Samstag, 30. November 2013

HerbstgeNüsse

Der Herbst mit seinen Nebeltagen ist ja eigentlich meine Lieblingsjahreszeit, von einem schönen, trockenen Winter mal abgesehen. Und auch das im Herbst anfallende Angebot an Früchten kommt mir geschmacklich sehr entgegen. Wenn nur die Vorarbeit in Form des Einritzens nicht wäre.




Ups, schon alles weg.

Schade. War aber lecker.


Freitag, 29. November 2013

Unruhige Zeiten

Die befürchteten unruhigen Zeitenhaben begonnen. Rebecca kam mit Nadja aus der Mittagspause.

„Du, Paterfelis, ich habe mir einen ganz tollen Terminkalender gekauft.“

Ich bemühte mich, angemessen beeindruckt auszusehen.

„Ja, so einen richtig kitschig bunten Mädchen-Terminkalender.“

Nadja verzog leicht das Gesicht, so daß auch Rebecca es mitbekam.

„Guck nicht so, aus dir machen wir auch noch ein Mädchen.“ strahlte Rebecca sie an.

Nadja würde ich jetzt nicht unbedingt als burschikos bezeichnen, aber sie hatte nicht so einen Bezug zum Chichi- und Nini- und Ninichichi-Gedöns wie andere junge und teilweise auch ältere Frauen.

„Natürlich, so mit rosa Kleidchen. Das könnte ihr ja für die Hochzeit anschaffen.“

 Ich fand meine Idee super.  Rebecca wusste noch eine Verbesserung.

„Pink, Paterfelis, nicht rosa. Pink. Und eine pinke Schleife im Haar.“

Nadja würgte das Thema ab. „Jetzt so du so einen schönen Terminplaner und noch keine Termine, die du da eintragen könntest.“

„Doch. Nächsten Monat ist Hochzeitsmesse. Da gehen wir zwei hin. Und werden viel Spaß dabei haben.“

Ich begann, wieder meinen betont gelangweilten Blick aufzusetzen. Das Thema driftete nun in Regionen ab, die weit weg von mir sind. Und es auch bleiben sollten.

„Ja, Paterfelis, ich weiß, daß dich diese wichtigen Informationen nicht interessieren. Aber da musst du durch, so lange ich hier sitze.“

Unruhige Zeiten. Ich erwähnte es ja bereits.



Donnerstag, 28. November 2013

Wer mit Stöcken um sich wirft...

…muß die Reaktion vertragen können. So auch die Laborfee. Und ihr dürft es mit ausbaden.

Was war geschehen?

In Klein-Bloggersdorf ist es Sitte, von Zeit zu Zeit einen Haufen Fragen zu formulieren und diese zur Beantwortung an andere Blogger weiterzureichen. Man nennt dies „Stöckchen werfen.“ Der oder die Empfänger beantworten (hoffentlich) die Fragen auf ihrem Blog und reichen diese an einen anderen Blogger weiter – oder denken sich neue Fragen aus. Man wirft das Stöckchen eben weiter.

Die Laborfee hat ein solches Stöckchen empfangen, brav beantwortet und nunmehr –etwas neu geschnitzt – weitergegeben. So will ich nun ihre Fragen beantworten.


Frage 1: Hast du schon mal Tofu gegessen? Wenn ja, in welcher Darreichungsform? Und hat er dir geschmeckt?

Ja, der Tofu war als was anderes getarnt beim Discounter zu erwerben. Ich kann mich an Pseudo-Würstchen und ebensolche Frikadellen erinnern. Sensorisch und geschmacklich nicht unbedingt ein Höhepunkt vermuteten meine Angetraute und ich, daß mit Ketchup alles genießbar wird. Denkste. Das Zeug war so glatt, daß der Ketchup noch nicht mal daran gehalten hat. Nö, das war nichts. Allerdings würde ich gerne einen neuen Versuch starten. Es gibt ja so Rezepte für selbst gemachte Tofu-Bolognese oder Tofu-Gyros…



Frage 2: Was darf am Montagmorgen auf gar keinen Fall fehlen?

Die Gewissheit, daß auch dieser Tag an mir vorbeiziehen wird.



Frage 3: Welches war das schönste/beste Kompliment, das du bisher bekommen hast?

Der mir im Büro zuweilen zugesprochene Spitzname „The Brain“. Und die Bemerkung eines Menschen, der mich zum Verrecken nicht ausstehen konnte,  gegenüber seiner damaligen Freundin, daß ich sehr Fürsorglich sei. Das war damals eine Geschichte voller unbegründeter Eifersucht seinerseits und mit Sicherheit nicht im Sinne der Sache positiv gemeint, was mir aber egal ist.



Frage 4: Welche Farbe hat der Raum, in dem du dich gerade befindest? Gibt es dort Wandtattoos oder so etwas?

Wandtattoos gibt es hier nicht. Der Raum ist groß und besteht aus Diele, Wohnzimmer und Esszimmer. Die meisten Wände sind rosa und haben eine breiten violetten Streifen, der zur weißen Decke und zum rosa Wandteil hin mit je einem schmalen weißen Streifen abgegrenzt ist.

Hört sich furchtbar an und meine Angetraute wird mit Sicherheit erklären, daß die Farben ganz anders heißen. Aber schaut euch mal die Bilder im Blog an, da dürfte auch was davon zu sehen sein. Sieht ganz hübsch aus. Nicht so schlimm, wie man meint.

Eine Wand ist übrigens klassisch Fliederfarben. Weißer Flieder…



Frage 5: Hast du deine Fotos auf dem PC gespeichert oder sind sie in einem Album?

Die Bilder der letzten Jahre sind befinden sich auf zwei Laptops und einer mobilen Festplatte, sind also dreifach gesichert. Bittere Erfahrung hat es nötig gemacht, denn alle früheren Papierbilder und Dias wurden mal eingescannt und dann vernichtet. Dummerweise wurde die Festplatte, auf welcher die Scans gespeichert waren, zerstört. Nur wenig konnte gerettet werden.



Frage 6: Welche war deine Lieblingsband, als du jünger warst?

ABBA. Was mich nicht davon abgehalten hat, parallel auch deutlich härtere Sachen zu hören. Ich war und bin dahingehend nur wenig puristisch veranlagt.



Frage 7: Wie schläfst du ein? Läuft der Fernseher,  ein Hörspiel oder brauchst du zum Schlafen absolute Ruhe?

Kein Radio, kein Fernseher, dafür sind immer, auch im tiefsten Winter, Fenster und Rolläden offen sowie ein paar Muschis Katzen im Bett. Mit einem Kater lag ich auch schon in der Koje. Aus dem Wohnzimmer scheint meistens Licht ins Schlafzimmer, was mich aber nicht stört.



Frage 8: Was kochst/backst du am liebsten, um Besuch zu verköstigen?

Besuch? Da muß ich nachdenken, denn ich habe schon seit Jahren keinen Besuch mehr in der heimischen Wohnung empfangen. Aber aus der Erinnerung heraus kann ich sagen, daß es gut vorzubereitende Dinge waren, die man im Ofen erhitzen konnte. Je nach Anlass etwas Edleres oder Einfacheres. Alternativ auch mal ein riesiger Topf mit gut gemachter echter Bolognese.



Frage 9: Gibt es irgendwelchen Nerd-Krempel, dem du nachgehst? Comics, Tabletop-Spiele, Rollenspiele… so etwas?

Zählt wohl nicht als Nerd-Kram, aber bei meinen Eltern warten die Reste einer umfangreichen Modellbahnsammlung. Ja, Spießerkram. Und hier vor Ort  lagern die seit einem Jahr unbenutzten Püppies verschiedener Tabletop-Spiele: Warhammer (Waldelfen, Skaven, Orks und Goblins, Echsenmenschen, Hochelfen), Warhammer 40K (Necrons), Mortheim (zu viele um sie aufzuzählen), Raumflotte Gothic (Chaos, Imperium), Blood Bowl (Skaven, Menschen, Orks), Freebooter’s Fate (Bruderschaft, Piraten), Behind Omaha (Deutsche, Amerikaner), Warmaster (Imperium), Warmaster Napoleonic (Franzosen), Wings of War / Wings of Glory (Achsenmächte und Alliierte), Line of Battle (Franzosen, Spanier), X-Wing (Imperium, Rebellen), Field of Glory (Republikanische Römer) und noch ein paar weitere Regelwerke wie Level 2, Kugelhagel, Gorka Morka, Guided Lands… Es juckt mich ganz furchtbar in den Fingern, die Sammlung zu vergrößern und wieder zu reaktivieren. Beide Sammlungen.



