgesetzt)



Freitag, 27. Dezember 2013

Weihnachten oder Die Wahl des ungünstigen Zeitpunktes (1)

Ach herrjeh, muß es denn wieder ein Mehrteiler sein?

Ja.

Und nachdem wir das jetzt so schön geklärt haben, geht es auch schon los.

Der geneigte Blogleser wird sich vermutlich denken können, daß ich an Weihnachten keine herausragenden Ansprüche stelle. Es ist für mich ein Datum im Kalender. Mehr nicht. Aber ich kann ja gönnen, von daher möge ein jeder so ein Weihnachten gehabt haben, wie er es sich gewünscht hat.

Bei uns findet Weihnachten sehr übersichtlich statt. Meine Eltern besuchen meine Angetraute und ich lieber außerhalb der großen Reisewellen. Das Datum im Kalender stört uns da nicht großartig; unser Weihnachtsbesuch wird nicht verpflichtend erwartet. Außerdem können wir wegen Sally ohnehin nicht mehr für längere Zeit verschwinden, so wie es früher war, als sie noch nicht die jetzigen altersbedingten Ansprüche an ihre Versorgung hatte. Damals war es kein Problem, Näpfe und Katzenklos entsprechend vorzubereiten und dann ein verlängertes Wochenende aushäusig zu sein. So lange Sally noch bei uns ist, sind diese Zeiten vorbei.

Auch meine Schwiegereltern sehen Weihnachten zwischenzeitlich eher rational. Das macht die Sache doch gleich für alle Beteiligten deutlich entspannter. Sie wohnen nicht so weit von uns weg, daß ein Besuch zwingend mit einer Übernachtung verbunden wäre. Doch war es in der Vergangenheit noch so, daß meine Angetraute und ich zum Brunch dort aufschlugen und erst mitten in der Nacht wieder den Weg nach Hause fanden.

Für mich ist so ein Besuch durchaus mit gewissen mentalen Anstrengungen verbunden. Es ist stets ein sehr langer Tag, an dem ich fast durchgehend unter Strom stehe. Unter Beachtung des soziophobischen Hintergrundes sortiere ich meine Schwiegereltern emotional als Fremde ein. Ich kann – zumindest innerlich – nicht ungezwungen mit ihnen umgehen, auch wenn es dafür keine objektive Veranlassung gibt.

In diesem Jahr wurde der Tag nicht so lang. Sally hatte ihre Bedürfnisse, so daß wir erst nachmittags bei meinen Schwiegereltern aufschlugen. Ansonsten lief dort alles wie bei jedem anderen unserer Besuche auch. So weit, so gut. Doch der Stress kam aus einer anderen Ecke.


(wird fortgesetzt)



Dienstag, 24. Dezember 2013

Weihnachten 2013


Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich 

wünschen schöne Feiertage. 


Frühjahr 2013, kurz vor Ostern

(Natürlich hätte ich gerne ein Bild von einem Weihnachtsbaum veröffentlicht.
Aber da ich kein eigenes zur Verfügung habe, entschied ich mich für ein Schneebild.)


 



Montag, 23. Dezember 2013

Voller Tank und alter Uhu (4)

Nachdem sich die Gemüter wieder beruhigt und sowohl die vor mir stehenden Beteiligten als auch das Hutzelmännchen ihre Wagen aus eigener Kraft vom Unfallort entfernt hatten, fragte mich der Polizist, ob ich weiterfahren wolle und wie weit ich es noch hätte. Ich entgegnete, daß es wohl noch fünf Kilometer bis zur Heimatbasis seien, aber der Wagen wohl keinen fahrtauglich Eindruck hinterlasse.

Der Polizist rüttelte mal hier und da, warf den einen oder anderen kritischen Blick auf das Elend und meinte, da die Teile zwar deutlich verzogen aber nicht lose seien und auch alle Lampen erstaunlicherweise noch ihren Dienst taten (wenn auch mit untypischen Strahlrichtungen), könne ich noch bis nach Hause bzw. in die nächste Werkstatt fahren, wenn der Motor mir diesen letzten Gnadendienst erweisen würde. Ansonsten wäre eben der Abschleppwagen gefragt.

Ich versuchte, den Motor zu starten, was auch anstandslos funktioniert und fuhr nach Hause. Und das alles, ohne daß es unbotmäßig klapperte oder sich einzelne Teile des Wagens selbständig machten. Muß ein irrer Anblick für zufällige Beobachter gewesen sein.

Am nächsten Tag führte mich mein erster Weg in die Werkstatt, die am Morgen noch geöffnet hatte. Das Ergebnis war vorauszusehen: Rahmen verzogen, Totalschaden! Dabei war der Wagen doch gerade erst eingefahren. Was sind schon 136.000 Kilometer? Also echt jetzt, da war noch nichts dran. Den Wagen würde ich heute noch fahren, so wie mein Vater seinen Karmann Ghia, den er einstmals in den Graben gesetzt hatte.

Glücklicherweise stand bei meinem Händler ein Wagen zur Verfügung, den ich kaufen konnte. Das gleiche Modell, nur etwas jünger und schon mit den ersten Überarbeitungen der Serie versehen. Immer noch geknickt stand ich da und war froh, daß man sich zu meinem letzten Ansinnen auch noch positiv äußerte:

„Als der Uhu mir den Wagen zerlegt hat, kam ich gerade von der Tankstelle. Können Sie mir bitte das Benzin umfüllen?“

Wie sagte meine Oma immer? "Seien wir froh, daß wir noch labendelich*) sind."

Frohes Fest.


(Ende)


*) am Leben, lebendig, lebend




Sonntag, 22. Dezember 2013

Voller Tank und alter Uhu (3)

Die Polizei kam nach wenigen Minuten in Form eines gemischten Paares. Zunächst wandte man sich an mich, doch bat ich die Polizistin, sich zunächst um den Hysteriker zu kümmern, der immer noch nicht wieder zu sich gefunden hatte. Der Herr des gemischten Doppels widmete sich den weiter vorne stehenden weiteren und insgesamt unauffälligen Unfallbeteiligten, während das Hutzelmännchen und ich weiter schweigend warteten. In solchen Situationen bleibe ich zumeist erstaunlich gelassen und sachlich, behalte einen klaren Gedanken und werde nicht unruhig. Darüber bin ich immer wieder selbst erstaunt, aber es ist tatsächlich so und ich bin froh darum, daß ich die Phobie in diesen Momenten zur Seite drängen kann. Muß an einer Hormonausschüttung liegen.

Schließlich wollte man meine Aussage haben. Ich schilderte die Ereignisse, wie ich sie erlebt hatte: Wir stehen schon längere Zeit an der roten Ampel, ich achte nicht auf den rückwärtigen Verkehr und auf einmal rumst es. Kurz, schlicht und ergreifend.

Daraufhin wurde das Hutzelmännchen zum Sachverhalt befragt. Es ergab sich folgender Dialog:

Polizei: „Was haben Sie zum Sachverhalt zu sagen?“

Hutzelmännchen: „Da haben wir wohl alle nicht aufgepasst!“

Polizei: „Wie? Die Herrschaften haben sehr wohl aufgepasst, nur Sie nicht.“

Hutzelmännchen: „Ich habe nicht aufgepasst?“

Polizei: „Ja. Sie sind den anderen hinten drauf gefahren.“

Hutzelmännchen: „Ich bin da draufgefahren?“

Polizei: „Ja. Die anderen standen schon lange, als sie hier aufgeschlagen sind.“

Hutzelmännchen: „Die standen schon?“

Polizei: „Ja. Sie sind hier der Schuldige.“

Hutzelmännchen: „Ich habe Schuld?“

Polizei: „Ja!“, dabei den Versuch des Hysterikers abwehrend, dem Hutzelmännchen an die Gurgel zu springen.

Dem Vorschlag des Hysterikers, dem Hutzelmännchen sofort an Ort und Stelle den Führerschein aufgrund offensichtlicher Fahruntauglichkeit abzunehmen, vermochten die anwesenden Polizisten aufgrund geltender Rechtslage indes nicht zu folgen.

Während die Polizisten sich wieder dem Hysteriker zuwandten fragte mich das Hutzelmännchen, ob ich mit dem Wagen denn jetzt nach Hause fahren würde.

