Donnerstag, 31. Oktober 2013

Fehler im System

Die neue Version des MIST läuft und läuft nicht. Zahlreiche alte maschinelle Vorbelegungen von Eingabefeldern sind noch nicht wiederhergestellt. Die Handhabung ist umständlicher geworden. Wenn es früher gereicht hat, zum Aufbau einer zu verarbeitenden Informationen ein- oder zweimal irgendwo etwas anklicken zu müssen, sind zwischenzeitlich vier oder fünf Klicks erforderlich.

Auf der Schulung ist uns gesagt worden, daß jetzt insgesamt weniger Klicks benötigt werden, aber die Aussage konnte nur von einem Theoretiker kommen, der schon seit Jahren aus dem Praxisbetrieb raus ist.

Nun erhielten wir eine große Programmaktualisierung, mit der zahlreiche bekannte Fehler bereinigt werden sollten. Im Ergebnis war das auch soweit zutreffend, jedoch wurden in nicht unerheblichem Ausmaß bereits funktionierende Anwendungen zerschossen. Aufgrund der Bereinigungsarbeiten lief das MIST an mehreren Tagen hintereinander erst Stunden nach Dienstbeginn.

Es gibt immer wieder Momente, in denen ich mich frage, ob ich mir so langsam Sorgen um das Programm machen sollte. Ein solcher Moment liegt zum Beispiel vor, wenn ich solch eine Meldung angezeigt bekomme:

„Die Vorgaben können aufgrund eines Programmfehlers nicht ausgeführt werden. Die Anzeige des Programmfehlers ist aufgrund einer Programmfehlverarbeitung zur Zeit nicht möglich.“

Ich bin ja nur technischer Laie, aber hoffentlich kein DAU. Beruhigend wirkt das jedenfalls nicht auf mich.


Dienstag, 29. Oktober 2013

Morgenstund

Ich liebe die morgendliche Ruhe. Nur ich und das Radio. Seriöses Radio mit ansprechender Musik und mit ohne Gute-Laune-Moderatoren. So kann jeder Tag beginnen.

Das übliche zu absolvierende Morgenprogramm wird von mir souverän abgewickelt. Hektik findet nicht so oft statt, meine Arbeitsabläufe sind sehr ausgeklügelt und mit ausreichenden Zeitreserven versehen. Sally wünscht heute etwas länger im Bett zu bleiben. Sie kommt da ganz nach meiner Angetrauten. Heute lasse ich mal Gnade vor Recht ergehen. Ich schließe die Tür zum Mädchenzimmer, um die zweitbeste Ehefrau von allen nicht zu stören.

Nachdem ich meine Frühmittagsstückessenbrote fertig gemacht habe werfe ich den Laptop an. Ein kurzer Blick in die Runde; mal sehen, was Klein-Bloggersdorf zu bieten hat. Oder doch ein längerer Blick, denn ich habe ja wegen Sally etwas Luft gewonnen. Aber irgendwann wird es doch Zeit, ich muß heute etwas früher raus, will den Müll mitnehmen. Also stehe ich auf und beginne, mir was Bürotaugliches anzuziehen. Gerade stecke ich mit einem Bein in der Hose, als Sally auf der Bildfläche erscheint und mich anbrüllt. Na toll, ausgerechnet jetzt will sie doch ihren Spezialkakao. Hose zu, ab in die Küche, Napf auffüllen und kurz ab damit in die Mikrowelle. Zehn Sekunden genügen um die Atome und Moleküle derart zum Schwingen anzuregen, daß der Spezialkakao von kühlschrankkalt auf angenehm warm hochtemperiert wurde.

Sally schlabbert vor sich hin, ich ziehe mich weiter an und versuche dabei, den Rest der Katzenbande im Auge zu behalten. Niemand soll Sally beim Fressen stören. Das ist wichtig.

Das Telefon klingelt – Moooment, das Telefon klingelt? Um Fünf Uhr irgendwas? Schon hört es auf. Ich schaue auf die Anzeige. Aha, die zweitbeste Ehefrau von allen machte sich per Smartphone aus dem Mädchenzimmer bemerkbar. Ich gehe hin, öffne die Tür. Ein leicht unartikuliertes Gebrabbel meiner noch schlaftrunkenen Angetrauten macht mir klar, daß ich Smilla aus dem Bett entfernen und die Tür dann wieder schließen soll. Möglichst ohne eingesperrte Katze.

Gut, meine Zeit wird langsam knapp. Ich könnte Smilla etwas schubsen. Sie würde das Bett wohl zügig verlassen, sich aber unter Umständen irgendwo im Mädchenzimmer verstecken. So viel Zeit, sie dann zu suchen, eventuell unter dem Bett zu finden und da wieder hervorzuholen habe ich nicht. Also beschließe ich, unsere kleine Rumkugel rauszutragen. Eine gewagte Sache.

Wie der geneigte Leser vielleicht noch in Erinnerung hat, haben wir Smilla und Marty im Alter von zwei Jahren aus dem Tierheim geholt. Sie wurden dort geboren und hatten nur eingeschränkten Umgang mit Menschen. Und waren nicht darauf trainiert, sich hochheben zu lassen. Wir haben ihnen schon einiges beigebracht, aber das Hochgehobenwerden gehört weiterhin nicht zu den Dingen, die sie sich gerne gefallen lassen. Aber was sein muß, das muß eben sein. Ich diskutierte dies dann auch mit Smilla aus.

Mein Hemd hat es überstanden, die Hände hörten nach einiger Zeit auch auf zu bluten und die Kratzer auf meiner Brust werden wieder verheilen, da bin ich sicher. Wie gut, daß ich die oberen beiden Hemdknöpfe immer offen lasse und so gut wie nie Langärmeliges trage, sonst wäre die Textilie jetzt in einem Zustand, der dem jenes T-Shirts gleicht, welches ich einst getragen habe, als ich mit Marty geübt habe, für die Dauer von mehr als drei Sekunden angehoben zu werden. Es hatte vorher auch schon Löcher, aber so zerfetzt passt es gut zu Halloween…

Immerhin habe ich meinen Bus trotz erforderlicher lebensrettender Sofortmaßnahmen noch knapp erreicht. Und die zweitbeste Ehefrau von allen konnte ihren Schlaf ungestört fortsetzen. Nur die Sache mit dem Müll hat nicht mehr ganz so funktioniert.



Montag, 28. Oktober 2013

Mohikaner

An seinem letzten Arbeitstag vor dem anstehenden Urlaub brachte der Ökoklaus Sven und mir was Leckeres von der Bäckerei mit. Da wir beide keine Schoko-Muffin-Typen seien, hatte er sich für Hackrollen in Blätterteig entschieden. Die waren noch ofenwarm. Oh ja, das ist was für meines Vaters Lieblingssohn.

Der Ökoklaus meinte, dies sei ein kleines Dankeschön, da Sven und ich die letzten Mohikaner im Büro seien, die sich wohl noch ernsthaft für das Befinden ihrer Kollegen interessieren.

Ob das nun wirklich so ist, lasse ich mal dahingestellt. Aber die Geste fand ich schon nett.

Hugh, wir haben gesprochen gegessen.


Sonntag, 27. Oktober 2013

Respekt?

Wie man sich vielleicht vorstellenkann, stehe ich nicht gerne im Mittelpunkt eines Geschehens, bei dem ich hirnlosen Smalltalk halten muß. Oder mich überhaupt unmittelbar ohne konkretes Sachthema mit anderen Menschen auseinanderzusetzen habe. Ich bin ja noch nicht mal gerne als Randfigur dabei. Von daher drücke ich mich im Büro auch immer mit Leidenschaft vor ungezwungenen Gemeinschaftsveranstaltungen.

Es hat mich viel Zeit und Mühe gekostet, bis man weitgehend - wenn auch nicht vollumfänglich - begriffen hat, daß ich durchaus nichts dagegen habe, wenn mein Geburtstag ignoriert wird. Und das bitteschön konsequent. Gut, gegen eine Karte oder was ähnliches in Schriftform habe ich nichts, aber mit einer persönlichen oder telefonischen Gratulation kann ich nun mal meine nicht unerheblichen Schwierigkeiten bekommen. Selbst wenn die Gratulation nur von kurzer Dauer ist merke ich direkt, wie sich da wieder was in mir aufbaut. Eine über den Tag verteilte Gratulantenschar, die sich teilweise auch noch hartnäckig vor Ort aufhält und offensichtlich nichts besseres zu tun hat, kann da körperlich und mental für mich wirklich richtig anstrengend sein.