Frage 10: Gibt es eine peinliche Jugendsünde in deinem Leben? Ich will alles wissen!!!

Nur eine? Ja, gibt es. Mindestens. Der Nachsatz ist keine Frage, weswegen ich auch nicht antworten muß.



Nachdem ich nun geantwortet habe, nehme ich das Stöckchen auf und werfe es in die Gegend. Dabei benenne ich keinen bestimmten Empfänger. Außer vielleicht Alex. Oder Frau chat noir. Vielleicht auch Felina, Sturmtänzerin, Nono und all die anderen, die hier lesen und bei denen ich auch immer wieder gerne vorbeischaue. Wer es findet, darf es aufnehmen. Keine falsche Zurückhaltung. Auch hier nicht genannte Nachbarn aus Klein Bloggersdorf. Ich möchte niemanden verprellen, der nicht genannt wurde. Aber hinterher schön ein Neues schnitzen. Versprochen?

Und hier sind meine Fragen:


Frage 1: Wie sieht dein idealer Fernsehabend aus?

Frage 2: Hat dein Auto / Motorrad / Moped / Fahrrad einen Namen? Warum?

Frage 3: James T. Kirk oder doch lieber Cliff A. McLane?

Frage 4: Wie oft hast du den Herrn der Ringe gelesen?

Frage 5: Kennst du das befreiende Gefühl, bei einem Wutausbruch Gegenstände zu zertrümmern?

Frage 6: Kommt die originale und weltbeste Currywurst auch für dich aus dem Ruhrgebiet? Oder glaubst du das Märchen der Berliner, nach dem die Currywurst dort erfunden wurde?

Frage 7: Lieber ein Wiener Schnitzel oder eher ein Schnitzel Wiener Art?

Frage 8: Kein Weihnachtsmarkt ohne...?

Frage 9: Hast du schon mal einen eigenen Blogeintrag bereut?

Frage 10: Kannst du mir eine zehnte Frage vorschlagen? Welche?



Mittwoch, 27. November 2013

Ein Schei$$-Kuchen

Das Telefon klingelt. Mal wieder. Natürlich befinde ich mich im Büro, denn wo sonst würde ich mich über das Geräusch des Telefons sonst noch ärgern?! Außer zu Hause...

Am Klingeln kann ich erkennen, daß es sich um einen internen Anruf handelt. Das hat aber noch nichts zu sagen, denn wenn unsere Telefonzentrale einen Anruf durchstellt, hört sich das auch so an. Ich beschließe den nächsten erforderlichen Schritt zu unternehmen und werfe einen Blick auf das Display. Ein Name wird angezeigt. Heike! Gut, das ist vertretbar, ich gehe ran.

„Du, Paterfelis, wie viele Striche brauche ich noch?“

Ähm, was? Ach so, sie meint die Striche für die Benutzung des bösen Sch-Wortes, durch dessen regelmäßige Verwendung Kriminalhauptkommissar Schimanski eine gewisse Popularität erlangt hat. Ich hielt Rückfrage bei Mandy, welche in der Angelegenheit die Buchführung übernommen hat.

„Zwei.“

„Gilt das auch am Telefon?

„Häh?“

„Mach mal den Lautsprecher an. Fertig? SCHEI$$E – SCHEI$$E!“

„Ja, äh, wirklich sehr schön. Ungemein ausdrucksvoll. Und jetzt?“

„Ich habe Lust zu backen. Jetzt ist das Soll an Strichen erfüllt und ich kann Kuchen mitbringen.“

Tja, so geht es auch, aber wir hätten nicht darauf bestanden, daß der Fluchkuchen erst bei zehn Strichen abgeliefert wird. Mandy und ich sind da sehr tolerant.

Und dann, einige Tage später, brachte Heike uns den Kuchen vorbei. Und was soll ich sagen – es war wirklich ein Schei$$-Kuchen. Aber seht selbst.






Dienstag, 26. November 2013

Grünfutter

„PATERFELIS!“

Was war denn jetzt los? Sonst kommt dieser vorwurfsvoll mahnende Ausruf doch immer am Ende, nachdem ich ein ungemein passendes Bonmot von mir gegeben habe, welches mein Umfeld zumeist – natürlich nur rein subjektiv und von daher vollkommen realitätsfern – als Bösartigkeit empfindet.

Nun aber saß ich friedlich an meinem Schreibtisch, sprach kein Wort und war bis vor wenigen Augenblicken weitgehend in eine Akte versunken. Dabei versuchte ich, ein höchstrichterliches Urteil in eine für meinen Kunden verständliche Sprache zu übersetzen. Es ging um die Nachforderung eines fünfstelligen Betrages; ich musste dem Kunden vermitteln, daß ich die Forderung durchaus nicht als verspäteten Aprilscherz verstanden wissen wollte. Spannende Sache.

„Sven, was willst du?“

„Du hast Grünzeug in der Hand.“

„Ja, eine Nashi.“

„Boah, bitte nicht diese Babysprache.“

„Das ist keine Babysprache. Das Teil heißt so.“

„Nie gehört.“

„Das ist eine Birne. Sieht aus wie ein Apfel. Schmeckt auch wie ein Apfel. Nur mit einem Schuss Birne.“

„Schön. Und dabei ist heute nicht mal Welt-Vegetariertag.“

Es ist ja nicht so, daß ich gar kein Obst essen würde. Es ist meistens nur so unpraktisch. Die natureigene Verpackung lässt in vielen Fällen eine einfache Handhabung nicht zu, austretender Saft beim Abbeißen sorgt für das Erfordernis, nach dem Verzehr duschen zu müssen und die Anwendung als Solches kann einen gewissen Lärmpegel erzeugen. Wenn es allerdings zurechtgeschnitten ist oder natürlicherweise bereits verzehrfertig wie zum Beispiel Weintrauben, dann ist es schon in Ordnung.

„Ja, heute ist kein Vegetariertag. Deswegen esse ich es ja.“

„Mann, du machst Sachen.“

Ja, ich bin schon ein kleiner Rebell.


 

Montag, 25. November 2013

Die Superwärmflasche

Schon häufiger habe ich die Angehörigen unserer Katzenbande als vollbiologische, naturfellbezogene Permanentwärmflaschen bezeichnet. Oder zumindest so ähnlich. Seniorkatze Sally hingegen hat aufgrund ihres Alters und ihrer Konstitution inzwischen eher ein Bedürfnis, Wärme zu erhalten als abzugeben. Obwohl unsere Heizung dem Wetter geschuldet wieder ihren Dienst verrichtet, möchte Sally nicht mehr irgendwo in einem Körbchen oder einfach so auf dem Monster liegen, sondern bedarf einer eigenen Wärmflasche. Die anderen Mitglieder der Katzenbande stehen dafür nicht zur Verfügung, außerdem hat Sally aufgrund ihrer Erfahrung der letzten 16 Jahre erkannt, wer hier im Haushalt die größte Flasche Wärmequelle ist.

Ich.

Wenn die zweitbeste Ehefrau von allen trotz laufender Heizung zur Erlangung ihres persönlichen Wärmebedarfs bereits mehrlagig mit Textilien bekleidet unter einer Wolldecke auf unserem Monster sitzt, pflege ich mich nur aus rein ästhetischen Gründen mit einem T-Shirt bekleidet auf meinen Teil des Monsters niederzulassen und darauf zu hoffen, irgendwann die Fenster zwecks Sauerstoffzufuhr öffnen zu dürfen. Was gleichzeitig eine wohlige Abkühlung mit sich bringt.

So geschieht es nun, daß Sally sich regelmäßig auf meinem Bauch ausbreitet, um die von mir immer noch im Übermaß abgestrahlte Wärme aufzunehmen. Was durchaus mit gewissen Anstrengungen und Einschränkungen meinerseits verbunden ist. Aber Sally ist da sehr rücksichtsvoll. Sie stört es nicht, wenn ich sie mal anders positioniere. Und mitunter schläft sie dabei einfach durch.




Dabei ist es hilfreich, daß ich in grauer Vorzeit gelernt habe, blind Schreibmaschine zu schreiben. Wenn ich am Laptop arbeite, dann habe ich ihn zumeist auf meinem angewinkelten, auf dem Monster abgelegtenstellten rechten Bein ausbalanciert liegen. Machte es sich Sally nun auf meinem Bauch bequem, ist die Tastatur für mich außer Sicht. Nun müssen wir nur noch eine schöne Position finden, in der ich unsere Seniorin nicht so sehr durch meine Handbewegungen störe. Und in der sie nicht auf meine Hände oder die Tastatur abrutscht. Sollte es gar nicht anders klappen, schreibe ich eben einhändig.