Wie ich bereits erwähnte, bin ich in einer Situation wie der geschilderten Gesamtlage eher ruhig und besonnen. Bis zum Erreichen einer bestimmten Grenze. Ich antwortete dem aufgrund seines leicht erhöhten Alters bestimmt etwas schwerhörigen Hutzelmännchen mit wohldosiertem Einsatz der mir zur Verfügung stehenden Stimmbänder und unter Einsatz aller in Bereitschaft befindlichen Resonanzkörper, daß die Fahrbereitschaft meiner ehedem so prachtvollen, frisch betankten und auch aufgrund des anstehenden Weihnachtsfestes gewaschen und polierten, quasi gerade erst eingefahrenen Limousine aufgrund bestimmter vorhandener aktueller Umstände, an denen ich gegen meinen Wunsch gezwungen bin teilzuhaben, wohl zur Zeit nicht übertrieben optimal ausgeprägt zu sein scheint. An den genauen Wortlaut erinnere ich mich nicht mehr, aber ich dürfte wohl etwas in der Art von „Mit dem Wagen fahre ich keinen Meter mehr du vertrottelter Uhu!“ gebrüllt haben. Mehr brachte ich nicht raus, als die Polizistin mich und meine mit dem - im Ansatz noch nicht sichtbaren - Willen zum Zudrücken seines vertrockneten Halses versehenen Hände sanft aber bestimmt in eine Position brachte, in der ich das Hutzelmännchen nicht mehr würde erreichen können.

(wird fortgesetzt)



Samstag, 21. Dezember 2013

Voller Tank und alter Uhu (2)

Der Abend war noch jung, eine klare, trockene Witterung herrschte vor, als ich auf meinem Weg entlang der örtlichen Bundesstraße fuhr und mich einer Kreuzung näherte. Die zur Regelung bestimmter verkehrstechnischer Angelegenheiten eigens dort montierte Lichtzeichenanlage änderte ihr strahlendes grünes Leuchten in ein kurzes aber prägnantes gelbes Strahlen, welches Augenblicke später von einem warmen satten roten Schein verdrängt wurde. Ordnungsgemäß hielt die kleine Kolonne, die sich gebildet hatte und deren Schlußfahrzeug mein Wagen bildete, an den dafür vorgesehenen Positionen.

Während wir dort so standen und warteten begann ich, etwas am Autoradio herumzufummeln, als ich plötzlich in den Sicherheitsgurt gepresst wurde. Ich stehe üblicherweise mit eingelegtem Gang und getretener Kupplung an einer roten Ampel – was mein alter Fahrlehrer hoffentlich nie erfahren wird – und vermutete leicht desorientiert, daß ich mit dem Fuß vielleicht etwas von der Kupplung gerutscht sei und der Wagen deswegen eine kurze Bewegung nach vorne gemacht hatte, bis der Motor abgewürgt wurde. Mein Vordermann war ausgestiegen und kam auf mich zu. Sollte ich den etwa touchiert haben? Also mal besser aussteigen und nachsehen.

Als ich den Wagen verlassen hatte bemerkte ich sofort, daß zwischenzeitlich ein weiteres Fahrzeug hinter meinem Wagen stand. Dicht hinter meinem Wagen. Sehr dicht hinter meinem Wagen. Man könnte sagen: ein Stück weit in meinem Wagen. Ich ging also zuerst nach hinten, während ich schon ein  Gekreische von meinem Vordermann hörte, welches in den Worten „Warum denn immer ich?“ mündete. Egal, jetzt wollte ich erst mal sehen, was hinter mir los war, bevor ich mich dem Hysteriker zuwenden würde. Aus dem Benz, der sich in meinen Kofferraum gebohrt hatte, stieg ein dem Anschein nach mindestens achtzigjähriges Hutzelmännchen aus und registrierte zunächst, daß er seine Nobelkarosse wohl nicht ganz so sauber abgestellt hatte, wie es die StVO auch heute noch vorsieht.

Die weitere Inaugenscheinnahme der Situation zeigte, daß der Benz wohl ungebremst auf meinen Wagen geprallt war, diesen auf den Vordermann geschoben hatte und somit eine Kettenreaktion auslöste, die sich bis zum ersten in Schlange, die immerhin aus vier (!) Autos und dem Benz bestand, fortsetzte. Meine Motorhaube zeigte eine deutliche Tendenz, ihr künftiges Dasein als Formvorlage eines Satteldaches bestreiten zu wollen, und in meinen ansonsten recht großen Kofferraum würde ich auf absehbare Zeit noch nicht mal mehr einen Wasserkasten stellen können.

Das Hutzelmännchen wies als einzige Idee in dieser Situation auf, daß man sich ja mal gegenseitig die Papiere zeigen könne, währen mein Vordermann von einer Hysterie in die nächste verfiel. Das Hutzelmännchen indes wusste noch nicht mal zu sagen, welches Kennzeichen der von ihm gefahrene Wagen hatte, was den Hysteriker wieder auf Hochtouren brachte. Der Reihenerste fuhr einen dicken Geländewagen, dessen Stoßstange den Aufprall klaglos weggesteckt hatte. Er zeigte kein weiteres Interesse an dem Geschehen und fuhr weiter. Da niemand sonst sinnvolles Handeln an den Tag legte und mir die Sache mit dem Hutzelmännchen und dem Hysteriker viel zu riskant wurde, meldete ich mich für einige Minuten aus dem Geschehen ab, um ein in der Nähe befindliches Wohnhaus aufzusuchen und dessen Bewohner zu bitten, die Polizei zu rufen. Mit den Mobiltelefonen war es damals ja noch nicht so weit, daß jedes kindergartentaugliche Kind über ein solches Gerät verfügte.

(wird fortgesetzt)



Freitag, 20. Dezember 2013

Voller Tank und alter Uhu (1)

Es war an mir, Balduin betanken zu müssen. Das mache ich nur noch selten, weil ich mich ja zumeist von meinem Fahrer in dem großen und deutlich stärker motorisierten Wagen durch die Gegend fahren lasse, während sich das kleine Familienauto in der Obhut und Pflege meiner Angetrauten befindet.

Ich füllte den Tank, begab mich zur Kasse und bezahlte, was man von mir verlangte. Mein Lächeln war nur gespielt, denn irgendwie hatte ich das Gefühl, gerade Teilnehmer an einem neuen Benzinpreisrekordversuch der Ölmafia zu sein. Heilige Scheiße, das darf man gar nicht in richtiges Geld umrechnen. Ich kann mich noch an den Aufstand erinnern, als der Benzinpreis die Grenze von 1,00 DM überschritten hatte.

Gut, es ist müßig, sich darüber aufzuregen. Sowohl über die Sache mit dem echten Geld als auch die mit dem Benzin bzw. mit dessen Erwerb verbundenen immensen Kosten. Öl ist angeblich knapp und rechtfertigt alleine aus diesem Grund schon den hohen Preis - sagt man. Ich habe in der Schule noch gelernt, daß die weltweiten Ölreserven innerhalb von weniger als dreißig  Jahren vollständig aufgezehrt sein würden. Mittlerweile sind weitaus mehr als dreißig Jahre vergangen, der weltweite Ölbedarf ist weiter gestiegen und nach meinem Informationsstand wird Benzin immer noch weitestgehend aus Erdöl hergestellt…

So, genug der Muße des sinnfreien Aufregens, kommen wir zum eigentlichen Thema.

Immer wenn ich getankt habe, denke ich an einen von Balduins Vorgängern. Da sich die zweitbeste Ehefrau von allen seinerzeit noch nicht näher mit meinen engeren und weiteren Lebensumständen befasste, hatte der Wagen auch keinen Namen. Er war der Wagen und damit fertig. Und er war das erste und wohl auch letzte Auto, das ich als Neuwagen gekauft hatte. Nix mit Jahreswagen, Tageszulassung,  Vorführwagen oder ähnlichen kreativen Lösungen der Autohändler zur Preisminderung. Es war die wilde Zeit, kurz nach dem Mauerfall, als ein ganzes Volk süchtig nach neuen Autos war und die ehemaligen Qualitätsprodukte aus dem Hause Sachsenring loszuwerden gedachte. Die Zeit war günstig, auch für ältere Gebrauchtwagen gut zahlende Käufer zu finden. Mein bis dahin gefahrenes Prachtstück hatte ein Problem, welches ein baldiges Abstoßen durchaus ratsam erscheinen ließ. Aber davon erzähle ich ein anderes Mal.

Jedenfalls erwies sich vor allem der kurzfristige Neuerwerb eines Personenkraftwagens zu dieser Zeit als durchaus problematisch, aber einem rührigen Autohändler vor Ort gelang es, einen Wagen, welcher so ziemlich meinen Vorstellungen entsprach, bei einem Kollegen im weiteren Umland aufzutreiben und dafür Sorge zu tragen, daß ich eben dieses Automobil hier bei ihm höchstselbst gegen die Überlassung einer gewissen Menge Bargeld erstehen könne.

Wir machen einen kleinen Sprung und befinden uns etwa 136.000 km auf dem Tacho später am Tag vor Heilig Abend. Der Wagen war also gerade zu meiner vollsten Zufriedenheit quasi eingefahren. Ich befand mich auf dem Rückweg von einem Besuch bei meinen Eltern, tankte bei der Gelegenheit nochmal voll bis zum Anschlag und fuhr meiner Wege in Richtung Heimatbasis.