Manch einer hat sich in der Vergangenheit nicht von der persönlichen Gratulation abbringen lassen, aber ich verstehe nicht, warum das so sein muß. Was denkt sich dieser Mensch, wenn er mir unbedingt wider besseren Wissen eine persönliche Gratulation aussprechen will? Er tut mir nichts Gutes damit. Absolut nicht. Ist das so schwer zu verstehen? Als Antwort auf einem schon vor einigen Jahren bei einer sich bietenden Gelegenheit von meiner Angetrauten gegenüber Dr. Strebsinger ausgesprochenen und mit der passenden Hintergrundinformation versehenen Hinweis, es bitte sein zu lassen, kam dann ein Spruch nach dem Motto Da muß er dann eben einmal durch. Warum muß er da durch? Ich finde das nicht nur wenig rücksichtsvoll, sondern auch ausgesprochen respektlos und ärgere mich nur darüber. Ergebnis: Aktion für mich verfehlt, aber der Gratulant hat sich was Gutes getan. Tut mir Leid, aber so sehe ich das und lasse mich auch nicht davon abbringen.

Mein Geburtstag ist im Büro aus der allgemein zugänglichen Geburtstagsliste gelöscht. Habe ich selbst gemacht. Außerdem habe ich mich in den letzten Jahren konsequent aus allen mit Geburtstagen zusammenhängenden Tätigkeiten wie Geld sammeln, Karten unterschreiben, Pfötchen geben etc. rausgehalten. Ich hätte ja kein Problem damit, mich an diesen Dingen zu beteiligen, aber dann wird das wohl auch wieder zu den ungewünschten, gutgemeinten Gegenreaktionen führen. Und das will ich definitiv nicht.

Zur Unterstützung dieser Langzeitmaßnahmen habe ich auch immer längeren Urlaub genommen, wenn sich mein Geburtstag näherte. Die wenigen Kollegen, welche sich des Datums erinneren, haben zwei oder drei Wochen später auch keine Lust mehr verspührt, die dem Anlass üblichen Handlungen zu vollziehen. Da war das einfach schon verjährt.

Letztes Mal hat es nicht mit dem Urlaub geklappt. Ich musste also wirklich und wahrhaftig an meinem Geburtstag ins Büro gehen. Und prompt geschah, was geschehen musste. Es erschien ein Gratulant. Ein Gratulant, welcher weiß, was ich davon halte. Und sogar noch erklärt, daß er ja weiß, was ich davon halte, er aber dennoch... Und gratulierte vor vor dem komplett anwesenden Büro. Meine hier arbeitenden Kollegen wussten definitiv von nichts, zeigten sich entsprechend überrascht und gratulierten natürlich auch. Zusätzlich kam ich natürlich auch in Erklärungszwang. Natürlich erzähle ich nicht jedem den wahren Grund. Und schon hing ich wieder drin.

Danke. Ich hoffe, es hat wenigstens ihm gutgetan.


Samstag, 26. Oktober 2013

Guten Tag

Endlich wieder Feierabend. Ich steige die Treppe zum Bahnsteig des Neustädter Hauptbahnhofes hoch und gehe ganz zum am weitesten von hier entfernten Ende dieses besagten Bahnsteiges. Immer noch finden umfangreiche Baumaßnahmen auf meiner Strecke statt, welche nur eingleisigen Verkehr zulassen. Daher ist der Fahrplan vorübergehend etwas ausgedünnt; es fahren aus nachvollziehbaren Gründen weniger Züge. Zum Ausgleich wurden unter anderem die Züge verlängert, soweit es die Bahnsteige an der Strecke zulassen.

Der Mensch als solches ist eher ein mitunter faules Gewohnheitstier. Zahlreiche Reisende sammeln sich weiterhin in den eher zentralen Bereichen des Bahnsteiges und steigen in den an dieser Stelle überfüllten Wagen ein, während wir paar versprengte Abenteurer ein paar Schritte mehr gelaufen sind und dafür an der Zugspitze reichlich Platz für uns finden. Sogar in Spitzenzeiten kommt es vor, daß ich hier einen Viererplatz für mich alleine in Anspruch nehmen kann.

Auf meinem Weg kam ich an einem Herrn vorbei, etwa so breit wie hoch, der sich  in einem kurzen Gespräch mit einem ebenfalls dem Feierabend Entgegenreisenden befand. Man kennt die Gesichter seiner Papenheimer ja. Zum Ende des Gespräches machte sich der Herr eine kurze Notiz in seinem mitgeführten Ordner und ging weiter zum nächsten Wartenden.

Das Gespräch begann aufs Neue.

„Guten Tag, wir machen eine Umfrage für den Verkehrsverbund. Es geht um verschiedene Tickets. Haben Sie in den letzten Monaten ein XYZ-Ticket benutzt?“

„Nein“.

„Besitzen Sie eine Monatskarte im Abonnement?“

„Ja.“

„Die Umfrage findet telefonisch statt. Wenn Sie daran teilnehmen möchten, benötige ich Ihre Telefonnummer.“

„Nein, ich habe kein Interesse.“

„Danke.“

Weiter ging es zum nächsten Reisenden.

„Guten Tag, wir machen eine Umfrage für den Verkehrsverbund. Es geht um verschiedene Tickets. Haben Sie in den letzten Monaten ein XYZ-Ticket benutzt?“

„Nein“.

„Besitzen Sie eine Monatskarte im Abonnement?“

„Ja.“

„Die Umfrage findet telefonisch statt. Wenn Sie daran teilnehmen möchten, benötige ich Ihre Telefonnummer.“

„Nein, ich habe kein Interesse.“

„Danke.“

„Guten Tag, wir machen eine Umfrage für den Verkehrsverbund. Es geht um verschiedene Tickets. Haben Sie in den letzten Monaten ein XYZ-Ticket benutzt?“

„Nein“.

„Besitzen Sie eine Monatskarte im Abonnement?“

„Ja.“

„Die Umfrage findet telefonisch statt. Wenn Sie daran teilnehmen möchten, benötige ich Ihre Telefonnummer.“

„Nein, ich habe kein Interesse.“

„Danke.“

Und so weiter und so fort. Der Dialog spielte sich ewig nahezu identisch ab. Der Herr blieb gleichbleibend freundlich, was ich durchaus beeindruckend finde. Natürlich muß man als Umfrager so etwas aushalten können, aber wenn man weite Teile des Bahnsteiges abgrast und – soweit ich das mitbekommen habe – immer das gleiche, nahezu wortgleiche Gespräch führt, muß das doch irgendwann mal frustrieren.

Na ja, immerhin überfallen sie einen nicht direkt am Telefon, sondern fragen um Erlaubnis. Ist heutzutage doch schon was Wert.



Freitag, 25. Oktober 2013

Kleine Randbemerkung (9)

Der scheinbar harmlos-dümmliche Satz "Es ist im Büro so viel zu tun, daß ich gar nicht weiß, was ich zuerst liegenlassen soll." entbehrt tatsächlich keineswegs einer gewissen Brisanz.

Darüber lohnt es sich mal nachzudenken.



Donnerstag, 24. Oktober 2013

Kinder, Kinder oder Früh übt sich

Der Bahnhof Neustädter Ländchen ist eher ein Haltepunkt. Vielleicht nicht rein technisch betrachtet, aber nach verbreiteter Meinung reisender Laien wohl schon. Bei einem Bahnhof denkt man ja eher an viele Bahnsteige, ein riesiges Gleisvorfeld, große Wartehallen, herumlaufendes Servicepersonal und so weiter. Die kleineren Bahnhöfen an Nebenstrecken bestehen im Gegensatz dazu ja zumeist aus zwei außen am Gleis angebrachten Bahnsteigen. Dazu gesellt sich ein kleiner Wetterschutz und ein Fahrkartenautomat - mit etwas Glück sogar je einer pro Bahnsteig. Das in etwa wäre ein Bild, mit dem sich eher der Begriff Haltepunkt in einem landläufigen Sinne verbindet.
 
