Samstag, 19. Oktober 2013

Fetzbuch

Die Grundidee der sozialen Netzwerke wie Facebook finde ich an sich richtig gut. Über die Datensammelwut der Betreiber kann man sicher trefflich streiten, allerdings bin ich immer noch der Meinung, daß jeder von uns heutzutage aufgeklärt genug sein sollte um zu wissen, was er wann wem gegenüber preisgibt oder nicht. Egal auf welchem Weg. Man muß ja nicht wie behämmert überall den Gefällt-mir-Knopf drücken, oder?! Und von dem Wunsch, das Geldverdienen auf möglichst hohem Niveau zu betreiben, kann sich wohl kaum jemand von uns freisprechen. Also dahingehend kein Vorwurf in Richtung Zuckerberg und Co.

Anfänglich habe ich mich ja aus Prinzip gegen Facebook gesperrt. Alle waren da, aber ich renne nicht allen hinterher wie die Lemminge. Doch irgendwann hat die Neugier gesiegt und ich habe einen Blick riskiert. Was mich von Anfang an genervt hat sind die ganzen elendigen Spiele, an deren Teilnahme man ständig animiert wird. Gut, da kann man was gegen machen, und schon bekommt man davon nichts mehr mit.

Mal sehen, wer sich hier sonst noch tummelt. Also ging es ans Kontakte knüpfen. Das ist auf diesem weniger persönlichen Weg auch für Menschen wie mich zwar ebenfalls nicht unproblematisch, aber doch insgesamt weniger schwierig. Was mich allerdings tief im Inneren doch etwas abstößt ist, daß wir auf Facebook alle Freunde sein sollen. Nö Leute, Freunde ist anders. Bekannte ist in Ordnung, aber nicht Freunde. Ich weiß, daß ich den Begriff hier im Blog auch gelegentlich als Ansprache für meine Leser verwende, aber da ist es doch offenkundig, daß das nur ein Stilmittel ist. Klar, Facebook lässt mir auch keine Wahl, aber irgendwie… egal. Kann ich nicht ändern.

In kurzer Zeit hatte ich 25 mit mir befreundete Personen zusammen. Damit bin ich auf Facebook natürlich die absolut unterste Liga. Man schaut ja doch mal nach, wer sich bei den anderen in den entsprechenden Freundeslisten so tummelt. Die erstaunliche Erkenntnis daraus war, daß man auf Facebook ein Niemand ist, wenn man nicht mindestens Freunde in nennenswerter dreistelliger Zahl mit sich herumschleppt.

Dann wollen wir mal sehen, was meine Freunde so alles auf Facebook treiben. Spielen. Schön. Ich bin ja auch ein richtiges Spielkind, nur gehen meine spielerischen Interessen in eine andere Richtung. Mit Online- und Browser-Spielen kann ich jetzt nicht so viel anfangen. Was noch? Lustige Bildchen und Sprüche, die sich andere ausgedacht haben, weiterverbreiten. Ja, da sind auch mal ein paar schöne Sachen bei, aber irgendwann wird man damit erschlagen. Außerdem: Wo ist die Eigenleistung, die eigene Kreativität, das Persönliche? Die Kontaktpflege? Der Aufbau einer schönen, persönlichen Seite? Das, was die vermutlich (hoffentlich) ursprüngliche Intention der Netzwerke war?

Hin und wieder stößt man auf jemanden, der mal etwas erzählt. Manche passen auf, was sie von sich geben, andere nicht. Wenn man einmal raus hat, wie sich der Kreis derjenigen, die den Kram lesen und sehen sollen, sehr zielgenau eingrenzen lässt, kann man damit doch schon sehr ordentlich was machen. Also fing ich an, meine ersten Texte zu veröffentlichen. Es kamen positive Resonanzen, der Gefällt-mir-Klick macht es dem Leser leichter, ohne den Aufwand, ein paar wohlfeile Worte finden zu müssen, Beifall zu bekunden. Ist auch nicht zwingend verkehrt, wie ich jetzt mal einräumen muß. Hier im Blog ziehe ich das Gegenstück zu dem Gefällt-mir aus den Statistiken. Ich kann schon anhand der technischen Auswertungen etwas detaillierter als über die bloße Zahl der gemeldeten Seitenaufrufe feststellen, daß meine Texte wohl irgend jemanden da draußen ansprechen müssen.

Allerdings habe ich die offenkundige Jagd verschiedener Facebook-Nutzer nach diesen Gefällt-mir-Klicks nie verstanden. Bei gewerblichen Nutzern ist es mir verständlich, aber was habe ich als Normalsterblicher davon, wenn eine möglichst hohe Zahl bei irgendwelchem Müll steht, den ich fabriziert habe? Wenn keine Leistung dahinter steckte? Es geht mir dabei nicht um sorgfältig ausformulierte Texte, sondern eher um Sprüche und ähnliche, eher einfachere Dinge. Klar, Unternehmen und sonstige Werbetreibende haben was davon, wenn das auf ihren Seiten geschieht, aber der durchschnittliche, zumeist jüngere Nutzer? Muß ein Jugendphänomen der heutigen Zeit sein. Berichtigt mich, wenn ihr andere Erfahrungen habt.

Dennoch kommt irgendwann die Erkenntnis, daß man in vielen Freundeslisten nur aus Gründen der menschlichen Sammelleidenschaft enthalten ist. Man hat keinen weiteren Kontakt zu seinem Freund, tauscht sich nicht aus, er steht einfach nur in der Liste. Gestört hat mich das schon immer. Nein, ich bin keine Trophäe. Karteileichen und Datenmüll waren mir schon zuwider, als ich noch verschiedene Foren und eine Homepage administriert habe. Das hat was mit Ordnungsliebe zu tun. Also begann ich, als ich mal wieder eine meiner schlechteren mentalen Phasen hatte, eine umfangreiche Löschaktion in meiner Freundesliste. Es hat Schuldige und Unschuldige erwischt. Ebenso betroffen waren die von mir erstellten Beiträge. Nahezu alles war weg.