(wird fortgesetzt)



Donnerstag, 19. Dezember 2013

Wunder geschehen

Nadja und Rebecca verbrachten ihre Pause im Büro. Natürlich gab es wieder nur ein wesentliches Thema – Rebeccas in einigen Monaten anstehende Hochzeit. Aktuell stellte sich die Frage nach dem passenden Veranstaltungsorteiner coolen Location für das Event.

„Ich habe schon zehn Locations rausgesucht. Henning meinte, daß wir ja die ersten drei davon wegen freier Termine anmailen können. Der Idiot. Natürlich habe ich ihm erklärt, daß wir das bei allen klären müssen.“

„Und?“

„Er hat gefragt, ob das jetzt an jedem Wochenende so weitergeht oder ob noch Zeit für was anderes bleibe. Er habe nämlich keine große Lust, sich nur noch um den ganzen Kram zu kümmern. Aber ich konnte ihn beruhigen, das mache ich alleine.“

Männer! Alle gleich.“

„Ja, echt schlimm. Er hat auch dumm geguckt, als die ersten drei Antworten reinkamen, von denen direkt zwei Absagen waren.“

Ich mischte mich ein. Vorsorglich aber nur rein gedanklich. Und ich rechnete nach. Henning wollte drei Anfragen rausschicken. Drei Antworten sind gekommen, davon zwei Absagen, macht also eine Zusage. Passt doch. Mehr benötigt man nicht.

„Ja, aber das reicht noch nicht, da gibt es bestimmt noch tollere Locations.“

„Ja, ganz bestimmt. Ich suche auch noch weiter. Wie gut, daß wir nicht so groß feiern.“

Ja, mit nur 88 eingeladenen Gästen. Ich kenne noch nicht mal so viele Personen, die ich zu irgendetwas einladen würde. Aber wie mir bereits erklärt wurde, sollten sogar ehemalige Schulkameraden kommen, zu denen Henning noch Kontakt hatte. Für meine Begriff ist das ja der Teil an Personen, die ich auf den Polterabend abschieben würde, aber bitte. Jeder nach seiner Faҫon.

„Das habe ich heute Morgen auch schon alles Paterfelis erzählt. Er hat sich richtig gefreut, daß wir schon eine Zusage haben.“

„Echt, hat er? Glaube ich jetzt nicht.“

Halloooo? Ich sitze neben euch und höre zu. Also keine üble Nachrede, wenn ich bitten darf.

„Hat er auch nicht.“

Stimmt.

„Da hätte ich mich auch sehr gewundert.

Ich mich übrigens auch.



Mittwoch, 18. Dezember 2013

Nicht mit mir

Sehr geehrte Leserinnen, sehr geehrte Leser,

es ist an der Zeit, meiner Empörung über ein schier unglaubliches Ereignis Ausdruck zu verleihen.

Wie hier im Blog mittlerweile zur Genüge erläutert wurde, führen meine Kollegin Mandy und ich einen einsamen, heroischen Kampf gegen die unbotmäßige Verwendung eines bestimmten, absolut geschmacklosen und verwerflichen Wortes in unserem Büro.

Sitte, Anstand und Moral müssen endlich wieder Einzug halten in unseren vier Wänden und unserem Alltag. Denkt denn niemand an die Kinder? Und was kann ich denn dafür, daß ich von den drastischen Strafmaßnahmen befreit bin? Selbstverständlich nichts. Rein gar nichts.

Auf nur noch peinlich zu nennende Art und Weise versuchen die ertappten Sünder immer und immer wieder, sich aus ihrer Verfehlung durch Verwendung höchst schwacher Argumente rauszureden. Mandy und ich lassen dies natürlich nicht zu, soviel ist ja wohl mal klar.

Doch nun hat die kollegiale Mistbande einen neuen Weg gefunden, uns auszutricksen.

Unter Aufbietung all meiner Hinterlist ist es mir gelungen, ein Indiz über die bodenlose Heimtücke der so genannten Kollegen aus dem Büro zu schaffen, damit ich es der hoffentlich gleich mir empörten Öffentlichkeit präsentieren kann.

Ich bitte das nachfolgende Bild genauestens zu betrachten und sich hinterher die Augen zu waschen. Es ist mir ausgesprochen unangenehm, meine Leser hier direkt und ungeschönt mit den schmutzigen Tatsachen zu konfrontieren, doch muß es sein.




Auf dem Bild findet sich ein Abdruck. Ein Stempelabdruck. Von einem Stempel, den man jüngst unserem Sven hat zukommen lassen. Da kann man mal sehen, mit welchem Schmutz ich mich nahezu jeden Tag auseinanderzusetzen habe.

Ich bin aufgrund dieser Dreistigkeit in meinen Grundfesten erschüttert.

Mandy und ich werden uns Gegenmaßnahmen überlegen.

So freundlich es geht

Paterfelis



Dienstag, 17. Dezember 2013

Irrungen und Wirrungen

Es war noch stockfinstere Nacht, als ich nach einstündigem Fristen meines Daseins als Lillys wärmespendende Matratze begann, mich im Bett zu recken und zu strecken. Das Radio dudelte auch schon einige Zeit vor sich hin. Ich hatte aber keine Lust mehr, länger liegen zu bleiben. Da Lilly nicht unbedingt aus Dummsdorf kommt, wusste sie, daß die herrlich gemütliche Schlafeinlage auf des Papas Brustkorb nun ihr Ende finden würde, was sie postwendend dazu veranlasste, freiwillig das Feld zu räumen.

Ich robbte an den Radiowecker heran und versuchte, ohne die Brille aufzusetzen eine Uhrzeit abzulesen. Die wird vor 5 Uhr morgens nämlich noch nicht so schön regelmäßig von der Radiotante angesagt. Im mörderischen Abstand von bestimmt 20 Zentimetern konnte ich das Zahlenwerk erkennen. 4.38 Uhr, eine gute Zeit zum Aufstehen. Es war Montag und ich hatte frei. Der letzte freie Tag meines Urlaubs. Meinen einwöchigen Resturlaub mit den nicht genommenen Tagen aus dem letzten Jahr sowie einiger freier Tage zum Überstundenabbau hatte ich um einen weiteren Tag verlängern müssen, denn sonst hätte ich es nicht geschafft, die Keine-Minute-länger-sonst-gibt-es-Ärger-Grenze einzuhalten.

Zum Jahresende hin ist aufgrund verschiedener Terminarbeiten, insbesondere im Zusammenhang mit unseren Abgabenzahlern, in meinem Fachbereich die Hölle los. Dummerweise ist die Grenze, bis zu der wir im Rahmen der gleitenden Arbeitszeit Plusstunden aufbauen dürfen, just zum Jahresende auf die Hälfte reduziert. Was also bedeutet, ein alljährlich regelmäßiges wieder auftretendes Mehr an Arbeit bei gleichzeitigem Abbau von Überstunden erledigen zu müssen. Unmöglich, aber nicht zu ändern. Also lassen wir ein paar Sachen vor die Wand fahren, bevor es Ärger mit der Personalabteilung gibt, und wenden im nächsten Jahr ein noch Mehr an Arbeit auf, um die Dinge wieder nachträglich zu bereinigen, die aus Zeitgründen nicht mehr gerettet werden konnten. Alle Jahre wieder…

Zu Hause wollte ich noch einige Dinge erledigten. Da ich ja ein netter Ehemann bin, hatte ich für mich geplant, hier noch herumstehenden Sperrmüll sowie einige größere Kartons voller Papier- und Elektroschrott ohne Anforderung eines Arbeitseinsatzes meiner Angetrauten der Müllverwertung zuzuführen. Und all das, bevor die zweitbeste Ehefrau von allen ihrerseits das Bett verlässt und mir Balduin, das Familienauto, wieder wegnimmt um  ihr Tagewerk zu beginnen. Also schleppte ich das Zeug schon mal auf unsere Terrasse. Von der Außenseite aus würde ich später den Wagen beladen. Aber noch war es für diese Arbeit zu früh. Ich wollte schließlich nicht Frau Kleinhüppgenreuthers dringend benötigten Schönheitsschlaf durch Ladegeräusche vorzeitig abbrechen lassen. Also wieder reingehen, Sally versorgen, eine gemütliche Runde durch Klein-Bloggersdorf drehen, die Sporttasche packen und dann erst mal den Sporttempel aufsuchen.

Um 8.20 Uhr war ich wieder vor Ort, parkte den Wagen unzulässig nahe an der Einmündung unseres Eckgrundstücks und belud die Nutzfläche des armen Balduin mit unserem alten Wohnzimmertisch, zwei Teppichen, Papier- und Elektromüll sowie jeder Menge Altglas und einer Tüte mit Plastikmüll, die ich gedachte dem Sperrmüll unterzujubeln. Lediglich einen alten Schreibtischstuhl habe ich nicht mehr mitnehmen können.