Damit sich beim geneigten Leser direkt die passende Vorstellung aufdrängt, beschreibe ich diesen Bahnhof also wider besseren Wissens in meinen Texten zumeist als Haltepunkt. Die Bahnsteige befinden sich ganz klassisch außen an den Gleisen 2 und 3; wo das Gleis 1 sein soll, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht sah es hier vor einigen Jahren noch anders aus und es gab ein weiteres Gleis, aber das muß dann zu einer Zeit gewesen sein, als ich noch nicht hier wohnte. Ein alter Straßenname gibt einen entsprechenden Hinweis auf ein altes Ladegleis, welches von der Reihenfolge der heute noch vorhandenen Numerierung durchaus das vermisste Gleis 1 gewesen sein könnte. Jedenfalls ist dieses Gleis wohl schon lange verschwunden. Man findet auch keine zumindest ohne weiteres Suchen sichtbaren Reste mehr.

Um auf meinem Heimweg vom Bahnsteig des Gleises 3 zu den Bushaltestellen zu gelangen, muß ich die Gleise queren. Zu diesem Zweck wurde einst eine kleine Untertunnelung geschaffen. Auf der Seite meines Ankunftsbahnsteiges führen von zwei Seiten Treppen zur Untertenneulung hinunter, die dritte Seite bildet ein relativ steiler aber nicht unbezwingbarer Abhang aus Lehm und wildem Pflanzenbewuchs.

Allzu selten wird dieser Abhang wohl nicht als Abkürzung verwendet, denn es hat sich zwischen der Vegetation ein schmaler Trampelpfad gebildet. Nichts für fußkranke Bewegungslegastheniker, soviel steht fest. Die Neigung ist schon beachtlich.

Zwei Jungs, mit Sicherheit im schulpflichtigen Alter, aber noch weit davon entfernt, sich als Teenager bezeichnen zu dürfen, standen am oberen Ende des Trampelpfades. Der etwas Größere von beiden ergriff direkt die Initiative.

„Los, komm, wir nehmen die Abkürzung.“

Ehe ich mich versah, machte er das einzig Richtige zur Bewältigung des Pfades: Er nahm ihn im Sturmlauf und hatte so schon fast keine Gelegenheit, irgendwo auszurutschen. Der andere Junge hingegen zögerte, tastete sich langsam vor und zog wieder zurück.

„Los komm schon.“

"Nein."

Na, so richtige Begeisterung für den Plan seines Freundes bezüglich des einzuschlagenden Weges konnte er wohl nicht aufbringen.

„Einfach schnell runter.“ 

Der Kleinere antwortete „Und was ist mit meinen schönen Schuhen?“

Wie bitte? Und – was – ist – mit – meinen – schönen – Schuhen - ? Ich ließ mir die Frage nochmal innerlich auf der Zunge zergehen.

Der hat Angst, daß seine Schuhe dreckig werden?  In dem Alter hätte mich die Sauberkeit meiner Schuhe nicht mal ansatzweise interessiert. Das wäre ja nicht mal als Ausrede bei meinen Kumpels durchgegangen. Die hätten mich ausgelacht.

Was ist heute nur aus den Jungs geworden? Ist der Kleine schon auf dem Weg, mal ein metrosexueller Mann zu werden? So mit rasierter Brust und schicken gelegten Haaren auf dem Kopf? Schrecklich.

Aber immerhin hat der Kleine es noch geschafft, dem vorgegebenen Weg seines Kumpels zu folgen.

Und wenn es nur der Trampelpfad war.



Mittwoch, 23. Oktober 2013

Vegetariertag - Epilog

Wieder waren einige, wenn auch wenige Stunden vergangen, als Frl. Hasenclever in unserem heimeligen Büro erschien, um Akten bei mir loszuwerden. Als ob ich nicht schon genug Papier herumliegen und -hängen hätte.

Der messerscharfe Blick aus ihren blauen Augen traf meine Heldenbrust. Nichts konnte ihr entgehen. Überhaupt nichts.

„Sie haben Flecken auf Ihrem T-Shirt.“

„Japp, habe ich. Der Döner hat mir heute Mittag ungewöhnlich heftigen Widerstand geleistet. Wer den gepackt hat, muß ein heimlicher militanter Vegetarier gewesen sein. Oder ein Praktikant. Vielleicht war das auch ein als Praktikant eingeschleuster militanter Vegetarier. Manche schrecken ja vor nichts zurück. Ganz schlimme Sache. So gibt das nichts mit dem Weltfrieden. Alles die Vegetarier Schuld. Natürlich nur die militanten. Es soll ja auch andere geben.

"Aha?!"

"Oh ja. Es war ein harter Kampf, wie Sie sehen können. Nur der Döner und ich. Keine Zeugen. Hart und schmutzig. Aber ich habe gewonnen. Und ich würde es jederzeit wieder machen."

"Allerliebst, wirklich."

"Oh ja. Aber sie müssen erst mal sehen, wie der Verlierer jetzt aussieht. Halten Sie mal die Hand auf.“

„HERR PATERFELIS!“


(Ende)



PS:

Auf vielfachen Wunsch der zweitbesten Ehefrau von allen habe ich an dieser Stelle noch nachzutragen, was mich in den Abendstunden des Weltvegetariertages zu Hause erwartete. Es handelte sich um einen angenehm überladenen Teller, dessen Foto ich aus ästhetischen Gründen nicht veröffentliche, beladen mit köstlichem Burgunderbraten, herrlich gebutterten Spätzle, fruchtigen Rotweinzwiebeln und einer zugegebener Maßen nicht ganz dazu passenden aber dennoch leckeren Früchtebeilage auf Auberginenbasis. Denn der Klugscheißer weiß: Auberginen sind kein Gemüse, sondern Obst.

Ein Rezept gibt es laut Aussage der zweitbesten Ehefrau von allen nicht.









Dienstag, 22. Oktober 2013

Vegetariertag - 2. Akt

Stunden später. Eine Tüte erschien in meinem Büro, getragen von Sven, begleitet von einem aufgeregten Frl. Hasenclever (Reihenfolge der Aufzählung nach Wichtigkeit der Beteiligten). Die Tüte fand ihren Weg zu mir und meinem Tisch und enthielt zweifelsfrei den von mir ersehnten Döner.

„Sie wollen den doch jetzt wohl nicht essen?!“

Frl. Hasenclevers von einer Erkältung in Mitleidenschaft gezogene Stimme krächzte durch den Raum.

„Aber selbstverständlich will ich den essen. Und zwar jetzt und sofort.“

„Heute ist Welt-Vegetariertag.“

„Ja, hat Sven schon erzählt. Und ich hoffe sehr, daß die extra große Ladung Fleisch in dem Brot hier nicht getarntes Sojazeug ist. Außerdem stammt dieses Fleisch hier vom Lamm und ist damit nur weiterverarbeitetes und somit veredeltes Grünfutter.“

„MÄNNER! Mein Freund sagt das auch immer. Nur bezogen auf Milch. Er trinkt keine Milch, isst aber Joghurt und Käse.“

„Sehen Sie. Also wird da wohl was dran sein. Denken Sie mal drüber nach. Und nun husch husch, zurück in ihr Büro. Ich bin mit wichtigen, eilbedürftigen Dingen beschäftigt.“

Endlich hatte ich Zeit und Ruhe für meinen Döner. Dieser schien vom Dönermann-Praktikanten gepackt worden zu sein. Andauernd sind Bestandteile rausgefallen. Meistens auf untergelegtes Papier aus meiner Müllkiste für dennoch datenschutzwürdige Schriftstücke, gelegentlich jedoch auch beim Abbeißen – und damit auf mein Shirt. Mistding. Aber ich habe gekämpft. Und ich habe gewonnen. Da hegt hier wohl niemand einen ernsthaften Zweifel dran, oder?!


(wird fortgesetzt)


Montag, 21. Oktober 2013

Vegetariertag - 1. Akt

„Oh, das ist aber sehr löblich von dir.“

Irgendwie klang Svens Aussage wenig glaubhaft. Ein leicht unterschwellig, kaum zu erahnender Klang in seiner Stimme verriet mir, daß er es nicht so ganz, also nicht aus reinstem Herzen, wirklich so meinte, wie er es formulierte.

