Dienstag, 1. Oktober 2013

Der Zauber

Es war ein durchschnittlicher Montag. Zumindest was das Wetter anging. An diesem Morgen hatte ich ein hellblaues Jeanshemd und eine etwas dunklere Jeanshose angezogen. Frl. Hasenclever erschien wie meistens erst nach mir im Büro. Ich brachte ihr einige Akten zur Unterschrift vorbei, als wir bemerkten, daß wir im Partnerlook auftraten. Kann vorkommen.

Dienstags zog ich ein Hemd mit Längsstreifen an. Die Beschreibung meiner Hose wird auch im Folgenden auf die Montagsvariante bezogen bleiben, denn ich trage im Moment nur mittel- bis dunkelblaue Jeanshosen. Die schwarze Jeans ist für Sonn- und Feiertage sowie Beerdigungen reserviert. Vielleicht auch noch für andere offizielle Angelegenheiten. Mal sehen.

Frl. Hasenclever erschien in unserem Büro – sie hatte eine ähnliche Farb- und Musterkombination angezogen wie ich. Hmmm, Partnerlook. Schon wieder. Sehr verdächtig.

Mittwochs entschied ich mich für ein kariertes Hemd. Frl. Hasenclever hatte aus ihrem Kleiderschrank eine passend karierte Bluse rausgesucht. Ohne jegliche Absprache. Gerüchte, Gerüchte, Gerüchte.

Donnerstags fiel meine Wahl auf ein rotes Jeanshemd. Frl. Hasenclever… na ja, ihr könnt es euch denken. Rot.

Freitags sollte es warm werden. Ich entschied mich für eine schon etwas zerlumpte, mittelblaue Jeans, Turnschuhe und ein graues T-Shirt. Gespannt wartete ich auf Frl. Hasenclevers Erscheinen. Ich sah von meinem Schreibtisch aus, wie sie aus dem Treppenhaus kam.

„He, Frl. Hasenclever, das können Sie nicht machen.“

An ihren Füßen fanden sich Turnschuhe. In blau. So wie meine. Die Hose war eine offensichtlich schon ältere oder auf älter gemachte (Weicheier!) mittelblaue Jeans. Und das Oberteil? Ein weißes Top. Betroffen schaute sie mich an, dann an sich hinunter, nur um dann wieder den Blick auf mich zu heften.

„Herr Paterfelis, wissen Sie was? Ich hatte heute tatsächlich vor, ein graues T-Shirt anzuziehen. Aber das lag noch in der Wäsche. Ich habe es wohl vermasselt.“

Was soll man da sagen? Die Tatsachen sprechen für sich.

„Ja, Frl. Hasenclever, nun ist der Zauber unwiederbringlich zerstört.“

Ist wohl auch besser so.



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