Was tut man nicht alles für die Katz‘?



Sonntag, 24. November 2013

Die Verlobung

Meine Tätigkeit als Seniorsachbearbeiter im LASA bringt es mit sich, daß an dem mir gegenüber stehenden Schreibtisch immer wieder andere Kollegen vorübergehend Platz nehmen, um von mir eingearbeitet zu werden. Trudis Zeit war vorbei, sie hatte ihren festen Arbeitsplatz ein paar Zimmer weiter den Gang hinunter eingenommen. Damit bei mir keine Form von Langeweile aufkommt, ließ man es sich nicht nehmen, mir Rebecca zur Seite zu stellen setzen, welche förmlich darauf brannte, von mir in die Geheimnisse der Betreuung unserer der Selbständigkeit nachgehenden Kunden und der damit verbundenen Abgabenerhebung eingewiesen zu werden.

Vor einigen Tagen kam Rebecca zum Dienstbeginn in unser Büro und bat auch Sven, Nadja, Trudi und den Ökoklaus, mal bei uns zu erscheinen. Sie habe uns was mitzuteilen.

„Also, wenn ich in Zukunft noch aufgedrehter bin als sonst, dann könnte es daran liegen, daß Heiner mir am Wochenende einen Heiratsantrag gemacht hat.“

Wir nahmen die Nachricht auf, wie es sich gehörte. Der Ökoklaus und ich mit der gebotenen männlichen Ruhe und Gelassenheit, die anwesenden Damen und Sven mit diesem typischen, trommelfellzerfetzenden Gequieke, welches nur Frauen – und Sven – von sich geben können. Warum müssen Frauen – und Sven – das eigentlich immer machen? Ich finde einfach keine Erklärung.

Natürlich wollte man die ganzen schmutzigen Details in Erfahrung bringen, und ich erkannte sofort, daß dies kein ruhiger Arbeitstag werden würde. Rebecca erzählte die Geschichte, die ich mangels Interesse natürlich sofort wieder verdrängt habe und deswegen auch nicht widergeben kann. Es hatte irgendwas mit einem Foto, einigen Bastelarbeiten und einem Wochenendausflug zu tun.

„Ja, und das Beste war, daß Heiner sich unter Druck gesetzt fühlte. Ich habe ihm aus meinem Amerika-Urlaub ein Bild von Hochzeitsringen geschickt, die ich da bei einem Juwelier gesehen habe und total schön fand. Da meinte er wohl, daß ich jetzt drängen würde. Lustig.“

Ja, ungemein lustig. Der arme Kerl tut mir jetzt schon Leid.

„Dann bin ich jetzt ja eine Verlobte.“

Den Faden musste ich aufgreifen.

„Ja, aber den Dreizehnhundert gibt es nicht mehr. Kein Kranzgeld. Lohnt sich also nicht.“

Karla kam ins Grübeln.

„Welcher Dreizehnhundert? Was ist das?“

„Kind, das war vor deiner Zeit. § 1300 BGB.  Hat eine unbescholtene Verlobte ihrem Verlobten die Beiwohnung gestattet, so kann sie bei Auflösung der Verlobung  durch den Verlobten auch wegen des Schadens, der nicht Vermögensschaden ist, eine billige Entschädigung in Geld verlangen.“

„Verstehe ich nicht. Was ist denn nicht Vermögensschaden?“

„Macht nichts. Das hat was mit Bienen und Blüten zu tun. Dafür bist du noch zu jung. Und unbescholtene Verlobte gibt es heute ja auch kaum noch.“

„Ach Menno, du bist doof.“

„Ja, Kind, ich weiß. Aber wenn ich dir das erkläre, bekommst du rote Ohren. Und ich Ärger mit der Amtsemanze  FrauenbeauftragtenGleichstellungsbeauftragten.“

Rebecca mischte sich wieder ein.

„Unbescholtene Verlobte. Ist ja witzig. Ach, übrigens: Nadja wird meine Trauzeugin. Ich habe sie vor der Kaffeebude gefragt. Henning habe ich auch schon erklärt, daß er mit dem Kauf seines Anzugs warten muß, bis ich das Kleid habe. Das soll ja passen. Und er darf nicht so aussehen wie ein gewöhnlicher Gast.  Und Nadjas Klamotten müssen natürlich auch abgestimmt werden. Weiß jemand, wo man hier stilvoll heiraten kann? Hach, ich bin schon wieder so aufgeregt.“

Oh shit, da stehen mir ja unruhige Zeiten bevor.



Freitag, 22. November 2013

Vertreter

Ich mache ja nicht nur Vertretung im Rahmen der bei uns im LASA üblichen temporären Umverteilung aller anfallenden Arbeiten auf alle Anwesenden, sondern auch für Mandy als unsere StricherinStrichbeauftragte. Ja, ihr wisst schon, es geht wieder einmal um die Strichliste für das böse Sch-Wort.

Normalerweise führt Mandy diese Liste, während ich als Wachhund und Schiedsrichter fungiere. Nun ist es aber nicht einzusehen, daß die Kollegen reihenweise ihre gute Erziehung vergessen und in unserem Büro hemmungslos das Sch-Wort gebrauchen, bloß weil Mandy sich in ihrem wohlverdienten Urlaub befindet oder eine Erkältung auskuriert. Also übernehme ich während ihrer Abwesenheit das Führen der Strichliste. Und dies höchst erfolgreich, denn die Kollegen fühlen sich während Mandys Abwesenheit sicher.

Als ich Sven mal wieder gleich eine ganze Reihe von Strichen verpassen musste, äußerte er quasi entschuldigend, daß die optische Bremse ja nicht da sei. Ich bedachte ihn mit einem tadelnden Blick, bis ihm klar wurde, was er da gesagt hatte. Natürlich meinte er, daß der optische Eindruck Mandys fehlte, welcher ihn zur Zurückhaltung mahnte, aber gesagt war gesagt.

Selbstverständlich informierte ich ihn darüber, daß Mandy von mir über seine Äußerung nach ihrer Rückkehr in Kenntnis gesetzt werden würde.

Direkt an Mandy ersten Arbeitstag rief ich Sven daher zu uns ins Büro und zwang ihn, seine Untat zu gestehen überzeugte ihn, daß es besser für ihn sei, seine unbedachte Wortwahl zu offenbaren.

Ja, bei der Sache, daß es für ihn besser sei, ein Bekenntnis abzulegen, habe ich ihn hemmungslos angelogen. Die Schilderung von Mandys Reaktion und der nun folgenden langen Leidensgeschichte des armen Sven möchte ich dem geneigten Leser ersparen.

Frauen können ja so grausam sein...



Donnerstag, 21. November 2013

Spätschicht

Im LASA haben wir – wie das heute in vielen Büros üblich ist – die leidende gleitende Arbeitszeit. Es gibt die verschiedensten Modelle, wie man so etwas handhaben kann. Grundsätzlich läuft es aber immer darauf hinaus, daß man während der Arbeitstage kommen und gehen kann, wie man will. Wichtig ist, daß innerhalb eines bestimmten Zeitraums die vereinbarten Arbeitsstunden erreicht wird. Je nach Arbeitgeber oder Funktion kann es da noch Einschränkungen geben, so zum Beispiel bestimmte Uhrzeiten, zu denen man auf jeden Fall an seinem Arbeitsplatz zu sein hat.

Unser Sven ist an sich jemand, der regelmäßig mit mir zusammen - bildlich gesprochen - eher die Bürotür auf- als abschließt und dementsprechend auch eher früh nach Hause fährt. Er wohnt ziemlich abseits vom prickelnden Leben der Großstadt von Neustadt, in Zieben, fast schon in der tiefsten Provinz, und braucht seine Zeit, um zu Hause anzukommen.

In letzter Zeit habe ich bemerkt, daß Sven regelmäßig auffallend spät erscheint und auch erst spät wieder nach Hause fährt. Sehr ungewöhnlich. Mein natürlicher Wissensdurst ließ mir wenig Ruhe, und so fragte ich ihn, was es denn damit auf sich habe.