„Waff willft du?“ schmatzte ich ihn an und entfernte einige hinausgefallene... ach, lassen wir das.

„Heute ist Welt-Vegetariertag. Die GRÜNEN debattieren nur darüber, die Amerikaner machen das einfach. Und du bist gerade auch nicht dabei, dir ein Wurstbrot einzuverleiben.“

Vegetariertag? So weit kommt es noch. Aber…

„Mift, if habe heute tatfäflif kein einfigef…“ – endlich konnte ich schlucken. So ab 100 Gramm Ladevolumen im Mund neigt meine Sprache doch dazu, etwas undeutlich zu werden. „…Brot dabei, auf dem sich fleisch- oder wurstartiger Belag befindet.“

Wie gut, daß sich auf dem Brot der Calvé Pindakaas met stukjes noot aus dem Glas mit dem gelben Deckel befand und nicht etwa der Calvé Pindakaas mit ohne Stückchen aus dem Glas mit dem braunen Deckel, welcher einem immer den Gaumen so verklebt. Merkt euch das endlich mal, das ist wichtig. So konnte ich endlich wieder verständlich sprechen. Ansonsten hätte das noch gedauert.

Sven wusste in unserer Fleischlosigkeitsproblematik Rat.

„Soll ich dir heute Mittag einen Döner mitbringen? Ich habe für mich schon zu Hause Spaghetti Bolognese eingepackt. Irgendwie muß man ja Widerstand leisten.“

„Jau, gute Maßnahme. Mach mal.“

So harrte ich der Dinge, die da kommen sollten.


(wird fortgesetzt)


Sonntag, 20. Oktober 2013

Vegetariertag - Prolog

Während ich in eine Akte vertieft war, biss ich in mein Pindakaas-Brot. In Deutschland ist dies ja eher als Erdnusscreme bekannt, international spricht man wohl hauptsächlich von Erdnussbutter. In unserer Familie aber heißt das nach holländischer Art seit uralten Zeiten Pindakaas.

Es gab eine längst vergangene Epoche, da war Erdnussbutter in unserem kulinarisch noch rückständigen Land nicht zu erhalten. Wie der geneigte Leser aber in Erfahrung bringen kann – bevorzugt durch eifriges Lesen dieses Blogs – wohnte ich früher mal am Niederrhein, welcher an dieser Stelle tendentiell Grenzgebiet zu den Niederlanden, vulgo Holland ist. Erschwerend kommt hinzu, daß meine Familie dort, um präzise zu sein in der Provinz Nordholland, Verwandtschaft hat, was durchaus einen Grund für gelegentliche gegenseitige Grenzüberschreitungen darstellt.

Es war gute Tradition, daß wir von unserer Verwandtschaft anlässlich eines solchen Besuches mit Kaffee und vor allen Dingen Erdnussbutter, dort als Pindakaas bekannt, versorgt wurden. Da kam für uns nur eine Marke in Frage: Calvé Pindakaas met stukjes noot. Also mit Stückchen. Extra groben Stückchen. Nicht ganz billig, aber gnadenlos gut. Die Variante ohne Stückchen schmeckt anders und klebt dem Genussmenschen den Gaumen schlichtweg zu. Nicht so die Variante mit Stückchen.

Heute lässt sich Erdnussbutter auch im deutschen Lebensmitteleinzelhandel käuflich erwerben. Insbesondere Feinkost Albrecht und der Schwarzmarkt sind mit Aktionsware in dieser Richtung mehrfach im Jahr dabei. Jetzt zur wieder kälteren dunkleren Jahreszeit finden sich die Gläser auch mal im Standardsortiment.

Doch es gibt Unterschiede. Die mir bekannte hier erhältliche Erdnussbuttercreme zeigt einen eher unterschwellig süßlichen Geschmack. Durchaus genießbar, aber es geht besser. Und zwar in Form des Pindakaas von Calvé. Met stukjes noot. Wichtig! Zunächst enthält dieser kulinarische Hochgenuss deutlich mehr extra grobe Stücke der enthaltenen Erdnüsse und besitzt somit eine wesentlich schönere Konsistenz.

Darüber hinaus vermute ich, daß im Gegensatz zu den in Deutschland vermarkteten mir bekannten Produkten der verschiedenen Hersteller in dem Calvé-Pindakaas (übrigens: den mit Stückchen, also met stukjes noot, das ist wirklich sehr wichtig) auch die braune Haut der Erdnüsse mitverarbeitet wird. Er ist dunkler und hat auch das typische, leicht bittere Aroma dieser Hautfetzen. Dazu scheint er etwas stärker gesalzen zu sein, ist also insgesamt kräftiger im Geschmack und weniger süßlich. Wer es süß mag, soll sich noch eine Schicht Nuß-Nougat-Creme darüber streichen. Auch lecker. Selbst der untrainierteste Magen übersteht das nach einigen Stunden und lässt dann weitere Nahrungsaufnahme wieder zu. Über den Brennwert eines solches Brotes unterhalten wir uns irgendwann an anderer Stelle.

Dieser Pindakaas ist also für mich die erste Wahl, ganz ohne Zweifel. Soviel unbezahlte Werbung muß einfach mal erlaubt sein. Wie gut, daß man den auch hier, abseits des deutsch-niederländischen Grenzgebietes, via Internet ordern kann. Die deutschen Produkte taugen nur zur Überbrückung, bis wieder Nachschub da ist. Einfach mal Tante Google fragen, die kennt sich aus.

Doch genug damit in meinem Bestreben, im Rahmen des ewigen latenten Bildungsauftrages dieses Blogs Kultur und Genuss zu verbreiten. Wir waren bei einem anderen Thema.

Gerade in diesem eingangs beschriebenen Moment, als ich in mein Brot mit Calvé Pindakaas met stukjes noot – nicht vergessen, die Stückchen sind wichtig, deswegen immer das Glas mit dem gelben Deckel kaufen, nicht das mit dem braunen Verschluss  - gebissen und daher die Schnauze mal wieder so richtig voll hatte, kam also Sven ins Zimmer.


(wird fortgesetzt)


Samstag, 19. Oktober 2013

Fetzbuch

Die Grundidee der sozialen Netzwerke wie Facebook finde ich an sich richtig gut. Über die Datensammelwut der Betreiber kann man sicher trefflich streiten, allerdings bin ich immer noch der Meinung, daß jeder von uns heutzutage aufgeklärt genug sein sollte um zu wissen, was er wann wem gegenüber preisgibt oder nicht. Egal auf welchem Weg. Man muß ja nicht wie behämmert überall den Gefällt-mir-Knopf drücken, oder?! Und von dem Wunsch, das Geldverdienen auf möglichst hohem Niveau zu betreiben, kann sich wohl kaum jemand von uns freisprechen. Also dahingehend kein Vorwurf in Richtung Zuckerberg und Co.

Anfänglich habe ich mich ja aus Prinzip gegen Facebook gesperrt. Alle waren da, aber ich renne nicht allen hinterher wie die Lemminge. Doch irgendwann hat die Neugier gesiegt und ich habe einen Blick riskiert. Was mich von Anfang an genervt hat sind die ganzen elendigen Spiele, an deren Teilnahme man ständig animiert wird. Gut, da kann man was gegen machen, und schon bekommt man davon nichts mehr mit.

Mal sehen, wer sich hier sonst noch tummelt. Also ging es ans Kontakte knüpfen. Das ist auf diesem weniger persönlichen Weg auch für Menschen wie mich zwar ebenfalls nicht unproblematisch, aber doch insgesamt weniger schwierig. Was mich allerdings tief im Inneren doch etwas abstößt ist, daß wir auf Facebook alle Freunde sein sollen. Nö Leute, Freunde ist anders. Bekannte ist in Ordnung, aber nicht Freunde. Ich weiß, daß ich den Begriff hier im Blog auch gelegentlich als Ansprache für meine Leser verwende, aber da ist es doch offenkundig, daß das nur ein Stilmittel ist. Klar, Facebook lässt mir auch keine Wahl, aber irgendwie… egal. Kann ich nicht ändern.

In kurzer Zeit hatte ich 25 mit mir befreundete Personen zusammen. Damit bin ich auf Facebook natürlich die absolut unterste Liga. Man schaut ja doch mal nach, wer sich bei den anderen in den entsprechenden Freundeslisten so tummelt. Die erstaunliche Erkenntnis daraus war, daß man auf Facebook ein Niemand ist, wenn man nicht mindestens Freunde in nennenswerter dreistelliger Zahl mit sich herumschleppt.