Als es mir wieder besser ging erinnerte ich mich an die an sich positiven Resonanzen, die ich ja auch erfahren hatte und begann, einige Kontakte wieder aufzubauen. Der eine oder andere Kontakt kam auch noch aus eigenem Antrieb hinzu, und ich fing wieder an, meine belanglosen kleinen Geschichten zu schreiben. Auch richtete ich eine Facebook-Gruppe ein, in der sich meine damals noch bestehende Tabletop-Runde organisierte.

Irgendwann Ende des letzten Jahres gab es einen erneuten Rückschlag. Wieder war ich von etwas tiefgehend angefressen, die Rückzugstendenzen brachen erneut aus und schon begann wieder eine meiner großen Löschaktionen. Ich brach viele Kontakte ab, so auch die zur Tabletop-Runde. Außerdem wuchs meine Unzufriedenheit mit den technischen Facebook-Strukturen. Alte Beiträge waren plötzlich verschwunden, obwohl ich sie nicht gelöscht hatte. Oder es konnte nicht jeder alles lesen, für was er freigeschaltet war. Und das, obwohl andere wiederum kein Problem mit dem Zugriff darauf hatten. Hier musste was geschehen; ich begann mich – mal wieder, muß ich sagen – für die Bloggerei außerhalb von Facebook zu interessieren. Den letzten Schubs gab mir Conny, auch wenn ich mich zunächst noch wehrte. Auch hier muß ich aufpassen, was ich von mir gebe, denn einige meiner Leser wissen, wer sich hinter meinem Pseudonym verbirgt. Das Ergebnis habt ihr vor euch.

Auf Facebook blieb letztendlich eine Art Rumpfkonto erhalten. Wiederum löschte ich meine alten Beiträge und Alben konsequent, reduzierte die Freundesliste gnadenlos. Von mir gibt es auf Facebook außer gelegentlichen, sehr seltenen Kommentaren zu Beiträgen anderer nichts mehr zu lesen. Ganz lösen werde ich mich aber wohl doch nicht, denn im Laufe der Zeit bin ich auf Seiten und Gruppen gestoßen, die mir schon regelmäßig interessante Informationen liefern. Und nein, das ist nicht nur Werbung. Die Möglichkeit, diese verschiedenen Informationen gebündelt geliefert zu bekommen, finde ich schon sehr angenehm.

Außerdem unterhalte ich bekanntlich auf Facebook noch eine Seite zu diesem Blog. Hier werden neue Veröffentlichungen bekannt gegeben und es darf auch gerne kommentiert werden. Nur ist es schade, daß Facebook die Reichweite dieser Seiten immer wieder einschränkt. Das bedeutet, daß es durchaus sein kann, keine Eintragungen dort angezeigt zu bekommen, obwohl sie vorhanden sind. Verlasst euch also nicht auf die Facebook-Seite, wenn ihr erfahren wollt, ob sich hier im Blog was getan hat.

Es ist schon schade, wie wenig die sozialen und kommunikativen Möglichkeiten, die Facebook bietet, wirklich genutzt werden.

Und jetzt: Steinigt mich, ihr Fetzbuch-Jünger!


EDIT 30.08.2015: Seit ein paar Monaten ist alles, was ich unter Echtnamen als auch unter Pseudonym auf Facebook veröffentlicht hatte, gelöscht. Das Konto besteht nicht mehr.

Kommentare:

  1. Hallo,
    mit 23 Freunden spiele ich in einer noch untereren Liga. In den Anfangsphase, als ich meinen Facebook-Account hatte, hatten mich die äußerst dürftigen Kommentare genervt und was für ein Schrott teilweise gepostet wird. Das war wenig der Anstoß, dass ich eine eigene Blog-Seite gestaltet habe. In Blogs gibt es auch eine Reihe dürftiger Kommentare, aber insgesamt liegt das Niveau von Blogs deutlich über Facebook- das gilt auch für Deinen Blog.

    Gruß Diter

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    1. Und es ist schön zu wissen, daß ich, was Facebook-Inhalte betrifft, nicht alleine so empfinde.

      Hast du früher auf Facebook auch schon Inhalte in der Art gepostet, wie du sie heute auf deinem Blog hast? Die sind ja wunderbar mit Sachinformationen durchsetzt und in einer ordentlichen Sprache verfasst, daß es eine Schande wäre, sie auf Facebook versauern zu lassen, wo sie ohnehin kaum gefunden werden.

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  2. Mir ist das alles egal. Ich bin nicht bei Facebook. Mein Blog reicht mir. Ich hoffe, meine Sprache ist ordentlich genug für Dich? ;-)

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    1. Aber selbstverständlich ist sie das, sonst würde ich bei dir doch gar nicht mitlesen. :-)

      Das, was sich teilweise in den diversen Foren oder bei Facebook findet, ist doch schon echt erbärmlich. Wenn sich jemand beharrlich weigert, Groß- und Kleinschreibung zu nutzen und Satzzeichen als überflüssigen Luxus ansieht, dann weigere ich mich, das Kauderwelsch zu entziffern.

      Rechtschreibfehler und ungeschickte Formulierungen machen wir alle mal, aber diese Respektlosigkeiten gegenüber den Lesern, die sich da immer wieder geradezu inflationär finden lassen, akzeptiere ich einfach nicht.

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