Auf der Deponie Entsorgungsanlage verlief alles wie geplant. Laut Kalendereintrag hatte meine Angetraute um 10.30 Uhr einen Termin. Es müsste an sich reichen, um 10.00 Uhr wieder vor Ort zu sein. Ich betrat gegen kurz nach neun Uhr die Wohnung. Früh genug. Meine Angetraute stand zu meiner Überraschung auch schon im Badezimmer und war dabei, sich zurecht zu machen.

Eine ihrer ersten an mich gerichteten Worte lauteten in etwa „Du, ich habe den Ökoklaus verwirrt.“

„Ähm, wie, was, wo, warum, wieso und vor allen Dingen und gegen wen?“

„Ich habe dich im Büro angerufen. Der Ökoklaus hat das Gespräch abgenommen.“

„Was wolltest du denn?“

„Ich dachte, du seist arbeiten und hättest Balduin mitgenommen. Da wollte ich dich lang machen, weil ich den doch gleich brauche. Aber der Ökoklaus stammelte etwas von wegen, daß du heute noch Urlaub hast.“

„Stimmt ja auch, hatte ich dir doch gesagt.“

„Steht aber nicht im Kalender.“

Das war zweifellos richtig. Der geneigte Leser muß wissen, daß etwas, was nicht in unserem Kalender steht, auch nicht stattfindet. Das ist in etwas vergleichbar mit denen Dingen, die nicht in der Wikipedia stehen – es gibt sie einfach nicht. Ich neige dazu es zu vergessen, meine Termine in unseren Kalender einzutragen. In Konsequenz müsste mein Urlaub also nicht stattgefund… ach ne, darüber mache ich mir keine Gedanken.

Jedenfalls wollte meine Angetraute zu ihrem Termin ungewohnt früh aufbrechen. Auch im Neustädter Ländchen gibt es so etwas wie einen Weihnachtsmarkt. Was gleichbedeutend ist mit der Verabschiedung von dem Gedanken, einen freien Parkplatz zu bekommen. Selbst, wenn dieser für Patienten, Gäste, Mitglieder etc. reserviert ist.

Gut, daß ich auf der Entsorgungsanlage so zügig durchgekommen bin.




Montag, 16. Dezember 2013

Gruß aus der Küche - Pikante Asiasuppe

Mit diesem Eintrag schließe ich nahtlos an das schreckliche Geschehen und die abgrundtiefe Verletzung an, welche ich mir im Rahmen einer vollkommen selbstlosen und dazu noch unbezahlten Arbeit zugezogen hatte. Ich bedanke mich für die mir zugedachte Anteilnahme, alles ist gut überstanden.

Nachdem ich mich trotz allem Ungemach daran beteiligt hatte, den Kursraum wieder aufzuräumen und auch die von nun an zu mir in Todfeindschaft stehenden Steps wieder von mir in ihre Ausgansposition zurückgebastelt wurden, dieses Mal ohne weitere bleibenden Schäden an meiner selbst zu hinterlassen, fuhren die zweitbeste Ehefrau und ich wieder nach Hause.

Da ich an Rajivs Vortrag ungeplant teilgenommen hatte, war natürlich nichts für die Suppe vorbereitet, so daß alles nun etwas zügiger vonstatten zu gehen hatte.




Man nehme:

500 g Schweinefilet (ich beließ es aus Kostengründen bei Geschnetzeltem)
15 EL Sojasauce
6 Möhren
2 Paprikaschoten
2 Stangen Lauch
2 kleine Dosen Bambussprossen
1 Glas Sojabohnenkeime
3 Liter Gemüsebrühe
1 TL Sambal Olek
Salz und Pfeffer


Das Fleisch einen Tag vorher in mundgerechte Stücke schneiden und mit 6 EL Sojasauce marinieren. Es gibt eine breite Auswahl an Sojasaucen, von denen die meisten die Eigenschaft haben, eher salzig zu sein. Zumindest was den hier empfindlicheren Geschmack der zweitbesten Ehefrau von allen angeht. Also griff ich sicherheitshalber zur japanischen Sojasauce, die ein süßeres Aroma hat und ein Versalzen nahezu ausschließt.

Am nächsten Tag das Fleisch kräftig anbraten, salzen und pfeffern. Nun das Fleisch aus dem Topf nehmen und die zurecht geschnippelten Möhren, Paprikaschoten und den Lauch in diesem Topf kurz bei reduzierter Hitze andünsten. Mit der Gemüsebrühe ablöschen.

Das Fleisch und die Reste der Marinade hinzugeben und zehn Minuten köcheln lassen. Da ich Geschnetzeltes verwendete und kein Filet, hätte sich die Kochzeit gerne verlängern dürfen. Da meine Angetraute und ich jedoch noch kraftvoll zubeißen können, hat es auch so funktioniert.

Einige Minuten vor dem Servieren noch das chinesische Gemüse hinzufügen. Das Rezept sah die bereits angeführten Sojabohnenkeime und Bambussprossen vor. Da ich jedoch die Vorräte aus dem Keller plündern wollte, wurden es bei uns Mungokeimlinge und Bambusstreifen. Ich erwog kurze Zeit, auch noch Glasnudeln in die Suppe zu geben, aber aufgrund der doch erstaunlichen Masse fester Bestandteile entschied ich mich dagegen.

Nun noch mit Sambal Olek und der restlichen Sojasauce würzen und abschmecken. Fertig.



Sonntag, 15. Dezember 2013

Gruß aus der Küche - Gebackener Feta mit Tomatensauce

Mitunter kommt es vor, daß missliche Umstände meinen sehr sorgfältig ausgearbeiteten Speiseplan durcheinanderwirbeln. Dies sind im Normalfall spontane Termine der zweitbestehen Ehefrau von allen, die es unmöglich machen, für sie ein Abendessen vorzubereiten oder etwas zwingend knoblauchhaltiges auf den Tisch zu stellen. Oder es fehlt an der Zeit, die aufändigere Variante des Abendessens herzustellen.

Es war wieder einmal so ein Tag, welcher meine Planung vereitelte. Den Grund habe ich zwischenzeitlich verdrängt, aber ich musste etwas Essbares aus zufällig vorhandenen Dingen zaubern. Praktischerweise hatte ich noch Reste von einem anderen Tag, an dem mir mein wunderbarer und sehr sorgfältig ausgearbeiteter Speiseplan… ihr wisst schon.

Ich wurde ein paar Mal die Treppe zum ehemaligen Metzelsaal rauf und runtergejagt, denn unten waren wir damit zugange, die gesammelten Nähartikel der zweitbesten Ehefrau von allen zu sammeln, zu sichten, umzupacken und zu katalogisieren. Die Zubereitung des Essens hingegen bedurfte einiger zeitlich getrennter Schritte und Überwachungen mit Zwischenpausen, welche ich nicht in der Küche zu verbringen gedachte. Unten gab es ja immer was zu tun. Selbst wenn ich mit einer Taschenlampe bewaffnet auf dem Boden herumzurobben hatte, um dort verloren gegangene bunte Perlen zu suchen, die farblich natürlich Ton in Ton mit unserem Teppich harmonierten...

Die Masse an hier im Haus vorhandenem Nähkram darf nicht unterschätzt werden. Da sich meine Angetraute dem Orientalischen Tanz verschrieben hat und nur das wenigste an Kostümen gekauft ist – so ein Kleid kostet wegen der unendlich vielen Handarbeit für den Glitzerkram, trotz Made in Egypt, ein Schweinegeld (ups, darf man das im Zusammenhang mit einer moslemisch geprägten Region so sagen?) - wird eben viel selbst geschneidert und verziert. Also kamen neben den ganzen gesammelten Stoffen und deren Resten auch tonnenweise Glitzerdinger und handwerkliche Hilfsmittel hinzu, welche es ebenfalls zu archivieren galt.

Wenden wir uns dem Rezept zu.

Im Kühlschrank fanden sich zwei Blöcke Feta. Sehr praktisch. In den Kellervorräten hatte ich auch noch einige Dosen gestückelter Tomaten entdeckt. Ja, passt. Dazu einige Gewürze und Zwiebeln. Das eingefrorene Ciabatta sollte auch seine Verwendung finden können.




Die Feta-Blöcke legte ich in zwei kleine Auflaufformen. Mit etwas Öl, Majoran, Thymian, Cayennepfeffer und weißem Pfeffer rührte ich eine Marinade an, die ich von allen Seiten (Unterseite nicht vergessen) auf den Feta pinselte. Danach ließ ich alles eine Stunde lang abgedeckt stehen.

Nach Ablauf der Stunde hob ich den Feta hoch und füllte in jede der Auflaufformen den Inhalt jeweils einer Dose der gestückelten Tomaten. Nun die Fetablöcke vorsichtig wieder aufsetzen, damit sie nicht zerbrechen.