„Ach weißt du, wenn ich nach Feierabend vom Bahnhof aus nach Hause laufe, dann muß ich ja durch unsere kleine Einkaufsstraße.“

Wie? Die haben in Zieben tatsächlich eine Einkaufsstraße? Ich bin minderschwer beeindruckt. Der Fortschritt ist eben doch unaufhaltsam.

„Da gibt es neben Ernas Wurstbude doch das Modehaus Feinstich.“

Und wieder eine Bildungslücke geschlossen.

„Jeden Tag muß ich daran vorbei und gucke mir auf dem Weg das Schaufenster an.“

Oh, sehr modebewusst, unser Sven. Merkt man ihm gar nicht an, wenn er hier jeden Tag in seinen alten T-Shirts und Bermudas auftaucht. Gut, er wechselt auch mal. Im Winter werden aus den Bermudas normal lange Hosen. Und aus dem obligatorischen Käppi wird auch schon mal eine Wollmütze, wegen der schütteren Haare.

„Die haben im Moment zwei Jacken ausgestellt.“

Was ist das denn für ein Schaufenster? Zwei Jacken, sonst nichts?

„Die sind an sich gleich, nur eine ist länger geschnitten und die andere kürzer. Aber beide in meiner Größe.“

*gähn* Hatte ich eigentlich schon das Kettchen mit dem Goldelefanten erwähnt, welche er immer über dem T-Shirt trägt?

„Und die sind runtergesetzt.“

Hatte ich das etwa nicht erzählt? Sven sammelt Elefanten.

„Und ich will die längere von den Jacken haben.“

Natürlich sammelt er keine echten Elefanten. Nur so kleine, total kitschige. Furchtbare Dinger.

„Ich habe aber gerade kein Geld.“

Normalzustand, er arbeitet als mittlerer Angestellter im öffentlichen Dienst. Das ist in etwa so wie die Sache mit dem Gelübde von der ewigen Armut.

„Ja, und deswegen bleibe ich abends länger im Büro. Wenn ich dann Feierabend mache und durch die Einkaufsstraße zurücklaufe, hat der Laden schon zu. Und morgens hat er noch nicht auf. So komme ich nicht in Versuchung, die Jacke doch zu kaufen.“

Aha. Gar nicht mal so dumm.

„Und ich mache das jetzt so lange, bis die Jacke verkauft ist.“

Ich wünsche viel Ausdauer.

„Oder bis sie noch weiter runtergesetzt wurde.“

Mein Held!



Mittwoch, 20. November 2013

Kleine Randbemerkung (10)

Dein Pfad kann so steil sein wie er will,

es wird immer noch etwas geben,

welches dir zusätzliche Steine in den Weg legt.



Dienstag, 19. November 2013

Ein ungebetener Gast

Eine der Türen zum Treppenhaus im LASA öffnete sich mit einer beträchtlichen Geräuschentwicklung. Der Türalarm schallte nervtötend über die Etage. Trudi beugte sich auf ihrem Stuhl nach hinten, um die Ursache in Augenschein zu nehmen.

Ein uns unbekannter Mann hat die an sich der Zutrittssicherung gegen Unbefugte zu unserer Etage dienende Tür mit einer ordentlichen Kraftentwicklung geöffnet, den Flur betreten und sich danach direkt auf die in unmittelbarer Nähe gelegene Herrentoilette verzogen. Trudi behielt die Sache im Auge, denn ungeladene Besucher haben auf unserem Flur nichts zu suchen.

Als der Herr wieder auf dem Flur erschien, ging Trudi auf ihn zu und wechselte ein paar Wort mit ihm. Schließlich verschwand er wieder im Treppenhaus.

„Und? Was wollte er hier?“ erkundigte sich Mandy.

„Der hat gesagt, daß er seine Frau suche, die hier sei, um einen Antrag aufnehmen zu lassen. Ich wies ihn darauf hin, daß er besser im Erdgeschoss suchen solle, bei uns würden keine Anträge aufgenommen werden.“

„Ist schon seltsam, daß jemand auf der Suche nach seiner Frau eine verriegelte Tür öffnet, trotz des lostönenden Alarms ungerührt die Etage betritt und direkt auf dem Herrenklo verschwindet.“

„Boaaah, Mandy, das war ein Kerl. Was hättest du denn gesagt, wenn der auf das Damenklo gegangen wäre. Also echt jetzt.“

„PATERFELIS!“




Montag, 18. November 2013

Gruß aus der Küche - Spätzle-Pilz-Auflauf

Wenn ich etwas nicht leiden kann, dann ist es, unter räumlich beengten Bedingungen zu leben und zu arbeiten. Ich benötige Platz um mich herum. Freiraum. Dies gilt auch für das Kochen. Wir haben nicht die größte Küche; die Schrank- und Regalflächen sind ausgereizt. So kommt es, daß auch die Arbeitsplatte nicht nur Platz für Elektrogeräte opfern muß, sondern auch einige sonstige Gerätschaften und Vorräte dort abgestellt sind. Das macht die zur Verfügung stehende Arbeitsfläche schon ziemlich klein und nimmt mir phasenweise wirklich jede Freude daran, in der Küche zu arbeiten.

Aber da muß man durch.

Die zweitbeste Ehefrau und ich sind uns darin einig, daß wir bei einem unerwarteten Millionengewinn ein Haus um die Küche herum bauen lassen werden. Um eine große Küche. Mit Apothekerschränken. Und einem Ofen in einer vernünftigen Arbeitshöhe. Also Arbeitsplattenhöhe. Die Krönung wird dann der mittig angebrachte, freistehende Herd mit Induktionskochfeld sein. Sechsflammig nach Möglichkeit. Den amerikanischen Kühlschrank mit Eiswürfelbereiter und Saftspender wollen wir auch nicht vergessen.

Doch bis dahin muß es so weitergehen, wie es jetzt ist. Auf jeden Fall ist das Konto zum Empfang der Millionen jederzeit vorbereitet. Nur keine falsche Zurückhaltung.

Mit einem tiefen Seufzen und einem Gefühl, welches wir jetzt mal ganz vorsichtig aufgrund der zur dieser Zeit zugestellten Arbeitsflächen als ungehaltentitulieren wollen, begab ich mich an die Arbeit und bereitete den Auflauf zu.



Man nehme:

1 Paket Spätzle (500 g Rohware)
1kg Pilze
200 g Kochschinken
200 g Speck
2 Gemüsezwiebeln
Salz, Pfeffer, evtl. etwas Zitronensaft
250 ml Fleisch- oder Gemüsebrühe
250 g Edamer, gewürfelt
geriebenen Käse in Menge und Sorte nach Wahl


Die Pilze, ich verwendete eine Waldpilzmischung, welche mal einen etwas kräftigeren Geschmack lieferte als die sonst üblichen Champignons, zusammen mit dem gewürfelten Speck anbraten, bis eventuell austretende Flüssigkeit fast vollständig verdampft ist. Mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft würzen und zur Seite stellen.

Nun die Zwiebeln in Ringe schneiden und ebenfalls anbraten.

Den Edamer und den Kochschinken würfeln und mit den Zwiebeln und der Brühe unter die Pilze rühren.

Die Spätzle nicht zu weich kochen, mit der Pilzmasse vermischen und in eine Auflaufform geben.

Alles mit geriebenen Käse bestreuen und bei 160 Grad für 20 Minuten in den Ofen geben, bis sich eine goldbraune Käsekruste gebildet hat.

Waren Nudeln und Pilzmasse bereits erkaltet, verlängert sich die Backzeit auf 35 bis 40 Minuten. In diesem Fall sollte der geriebene Käse erst mit etwas Verzögerung über den Auflauf gegeben werden.



Sonntag, 17. November 2013

Kugelschreiber

In diesem Haushalt wird geschrieben. Hier wird im Regelfall an einem Tag mehr geschrieben als in vielen anderen Haushalten ohne schulpflichtige Kinder in einer ganzen Woche. Oder noch mehr.  Die Masse wandert ohne Umwege auf die Festplatte, aber nicht wenig wird auf die altbewährte Art mit Kugelschreiber auf Papier gebannt.

Es ist müßig sich darüber auszulassen, daß Kugelschreiber die Tendenz haben, zu verschwinden. Auch wenn nie ein Fremder oder Bekannter in der Zeit zwischen dem letzten Gebrauch dieses Schreibgerätes und der beginnenden Suche nach Selbigem die Wohnung betreten hat. Also kann es nicht geklaut worden sein. Auch nicht von der Katzenbande. Die tut so was nicht.