Dann wollen wir mal sehen, was meine Freunde so alles auf Facebook treiben. Spielen. Schön. Ich bin ja auch ein richtiges Spielkind, nur gehen meine spielerischen Interessen in eine andere Richtung. Mit Online- und Browser-Spielen kann ich jetzt nicht so viel anfangen. Was noch? Lustige Bildchen und Sprüche, die sich andere ausgedacht haben, weiterverbreiten. Ja, da sind auch mal ein paar schöne Sachen bei, aber irgendwann wird man damit erschlagen. Außerdem: Wo ist die Eigenleistung, die eigene Kreativität, das Persönliche? Die Kontaktpflege? Der Aufbau einer schönen, persönlichen Seite? Das, was die vermutlich (hoffentlich) ursprüngliche Intention der Netzwerke war?

Hin und wieder stößt man auf jemanden, der mal etwas erzählt. Manche passen auf, was sie von sich geben, andere nicht. Wenn man einmal raus hat, wie sich der Kreis derjenigen, die den Kram lesen und sehen sollen, sehr zielgenau eingrenzen lässt, kann man damit doch schon sehr ordentlich was machen. Also fing ich an, meine ersten Texte zu veröffentlichen. Es kamen positive Resonanzen, der Gefällt-mir-Klick macht es dem Leser leichter, ohne den Aufwand, ein paar wohlfeile Worte finden zu müssen, Beifall zu bekunden. Ist auch nicht zwingend verkehrt, wie ich jetzt mal einräumen muß. Hier im Blog ziehe ich das Gegenstück zu dem Gefällt-mir aus den Statistiken. Ich kann schon anhand der technischen Auswertungen etwas detaillierter als über die bloße Zahl der gemeldeten Seitenaufrufe feststellen, daß meine Texte wohl irgend jemanden da draußen ansprechen müssen.

Allerdings habe ich die offenkundige Jagd verschiedener Facebook-Nutzer nach diesen Gefällt-mir-Klicks nie verstanden. Bei gewerblichen Nutzern ist es mir verständlich, aber was habe ich als Normalsterblicher davon, wenn eine möglichst hohe Zahl bei irgendwelchem Müll steht, den ich fabriziert habe? Wenn keine Leistung dahinter steckte? Es geht mir dabei nicht um sorgfältig ausformulierte Texte, sondern eher um Sprüche und ähnliche, eher einfachere Dinge. Klar, Unternehmen und sonstige Werbetreibende haben was davon, wenn das auf ihren Seiten geschieht, aber der durchschnittliche, zumeist jüngere Nutzer? Muß ein Jugendphänomen der heutigen Zeit sein. Berichtigt mich, wenn ihr andere Erfahrungen habt.

Dennoch kommt irgendwann die Erkenntnis, daß man in vielen Freundeslisten nur aus Gründen der menschlichen Sammelleidenschaft enthalten ist. Man hat keinen weiteren Kontakt zu seinem Freund, tauscht sich nicht aus, er steht einfach nur in der Liste. Gestört hat mich das schon immer. Nein, ich bin keine Trophäe. Karteileichen und Datenmüll waren mir schon zuwider, als ich noch verschiedene Foren und eine Homepage administriert habe. Das hat was mit Ordnungsliebe zu tun. Also begann ich, als ich mal wieder eine meiner schlechteren mentalen Phasen hatte, eine umfangreiche Löschaktion in meiner Freundesliste. Es hat Schuldige und Unschuldige erwischt. Ebenso betroffen waren die von mir erstellten Beiträge. Nahezu alles war weg.

Als es mir wieder besser ging erinnerte ich mich an die an sich positiven Resonanzen, die ich ja auch erfahren hatte und begann, einige Kontakte wieder aufzubauen. Der eine oder andere Kontakt kam auch noch aus eigenem Antrieb hinzu, und ich fing wieder an, meine belanglosen kleinen Geschichten zu schreiben. Auch richtete ich eine Facebook-Gruppe ein, in der sich meine damals noch bestehende Tabletop-Runde organisierte.

Irgendwann Ende des letzten Jahres gab es einen erneuten Rückschlag. Wieder war ich von etwas tiefgehend angefressen, die Rückzugstendenzen brachen erneut aus und schon begann wieder eine meiner großen Löschaktionen. Ich brach viele Kontakte ab, so auch die zur Tabletop-Runde. Außerdem wuchs meine Unzufriedenheit mit den technischen Facebook-Strukturen. Alte Beiträge waren plötzlich verschwunden, obwohl ich sie nicht gelöscht hatte. Oder es konnte nicht jeder alles lesen, für was er freigeschaltet war. Und das, obwohl andere wiederum kein Problem mit dem Zugriff darauf hatten. Hier musste was geschehen; ich begann mich – mal wieder, muß ich sagen – für die Bloggerei außerhalb von Facebook zu interessieren. Den letzten Schubs gab mir Conny, auch wenn ich mich zunächst noch wehrte. Auch hier muß ich aufpassen, was ich von mir gebe, denn einige meiner Leser wissen, wer sich hinter meinem Pseudonym verbirgt. Das Ergebnis habt ihr vor euch.

Auf Facebook blieb letztendlich eine Art Rumpfkonto erhalten. Wiederum löschte ich meine alten Beiträge und Alben konsequent, reduzierte die Freundesliste gnadenlos. Von mir gibt es auf Facebook außer gelegentlichen, sehr seltenen Kommentaren zu Beiträgen anderer nichts mehr zu lesen. Ganz lösen werde ich mich aber wohl doch nicht, denn im Laufe der Zeit bin ich auf Seiten und Gruppen gestoßen, die mir schon regelmäßig interessante Informationen liefern. Und nein, das ist nicht nur Werbung. Die Möglichkeit, diese verschiedenen Informationen gebündelt geliefert zu bekommen, finde ich schon sehr angenehm.

Außerdem unterhalte ich bekanntlich auf Facebook noch eine Seite zu diesem Blog. Hier werden neue Veröffentlichungen bekannt gegeben und es darf auch gerne kommentiert werden. Nur ist es schade, daß Facebook die Reichweite dieser Seiten immer wieder einschränkt. Das bedeutet, daß es durchaus sein kann, keine Eintragungen dort angezeigt zu bekommen, obwohl sie vorhanden sind. Verlasst euch also nicht auf die Facebook-Seite, wenn ihr erfahren wollt, ob sich hier im Blog was getan hat.

Es ist schon schade, wie wenig die sozialen und kommunikativen Möglichkeiten, die Facebook bietet, wirklich genutzt werden.

Und jetzt: Steinigt mich, ihr Fetzbuch-Jünger!


EDIT 30.08.2015: Seit ein paar Monaten ist alles, was ich unter Echtnamen als auch unter Pseudonym auf Facebook veröffentlicht hatte, gelöscht. Das Konto besteht nicht mehr.

Freitag, 18. Oktober 2013

Gruß aus der Küche – Mediterranes Ofengemüse mit Halloumi

„Wie? Du?“

Das war die Reaktion der zweitbesten Ehefrau von allen auf die durch mich erfolgte Beantwortung ihrer Frage, was ich denn gedenke abends aufzutischen.

Ja, ich mache eine Gemüsepfanne. Warum auch nicht? Gerne räume ich ein, daß ich Gemüse in seiner klassischen Form, also Erbsen und Möhrchen zu einem Stück Fleisch und einem Kartoffelgebirge nicht mag. Bohnen auch nicht. Aber wenn Erbsen oder Bohnen gut verarbeitet sind, so zum Beispiel in Form einer Suppe oder eines Eintopfs, esse ich die durchaus gerne. Die Zubereitung macht es meistens aus.




Die Mediterrane Gemüsepfanne ist schnell gemacht, lässt sich gut vorbereiten, ist wieder aufzuwärmen und in ihrer Zusammenstellung höchst variabel. Aus diesem Grund sind die Mengenangaben eher als grobe Orientierungsgröße zu verstehen. Je nach persönlichem Geschmack lässt sich alles anpassen.

