Mittwoch, 13. November 2013

Perspektiven (2)

Über Jahre hat es in unserer kleinen Außenstelle eine Art Betriebszeitung gegeben. Sie wurde im PDF-Format von einigen Kollegen erstellt. Zunächst erschien sie monatlich, bis das Interesse an einer Mitarbeit erlahmte und die Zeiträume zwischen den Veröffentlichungen immer größer wurden. Nach einem Wechsel der Dienststellenleitung fehlte auch noch die nötige Unterstützung, so daß die Zeitung nicht mehr erschien.

Herr van Instincfeld bedauerte dies sehr und hatte sich schon so seine Gedanken gemacht, wie man die Sache wiederbeleben könnte.

Er erzählte von seiner Idee, diese Zeitung als Blog wiederzubeleben, hatte jedoch Bedenken, weil der zugriffsberechtigte Personenkreis eingeschränkt werden müsse – und der schreibberechtigte Personenkreis erst recht. Eine Zugriffsberechtigung nur für die Mitarbeiter der Dienststelle wäre schon umsetzbar gewesen, wenn nicht…

„…das Problem bestehen würde, daß viele der Kollegen nicht gerade internetaffin sind. Die kommen ja nicht mal mit ihrem E-Mail-Programm zurande, von Suchmaschinen haben die kaum eine Ahnung und dann sollen die so eine Online-Anmeldung für ein Blog hinbekommen, bei der man sich zuvor auch noch irgendwo registrieren muß? Keine Chance.“

Herr Schwitalla stimmte zu. Er selbst war auch nicht gerade im Internet zu Hause.

„Was macht eigentlich Ihr Buch?“

Herr van Instincfeld stutzte. „Was für ein Buch?“

„Sie hatten mir doch vor Jahren mal erzählt, daß Sie ein Buch schreiben.“

„Nein, habe ich nicht.“

„Doch, über Facebuch. Haben Sie mir jedenfalls gesagt.“

„Ich schreibe kein Buch, sondern blogge. Über Facebook mache ich gar nichts mehr, das habe ich zwischenzeitlich anders organisiert. Ein frei zugängliches Blog.“

„Was ist das denn?“

Ein innerliches Seufzen durchzog Herrn van Instincfeld. Draußen hörte man das Geschrei der Möwen.


(wird fortgesetzt)



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