Nein, ich werde keine neue, mehr oder weniger humorvoll-satirische Abhandlung zu dieser Thematik veröffentlichen, genauso wenig wie ich gedenke, Ähnliches zum ewigen Übel der sockenfressenden Waschmaschine zu versuchen.

Ich will einfach nur wissen, WO DAS VERFLIXTE TEIL JETZT SCHON WIEDER HERUMLIEGT!

Sachdienliche Hinweise bitte an den Verfasser.


Samstag, 16. November 2013

Verbrauchsmaterialien

Eines Morgens konnte ich von meinem Schreibtisch aus beobachten, wie Frl. Hasenclever als erste unserer Kolleginnen an diesem Tag die Tür zur Damentoilette öffnete. Sie stockte kurz und „Oh, Scheiße…“.

Natürlich beauftragte ich Mandy sofort, auf ihrer Stichliste einen schönen, fetten Strich für das Aussprechen des verbotenen Wortes anzubringen. Erfahrene Leser dieses Blogs kennen das Spiel ja nun zu Genüge: Wer das Sch-Wort von sich gibt, so daß wir es in unserem Zimmer hören können, wird mit einem Strich bestraft. Bei zehn Strichen ist die Ablieferung eines möglichst selbst gebackenen Kuchens fällig. Des so genannten Fluchkuchens. Unser Zimmer, unsere Regeln. Da sind wir knallhart.

Doch wie kam es zu Frl. Hasenclevers Ausbruch? War ihre Äußerung etwa aufgrund eines nicht autorisierten Vorfalls von Vandalismus wörtlich zu nehmen? Ich habe ja schon häufiger gehört, daß die Damentoiletten des Hauses insgesamt und zum allgemeinem Erstaunen regelmäßig weniger sauber sind als die Herrentoiletten. Und zwar deutlich. Bis an die Grenze des Ekelhaften. Zu einer persönlichen Inaugenscheinnahme habe ich mich bislang aus wohl nachvollziehbaren Gründen nicht hinreißen lassen, aber die von verschiedenen Kolleginnen erstellten Beschreibungen des sich darbietenden Grauens verstärkten in mir die Überzeugung, daß wir Männer tatsächlich wohl doch nicht diese Schweine sind, als die wir immer wieder tituliert werden. Zumindest nicht aus toilettentechnischer Sicht.

Im LASA haben wir eine gewisse Fluktuation in Bezug auf unsere Putzfrauen. In der guten alten Zeit hat das LASA noch eigene Putzfrauen beschäftigt, aber da der Staat ja sparen muß, wurden diese Arbeiten auch ausgesourced, wie man auf neudeutsch so schön sagt. Seit dem beauftragen wir private Unternehmen mit der Durchführung dieser Tätigkeiten. Es ist mir zwar nicht so ganz schlüssig, wie ein Unternehmen, welches ja aufgrund verständlicher gewinnwirtschaftlicher Orientierung auch noch eine Verdienstspanne kalkulieren muß, billiger sein kann als eine selbst beschäftigte Putzfrau, aber lassen wir das mal. Zum Politisieren habe ich gerade keine Lust, und die Antwort kennen wir ohnehin alle. Insofern ist meine vorherige Äußerung pure Rhetorik.

Jedenfalls ist es erforderlich, daß nach Ablauf des Vertrages mit einem solchen Unternehmen eine neue, europaweite Ausschreibung erfolgt, was bei uns bislang immer dazu geführt hat, daß anschließend ein neues Unternehmen und damit auch neues Personal zum Zug kommt.

Die Putzfrauen haben auf unserer Etage nach meinem Verständnis nicht so übertrieben viel zu tun. Einmal pro Woche muß Staub gesaugt werden, darüber hinaus nur nach Bedarf. Der natürlich nie besteht. Die Toiletten sind zu reinigen, der Boden sollte in undefinierten Abständen gewischt und entsprechende Verbrauchsgüter aufgefüllt werden. Die Mülleimer sind immerhin täglich zu leeren, was keineswegs regelmäßig so umgesetzt wird, und die Türen dürfen hin und wieder mal Bekanntschaft mit einem feuchten Lappen machen. Unsere Schreibtische müssten der Theorie nach auch abgewischt werden, dies aber nur, wenn sie vollständig abgeräumt sind. Macht kein Mensch. Dafür besteht die strenge Anweisung, Schmutz zu vermeiden, damit die Putzfrauen nicht so viel Arbeit haben.

Hardware, Telefone und die Teeküche obliegen ohnehin den Reinigungspflichten durch uns selbst. Der Staub auf den Schränken und den Dingen, die sonst noch so einstauben können, wird allenfalls bei bestehendem Durchzug verteilt entfernt umgeschichtet. Ach ja, das Fensterputzen müssen wir dankenswerter Weise nicht übernehmen.

Insbesondere meine Kolleginnen beklagen sich in letzter Zeit regelmäßig, daß auf ihren Toilettenräumen das Toilettenpapier, die Papierhandtücher und der Seifenspender nicht nachgefüllt wurden. Aufgrund des krassen Missverhältnisses zwischen männlichem und weiblichem Personal in unserem Hause besteht auf den Damentoiletten auch ein eklatant höherer Bedarf an solchen Materialien als in den Räumen der Herrentoilette.

Mandy hatte den Papp auf, wie man bei uns so schön sagt, und der jetzigen Putzfrau, die wir zu unseren üblichen Anwesenheitszeiten nie zu sehen bekommen und um deren Beaufsichtigung sich eigentlich unser Hausmeister zu kümmern hat, einen Zettel an eine Wand der Damentoilette gehängt. Auf diesem Zettel wurde mit deutlichen aber nicht unfreundlichen Worten darauf hingewiesen, daß es die Aufgabe der Putzfrau sei, die aufgeführten Verbrauchsartikel nachzufüllen.

An diesem Morgen fand sich schließlich die Antwort unserer Putzfrau. Auf einem großen Zettel hat sie mit rotem Leuchtstift geschrieben:

"Sie sind sehr aufmerksam. Danke!!!!!"

Der übermäßige Gebrauch von Ausrufungszeichen zeugt alleine schon von einer gewissen Dummheit. Das Wort aufmerksamwar fünf Mal unterstrichen, was in etwa der Wirkung des inflationären Gebrauchs des Ausrufungszeichens gleich kam. Auf der Ablage für die Reserverollen Toilettenpapier waren tatsächlich 30 Rollen aufgestapelt. Da fühle ich mich als Mann glatt benachteiligt, denn bei uns finden sich dort höchstens sechs Rollen. Und eine oben auf dem zur Decke hin offenen Türrahmen als persönliche Notfallreserve, denn in den Kabinen gibt es keinen Platz für Ersatzrollen.

Der Handtuchspender war wohl auch gut befüllt und obenauf mit einem Reservepaket belegt.

Doch der Seifenspender war immer noch leer…



Freitag, 15. November 2013

Kratzer

Nach dem Sport pflege ich zu duschen und neue Kleidung anzuziehen. Man nimmt ja Rücksicht auf seine Mitmenschen. Meistens. Natürlich bin ich bei diesen Gelegenheiten nicht immer alleine im Umkleideraum. Unlängst machte ich mir aber so meine Gedanken, was die anderen Herrschaften wohl vermuten würden, wenn sie meinen von frischen Kratzern zerfetzten Rücken ansichtig werden.

Neidvolle Gedanken hinsichtlich leidenschaftlichen Liebeslebens? Und das bei diesem Holzfällertyp mit überdimensioniertem Waschbrettbärbauch? Nein, dieses ist ein U18-Blog, die Wahrheit sah natürlich anders aus. Obwohl weibliche Beteiligung nicht abzustreiten ist.

Seniorkatze Sally ist nicht mehr die Fitteste. Es kommt vor, daß sie, während sie irgendwo vor sich hindöst, das Gleichgewicht verliert und abrutscht. Bislang ist ihr dabei noch nichts geschehen, und ich hoffe, daß das auch so bleibt.

Wie so oft lag Sally auf der Rückenlehne des Monsters, als sie noch im Halbschlaf – wie Katzen das so zu tun pflegen – aufstand, sich um sich selbst dreht, nur um dann wieder eine liegende Position einzunehmen und weiterzuschlafen.