Man nehme:

1 kg Kartoffeln
1 Aubergine
2 Zucchini
3 Gemüsezwiebeln
500 g Champignons
400 g Kirschtomaten
2 Paprikaschoten
100 g entsteinte grüne Oliven
500 g Halloumi (zypriotischer Grillkäse)
5 EL Tomatenmark
7 EL Öl
1 ½ EL getrockneter Oregano
Pfeffer
Salz
4 Rosmarinzweige

Die Kartoffeln nicht ganz gar kochen. Diese dann zusammen mit dem Gemüse und dem Käse in weitgehend mundgerechte Stücke schneiden. Es darf gerne etwas grober bleiben.

Öl, Tomatenmark, Oregano, Salz und Pfeffer verrühren und alles gut mit der Gemüsemasse vermischen.

Die Rosmarinzweige auf ein tiefes Backblech oder in eine große Auflaufform legen. Die Gemüsemischung darüber verteilen.

Alles im auf 180 Grad vorgeheizten Ofen 30 bis 40 Minuten backen. Fertig.

Das Gericht sollte sich mit Zugabe von gebratenem Hackfleisch, eventuell einem auf dem Teller angebrachtem Klecks Schmand oder Sauce Hollandaise sicherlich variieren lassen, erforderlich ist das aber keineswegs. Eine Beilage ist ebenfalls nicht erforderlich, doch ein ordentliches Stück Lammfleisch sollte schon passen.



Mittwoch, 16. Oktober 2013

Noch mehr Türmereien

Große Probleme beherrschen mich zur Zeit im LASA. Also wirklich richtig große Probleme. Dagegen erscheint der ganze andere große Scheißkram wie ein kleiner Fliegenschiss.

Vor einiger Zeit habe ich mich bereits dazu geäußert, daß einige Kollegen ihre Papiersammlungen nicht mehr unter Verwendung von Pappheftern zu ordentlichen Akten verarbeiten, sondern Klarsichthüllen verwenden. So lange wir keine Papphefter, also Aktendeckel, geliefert bekamen, war das schon ärgerlich genug, aber im Ansatz wenigstens begründbar.

Zwischenzeitlich hat uns endlich mal wieder eine Lieferung leerer Aktendeckel erreicht. Doch jetzt haltet euch fest, es ist unglaublich. Die Bequemlichkeit hat Einzug gehalten. Angeblich spart es Zeit, wenn das ganze Papier einfach lose in die Hüllen gesteckt wird. Außerdem möchten einige zartbesaitete Kollegen die Metallklammern nicht anfassen, mit denen das Papier in den Aktendeckeln befestigt wird. Ja, die Dinger können schon gefährlich sein und bei ungeschicktem Gebrauch Schnittverletzungen verursachen. Aber hey, das ganze Leben ist gefährlich und endet im Regelfall mit den Tod. Also keine falsche Zurückhaltung. Nach ein paar Jahren sind die Finger narbenübersäht und verhornt, dann gibt es keine Schnitte mehr. Da kommt nichts mehr durch.

Ich fasse es einfach nicht. Das grenzt schon an Sabotage.

Nach wie vor halten insbesondere der Ökoklaus und ich als dienst- und fast auch lebensälteste Jünger Sankt Bürokratius‘ in unserer Außenstelle diese Art des Aktenbaus für ausgesprochen unerfreulich, ja geradezu frevelhaft. Das ist auch eine Stilfrage. Und wir haben einen weiteren Grund gefunden, uns anhaltend gegen die Verwendung dieser Hüllen auszusprechen: Man kann damit keine Türme bauen! KEINE TÜRME! Stellt euch das mal vor. Keine großen Türme, keine mittleren Türme und auch keine kleinen Türme. Nicht mal einen nennenswerten Mini-Stapel.

Es funktioniert einfach nicht. Ein oder zwei dieser Hüllen, verarbeitet in einem Aktenturm, lassen diesen ausgesprochen instabil werden. Die Oberfläche der Plastikhüllen ist viel zu glatt. Da hält nichts drauf. Vielleicht ein Klebezettel. Klebezettel sind keine Akten und damit vollkommen unbedeutend. Aber es ist im Moment einfach unabdingbar, Akten zu Türmen aufstapeln zu können. Die Schränke sind zum Bersten voll.

Selbst ein einfacher Stapel aus mehreren Hüllen lässt sich nicht bilden. Hatte ich das schon erwähnt? Ab der dritten, spätestens aber der vierten verwendeten Hülle rutscht alles zur Seite weg. 

Das muß endlich ein Ende haben.

Zeitersparnis? Pah.


Dienstag, 15. Oktober 2013

Wenn ich dich sehe...

Auch im Büro bin ich - trotz gegenteiliger Gerüchte – nur ein Mensch. Ich vernahm durchaus schon mal den schmeichelhaften Titel Gott des Abgabeneintreibens im Zusammenhang mit meiner von tiefer Bescheidenheit geprägten Person, doch ich bleibe dabei. Also die Sache mit dem Menschsein. Das muß ich aber nicht jedem erzählen, schließlich habe ich einen Ruf zu verlieren.

Als solch ein Mensch überkam mich einst ein ebensolches höchst menschliches Rühren. Dieses machte es mir unmöglich, mich weiter mit dem auf jeden Fall besonders interessanten *gähn*  300-Seiten-Wälzer auseinanderzusetzen, welcher aufgeschlagen vor mir lag. Ich erhob meinen irdischen Leib und bewegte mich grazil wie eine Elfe – oder wie auch immer dieses Tier mit dem Rüssel heißt – in Richtung des einst extra zu dem nun von mir vorgesehenen Zweck errichteten Porzellanladenpalast.

Der direkte Weg erfordert es, die halbe Strecke nach Indien zurückzulegen, nur um dann in einem wohl berechneten 90 Grad-Winkel linksseitig abzubiegen, wieder ein paar Schritte zu gehen und dann eine dem vorherigen Abbiegemanöver gegenläufige Bewegung auszuführen.

Kurz bevor ich den Punkte erreichte, an dem ich das erste Manöver auszuführen gedachte, erschien Trudi aus Richtung Indien kommend auf dem Gang. Sie bemerkte mich, anderenfalls hätte sie über die Anschaffung von Augengläsern nachdenken sollen. Ihr Gesicht zeigte ein gewisses Freudestrahlen, die Augen begannen zu leuchten.

Und schon hallte ihre Stimme klar und glockengleich über den Flur.

„Paterfelis, wenn ich dich sehe muß ich daran denken, daß ich noch Kaffee kochen wollte.“

Ähm, ja. Muß ich das verstehen? Ich habe weder kaffeebraune Haut noch bin ich Kaffeetrinker. Auch führte ich gerade weder sichtbar noch unsichtbar ein Behältnis mit, welches darauf schließen ließe, daß ich Tee-, Kaffee- oder ein sonstiges Wasser zum Zwecke der Aromatisierung oder gar des puren Genusses holen wollte. Mein Ansinnen war eher, etwas Ähnliches, allerdings am Ende eines längeren Umwandlungsprozesses Stehendes wegzubringen. Aber selbst das war zu diesem Zeitpunkt tendenziell nicht für den unbefangenen Beobachter erkennbar.

So erinnerte ich mich des Ökoklaus‘ ewiglich weisen Worte:

„Stelle - keine - Fragen.“

Ist wohl besser so, denn es gibt Antworten auf harmlose Fragen, vor denen ich Angst habe. Und hier drohte ganz eindeutig eine solche Antwort.



Montag, 14. Oktober 2013

Todtraurig

Ihr erinnert euch doch an die Geschichte mit dem deckenhohen Kratzbaum? Diese hier. Und wie er umstürzte, als Lilly auf die Plattform springen wollte. Nicht? Dann lest hier nochmal nach.

Und jetzt?

Tja, jetzt sitzt Marty auf seiner Startbahn auf der Rückenlehne des Monsters – und ist so ganz ohne Ziel. Er schaut in die Richtung, in der er früher mit einem gewaltigen Satz abgehoben und die Plattform erreicht hätte.

Ehrlich: Wer heute immer noch behauptet, daß ein Tier nicht todtraurig gucken können, der hat nie mit einem zusammengelebt.


Marty ohne Trauerblick, aber die Heizung ist ja auch wieder schön warm.