Zwei Zwiebeln waren schnell in Ringe geschnitten und wurden auf Feta und Sauce verteilt. Alles bei 190 Grad für eine 20 bis 30 Minuten Stunde in den Ofen geben und heiß mit dem Ciabatta servieren.

Meine Angetraute hat die Tomatensauce noch mit Chiliflocken nachgewürzt, ich hingegen fand die ungewürzte Sauce in Kombination mit dem Feta angenehm kontrastreich.




Samstag, 14. Dezember 2013

Die Mauer darf nicht weg

Ich habe ja bereits berichtet daß Sally dazu neigt, von ihrem Lieblings-Liegeplatz, dem Rückenpolster unseres Monsters, abzustürzen. Nach wie vor weigert sie sich, das extra für sie angeschaffte Katzennest zu benutzen. Ließ sie es anfänglich zu, daß wir sie hineinlegen, blieb sie später überhaupt nicht mehr darin liegen, sondern wanderte sofort wieder zurück auf ihren aktuellen Stammplatz.

Nun haben wir eine dünne Holzwand zwischen Rückenkissen und Rückenlehne des Monsters hineingeschoben, damit Sally wenigstens nicht mehr in Richtung des harten Bodens abstürzen kann, sondern nur noch auf die Vorderseite des Monsters in Richtung Sitzfläche. Davon macht sie allerdings auch regen Gebrauch, denn sie lehnt sich nicht etwa an die Holzwand, sondern bevorzugt es, ihren Liegeplatz nunmehr an der Vorderkante des Rückenkissens einzunehmen. Jegliche von uns vorgenommene Korrekturen ihrer Liegeposition werden durch sie innerhalb weniger Minuten hartnäckig wieder ausgeglichen.


Hier ist der Überhang noch eher harmlos.

Die Auswirkungen waren vorhersehbar. Sally fühlte sich wie Newtons Apfel und folgte regelmäßig den Gesetzen der Schwerkraft. Scheiß Newton.

Also hat die zweitbeste Ehefrau von allen ein zufällig noch herumliegendes Rundholz unter die auf dem Rückenkissen liegende Decke geschoben, um so auch zur Vorderseite hin eine kleine Abgrenzung zu bilden. Doch dieses Rundholz hat die Katze nicht im Mindesten beeindruckt. Sie lag genau wie zuvor - und plumpste weiterhin Richtung Sitzfläche.

Nun denn, es gibt härtere Geschütze. Das Rundholz wurde gegen ein größeres Vierkantholz ausgetauscht. Geschafft! Denn dieses war endlich unbequem genug für unsere Sally, die sich nun brav zwischen die beiden Begrenzungen legt.

Von plumpsenden Katzen habe ich jetzt erst mal genug gesehen.



Freitag, 13. Dezember 2013

Vollidiot

Wie behämmert können Menschen sein? Nein, sagt es nicht, ich weiß es. Ich habe täglich mit ihren Auswüchsen zu tun. Wie kann man sich davor schützen? Gibt es einen Beruf, in dem ich nicht mit Menschen zu tun bekomme? Irgendeinen?

So rein privat könnte ich mir alles, was ich brauche, online bestellen und die Sachen vom Paketboten vor die Tür stellen lassen. Ich hätte zumindest die Chance, den meisten Idioten zu entkommen. Wäre eine Idee wert.

Da fahre ich mit unserem Balduin friedlich durch die Gegend, denke an nichts Böses – nicht, daß ich jemals an etwas Böses denken würde*)- als ich von irgendwo den Klang eines Folgetonhorns vernahm. Mit einem Blick in den Spiegel war schon das Flackern einer Rundumkennleuchte zu erkennen. Ich befand mich zusammen mit mehreren anderen Fahrzeugen als Teilnehmer am bundesdeutschen Personenkraftverkehrs auf einer zweispurigen Straße. Zügig wurde allgemein die linke Spur geräumt, als das blau-silberne Einsatzfahrzeugauch schon vorbeirauschte.

Wenige hundert Meter weiter befand sich eine Kreuzung. Die Ampel leuchtete ihr warmes Rot in unsere Richtung. Die Straße erweiterte sich an der Kreuzung auf drei Spuren. Die mittlere und die rechte Spur waren von mehreren Fahrzeugen belegt, während sich auf der linken nur ein einzelner Personenkraftwagen der Marke Audi aufhielt. Der Polizeiwagen näherte sich dem Fahrzeug, doch es war zu eng auf der Straße, um zwischen ihm und den auf der mittleren Spur stehenden Wagen durchzufahren.

Und was unternahm der Audi-Fahrer, um dem Polizeiwagen Platz zu schaffen?

Nichts

Der an sich immer noch grün habende Querverkehr hatte auch schon längst angehalten, aber das Polizeifahrzeug kam nicht weiter.

Ich konnte den Audi-Fahrer gestikulieren sehen; er deutete auf die für ihn immer noch rot leuchtende Ampel. Meine Güte, es wäre doch kein Problem für ihn, in die jetzt schon sichere Kreuzung einzufahren. Und nein, er würde für diesen Rotlichtverstoß mit Sicherheit keine Anzeige bekommen. Davon können wir doch mal ausgehen.

Unglaublich.

Schließlich begannen die Fahrzeuge auf der mittleren Spur damit, die Straße zu räumen, so daß der Polizeiwagen hier passieren und dann links abbiegen konnte.

Was mich wieder zu meiner Eingangsfrage führt: Wie behämmert können Menschen sein? Ist ein wenig Mitdenken denn so schwierig?

Ach, ich würde es lieber nicht wissen wollen, wenn ich es nicht schon längst wüsste…



*) Außer natürlich in den wirren Tagträumen von benzinbetriebenen Kettensägen und Eishockeymasken. Aber meine Angetraute sagt, ich darf keine haben. Zumindest keine Kettensäge. Die Maske schon, aber die alleine nützt mir nichts. Und der Ökoklaus rückt auch nicht seine gut schwingbare und weitreichende Heidesense raus – wegen Eigenbedarf. Aber das hatte ich wohl schon mal erwähnt.



Donnerstag, 12. Dezember 2013

Weihnachten im Landesamt

Wenn halb Klein-Bloggersdorf von betrieblichen Weihnachtsfeiern berichtet, dann kann ich mich einfach nicht zurückhalten.

In unserer Außenstelle hat es diese Tradition der Weihnachtsfeier seit Eröffnung des Hauses gegeben. Mein persönliches Interesse an einer Teilnahme ist, wie nicht anders zu vermuten sein dürfte, gedämpft. In den ersten Jahren habe ich mich kurz blicken lassen, in späteren Zeiten konnte ich dankend darauf verzichten. Warum soll ich mich da herumquälen?

Alle Jahre wieder wurde ein Termin von der Außenstellenleitung festgelegt. Meistens lag dieser an einem Mittwoch, Beginn der Feier war nachmittags nach Ende der Öffnungszeiten für Besucher. Die Feiern fanden im Regelfall in einem unserer großen Säle statt, welche ausreichenden Platz bieten. Hin und wieder mussten aber auch der Besprechungsraum und die Flure auf unserer Etage herhalten, was sich für diejenigen, die arbeiten wollten, als durchaus störend erwies.

Die Führungskräfte des Hauses zeigten sich als Sponsoren der Veranstaltung, es gab Glühwein und Erfrischungsgetränke, auch Bier, etwas zu essen und der Jahreszeit entsprechende Knabberartikel. Man baute einige Stehtische auf, an denen sich die Feierwütigen versammeln konnten und ließ der Dinge nach der Eröffnungsrede Dr. Strebsingers in Form eines Jahresrückblicks freien Lauf.

Ein Unterhaltungsprogramm wurde nicht geboten, obwohl ich alljährlich unseren neuen Mitarbeitern erkläre, daß es stets die Dienstjüngsten sind, welche auf der Weihnachtsfeier ein Gedicht in angemessener Länge aufzusagen haben. Anwesende Auszubildende wurden von mir regelmäßig darauf vorbereitet, als Jesuskind in unserem hauseigenen Krippenspiel, welches immer sehr stimmungsvoll sei, teilnehmen zu müssen. Sollten mehrere Auszubildende greifbar sein, stünden auch noch die Rollen des Esels und einiger Schafe zur Verfügung, da es hier keine festgelegte Obergrenze gäbe. Doch aus nicht nachvollziehbaren Gründen wurden meine Anregungen nie aufgegriffen. Immerhin plätscherte aus in einer Ecke angebrachten Lautsprechern Musik vor sich hin. Gegen 18 Uhr endete die Veranstaltung, da man noch zumindest im Ansatz etwas aufräumen wollte. Die Dienststelle musste zwingend um 19 Uhr verlassen sein.

