Samstag, 26. Oktober 2013

Guten Tag

Endlich wieder Feierabend. Ich steige die Treppe zum Bahnsteig des Neustädter Hauptbahnhofes hoch und gehe ganz zum am weitesten von hier entfernten Ende dieses besagten Bahnsteiges. Immer noch finden umfangreiche Baumaßnahmen auf meiner Strecke statt, welche nur eingleisigen Verkehr zulassen. Daher ist der Fahrplan vorübergehend etwas ausgedünnt; es fahren aus nachvollziehbaren Gründen weniger Züge. Zum Ausgleich wurden unter anderem die Züge verlängert, soweit es die Bahnsteige an der Strecke zulassen.

Der Mensch als solches ist eher ein mitunter faules Gewohnheitstier. Zahlreiche Reisende sammeln sich weiterhin in den eher zentralen Bereichen des Bahnsteiges und steigen in den an dieser Stelle überfüllten Wagen ein, während wir paar versprengte Abenteurer ein paar Schritte mehr gelaufen sind und dafür an der Zugspitze reichlich Platz für uns finden. Sogar in Spitzenzeiten kommt es vor, daß ich hier einen Viererplatz für mich alleine in Anspruch nehmen kann.

Auf meinem Weg kam ich an einem Herrn vorbei, etwa so breit wie hoch, der sich  in einem kurzen Gespräch mit einem ebenfalls dem Feierabend Entgegenreisenden befand. Man kennt die Gesichter seiner Papenheimer ja. Zum Ende des Gespräches machte sich der Herr eine kurze Notiz in seinem mitgeführten Ordner und ging weiter zum nächsten Wartenden.

Das Gespräch begann aufs Neue.

„Guten Tag, wir machen eine Umfrage für den Verkehrsverbund. Es geht um verschiedene Tickets. Haben Sie in den letzten Monaten ein XYZ-Ticket benutzt?“

„Nein“.

„Besitzen Sie eine Monatskarte im Abonnement?“

„Ja.“

„Die Umfrage findet telefonisch statt. Wenn Sie daran teilnehmen möchten, benötige ich Ihre Telefonnummer.“

„Nein, ich habe kein Interesse.“

„Danke.“

Weiter ging es zum nächsten Reisenden.

„Guten Tag, wir machen eine Umfrage für den Verkehrsverbund. Es geht um verschiedene Tickets. Haben Sie in den letzten Monaten ein XYZ-Ticket benutzt?“

„Nein“.

„Besitzen Sie eine Monatskarte im Abonnement?“

„Ja.“

„Die Umfrage findet telefonisch statt. Wenn Sie daran teilnehmen möchten, benötige ich Ihre Telefonnummer.“

„Nein, ich habe kein Interesse.“

„Danke.“

„Guten Tag, wir machen eine Umfrage für den Verkehrsverbund. Es geht um verschiedene Tickets. Haben Sie in den letzten Monaten ein XYZ-Ticket benutzt?“

„Nein“.

„Besitzen Sie eine Monatskarte im Abonnement?“

„Ja.“

„Die Umfrage findet telefonisch statt. Wenn Sie daran teilnehmen möchten, benötige ich Ihre Telefonnummer.“

„Nein, ich habe kein Interesse.“

„Danke.“

Und so weiter und so fort. Der Dialog spielte sich ewig nahezu identisch ab. Der Herr blieb gleichbleibend freundlich, was ich durchaus beeindruckend finde. Natürlich muß man als Umfrager so etwas aushalten können, aber wenn man weite Teile des Bahnsteiges abgrast und – soweit ich das mitbekommen habe – immer das gleiche, nahezu wortgleiche Gespräch führt, muß das doch irgendwann mal frustrieren.

Na ja, immerhin überfallen sie einen nicht direkt am Telefon, sondern fragen um Erlaubnis. Ist heutzutage doch schon was Wert.



Kommentare:

  1. Sollte es sich hierbei eventuell um eine ABM handeln und der gute Mann wird nur herumgeschickt, damit er nicht im Büro verstaubt?

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    1. Es muß ja nicht gleich zum Schlimmsten kommen.

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