Dienstag, 15. Oktober 2013

Wenn ich dich sehe...

Auch im Büro bin ich - trotz gegenteiliger Gerüchte – nur ein Mensch. Ich vernahm durchaus schon mal den schmeichelhaften Titel Gott des Abgabeneintreibens im Zusammenhang mit meiner von tiefer Bescheidenheit geprägten Person, doch ich bleibe dabei. Also die Sache mit dem Menschsein. Das muß ich aber nicht jedem erzählen, schließlich habe ich einen Ruf zu verlieren.

Als solch ein Mensch überkam mich einst ein ebensolches höchst menschliches Rühren. Dieses machte es mir unmöglich, mich weiter mit dem auf jeden Fall besonders interessanten *gähn*  300-Seiten-Wälzer auseinanderzusetzen, welcher aufgeschlagen vor mir lag. Ich erhob meinen irdischen Leib und bewegte mich grazil wie eine Elfe – oder wie auch immer dieses Tier mit dem Rüssel heißt – in Richtung des einst extra zu dem nun von mir vorgesehenen Zweck errichteten Porzellanladenpalast.

Der direkte Weg erfordert es, die halbe Strecke nach Indien zurückzulegen, nur um dann in einem wohl berechneten 90 Grad-Winkel linksseitig abzubiegen, wieder ein paar Schritte zu gehen und dann eine dem vorherigen Abbiegemanöver gegenläufige Bewegung auszuführen.

Kurz bevor ich den Punkte erreichte, an dem ich das erste Manöver auszuführen gedachte, erschien Trudi aus Richtung Indien kommend auf dem Gang. Sie bemerkte mich, anderenfalls hätte sie über die Anschaffung von Augengläsern nachdenken sollen. Ihr Gesicht zeigte ein gewisses Freudestrahlen, die Augen begannen zu leuchten.

Und schon hallte ihre Stimme klar und glockengleich über den Flur.

„Paterfelis, wenn ich dich sehe muß ich daran denken, daß ich noch Kaffee kochen wollte.“

Ähm, ja. Muß ich das verstehen? Ich habe weder kaffeebraune Haut noch bin ich Kaffeetrinker. Auch führte ich gerade weder sichtbar noch unsichtbar ein Behältnis mit, welches darauf schließen ließe, daß ich Tee-, Kaffee- oder ein sonstiges Wasser zum Zwecke der Aromatisierung oder gar des puren Genusses holen wollte. Mein Ansinnen war eher, etwas Ähnliches, allerdings am Ende eines längeren Umwandlungsprozesses Stehendes wegzubringen. Aber selbst das war zu diesem Zeitpunkt tendenziell nicht für den unbefangenen Beobachter erkennbar.

So erinnerte ich mich des Ökoklaus‘ ewiglich weisen Worte:

„Stelle - keine - Fragen.“

Ist wohl besser so, denn es gibt Antworten auf harmlose Fragen, vor denen ich Angst habe. Und hier drohte ganz eindeutig eine solche Antwort.



Kommentare:

  1. Wie sagte schon meine Oma: Der liebe Gott hat einen großen Tiergarten. In solchen Momenten frage ich mich, warum ich? Warum versucht jeder Obdachlose, mir seine blöde Zeitung zu verkaufen? Warum bekomme immer ich bettelnde Hände unter die Nase gehalten? Warum komme ich stets zu unfähigen Postbeamten????? Warum erzählen mir fremde Menschen in der Kassenschlange ihre Lebensgeschichte?????? Warum?? ÖRKS.

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  2. Antworten
    1. Als bekannte ultimative Antwort auf die angesprochenen Problematiken scheint mir das durchaus angemessen. ;-)

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