Dienstag, 5. November 2013

Der Herr Krause aber auch

Es gibt immer wieder geheimnisvolle Speicherungen im MIST. Nichts Dramatisches, aber sie verhindern mitunter die weitere Verarbeitung des Kontos. Keiner unter uns normal Sterblichen aus der Sachbearbeitung hat eine Ahnung, wie diese Speicherungen überhaupt erfolgt sein können. Aber wir wissen, daß die nicht da sein dürfen.

Nun kommen wir zum Problem der Sache: Wir können diese Fehlinformationen mitunter nicht löschen. Denn in den Speicherungen sind schon mal Kennziffern enthalten, die technisch überhaupt nicht dafür vorgesehen sind, sich an diesem Ort zu befinden. Und das wiederum hat zur Folge, daß wir bei unseren jämmerlichen Löschversuchen gnadenlos zum Scheitern verurteilt sind.

Aber wir haben ja unseren Herrn Krause aus der Hauptverwaltung in Bad Husten. Er arbeitet im Fachbereich Interner Service und kann über seine besonderen Berechtigungen alles und jedes aus den Kundenkonten löschen. Man kann ihn anrufen oder auch per E-Mail kontaktieren. Dann dauert es nur Minuten, bis wir wieder ein Problem weniger haben. Nicht immer meldet er sich, wenn es bereinigt wurde. Aber so schnell, wie das immer erledigt ist, würden wir auch nicht zwingend auf die Rückmeldung warten wollen.

Noch nie hat jemand von uns Herrn Krause gesehen. Ich habe mit ihm aber schon des Öfteren am Telefon gesprochen, also scheint er tatsächlichbzu existieren. Seine Stimme ist leise, er spricht zurückhaltend. Alleine daraus macht man sich – typisch menschlich – schon so sein Bild. Ich stelle mir Herrn Krause immer als ältlichen Junggesellen mit dicker Hornbrille vor. Diese Brille hatte er natürlich schon zu Zeiten, bevor derartige Gestelle wieder in Mode kamen. Natürlich trägt er ein weißes Hemd, eine Cordhose, graugrüne Krawatte, wahlweise mit oder ohne Pullunder. Wenn er den Pullunder mal nicht trägt, dann aber wenigstens eine cremefarbene Strickjacke. Und er ist mindestens fünfzig Jahre alt. Das muß jetzt einfach so sein.

Trudi hatte am Reformationstag mal wieder eines unserer beschriebenen Probleme. Flugs sandte sie eine E-Mail in Richtung Bad Husten zu Händen Herrn Krauses. Nach einiger Zeit rief sie das besagte Kundenkonto wieder auf, aber der Fehler war noch enthalten. Eine weitere Stunde verging, ohne daß sich etwas getan hat.

„Du, Paterfelis, heute ist doch auch dieses Österreicher-Fest?!“

„Hä? Ich kenne keine Österreicher-Feste.“

„Na Hallo Wien oder wie das heißt. Hört sich mehr nach einer Fernsehsendung an.“ gluckste Trudi.

„Ach, du meinst Halloween. Das Fest mit den Kürbissen.“ tönte es aus Mandys Richtung.

„Na klar, dieses amerikanisierte, spätkeltische Streckrübenfest, mit dem sie uns jetzt wieder heimsuchen. Samhain heißt das.“ wusste ich klugscheißend einzuwerfen.

„Nö, ich kenne nur den Hein Blöd vom Käpt’n Blaubär. Aber der Krause, der hat bestimmt deswegen frei genommen.“

„Du meinst, der will heute Abend die Sau rauslassen?“ Mandy hatte so ihre Zweifel.

„Ja klar, der feiert bestimmt ganz wild. So mit Bockwurst und Bier.“

„Kennst du den persönlich?“ fragte ich.

„Nö, nur die Stimme vom Telefon. Aber glaub mir, solche Typen haben es faustdick hinter den Ohren. In jedem Arm eine andere Braut, und dann lassen die es krachen.“

Boah, unser Herr Krause aber auch. So ein wilder Hecht im Karpfenteich. Hätte ich ihm ja mal gar nicht zugetraut.



1 Kommentar:

  1. "Hallo Wien"? Das ist ja köstlich - Na dann: "Servus Ostern!" Küß die Hand - Trudi

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