In diesem Jahr hörten wir zunächst nichts über eine geplante Weihnachtsfeier. Bis schließlich Mitte November eine E-Mail von Dr. Strebsinger gesendet wurde, in welcher er seine Verwunderung darüber zum Ausdruck brachte, daß noch niemand von uns gefragt habe, ob wir in diesem Jahr eine Weihnachtsfeier veranstalten dürften. Es sei doch langsam an der Zeit, einen Termin festzulegen. Angeboten wurden zwei Termine an Freitagen. Jeder sollte sich bis Ende des Monats in eine Liste eintragen, in der er bekunden könne, ob und wann er gedenke, an der Feier teilzunehmen. Auch organisatorische Dinge wurden abgefragt, so zum Beispiel, ob man für die Feier zusammenlegen solle oder ob jeder selbst etwas mitbringen möchte. Er selbst sei bereit, sich an der Feier finanziell zu beteiligen. Es wurde dringlich gebeten, den vorgegebenen Meldeschluss einzuhalten, damit wir, die Belegschaft, noch Zeit genug hätten, die Feier zu organisieren.

In meinem Verständnis ist eine solche Weihnachtsfeier immer ein Dank der Geschäftsführung, hilfsweise der Außenstellenleitung, für die im Jahr geleistete Arbeit. So scheint das neuerdings nicht mehr verstanden zu werden. Kein Wunder, daß die Kollegen sich eher empörten. Zum Ende des Meldeschlusses hatten immerhin 18 % der Kollegen ihren Wunsch kundgetan, an dieser Feier teilnehmen zu wollen. Alle anderen hatten abgelehnt oder sich gar nicht erst geäußert. Ich finde es irritierend, daß doch noch so viele Interessenten zusammengekommen sind. Kann man für ein paar Getränke wirklich seine Selbstachtung über Bord werfen? Scheinbar schon. Die Erkenntnis ist nicht neu.

Und Dr. Strebsinger wundert sich…




Mittwoch, 11. Dezember 2013

Reisenachlese

Im Vorfeld ihrer Reise ins ferne Duisburg hatte die zweitbeste Ehefrau von allen einen extra flauschigen wohlwärmenden  Spezialbademantel erworben, welchen sie vor Ort unbedingt benötigen würde. Verschiedenen im Vorfeld eingeholter Erfahrungswerte anderer Gäste des auserwählten Hotels entsprechend schienen die Heizungen des Hauses wohl nicht – nennen wir es mal so – ausreichend sachgerecht ihrer Funktion nachzugehen.

Nachstehend die Kurzfassung eines Auszuges aus unserem Austausch zu ihren Erlebnissen vor Ort.

„Na, wie waren denn die Heizungen im Hotel?“

„Sie waren da…“

„…doch sie hingen nur an der Wand.“

„Ja, das auch.“

„Aber sie funktionierten nicht.“

„Na ja, kann man so nicht sagen. Es gab zwei Einstellungen. Die eine sorgte dafür, daß man einen Hitzschlag bekam, wenn man das Zimmer betrat.“

„Also ging es dir so, wie es mir üblicherweise geht, wenn du schon lange vor mir im Wohnzimmer warst.“

„Fast. Und die zweite Einstellung war so, daß man frieren musste."

„Das entspricht also der Situation, in der du dich befindest, wenn ich schon lange vor dir im Wohnzimmer war.“

Na, da konnte man sich doch wenigstens fast wie zu Hause fühlen.



Dienstag, 10. Dezember 2013

Namensfragen

Schon in früheren Blogeinträgen habe ich von meiner Theorie berichtet, nach der so manche Frage besser nicht gestellt werden sollte. Die Antwort könnte durchaus bleibende Verwirrung hervorrufen.

Andererseits bedarf das Stillen des männlichen Wissensdurstes nun doch, daß hin und wieder eben doch eine Frage zu stellen ist. Solange hiermit ein echter Informationsbedarf befriedigt wird, hat dies auch eine Berechtigung, welche ich keinesfalls in Zweifel zu stellen gedenke.

In einem Akt puren Leichtsinns und eher aus Höflichkeit denn aus echtem Interesse habe ich Rebecca eine Frage gestellt. Nämlich die, wie sie und Henning nach der anstehenden Vermählung denn heißen werden.

Ich sehe das eher leidenschaftslos. Die zweitbeste Ehefrau von allen hat zwar bei unserer Hochzeit meinen Familiennamen angenommen, ich hätte aber auch keine Probleme mit anderen Variationen gehabt. Nur meinen Familiennamen hätte ich nicht aufgegeben, das aber aus eher pragmatischen Gründen. Ich wollte mir keine komplett neue Unterschrift angewöhnen müssen.

Ja, das ist sicherlich für viele kein ernsthafter Grund, aber es lag wirklich nur daran. Ich habe täglich viel zu viele Unterschriftenzu leisten und lege Wert auf eine Wiedererkennbarkeit der Unterschrift. Dafür aber weniger auf Lesbarkeit, ich gebe es ja zu. Hätte ich in jüngeren Jahren geheiratet, bevor sich der Schwung der Unterschrift derart massiv einschleifen konnte, wäre es durchaus möglich gewesen,  daß ich heute anders heiße. Auch ein klangvollerer Name oder Doppelname hätte schon seinen Reiz haben können, aber aus jeglicher Kombination der Familiennamen meiner Angetrauten und mir ließ sich nichts klangvolles rausholen.

Trotz all der vielen Dinge, welche im Hinblick auf Rebeccas Hochzeit noch ungeklärt zu sein scheinen, erklärte mir sie freudestrahlend, daß die Namensfrage zwischen ihr und Henning schon vor fünf Jahren geklärt wurde.

Sie hatte seinerzeit vorgeschlagen, daß ihr Henning den Namen ihrer Familie annehmen könne. In der Familie gäbe es zwar reichlich namenstragenden Nachwuchs, aber da dieser durchweg weiblich sei und alle diese Namensträgerinnen dank eigener Eheschließung den Namen wechselten, wurde sie nun zur letzten Hoffnung, den Namen in die nächste Generation zu tragen.

Doch Henning hatte da eine andere Auffassung. Für ihn kam nur in Frage, seinen Namen zu behalten.

Daß jeder der beiden seinen Namen weiter trägt, stand für Rebecca nicht zur Debatte, und auch ein Doppelname erwies sich nicht als Option.

„Und dann standen wir vor fünf Jahren auf einem Weihnachtsmarkt und haben uns einen Glühwein nach dem anderen reingezogen. Mit richtiger Schlagseite haben wir das ausdiskutiert und zum Schluss Schnick-Schnack-Schnuck gespielt. Der Sieger durfte bestimmen. Und ich habe verloren. Doofer Stein.

Wir hätten doch best of three machen sollen, so habe ich im ersten Durchgang verloren und das war es dann.“

„Rebecca?“

„Ja, Paterfelis.“

„Erinnere mich daran, daß ich dir keine Fragen mehr stelle.“




Montag, 9. Dezember 2013

Sandmänner

Lady Crooks äußerte kürzlich ihr Bedauern über das Verschwinden des West-Sandmännchens, welches dem Ost-Sandmännchen weichen musste.

Das brachte in mir wieder die Erinnerungen an das einzig wahre Sandmännchen hoch, nämlich das aus meinerKindheit. Natürlich kenne ich das allgemein geläufige West-Sandmännchenauch noch von früher. Die beiden Sandmännchen, also mein Sandmännchen und das West-Sandmännchen, standen schon damals in Konkurrenz. Und im direktenVergleich mit dem Ost-Sandmännchen ziehe ich auch das West-Sandmännchen vor.

Aber was ist denn nun meinSandmännchen? Das kennt heute kaum noch jemand. Zumindest wenn ich davon erzähle, ernte ich nur verständnislose Blicke. So auch bei der zweitbesten Ehefrau von allen. Kein Wunder, denn sie ist einige Jahre jünger als ich und kann ihn nicht mehr kennen.

So habe ich mich, angeregt von Lady Crooks Beitrag, auf die Suche nach dem einzig wahren Sandmännchen, dem Sandmännchen der Sandmännchen begeben. Und das ist dieser hier:


Die Sendung an sich dauerte länger; nach einem dieser Hüpfer wurden auch Filme eingespielt.

Nachdem ich fündig geworden bin, habe ich meiner Angetrauten diesen Link hier gezeigt:


Sie meinte, daß das doch wohl eher um Samson handeln würde.


Nun ja, eine gewisse, weit entfernte Ähnlichkeit lässt sich nicht verleugnen.

Erinnert sich hier denn noch jemand an mein Sandmännchen? 