Doch in ihrem dösigen Zustand verfehlte sie mit einer Pfote den festen Untergrund. Sally rutschte ab – und zwar genau in die Lücke zwischen dem Kissen und meinem Rücken. Vor Schreck strampelnd versuchte sie, den Sturz abzufangen und sich wieder hochzuarbeiten. Dummerweise waren ihre dahingehenden Bemühungen auf meine Rückseite und nicht etwa auf das Kissen bezogen. In dieser Position konnte ich ihr nicht so richtig weiterhelfen, sie aber auch nicht loswerden, da sich ihre immer noch spitzen die Krallen in mein Shirt und meinen Rücken bohrten.

Es ist übrigens ein schönes Gefühl, wenn der Schmerz irgendwann nachlässt.



Donnerstag, 14. November 2013

Perspektiven (3)

Daß verschiedene unserer Kollegen mit dem Internet nicht so übertrieben viel anfangen konnten und es selbst für dienstliche Zwecke kaum bis gar nicht nutzen, war Herrn van Instincfeld schon klar. Aber Herr Schwitalla war jünger und kam ihm an sich aufgeschlossener vor. Und der Begriff Blog gehört doch heutzutage schon zu den Dingen, die einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht haben sollten.

„Ein Blog ist eine Art Online-Tagebuch. Die werden mit den unterschiedlichsten Inhalten gefüllt. Es gibt die Blogs von Leuten, die sich furchtbar wichtig nehmen und jeden Tag ihre aktuellen politischen oder gesellschaftlichen Erkenntnisse in die Welt hinauspusten müssen, und es gibt Blogs von Menschen, die einfach nur zur Unterhaltung aus ihrem Alltag schreiben. Und ihr Essen fotografieren. Diese Blogs nennt man dann etwas abfällig Katzenblogs.“

„Aha, Essen fotografieren. Sehr witzig. Und so etwas machen Sie?“

„Ja, ich schreibe ein Katzenblog. Es hat keinen besonderen literarischen oder politischen Wert, aber ich schreibe halt gerne. Und es gibt auch den einen oder anderen Menschen, der das regelmäßig liest. Das lässt sich an maschinellen Auswertungen nachvollziehen. Kann also nicht so schlimm sein.“
„Mooooooment. Sie sagten, das ist so eine Art Tagebuch.“

„Ja.“

„Das würde ja bedeuten, daß Sie auch über die Dinge schreiben, die hier…“

„Ja, mache ich.“

Herrn Schwitalla holte tief Luft. Draußen schrie erneut eine Möwe.

„Jetzt machen Sie sich mal keine Sorgen, Herr Schwitalla. Sie sind bei der Nummer bislang ganz gut weggekommen.“

„Ähm…“

„Ich verändere die Geschichten, setze Vergangenes und Gegenwärtiges zusammen, modernisiere die Hintergründe, stelle andere Zusammenhänge her und verändere auch alle Namen. Natürlich habe ich Sie vor Augen, wenn ich aktuell über etwas schreibe, womit ein Abschnittsleiter zu tun hatte. Auch wenn das zu einer Zeit geschehen ist, als Sie noch zur Schule gingen.“

„Und jeder kann das lesen?“

„Ja, aber nicht jeder kann erkennen, um was es wirklich geht. Wenn jemand mitliest, der hier im Haus arbeitet, dann wird er wohl bei vielen Dingen vermuten können oder sogar wissen, was gemeint ist. Aber bei Außenstehenden dürfte das eher nicht der Fall sein.“

„Was schreiben Sie denn so?“

„Och, also wenn ich mal überlege, gibt mir dieses Gespräch schon wieder genug Erzählstoff.  Aber wie gesagt: keine Panik. Sie sind im Blog eine junge Frau, die sich in ihrer Position noch nicht ganz gefunden hat. Die prickelnde Erotik zwischen ihr und meinem gutaussehenden Alter Ego ist allseits spürbar. Mit Ihnen und Ihren schütteren Haaren sowie der ewig schlechten Laune, die Sie hier anhaltend verbreiten, besteht da wirklich keine Verwechslungsgefahr.“

„HERR VAN INSTINCFELD! RAAAAAUUUUUUS!!!“


(Ende)


Mittwoch, 13. November 2013

Perspektiven (2)

Über Jahre hat es in unserer kleinen Außenstelle eine Art Betriebszeitung gegeben. Sie wurde im PDF-Format von einigen Kollegen erstellt. Zunächst erschien sie monatlich, bis das Interesse an einer Mitarbeit erlahmte und die Zeiträume zwischen den Veröffentlichungen immer größer wurden. Nach einem Wechsel der Dienststellenleitung fehlte auch noch die nötige Unterstützung, so daß die Zeitung nicht mehr erschien.

Herr van Instincfeld bedauerte dies sehr und hatte sich schon so seine Gedanken gemacht, wie man die Sache wiederbeleben könnte.

Er erzählte von seiner Idee, diese Zeitung als Blog wiederzubeleben, hatte jedoch Bedenken, weil der zugriffsberechtigte Personenkreis eingeschränkt werden müsse – und der schreibberechtigte Personenkreis erst recht. Eine Zugriffsberechtigung nur für die Mitarbeiter der Dienststelle wäre schon umsetzbar gewesen, wenn nicht…

„…das Problem bestehen würde, daß viele der Kollegen nicht gerade internetaffin sind. Die kommen ja nicht mal mit ihrem E-Mail-Programm zurande, von Suchmaschinen haben die kaum eine Ahnung und dann sollen die so eine Online-Anmeldung für ein Blog hinbekommen, bei der man sich zuvor auch noch irgendwo registrieren muß? Keine Chance.“

Herr Schwitalla stimmte zu. Er selbst war auch nicht gerade im Internet zu Hause.

„Was macht eigentlich Ihr Buch?“

Herr van Instincfeld stutzte. „Was für ein Buch?“

„Sie hatten mir doch vor Jahren mal erzählt, daß Sie ein Buch schreiben.“

„Nein, habe ich nicht.“

„Doch, über Facebuch. Haben Sie mir jedenfalls gesagt.“

„Ich schreibe kein Buch, sondern blogge. Über Facebook mache ich gar nichts mehr, das habe ich zwischenzeitlich anders organisiert. Ein frei zugängliches Blog.“

„Was ist das denn?“

Ein innerliches Seufzen durchzog Herrn van Instincfeld. Draußen hörte man das Geschrei der Möwen.


(wird fortgesetzt)



Aufgefallen? Ja – nein –vielleicht

Na, habt ihr es gemerkt?

Wenigstens ein Teil von euch? 

Irgend jemand? 

Außer meiner Angetrauten.

Ich habe mein Facebook-Konto gelöscht. Sowohl das private als auch das damit verbundene vom Blog.

Ist es nicht aufgefallen?

Dann ist es auch kein Verlust.



PS: Den zweiten Teil der Perspektiven-Serie gibt es heute Nachmittag.



Dienstag, 12. November 2013

Perspektiven (1)

Das Bürofenster war weit geöffnet. Der Wind wehte leicht aus Richtung des nahgelegenen Hafens. Herr van Instincfeld mochte den Geruch frischer Seeluft, selbst wenn er sich vergegenwärtigte, daß der spezielle Seeluftgeruch eigentlich von verfaulendem Seetang herrührte. Ambra gehört auch eher zu den Dingen, deren Duft niemand in der Nase haben möchte, welches aber einst Bestandteil eines jeden guten Parfüms war.

Der alte Hauptsachbearbeiter nahm zufrieden das noch warme Blatt Papier aus dem Auffangschacht des Laserdruckers. Es war Mittag, das um diese Zeit vorherrschende Leistungstief hatte ihn voll im Griff. Zeit für ein kurzes Pläuschchen mit Herrn Schwitalla, dem Abschnittsleiter.

Leise klopfte der Hauptsachbearbeiter an den Türrahmen der stets unverschlossenen Tür zu Herrn Schwitallas Büro. Er wusste aus langen Jahren, daß Herr Schwitalla sich ziemlich zu erschrecken pflegte, wenn man anders auf seine Anwesenheit aufmerksam machen würde.

Die Sonne schien auf Herrn Schwitallas Schädel. Er hatte schon in jungen Jahren viele Haare verloren; die kahlen Flächen glänzten im Licht der einfallenden Sonnenstrahlen wie frisch poliert.

„Hallo Herr van Instincfeld, was führt sie zu mir?“

„Ich bekomme einen halben Punkt von Ihnen.“

Es ging um das alte Spiel, das die Beiden nun schon so lange betrieben. Herr Schwitalla war jünger als sein Hauptsachbearbeiter und nutzte immer wieder dessen Berufserfahrung. Umso mehr freute es ihn, wenn er Herrn van Instincfeld auch mal einen Fehler nachweisen konnte. Und Herrn van Instincfeld bereitete es eine gewisse Genugtuung, den Versuch Herrn Schwitallas, eine Akte zu beanstanden, abwehren zu können. Jeder Erfolg wurde mit einem Punkt belohnt, doch keiner der beiden führte tatsächlich eine Liste.