Samstag, 12. Oktober 2013

Paterfelis spielt - per Post (3)

Damals wie heute hatte sich schon eine nennenswerte Szene im so genannten PBM (play by mail – spiele per Post) auch in Deutschland etabliert. Es erschienen auch verschiedene Hobbymagazine, deren Qualität höchst unterschiedlich war. Sie alle hatten gemeinsam, daß kein Verlag dahinter stand. Es waren Amateuer-Publikationen, die aber recht gut über Neues in der Szene informierten.

Mit einem Schulfreund zusammen schrieb ich mein erstes Spiel und wollte als Gamemaster aktiv werden. Für wesentliche Teile der Erstellung des Regelwerkes musste die Schreibmaschine im Büro herhalten, was mir zwar ein halbwegs ordentliches Schriftbild aber auch eine schlechtere Beurteilung meiner Arbeitsleistung als Auszubildender einbrachte.

Wie aber an Spieler kommen? Zu den Spielemagazinen hatte ich damals noch keinen Kontakt. Aber ich war und bin Leser der Perry-Rhodan-Serie, welche in ihren Heftromanen auch über eine Leserseite verfügt. Also wagte ich den Versuch und schrieb an die Redaktion. Tatsächlich wurde meine Suche nach einigen Wochen veröffentlicht. Wenig später erhielt ich die ersten Anfragen, so daß der Spielbetrieb aufgenommen werden konnte.

Die Auswertung der von den Spielern frei formulierten Spielzüge geschah noch in Handarbeit, die Antwortschreiben wurden auf meiner zwischenzeitlich auch heimischen elektrischen Schreibmaschine verfasst, bevor es dann später mit dem zweiten – aber ersten wirklich brauchbaren - eigenen Computer (Schneider CPC 6128) nebst Nadeldrucker etwas komfortabler wurde. Zumindest, was die Schreibarbeiten anging.

Das Spielfeld war ein aus Wollfäden und Heftzwecken an die Wand meines Zimmers gepinntes Ungetüm, auf dem mit anderen Materialien Planeten und Raumschiffe dargestellt wurden. Irgendwie musste man ja den Überblick behalten, zumal sich mein Schulkumpel sehr schnell aus der Mitarbeit zurückgezogen hatte.

Irgendwann bedurfte mein Zimmer einer Renovierung, welcher mein schönes Spielfeld zum Opfer fiel. Damit war meine Zeit als Gamemaster beendet. Doch meine ehemaligen Mitspieler, von denen ich tatsächlich niemanden jemals persönlich kennengelernt habe, blieben am Ball und entwarfen eigene Spiele, bei denen ich wiederum als Mitspieler fungierte.

Nach einigen Jahren starker Aktivität in der PBM-Szene wurde mir die Zeit jedoch zu knapp, welche ich mit diesen Spielen verbringen konnte, so daß auch diese Episode ihr Ende fand.


(Ende)



Freitag, 11. Oktober 2013

Paterfelis spielt - per Post (2)

Seinerzeit habe ich Bücher regelrecht verschlungen. Ich trauere dieser Zeit durchaus nach, benötige ich heute doch wesentlich länger, um die mir anheimfallende Literatur durchzulesen. Damals, als Die unendliche Geschichte in die Kinos kommen sollte, wollte ich mit meinen Kumpels den Film unbedingt sehen. Ich hatte mir aber vorgenommen, das schon Jahre zuvor erschienene Buch vorherzu lesen. Dumm nur, wenn der Termin zum gemeinsamen Kinobesuch auf den übernächsten Tag festgesetzt wird.

Also zog ich am nächsten Morgen (schulfrei) los und kaufte das Buch. Es war schon ein fetter Wälzer. Und ich begann zu lesen. Immer weiter. Ich las das dicke Buch tatsächlich in einem einzigen Tag durch. Das Ergebnis: ein tolles Gefühl – und Kopfschmerzen. Es war auch erstaunlich schwierig, sich aus dieser Fantasiewelt wieder zu lösen. Das war wohl doch eine Nummer zu viel. Gleich dem Herrn der Ringeschien mir auch dieses Buch unverfilmbar zu sein. Nun, für sich betrachtet war der Film dann auch nicht so schlecht, hielt aber keinen Vergleich mit dem Buch aus. Was mich wieder auf den Gedanken bringt, jetzt, nach ein paar Jahrzehnten, erneut lesenderweise in die Welt Phantásiens einzutauchen. Und dies mit etwas mehr Genuss als damals. Für manche Bücher ist man nie zu alt.

Doch zurück zum Thema. Die letzten Seiten der Taschenbücher waren seinerzeit oft mit Werbung für weitere Bücher aus dem Verlagsprogramm belegt, die ich mir auch regelmäßig ansah. Hier fand sich der Hinweis auf ein Buch, in dem es um Spiele per Post ging. Dabei handelte es sich noch nicht um das in der Szene recht bekannte Werk von Karl Heinz Koch, auf welches auch in der Wikipedia hingewiesen wird und mir später in die Hände gefallen ist, sondern eine ältere Publikation. Ich besorgte mir das Buch und war direkt gefesselt von der Thematik.

Spiele per Post sind eigentlich schon eine fast antike Idee. Eine durchaus auch heute bekannte Variante ist Fernschach. Zwei Spieler wohnen an den entferntesten Winkeln dieser Erde und spielen gegeneinander Schach, indem sie ihren aktuellen Zug per Postkarte an den Gegenspieler schicken und dann auf Antwort warten. Heute funktioniert dies dem Internet sei Dank deutlich schneller, aber damals hat man auch so etwas noch gemacht. Und dies war auch mit anderen Spielideen möglich. Wie so oft, dieses Mal aber wieder ganz direkt, möchte ich zur näheren Information auf meinen Link zur Wikipedia verweisen, den ich hier angebracht habe.


(wird fortgesetzt)


Donnerstag, 10. Oktober 2013

Paterfelis spielt - per Post (1)

Irgendwann in grauer Vorzeit habe ich im dritten Programm des Deutschen Farbfernsehens einen Beitrag mitbekommen, der mein späteres Freizeitverhalten nachhaltig beeinflusst hat. Man zeigte eine große Platte mit aufgebauten Geländeteilen, grob vergleichbar mit einer Modelleisenbahn. Nur ging es nicht um Eisenbahnen, sondern um die Belagerung einer kleinen Burg. Junge Erwachsene stellten hier aber nicht nur die Szene in Form eines Dioramas nach, sondern spielten auch mit den zugehörigen, etwa zwei bis drei Zentimeter hohen Metallfiguren. Sie führten vor, wie ein solcher Spielzug vonstattenging.

So nahm der am Zug befindliche Spieler eine seiner Figuren, einen mittelalterlichen Landsknecht mit Langbogen, richtete ihn aus und erklärte, daß er mit dem Bogen auf eine andere Figur schießen wollte, die in einem Fenster des Donjons wohl sichtbar war. Er kontrollierte, ob von dem Landsknecht aus tatsächlich eine Sichtlinie bestand, maß den Abstand zwischen den beiden Modellen und begann zu würfeln. Es waren mehrere Würfe erforderlich, bis feststand, ob er getroffen und auch Schaden verursacht habe.

Als latenter Anhänger von künstlichen Landschaften und zugehörigen Miniaturen – ja, auch das Thema Modelleisenbahn war bei mir durchaus nicht klein geschrieben – interessierte mich das brennend. Wie solche Platten heutzutage aussehen können, lässt sich hier sehr schön sehen. Nun aber kam dieses Spiel aus Großbritannien, einem Land, in dem das Tabletop-Hobby eine ganz andere Tradition hat als in Deutschland.

Damals, in den frühen 80ern, gab es hier keinen entsprechenden Markt. Über wenige, abseits der üblichen Einkaufszentren liegende Geschäfte konnte man das Material bestellen, aber dummerweise existierten keine deutschsprachigen Regeln. Und an die Anschrift dieser Geschäfte musste man auch erst mal kommen. Von einer allgemeinen Verbreitung des Internets war noch nicht mal was zu ahnen. Also konnte auch von hier keine Hilfe erwartet werden. So war der Samen zwar gesät, aber es war noch lange nicht an der Zeit, daß er zu einer großen Pflanze gedeihen würde.