Sonntag, 8. Dezember 2013

Wahre Leidensfähigkeit

Entgegen dessen, was der Titel dieses Eintrages dem unbedarften Leser suggerieren mag, geht es dieses Mal nicht um Weihnachten oder ähnliche gesellschaftlich aus dem Ruder gelaufene Veranstaltungen. Ebenfalls geht es nicht um die pikante Asiasuppe, welche an diesem Abend auf dem Speiseplan stehen sollte. Aber der Reihe nach.

Samstag war die zweitbeste Ehefrau von allen wieder aushäusig. Wie üblich, forderte die Trainerschule ihre Zeit, am späten Nachmittag würde sie sich noch einen Vortrag von Rajiv anhören. Ich verbrachte den Tag damit, etwas im Haushalt zu werkeln, die im Laufe der Woche liegengebliebene Wäsche wieder einem nutzbaren Zustand zuzuführen und ähnliche Dinge zu tun, welche zweifellos ein steter Quell der Freude sind.

Nachmittags wollte ich gerade beginnen, die ersten Vorbereitungen für das Abendessen auf den Weg zu bringen, als das Telefon klingelte. Meine Angetraute wünschte mich zu sprechen, also ließ ich das Herstellen der Verbindung per Tastendruck zu.

„Haaaallo, wenn ich gleich ankomme, dann gib mir bitte die Kabeltrommel raus. Und wenn du mit zum Vortrag kommen willst, wäre jetzt die Gelegenheit.“

Die Sache mit der Kabeltrommel war nicht so ungewöhnlich. Rajiv ist, wie er selber immer wieder einräumt und weswegen meine Angetraute für ihn auch zahlreiche Assistenzarbeiten erledigt, etwas verpeilt. Zu seinem Vortrag musste er sicherlich wieder seinen Beamer aufbauen und hat dabei vollkommen die Tatsache ignoriert, daß das Ding Strom benötigt. Wir haben ihm nicht zum ersten Mal dahingehend ausgeholfen und kurzfristig eine Kabeltrommel aus unserem Fundus besorgt.

Aber sollte ich nochmal zum Vortrag? Einerseits waren meine sämtlichen Hosen noch nass vom Waschen. Andererseits hatte Rajiv eben diesen Vortrag seinerseits in der örtlichen katholischen Jugendbücherei gehalten. Damals ärgerte ich mich über verschiedene religiöse Bezüge, welche ich von ihm so nicht erwartet habe. Mich würde schon interessieren, ob er diese nun auch wieder bringen würde oder ob dies damals der gastgebenden Institution geschuldet war. Und da der Vortrag im Sporttempel stattfinden würde, sollte es auch nicht unangenehm auffallen, wenn ich in entsprechend angepasster Kleidung vor Ort wäre. Also begleitete ich meine Angetraute.

Da wir nicht gänzlich unerwartet zu früh vor Ort waren, begannen wir schon mal, den Raum vorzubereiten. In so einem Kursraum finden sich tendentiell wenig Stühle, so daß wir auf die überall herumstehenden Steps zurückgriffen. Für alle Sportmuffel da draußen: Ein Step ist so etwas Ähnliches wie eine breitere Fußbank. Folge dem Link und finde die schwarz-graue Variante. Diese wird auch im Sporttempel genutzt. Man kann die Höhe mittels der unten befindlichen hellgrauen Teile ändern, indem diese herausgezogen und auf andere Weise wieder eingebaut werden. Zwei oder drei gestapelte Steps geben eine für begrenzte Zeit ausreichend bequeme Sitzfläche ab.

Dabei geschah es: Ich versuchte, einen der hellgrauen Einsätze zu lösen, als dieser sich sehr entgegenkommend zeigte, meine Brille knapp verfehlte und mich oberhalb der rechten Augenbraue erwischte. Wie der erfahrene Leser dieses Blogs bereits in Erfahrung bringen konnte, bin ich durchaus in der Lage, aus jedem erdenklichen Gegenstand eine todbringende Waffe zu machen und mich an ihr zu verletzen. Unbeabsichtigte Selbsttötung nicht ausgeschlossen. Deswegen darf ich mir ja auch keine benzinbetriebene Kettensäge kaufen. Oder die Heidesense vom Ökoklaus benutzen.

Das Blut floss jedenfalls in Strömen, doch ich war mannhaft genug, jegliche in Erwägung zu ziehenden Angebote, mich mindestens per Notarzt - wenn nicht sogar unter Einsatz eines Hubschraubers - auf die Intensivstation des örtlichen Krankenhauses zu bringen, rundweg abzulehnen. Etwas saugfähiges Papier, welches sich überall im Sporttempel in ausreichender Menge findet, würde seinen Dienst tun. Die Kopfschmerzen sollten nach einiger Zeit von alleine verschwinden können.

Ja, liebe Leser und insbesondere Leserinnen, das ist wahres Heldentum. Wir Männer sind nicht so verweichlicht, wie die Frauen dieser Welt es immer wieder behaupten. Trotz einer in höchstem Maße schmerzenden Verletzung, verbunden mit dem immensen Blutverlust, hielt ich mich aufrecht und hörte mir den Vortrag an.

Nachdem alles vorbei war, hatten Rajiv und ich beim Aufräumen die Gelegenheit, ein paar Worte zu wechseln. Da er mich zuletzt vor einigen Monaten gesehen hatte, als ich etwas durch den Wind war, meinte er, daß ich jetzt doch besser aussehen würde als seinerzeit. Klar, es gibt ja auch zwei gute Gründe dafür.

Einerseits war ich jetzt seit fast einem halben Jahr nicht mehr beim Friseur, was mir endlich wieder eine angemessene Haarlänge und damit einhergehend eine gewisse optische Wildheit verleiht. Und dieser Eindruck wird andererseits durch die jetzt gut sichtbare, dramatische Verletzung unterstützt. Anders kann ich mir das nicht erklären.

Doch seht selbst.

Gezeichnet vom Leben fürs Leben



Samstag, 7. Dezember 2013

Alle Jahre wieder

Die (Vor-)Weihnachtszeit birgt neben der vermeintlichen Besinnung bei Glühwein und Keksen auch Gefahren. Schreckliche Gefahren. Damit meine ich nicht das Risiko, im Gedränge der Einkaufspassagen oder der überwiegend einheitlichen Weihnachtsmärkte, über deren einstige Alternativen ich mich hier schon mal ausgelassen habe, zerquetscht zu werden. Und auch nicht die unerquickliche Möglichkeit, schon im Vorfeld des Hauptereignisses aller durch die Medien suggerierter heiler Welt so überdrüssig geworden zu sein, daß die Weihnachtsopfer sich nur noch wünschen, es möge endlich vorbei sein, damit man als guter Konsument seine erhaltenen, mit Liebe und unendlicher Fantasie ausgesuchten Geschenkgutscheine im nachweihnachtlichen Gedränge unter dem erneuten Risiko des Zerquetschtwerdens in der Großstadt endlich einzulösen vermöge. Die Gutscheine halten ja bekanntlich nicht bis zum nächsten Jahr und müssen noch vor Silvester umgesetzt werden.

Nein, hier geht es um wirkliche Gefahren. Oder besser gesagt: um die eine wirkliche Gefahr. Die ultimative Gefahr, welche am 15. Dezember im Jahre 1984 auf die Menschheit losgelassen wurde. Niemandem ist es bis heute gelungen, diese Gefahr in den Griff zu bekommen. Jahr für Jahr fällt sie erneut über uns her.

Da ich zwar zuweilen ein wirklich bösartiger Mensch bin, meinen hochgeschätzten Lesern aber nichts Entsprechendes antun möchte, verlinke ich zum besseren Verständnis der Sache auf den zugehörigen Wikipedia-Eintrag. Der Link kann also gefahrlos angeklickt werden:


Für die waghalsigeren unter meinen Lesern empfiehlt sich dann eher der nachstehende Link. Doch hier zitiere ich Judge Dredd mit den Worten, die er regelmäßig von sich gibt, bevor er eine Orgie von Blut und Gewalt über seine Mitmenschen loslässt: Sie wurden gewarnt!


Nachdem hier nun hoffentlich jeder im Bilde ist, wenden wir uns zunächst einer meinen Lesern wohlbekannten idyllischen Szene zu, die ich zwar etwas fantasielos aber dennoch nicht mehr mit anderen Worten beschreiben kann. Wir saßen in unserem Büro im LASA und arbeiteten vor uns hin. Es herrschte allgemeine Ruhe und Vollbeschäftigung, so wie die Kanzlerin es sich nur wünschen kann.  Wünschen darf sie, denn wir haben ja bald Weihnachten. Sven hatte gerade was in unserem Raum zu erledigen, als Mandy einen spitzen Schrei von sich gab. Da hörten wir es alle. Das Unaussprechliche tönte aus den Lautsprechern des Radios. Vereinzelte Anzeichen von Übelkeit kamen hoch, latente Aggressionen suchten sich ihren Weg und konnten nur mühsam zurückgedrängt werden.