„Sie haben mir gestern in einer Stellungnahme gegenüber unserem Rechtsbereich ein Wort verändert."

„Das hat Sie wieder gewurmt, nicht wahr?!“ Herr Schwitalla lächelte. „Ich habe auch Herrn Müller gefragt, weil ich mir nicht sicher war. Er war es übrigens auch nicht.“

„Da hätten Sie besser den alten Duden gefragt. Beide Schreibweisen sind zulässig, aber meine ist die Empfohlene.“

„Ich habe leider keinen Duden hier.“

Herr van Instincfeld reichte seinen Ausdruck rüber.

„Hier, den Duden gibt es auch online.“

„Ja, aber es dauert immer so lange, bis sich hier das Internet öffnet. Außerdem habe ich lieber bedrucktes Papier.“

Stimmt. Unter zwei Minuten tut sich im Amt nichts, bis der Zugang zu den unendlichen Weiten des Internets steht.

„Ich nutze auch lieber Bücher. Mit E-Books kann ich nicht so viel anfangen. Aber sie können doch einfach das Internet schon morgens öffnen und dann Google oder so aufrufen. Dann läuft es bei Bedarf schneller.“

„Da haben Sie eigentlich Recht. Wo Sie gerade sinnlos hier in der Gegend herumstehen: Der Chef möchte gerne wieder etwas Teamentwicklung betreiben. Haben Sie eine Idee?“

Ja, Herr van Instincfeld hatte eine Idee.


(wird fortgesetzt)



Montag, 11. November 2013

Cäsar und Kleopatra

„Mein Freund ist ein Schuft. Der durfte diese Nacht auf dem Sofa schlafen.“

Trudi war zwar nicht mehr so richtig aufgebracht und erzählte mit einem Augenzwinkern, aber dennoch spürte man eine gewisse – Verstimmung in ihren Worten.

„Was ist denn los? Du weißt doch, daß du dem alten Paterfelis alles sagen kannst?“

Auch Mandy und Karla schalteten ihre Ohren auf Empfang.

„Ich feiere doch so gerne Karneval.“

Ein Lächeln umspielte Trudis Gesicht. Ja, Karneval, das war etwas für sie.

„Da habe ich meinem Freund gesagt, wir könnten uns doch in der nächsten Session als Cäsar und Kleopatra verkleiden.“

„Aha.“ zeigte sich Mandy am Thema interessiert.

„Da meinte der Drecksack, daß das wohl nicht möglich sei.“

„Oha, warum das denn nicht?“

„Er sagte, daß es nicht ginge, weil er nicht muskulös sei und ich nicht schön.“

Oh, arme Trudi. Karla und Mandy bekundeten ihren Beistand bei dem nun sicher anstehenden Versuch, Trudis Freund den verdienten Garaus zu machen.

Ich hingegen fand die Sache nicht sooooo dramatisch.

„Du Trudi, da hat sich dein Freund aber schon geirrt. Cäsar war gar nicht so ein Muskelprotz. Er kann sich also durchaus als Cäsar verkleiden.“

„Ja. Und ich?“

„Sucht doch einfach mal einen Teppich, in den du dich als Kleopatra einrollen lassen kannst. Dann wird es schon gehen.“

„PATERFELIS!“




Sonntag, 10. November 2013

Ich habe sie nie gesehen

Wir stecken mitten drin in der Zeit der St. Martins-Umzüge. Hier in der Gegend ist das eine schulische Pflichtveranstaltung bis in die höheren Klassen. Die jüngeren Schüler müssen mit ihrer Laterne auftauchen, möglichst einer selbst gebastelten. Und die älteren sind so was wie Zugbegleiter. Man versammelt sich klassenweise, und dann geht es irgendwann los.

Ich weiß überhaupt nicht mehr, ob das in meiner Kindheit auch so war. Also das mit der Pflichtveranstaltung. In den höheren Klassen jedenfalls mit Sicherheit nicht mehr. Den einzigen Bezug zur Schule, an den ich mich erinnern kann, ist der Umstand, daß wir dort die Gutscheine für die Stutenkerle kaufen konnten, die sich dann zum Abschluss des Zuges einlösen ließen. Daß es den Stutenkerl schon zu St Martin gab, ist typisch für Ruhrgebiet und Niederrhein, wo ich meine Wurzeln habe.

Ich hatte keine selbstgebastelte Laterne, sondern eine gekaufte. Bastelarbeiten waren ja nie so mein Ding. Wo es auf handwerkliche Präzisionsarbeit ankommt, bin ich fehl am Platze. Obwohl: Während ich dieses schreibe, beginne ich zu erahnen, daß entgegen anderslautender Äußerungen gegenüber der zweitbestehen Ehefrau von allen doch in der Schule mal eine Laterne gebastelt wurde. Ja, da war was. Wir beklebten einen aufgeblasenen Ballon mit buntem Transparentpapier, ließen dann den Ballon platzen und hatten so die Basis für die Laterne.

Aber die sah bestimmt doof aus. Und ob sie wirklich mal in den Einsatz gekommen ist, wage ich zu bezweifeln.

Es amüsiert mich immer wieder zu sehen, wie die heute zu kaufenden Laternen aussehen. Denn die meisten von denen haben sich in den letzten vierzig Jahren keinen Deut verändert. Noch immer finden sich in den Regalen des Einzelhandels und in den Umzügen auch jene Laternen, welche ich seinerzeit besessen hatte. Echte Klassiker also.

Schon als Kind war ich von offenem Feuer besessenangezogen. Ich habe mich zwar erst sehr spät getraut, selbst ein Streichholz anzuzünden, aber Feuer hatte eben etwas an sich, was ich sehr mochte. Umso mehr ärgerte ich mich, daß in meiner Laterne zumeist keine kleine Kerze, sondern ein batteriebetriebenes Licht die Nacht erhellte. Immer habe ich die großen Jungs beneidet, die mit ihren Pechfackeln nebenher liefen. So eine wollte ich auch haben und nicht so eine blöde Laterne für Kinder. Bei dem Wunsch ist es natürlich geblieben.

Während des Zuges habe ich selbstverständlich nicht mitgesungen. Nur ein einziges Mal gab es eine Ausnahme, als mich irgendeine Mutter, die vermutlich nicht meine eigene war, mit den Worten „Los, du musst auch mitsingen!“ von hinten anstieß. Zu mehr als einem Lied hat es nicht gereicht. Nein, ein munterer Sangesbursche war ich nie.

Verschiedentlich üblich ist es wohl, nach Ende des Umzuges auch noch die heimische Umgebung aufzusuchen und die Nachbarn mit einem Liedchen zu erfreuen in der Hoffnung, Süßigkeiten zu bekommen. Das war bei uns im Ort so nicht. Dort wanderte man zu Rosenmontag von Tür zu Tür und bettelte. Zu St. Martin gab es das nicht. Ich war immer wieder verwundert, daß die Kinder dies in der Nachbarstadt, in der meine Oma lebte, so machten. Dafür aber nicht am Rosenmontag.

Im Zug selbst liefen wir meistens eher im hinteren Bereich, in dem die Menschen sich nicht mehr so drängelten. Jetzt könnte man meinen, daß der kleine Paterfelis sich ganz nach vorne durchkämpfte, sobald das Martinsfeuer erreicht war. Schließlich war da ein Feuer. Ein richtig, großes Feuer sogar. Und der beste Ausblick auf die stets nachgespielte Szene des Mantelteilens. Nein, das hat der kleine Paterfelis nie gemacht. Er stand immer abseits vom Geschehen, nicht aber in der Menschenmasse. Es wurde vielmehr die Gelegenheit genutzt, den Gutschein für den Stutenkerl einzulösen, bevor die erwähnten Menschenmassen an dem Verkaufswagen auftauchten und sich riesige Schlangen bildeten. Ganz pragmatisch. Und dann ab nach Hause.

Ich habe St. Martin und den Bettler nie gesehen.



Samstag, 9. November 2013

Dackel und so

Mandy erschien mit einer Akte an meinem Schreibtisch.

„Du, darf ich dich mal was fragen?“

Ich schaute kurz hoch und nickte schweigend.

