Samstag, 16. November 2013

Verbrauchsmaterialien

Eines Morgens konnte ich von meinem Schreibtisch aus beobachten, wie Frl. Hasenclever als erste unserer Kolleginnen an diesem Tag die Tür zur Damentoilette öffnete. Sie stockte kurz und „Oh, Scheiße…“.

Natürlich beauftragte ich Mandy sofort, auf ihrer Stichliste einen schönen, fetten Strich für das Aussprechen des verbotenen Wortes anzubringen. Erfahrene Leser dieses Blogs kennen das Spiel ja nun zu Genüge: Wer das Sch-Wort von sich gibt, so daß wir es in unserem Zimmer hören können, wird mit einem Strich bestraft. Bei zehn Strichen ist die Ablieferung eines möglichst selbst gebackenen Kuchens fällig. Des so genannten Fluchkuchens. Unser Zimmer, unsere Regeln. Da sind wir knallhart.

Doch wie kam es zu Frl. Hasenclevers Ausbruch? War ihre Äußerung etwa aufgrund eines nicht autorisierten Vorfalls von Vandalismus wörtlich zu nehmen? Ich habe ja schon häufiger gehört, daß die Damentoiletten des Hauses insgesamt und zum allgemeinem Erstaunen regelmäßig weniger sauber sind als die Herrentoiletten. Und zwar deutlich. Bis an die Grenze des Ekelhaften. Zu einer persönlichen Inaugenscheinnahme habe ich mich bislang aus wohl nachvollziehbaren Gründen nicht hinreißen lassen, aber die von verschiedenen Kolleginnen erstellten Beschreibungen des sich darbietenden Grauens verstärkten in mir die Überzeugung, daß wir Männer tatsächlich wohl doch nicht diese Schweine sind, als die wir immer wieder tituliert werden. Zumindest nicht aus toilettentechnischer Sicht.

Im LASA haben wir eine gewisse Fluktuation in Bezug auf unsere Putzfrauen. In der guten alten Zeit hat das LASA noch eigene Putzfrauen beschäftigt, aber da der Staat ja sparen muß, wurden diese Arbeiten auch ausgesourced, wie man auf neudeutsch so schön sagt. Seit dem beauftragen wir private Unternehmen mit der Durchführung dieser Tätigkeiten. Es ist mir zwar nicht so ganz schlüssig, wie ein Unternehmen, welches ja aufgrund verständlicher gewinnwirtschaftlicher Orientierung auch noch eine Verdienstspanne kalkulieren muß, billiger sein kann als eine selbst beschäftigte Putzfrau, aber lassen wir das mal. Zum Politisieren habe ich gerade keine Lust, und die Antwort kennen wir ohnehin alle. Insofern ist meine vorherige Äußerung pure Rhetorik.

Jedenfalls ist es erforderlich, daß nach Ablauf des Vertrages mit einem solchen Unternehmen eine neue, europaweite Ausschreibung erfolgt, was bei uns bislang immer dazu geführt hat, daß anschließend ein neues Unternehmen und damit auch neues Personal zum Zug kommt.

Die Putzfrauen haben auf unserer Etage nach meinem Verständnis nicht so übertrieben viel zu tun. Einmal pro Woche muß Staub gesaugt werden, darüber hinaus nur nach Bedarf. Der natürlich nie besteht. Die Toiletten sind zu reinigen, der Boden sollte in undefinierten Abständen gewischt und entsprechende Verbrauchsgüter aufgefüllt werden. Die Mülleimer sind immerhin täglich zu leeren, was keineswegs regelmäßig so umgesetzt wird, und die Türen dürfen hin und wieder mal Bekanntschaft mit einem feuchten Lappen machen. Unsere Schreibtische müssten der Theorie nach auch abgewischt werden, dies aber nur, wenn sie vollständig abgeräumt sind. Macht kein Mensch. Dafür besteht die strenge Anweisung, Schmutz zu vermeiden, damit die Putzfrauen nicht so viel Arbeit haben.

Hardware, Telefone und die Teeküche obliegen ohnehin den Reinigungspflichten durch uns selbst. Der Staub auf den Schränken und den Dingen, die sonst noch so einstauben können, wird allenfalls bei bestehendem Durchzug verteilt entfernt umgeschichtet. Ach ja, das Fensterputzen müssen wir dankenswerter Weise nicht übernehmen.

Insbesondere meine Kolleginnen beklagen sich in letzter Zeit regelmäßig, daß auf ihren Toilettenräumen das Toilettenpapier, die Papierhandtücher und der Seifenspender nicht nachgefüllt wurden. Aufgrund des krassen Missverhältnisses zwischen männlichem und weiblichem Personal in unserem Hause besteht auf den Damentoiletten auch ein eklatant höherer Bedarf an solchen Materialien als in den Räumen der Herrentoilette.

Mandy hatte den Papp auf, wie man bei uns so schön sagt, und der jetzigen Putzfrau, die wir zu unseren üblichen Anwesenheitszeiten nie zu sehen bekommen und um deren Beaufsichtigung sich eigentlich unser Hausmeister zu kümmern hat, einen Zettel an eine Wand der Damentoilette gehängt. Auf diesem Zettel wurde mit deutlichen aber nicht unfreundlichen Worten darauf hingewiesen, daß es die Aufgabe der Putzfrau sei, die aufgeführten Verbrauchsartikel nachzufüllen.

An diesem Morgen fand sich schließlich die Antwort unserer Putzfrau. Auf einem großen Zettel hat sie mit rotem Leuchtstift geschrieben:

"Sie sind sehr aufmerksam. Danke!!!!!"

Der übermäßige Gebrauch von Ausrufungszeichen zeugt alleine schon von einer gewissen Dummheit. Das Wort aufmerksamwar fünf Mal unterstrichen, was in etwa der Wirkung des inflationären Gebrauchs des Ausrufungszeichens gleich kam. Auf der Ablage für die Reserverollen Toilettenpapier waren tatsächlich 30 Rollen aufgestapelt. Da fühle ich mich als Mann glatt benachteiligt, denn bei uns finden sich dort höchstens sechs Rollen. Und eine oben auf dem zur Decke hin offenen Türrahmen als persönliche Notfallreserve, denn in den Kabinen gibt es keinen Platz für Ersatzrollen.

Der Handtuchspender war wohl auch gut befüllt und obenauf mit einem Reservepaket belegt.

Doch der Seifenspender war immer noch leer…



Kommentare:

  1. Scheint leicht genervt gewesen zu sein, die gute Putzfee. Ist schon ne Zumutung Toilettenpapier aufzufüllen, das muss man schon verstehen.

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    1. Vor allen Dingen wegen der weiten Wege. Vom Lager bis zu den Räumlichkeiten sind es immerhin - Moment, laß mich nicht lügen - also ich schätze mal - ja, das werden schon zehn Meter sein.

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