Als lebensältester der Anwesenden versuchte ich, mit ausgeklügelten Methoden aus dem Standardwerk Psychologie für Anfänger, meiner natürlichen Autorität und einer volltönenden Stimme der nun drohenden Eskalation der Lage Herr zu werden.

„Leute, beruhigt euch, so kann das nicht weitergehen.“

Ich kam mir vor wie einer der in zahlreichen Büchern und Filmen immer wieder dargestellte Anführer eines Heeres, der mehr oder weniger einsam vor hunderten seiner Krieger steht und seine motivierende Rede hält. Und der dies mit so gewaltiger Stimme zu tun vermag, daß auch der letzte Kämpfer in der hinteren Reihe rechts außen noch von den Worten erfasst wird, während er sich gelangweilt mit dem kleinen Finger der linken Hand im Ohr puhlt.

„Wir müssen diesem alljährlichen Elend ein Ende setzen. Hört mir zu, denn ich habe einen Plan.“

Ich warf meinen Blick in die Runde. Gut, die Masse Mensch aus den Filmen, die sich von dem Heerführer zuquatschen lassen muß, sieht beeindruckender aus, aber Mandy, Rebecca, Karla und Sven sollten mir genügen. Gequälte Ohren Augen schauten mich an. Mir schien, als ob trotz aller Zweifel ein Funken Hoffnung in ihnen zu erahnen war.

„Wir können es nicht ignorieren. Es kommt immer wieder. Immer und immer wieder. Und auch, wenn ich bekanntlich meinen lange geplanten, spontanen Amoklauf mit benzinbetriebener Kettensäge und extra langem Blatt bevorzugen würde, so wird auch dieses nicht unsere Lösung sein.“

Ja, ich hatte ihre Aufmerksamkeit. Gebannt hingen sie an meinen Lippen, während im Hintergrund von allen unbeachtet weiterhin das Unaussprechliche zu vernehmen war.

„Unser Ziel wird eine subtile Lösung sein, die einem intelligenten Menschen würdig ist. Wir müssen all das Negative, welches der Klang des Unaussprechlichen in uns auslöst, dauerhaft überdecken und positive Assoziationen damit verbinden.“

Rebecca hatte eine Idee. „Klasse Idee. Wir könnten jedesmal, wenn wir das Unaussprechliche hören, einen Schnaps trinken.“

Mandy meldete sich zu Wort. „Nein, das ist doof. Wenn ich immer einen Schnaps trinke, sobald ich das Unaussprechliche höre, bin ich ja schon am späten Vormittag hackevoll.“

Oh, meine Schäfchen, da mußte ich eingreifen.

„Rebecca, das funktioniert nicht. Mandys Einwand ist berechtigt. Außerdem trinke ich keinen Schnaps. Zudem sind wir doch etwas schöngeistiger orientiert, nicht wahr?! Habt ihr keine anderen Ideen?“

Es ist immer gut, die Mitarbeiter in so etwas mit einzubeziehen. Das verstärkt die Identifizierung mit dem Plan und macht dessen Ausführung sicherer. Wieder war es Rebecca, welche eine Lösung hatte.

„Dann muß halt Sven was für uns machen. Er ist schließlich unser Schuldbeauftragter. Wir könnten ihn in ein rosa Tutu stecken und ihn immer für uns tanzen lassen, sobald das Unaussprechliche gespielt wird.“

Na also, ich wusste doch, daß sie mich verstehen würden.

"Sven? Sven, komm sofort wieder her! SVEN!"



Freitag, 6. Dezember 2013

Nur mal eben

Frl. Hasenclever ist eine meiner Akten in die Hände gefallen, welche an sich innerhalb von Minuten erledigt sein könnte, aufgrund unserer ewig miserablen Personalsituation in Kombination mit objektiv mangelnder Dringlichkeit aber seit Wochen oder Monaten nicht den Weg durch meine Hände gefunden hat. Nun ist es so, daß Frl. Hasenclever eine Führungskraft ist. Ein weiblicher Häuptling. Die früher in einem anderen Fachbereich tätig war als unserem. Und als solche hat sie von dem, was wir als dem Fußvolk angehörigen Indianer so tagein tagaus zu bewerkstelligen haben, tatsächlich nicht den Hauch einer Vorstellung. Es handelt sich um eine Massenverwaltung, mit deren Umgang sie objektiv keinerlei Erfahrung hat. Im LASA gilt die Devise, daß eine Führungskraft führen können muß. Sachverstand in Bezug auf die Tiefen und Untiefen des täglichen Geschäfts des Fachbereichs, den man führen soll, ist hingegen nicht in besonders ausgeprägtem Umfang erforderlich.

„Herr Paterfelis, das ist doch eine Sache, die ganz schnell geht. Wenn Sie solche Sachen mal eben nebenbei erledigen, wären die auch schnell weg und wir hätten mehr Erledigungen in der Statistik.“

„Natürlich, Frl. Hasenclever, es stellt sich nur ein Problem.“

„Und welches?“

„Wenn ich die täglich hier auflaufenden Unmengen an Nurmalebens nur mal eben vorziehen würde, käme ich nicht dazu, die ganzen Eilts, Eiltsehrs und Schonzuspäts eilends zu erledigen. Würde ich hingegen nur noch Eilts, Eiltsehrs und Schonzuspäts eiligst vorziehen und mich nicht wenigstens um einen Teil der Nurmalebens mal eben nebenbei kümmern, wären wir hier mit noch mehr Akten zugepflastert. Die Mischung macht es eben. Und die wechselnden Dringlichkeiten, in meinem Schrank Platz zu schaffen. Da passt nämlich nix mehr rein. So etwas ist Präzisionsarbeit der anderen Art. Das erfordert Opfer. Ist halt so. Haben Sie noch Fragen?“

„Ähm, ich glaube nicht.“

War doch gar nicht so schwierig, oder?!



Donnerstag, 5. Dezember 2013

Des einen Leid...

Seniorkatze Sally ist bekanntlich nicht mehr die Geschickteste oder die Reaktionsschnellste. Den Kratzbaum nutzt sie zwischenzeitlich überhaupt nicht mehr. Ihre Lieblingsplätze beschränken sich auf mein Bett, bevorzugt wenn ich auch darinnen liege, meinen Bauch, sofern ich auf dem Monster liege, oder das Rückenkissen des Monsters in allen anderen mich betreffende Situationen.

Letzteres wird zum Problem, denn aufgrund ihrer zunehmenden körperlichen Ungeschicklichkeit neigt Sally dazu, durchaus auch mal im Liegen das Gleichgewicht zu verlieren und abzurutschen. Sie ist nicht mehr schnell genug, um dies rechtzeitig zu bemerken und zu verhindern. Bislang ist ihr dabei außer einem großen Schrecken nichts widerfahren. So manches Mal konnten meine Angetraute oder ich sie vor dem drohenden Absturz bewahren, indem wir sie während des Dösens wieder in eine stabile Lage schieben. Was sie mitunter noch nicht mal bemerkt, weil sie einfach weiterschläft. Oder wir retteten sie vor dem Absturz, wenn wir rechtzeitig vor Ort waren, um die nur noch an ihren Vorderpfoten irgendwo hängende Katze unter dem Hintern zu packen und wieder nach oben zu schieben. Diese Einsätze quittiert Sally dann mit einem verärgerten Maunzen. Ja, wir haben dich auch lieb.

Dennoch konnte es so nicht weitergehen. Sollte Sally sich bei einem solchen Absturz verletzen, wird es in ihrem Alter schwierig. Also hat die zweitbeste Ehefrau von allen wieder gebastelt. Kurzerhand wurde eine Art Rahmen mit Plattform konstruiert, welcher über die hölzerne Rückenlehne des Monsters geschoben werden kann. Auf der Plattform wurde ein Katzennest derart befestigt, daß es auch bei noch so wilden Bewegungen eventueller Nutzer dort stabil liegen bleibt.

Das Problem: Freiwillig geht Sally nicht da rein. Wir legen sie zwar immer wieder in dieses Nest, aber in schönster Regelmäßigkeit verlässt sie es wieder, um sich daneben hinzulegen. Es sei denn, sie ist gerade zu faul oder zu müde, um sich noch zu bewegen.

Damit ist ihr unser Problem nicht gelöst. Wir arbeiten daran. Man könnte ja die Rückenlehne des Monsters komplett mit Dingen belegen, damit Sally keinen anderen Platz mehr findet. Oder eine Art Begrenzung zwischen Rückenkissen und Rückwand einschieben, damit sie zumindest nicht hinter das Monster auf den Boden plumpsen kann. Mal sehen.

Aber zumindest freut sich jemand anderes über die bisherige Mobiliarerweiterung.



Dies war der Plan.

 
Und das ist die Ausführung.


Hier sehen wir die Nachtschicht.