„Ach, du hast ja schon wieder deinen Hundeblick drauf.“

Hundeblick?

„Mandy, das nennt man Dackelblick, um genau zu sein.“

„Der Dackel von meinen Eltern guckte immer ganz befriedigt, wenn man ihn gekrabbelt hat. Kannst du das auch?“

„Kommt drauf an, wo du mich krabbelst.“

„PATERFELIS!“

 Also echt jetzt, SIE hat doch damit angefangen.



Freitag, 8. November 2013

Geiselnahme

Haltet euch fest, ich war Opfer einer Geiselnahme. Ja, kaum zu glauben. Schreckliche Sache. Aber keine Panik, es ist gut ausgegangen.

Alles begann zuhause, als die zweitbeste Ehefrau von allen und ich auf dem Monster saßen und gearbeitet haben. Schuld an diesem misslichen Umstand war Rajiv. Der kam nämlich zurück von einer Vortragstour. Er bietet im Rahmen seiner Vorträge an, die zugehörende Präsentation an die Vortragsteilnehmer zu senden. Dazu benötigt er natürlich Kontaktdaten, also legt er entsprechende Listen aus, in denen sich die Interessenten eintragen können.

Da meine Angetraute für ihn einige Verwaltungsarbeit erledigt, hatte sie nun diese Listen erhalten und wollte deren Inhalt in eine Datei übernehmen. Ich wurde dienstverpflichtet war als netter und fürsorglicher Ehemann natürlich sofort bereit, ihr die Listen vorzulesen, damit die Übertragung schneller erledigt werden konnte.

Bei der Gelegenheit möchte ich mal eines anmerken:

Liebe Leute, wenn ihr euren Namen, Mailadresse und eventuell auch die Telefonnummer zwecks Kontaktaufnahme hinterlasst und nicht gerade Erna Müller heißt, dann schreibt doch freundlicherweise le-ser-lich. Es ist unglaublich, wie oft wir Namen online recherchieren mussten, um deren hoffentlich richtige Schreibweise herauszufinden. Auch bei den Mail-Adressen war teilweise munteres Raten angesagt, wenn diese sich nicht aus dem Namen ableiten ließen.

Ach ja, und solche Adressen wie Alte-Hexe@  oder Schneller-Hirsch@ (trage nachfolgend einen beliebigen Anbieter ein) sind einfach nur peinlich.

Jedenfalls werkelten wir so vor uns hin, als Sally, die sich natürlich wieder in meiner Nähe auf dem Rückenkissen des Monsters befand, damit begann, mit den Zähnen zu knirschen. Sie hat immer wieder solche Phasen, in denen sie das länger durchhalten kann. Mit den Zähnen ist alles in Ordnung, sie ist schon häufiger und von unterschiedlichen Tierärzten daraufhin untersucht worden. Die Phasen enden dann auch mal wieder, nur um Monate später wieder zu beginnen.

Ich kann dieses Geräusch ganz gut ausblenden, aber meiner Angetrauten geht es durch Mark und Bein. Aus erzieherischen Gründen schnappte sie sich dann eine unserer Phaser-Wasserpistolen, ein echter Star-Trek-Fan wird diese sofort als dem Handphaser Typ 2 aus den 2260er Jahren nachempfunden identifizieren, und gab einen Warnschuss ab. So auch dieses Mal.




Der Strahl schoß knapp an meiner Nase vorbei und traf Sally in der Flanke.

Doch Sally gab nicht auf.

*knirsch*

*zisch*

Ein weiterer Strahl traf sie. Das Tier wurde unruhig, zeigte sich jedoch stur.

*knirsch*

*zisch*

Auch meine Angetaute neigt hin und wieder, also wirklich ganz selten und nur in absoluten Ausnahmefällen dazu, eine gewisse , kaum wahrnehmbare Sturheit an den Tag zu legen. Sally bewegte sich aufgeregt auf dem Rückenkissen hin und her und wollte aus der Schusslinie entkommen.

*knirsch*

„AUS DEM WEG MIT DEN LISTEN!“

Ich tat, wie mir geheißen, als

*zisch*

einer neuer Strahl abgefeuert wurde.

Mein Oberkörper war nach hinten geneigt, um das Schussfeld zu erweitern. Da sah Sally, dieses durchtriebene kleine Miststück, ihre große Chance, überbrückte die riesige Distanz zwischen dem Außenrand des Rückenkissens und meinem Oberbauch mit einem gewaltigen Sprung großen Schritt und richtete sich hier ein in der Hoffnung, daß meine Angetraute es nicht wagen würde, weiter zu schießen und mich dabei noch mehr zu gefährden. Ich bin nun ein lebender Schutzschild!

*knirsch*

Von wegen.

*zisch*

Nichts und niemand konnte meine Angetraute von ihrer Mission abhalten. KEINE GEFANGEGEN!

*knirsch*

*zisch*

Ich hielt die Listen weiter auf Abstand, als der nächste Strahl traf. Nicht mich, sondern Sally. Diese begann nun, sich zu schütteln, die Listen wurden von den herumfliegenden Wassertropfen getroffen, und was viel schlimmer ist – meine Brille auch.

Ich hatte einen Tropfen genau in meinem Sichtfeld! Dagegen komme ich ja nun so gar nicht an. Und ich hatte nichts in Reichweite, womit ich diesen Tropfen entfernen konnte. So begann ein psychologischer Effekt, bekannt als Stockholm-Syndrom. Meine Solidarisierung mit der Geiselnehmerin nahm Züge an. Ich legte meinen rechten Arm etwas angewinkelt auf meinen Bauch. Sally machte es sich dahinter gemütlich, stützte den Kopf auf meinen Unterarm und begann, vor sich hinzubrummen.

Nur noch gelegentlich war der Ansatz eines leisen Knirschens zu hören. Ruhe trat ein. Die Belagererin Meine Angetraute beendete den Beschuss. Ich holte die Listen mit der linken Hand wieder vor, so daß wir die Arbeit fortführen konnten. Sally blieb friedlich vor sich hin dösend auf mir liegen.

Eleminator@ (trage Anbieter ein) ist übrigens auch eine doofe Mailadresse.

Wollte ich noch gesagt haben.



Donnerstag, 7. November 2013

Gruß aus der Küche - Gefüllter Kürbis

Nicht zuletzt um meiner kürbismögenden Angetrauten eine Freude zu bereiten, habe ich ein weiteres Kürbisrezept rausgesucht, von dem ich mir vorstellen könnte, das Ergebnis der Umsetzung auch tatsächlich zu verspeisen.

So gab es nach dem durchaus gelungenen Kürbiseintopf als nächstes einen gefüllten Kürbis.




Man nehme:

1 mittelgroßen Hokkaido-Kürbis
2 altbackene Brötchen
250 g kräftigen, vollfetten Käse (z. B. Appenzeller, zur Not auch mittelalten Gouda)
100 g Schmand
100 ml süße Sahne
Salz, Pfeffer, Muskat, Kurkuma

Die Füllmasse wird auf jeden Fall für einen mittelgroßen Kürbis reichen. Bei einer Verdoppelung der Füllmasse sollte diese drei Kürbisse füllen können.

Vom Kürbis großzügig einen Deckel abschneiden und das wattige Innere entfernen.

Brötchen und Käse würfeln.

Schmand und Sahne glattrühren und kräftig mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen.

Die Brötchenwürfel dazu geben und die Masse aufnehmen lassen.

Nun abwechselnd mehrere Lagen Brötchen und Käse in den ausgehölten Kürbis geben.

Den Deckel wieder auflegen und den Kürbis komplett in Alufolie einwickeln.

Da der Hokkaido ein weicher Kürbis ist, sollte dieser in eine Auflaufform gegeben und dann auf der mittleren Schiene des Ofens zwei Stunden bei 180 Grad gebacken werden.

Den fertigen Kürbis soweit auswickeln, daß der Deckel abgenommen werden kann. Jetzt lässt sich der Kürbis aus der Folie raus essen.

Wir haben versucht, den Kürbis komplett auszuwickeln und auf einem Teller zu platzieren. Das Ergebnis sieht eher unschön aus.




So richtig traf die Sache nicht meinen Geschmack. So habe ich mich darauf beschränkt, die Füllung zu essen. Mit den Resten wird sich meine Angetraute eine Kürbissuppe zubereiten.

Einen Versuch war es wert; das Gericht wird sicherlich seine Liebhaber finden. Aber ich bin ja auch kein leidenschaftlicher Kürbisesser.