Samstag, 12. Oktober 2013

Paterfelis spielt - per Post (3)

Damals wie heute hatte sich schon eine nennenswerte Szene im so genannten PBM (play by mail – spiele per Post) auch in Deutschland etabliert. Es erschienen auch verschiedene Hobbymagazine, deren Qualität höchst unterschiedlich war. Sie alle hatten gemeinsam, daß kein Verlag dahinter stand. Es waren Amateuer-Publikationen, die aber recht gut über Neues in der Szene informierten.

Mit einem Schulfreund zusammen schrieb ich mein erstes Spiel und wollte als Gamemaster aktiv werden. Für wesentliche Teile der Erstellung des Regelwerkes musste die Schreibmaschine im Büro herhalten, was mir zwar ein halbwegs ordentliches Schriftbild aber auch eine schlechtere Beurteilung meiner Arbeitsleistung als Auszubildender einbrachte.

Wie aber an Spieler kommen? Zu den Spielemagazinen hatte ich damals noch keinen Kontakt. Aber ich war und bin Leser der Perry-Rhodan-Serie, welche in ihren Heftromanen auch über eine Leserseite verfügt. Also wagte ich den Versuch und schrieb an die Redaktion. Tatsächlich wurde meine Suche nach einigen Wochen veröffentlicht. Wenig später erhielt ich die ersten Anfragen, so daß der Spielbetrieb aufgenommen werden konnte.

Die Auswertung der von den Spielern frei formulierten Spielzüge geschah noch in Handarbeit, die Antwortschreiben wurden auf meiner zwischenzeitlich auch heimischen elektrischen Schreibmaschine verfasst, bevor es dann später mit dem zweiten – aber ersten wirklich brauchbaren - eigenen Computer (Schneider CPC 6128) nebst Nadeldrucker etwas komfortabler wurde. Zumindest, was die Schreibarbeiten anging.

Das Spielfeld war ein aus Wollfäden und Heftzwecken an die Wand meines Zimmers gepinntes Ungetüm, auf dem mit anderen Materialien Planeten und Raumschiffe dargestellt wurden. Irgendwie musste man ja den Überblick behalten, zumal sich mein Schulkumpel sehr schnell aus der Mitarbeit zurückgezogen hatte.

Irgendwann bedurfte mein Zimmer einer Renovierung, welcher mein schönes Spielfeld zum Opfer fiel. Damit war meine Zeit als Gamemaster beendet. Doch meine ehemaligen Mitspieler, von denen ich tatsächlich niemanden jemals persönlich kennengelernt habe, blieben am Ball und entwarfen eigene Spiele, bei denen ich wiederum als Mitspieler fungierte.

Nach einigen Jahren starker Aktivität in der PBM-Szene wurde mir die Zeit jedoch zu knapp, welche ich mit diesen Spielen verbringen konnte, so daß auch diese Episode ihr Ende fand.


(Ende)



Kommentare:

  1. Das ist eine schöne Geschichte. Danke.
    Wenn du vielleicht - wie ich - so ein "Lebensbuch" hast, dann füllt dieses Erlebte bestimmt ein Kapitel. Das ist prima. Es hilft lächeln, auch wenns mal weniger zu lächeln gibt. Bei mir ist das zumindest so.

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  2. Oh, du zerfrettelter Grunzwanzling, Hammer, Nostalgie in drei Folgen! Ich hatte im Schlafzimmer eine selbst gemalte Karte von Atlantis über dem Tisch hängen, auf dem der C 64 mit schwarz/weiß Monitor stand. Bilder gabs keine, und am Ende hatte dss Spiel einen Programmierfehler und ich bin nie fertig geworden damit.

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    1. Schnatterfleck auf Bienenstich, das hört sich doch auch nach einer Geschichte an, die ich irgendwann mal bei einer Wildkatze lesen möchte.

      Und zum Thema C64 fällt mir auch noch was ein, was ich schon lange schreiben wollte. Mal sehen, wann und wie ich die Kurve dazu bekomme.

      Grupp, ich beschwöre dich mein punzig Turteldrom.

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  3. Na dann, grüße an Gucky, den Mausbieber! Und ich denke mal über die Geschichte nach.

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    1. Hach, die Frau kennt sich aus. Sehr schön.

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  4. Hast du damals eigentlich auch Postspielmagazine bezogen und bei einigen Games mitgemacht? Welche waren das (Spiele als auch Magazine)?
    PBM-Magazine gibt es ja leider nicht mehr allzu viele. Das "ZONK" ist, glaube ich, noch aktiv.

    Dave

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  5. Meine einzige Informationsquelle war das MegaZine. Mitgespielt habe ich bei zwei SiFi-Amateurspielen, deren Namen ich nicht mehr in Erinnerung habe. Bei den kommerziellen Sachen habe ich nie den Einstieg gefunden.

    Ich suche aber immer noch die Regeln eines bestimmten Spieles, welches auch frei zugänglich war. Das Spielprinzip war, daß eine Gruppe über die Regeln des Spieles diskutierte und durch Abstimmung so veränderte, bis es aufgrund konträr laufender Regeln nicht mehr spielbar war. Derjenige, der die entscheidende Regel eingebracht hatte, war der Sieger.

    So etwas könnte man doch heute noch als Forenspiel laufen lassen.

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