Donnerstag, 14. November 2013

Perspektiven (3)

Daß verschiedene unserer Kollegen mit dem Internet nicht so übertrieben viel anfangen konnten und es selbst für dienstliche Zwecke kaum bis gar nicht nutzen, war Herrn van Instincfeld schon klar. Aber Herr Schwitalla war jünger und kam ihm an sich aufgeschlossener vor. Und der Begriff Blog gehört doch heutzutage schon zu den Dingen, die einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht haben sollten.

„Ein Blog ist eine Art Online-Tagebuch. Die werden mit den unterschiedlichsten Inhalten gefüllt. Es gibt die Blogs von Leuten, die sich furchtbar wichtig nehmen und jeden Tag ihre aktuellen politischen oder gesellschaftlichen Erkenntnisse in die Welt hinauspusten müssen, und es gibt Blogs von Menschen, die einfach nur zur Unterhaltung aus ihrem Alltag schreiben. Und ihr Essen fotografieren. Diese Blogs nennt man dann etwas abfällig Katzenblogs.“

„Aha, Essen fotografieren. Sehr witzig. Und so etwas machen Sie?“

„Ja, ich schreibe ein Katzenblog. Es hat keinen besonderen literarischen oder politischen Wert, aber ich schreibe halt gerne. Und es gibt auch den einen oder anderen Menschen, der das regelmäßig liest. Das lässt sich an maschinellen Auswertungen nachvollziehen. Kann also nicht so schlimm sein.“
„Mooooooment. Sie sagten, das ist so eine Art Tagebuch.“

„Ja.“

„Das würde ja bedeuten, daß Sie auch über die Dinge schreiben, die hier…“

„Ja, mache ich.“

Herrn Schwitalla holte tief Luft. Draußen schrie erneut eine Möwe.

„Jetzt machen Sie sich mal keine Sorgen, Herr Schwitalla. Sie sind bei der Nummer bislang ganz gut weggekommen.“

„Ähm…“

„Ich verändere die Geschichten, setze Vergangenes und Gegenwärtiges zusammen, modernisiere die Hintergründe, stelle andere Zusammenhänge her und verändere auch alle Namen. Natürlich habe ich Sie vor Augen, wenn ich aktuell über etwas schreibe, womit ein Abschnittsleiter zu tun hatte. Auch wenn das zu einer Zeit geschehen ist, als Sie noch zur Schule gingen.“

„Und jeder kann das lesen?“

„Ja, aber nicht jeder kann erkennen, um was es wirklich geht. Wenn jemand mitliest, der hier im Haus arbeitet, dann wird er wohl bei vielen Dingen vermuten können oder sogar wissen, was gemeint ist. Aber bei Außenstehenden dürfte das eher nicht der Fall sein.“

„Was schreiben Sie denn so?“

„Och, also wenn ich mal überlege, gibt mir dieses Gespräch schon wieder genug Erzählstoff.  Aber wie gesagt: keine Panik. Sie sind im Blog eine junge Frau, die sich in ihrer Position noch nicht ganz gefunden hat. Die prickelnde Erotik zwischen ihr und meinem gutaussehenden Alter Ego ist allseits spürbar. Mit Ihnen und Ihren schütteren Haaren sowie der ewig schlechten Laune, die Sie hier anhaltend verbreiten, besteht da wirklich keine Verwechslungsgefahr.“

„HERR VAN INSTINCFELD! RAAAAAUUUUUUS!!!“


(Ende)


Kommentare:

  1. Mein Gustl und Dein Herr van Instincfeld könnten sich ganz gut verstehen, wenn man sie beide in ein Büro packen würde, was meinst Du?

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    1. Das ist nicht auszuschließen. Nicht zuletzt auch wegen des mobilen Smokers.

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  2. Oh, wie ich gerade sehe ist "Dark-Boy" auch bei Dir eingezogen! Das freut Dich sicher?

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    1. Gäbe es da etwas, was ich wissen müsste?

      *verwirrtbin*

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  3. Guck mal auf dein neuestes Blogmitglied!

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  4. Habe ich schon. Und sein Blog habe ich mir auch angesehen.

    Und?

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    1. Kannst Du mir als Neuling hier bitte erklären, wo ich den Blog des Herren finde. Man will ja schließlich wissen, mit wem man es zu tun hat!

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    2. Klicke einfach auf sein Bild in der Follower-Übersicht, dann findest du sein Profil. Und damit auch eine Web-Adresse, hinter der sich sein Blog verbirgt.

      Nicht erschrecken, es läuft gute Musik.

      Vermutlich liest er gar nicht mit, sondern wollte nur auf diesem Weg auf sein Blog aufmerksam machen. Falls ich mich irre, lasse ich mich gerne eines Besseren belehren.

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