Ich aber, auf meiner ewigen Suche nach komplexen, variationsreichen Spielen, fand einen anderen Weg zu meinem Ziel.


(wird fortgesetzt)


Dienstag, 8. Oktober 2013

Türme

Nicht immer bieten die Aktenschränke im LASA genügend Platz für all das beschriebene Papier, welches wir so zu verwalten haben. Im Normalfall hängen alle Vorgänge, die aus ermittlungstechnischen oder anderen Gründen erst wieder zu einem bestimmten, noch in der Zukunft liegenden Termin bearbeitet werden müssen, im Schrank.  Ja, Insider und Auskenner dürfen jetzt herzlich lachen – von wegen Zukunft und so. Ich will gar nicht wissen, wie viele schon seit Wochen abgelaufene Termine meiner harren.

Dann werden noch diejenigen Akten dort reingehängt, zu deren weiteren Bearbeitung man aktuell keine Zeit hat, die aber nicht aus irgendwelchen Gründen als eilig oder zumindest vorrangig angesehen werden. Ja, Insider und Auskenner dürfen jetzt wieder lachen, denn alles ist bei uns vorrangig, schlichtweg alles. Wenn auch aus unterschiedlichen und teilweise nicht mehr nachzuvollziehenden Gründen.

Nach der Definition des gesunden Menschenverstandes (ups, böses Wort, streng verbotenes Wort) wirklicheilige Akten und solche, die nicht mehr in den Schrank passen, werden hingegen sortiert auf dem Schreibtisch, dem Boden oder auf sonstigen Ablageflächen mehr oder weniger kunstvoll zu Türmen gestapelt. Also aufgetürmt.

In der Anfangszeit meiner Beschäftigung im LASA war ich einem Sachbearbeiter zugeordnet, welcher auf ein ordentliches und stabiles Stapeln größten Wert gelegt hat und der mich immer und immer wieder dazu anhielt, an meiner bisherigen Stapelmethode zu arbeiten, bis ich zu seiner Zufriedenheit stapelte. Denn beim Aktenstapeln kommt es nicht nur darauf an, einen stabilen Stapel zu bauen, sondern diesen auch so zu gestalten, daß er ohne überflüssigen Aufwand nach einer bestimmten Akte durchsucht werden kann. Der unbeteiligte Leser mag darüber müde lächeln, aber tatsächlich kann auch solch ein Kleinkram seine Bedeutung erlangen und die spätere Arbeit erleichtern. Mit Hochstapelei alleine kommt man nicht weiter.

Heute zähle ich im LASA zu den Aktenstapelmeistern. Auch Mandy zeigt sich in der hohen Kunst des Türmebauens sehr begabt. Nicht selten erreichen ihre Türme Höhen von 80 Zentimetern. Und sind dabei sogar stabil.

Mandy darf sich gelegentlich mal Urlaub gönnen. Wir sind da sehr sozial eingestellt.  Sie wurde von Nadja vertreten, welche der Kunst des Turmbaus nur wenig abgewinnen kann. Ihre Türme stehen auf dem Boden hinter ihrem Schreibtisch, sind nicht ansatzweise so hoch und darüber hinaus noch gegen die rückwärtige Wand gelehnt.  Freistehend würden die nicht halten; selbst der legendäre Turm von Pisa, der bei solch einer einschlägigen Thematik einfach erwähnt werden muß, würde sich als Ausbund an Stabilität gegenüber ihren zahlreichen mittelhohen Aktenstapeln erweisen.

Außerdem birgt das Stapeln von Akten auf Bodenniveau ein gewisses Risiko, betrachten neue Putzfrauen solche Akten nicht selten als Müll und behandeln sie auch so. Schon mehr als einmal musste jemand von uns in den großen Papierdatenmüllcontainer krabbeln und Akten suchen. Wieso man nicht endlich mal dazu übergeht, neu eingestellte Putzfrauen darauf hinzuweisen, daß sie an keiner Form von Akte oder auch nur Papier irgendetwas zu suchen haben, ist mir rätselhaft. Böse Zungen allerdings würden jetzt sagen, daß es der Sache förderlich sei, Personal mit der Aufgabe zu betrauen, welches der deutschen Sprache zumindest rudimentär mächtig wäre.

Als eine der Turmbaumeisterinnen hat Mandy ihre Türme auch auf einem Beistelltisch freistehend geparkt.  Nadja zog einige Akten aus dem Schrank, wie wir Profis die Aktenentnahme auch nennen, und legte diese in ihrer gewohnten Art mehr oder weniger achtlos auf einen der bestehenden Türme ab. Das Ergebnis schien mir vorhersehbar zu sein. Als Nadja sich gerade wieder dem Schrank zugewandt hat, kippte der von ihr soeben erhöhte Turm zur Seite um.

Was blieb ihr übrig, als die Akten wieder vom Boden aufzuheben und zu einem neuen, katastrophal geschichteten Turm aufzustapeln? Ich wollte schon gerade zu einer hämischen Bemerkung selbstverständlich nur rein sachdienlichen Kritik ansetzen, als mich ihr böser Blick traf, der mir zu verstehen geben sollte, daß es wohl besser sei, gerade jetzt die Klappe zu halten.

Noch während Nadja sich nach unten beugte um die letzten Akten zusammenzusuchen, begann Newtons beschriebenes Gesetz der Schwerkraft an dem gerade schief aufgerichteten Turm in Form einer ständigen Schwerpunktverlagerung Wirkung zu zeigen, bis besagter Schwerpunkt eine neue, finale Position auf Bodenniveau eingenommen hatte. Ein noch böserer Blick als zuvor traf mich. Bevor ich auch nur Luft zum Reden holen konnte, zischte Nadja mich an:

„Das ist nichtwitzig.“

Ich ging kurz in mich, dachte über ihre Worte nach und brachte diese mit dem von mir Beobachteten in eine Querverbindung.

Geschwind stellte ich eine durchaus abgewogene Überlegung an.

Diese Überlegung beinhaltete solche Begriffe wie Lernfähigkeit.

Und selbige wiederum wurden schon nahezu zwangsläufig in den Kontext mit einer einer großen Leere gebracht.

Schnell, sehr schnell, also schon wirklich richtig schnell erhielt ich ein für mich zweifelfreies Ergebnis.

Doch, ich fand ihre Darbietung sogar sehr witzig.



Montag, 7. Oktober 2013

Gruß aus der Küche - Spaghetti in Schinken-Käse-Kräutersauce

Und wieder was aus der schnellen Küche.


Zutaten:

1 Packung Spaghetti
1 Becher Sahne
1 Becher Creme fraiche
1 Paket Kräuterschmelzkäse
1 Paket Kochschinken
Salz
Pfeffer
Petersilie


Spaghetti kochen. Währenddessen Kochschinken klein schneiden und in einer hohen Pfanne oder einem Topf anbraten. Sahne, Creme fraiche und Kräuterkäse zu dem Schinken geben und schmelzen lassen. Mit Salz, Pfeffer, Petersilie und eventuell weiteren Kräutern nach Wahl würzen. Die Spaghetti hinzugeben, unterrühren und servieren.



Sonntag, 6. Oktober 2013

Radau

Zu einer Uhrzeit, welche die meisten mir bekannten Menschen insbesondere an Sonn- und Feiertagen als nachtschlafendpräzisieren würden, lümmelte ich mich schon auf dem Monster herum und arbeitete an einem Blogeintrag. Sally lag wie immer neben mir auf den monstereigenen Rückenkissen, der Rest der Katzenbande trieb sich irgendwo in der Wohnung herum.

Plötzlich hörte ich durchdrehende Reifen beschleunigende Pfoten auf den Fliesen des Wohnzimmerbodens. Marty bekam seine mehrfach täglichen wilden fünf Minuten. Er spurtete aus Richtung unserer Essecke los, an der Treppe zum Souterrain vorbei, nahm die Kurve in Richtung Schlafzimmer. Wie man das als erfahrener Autofahrer so kennt, neigen bewegliche Gegenstände auf einer glatten Oberfläche dazu, in Kurven schon mal auszubrechen. Das ist bei Katzen auch nicht anders.

Jedenfalls bekam Marty die Kurve nicht richtig und donnerte heckwärts in die an dieser Stelle kurz zwischengeparkten, zusammengeklappten Sägeböcke. Deren Stand-Stabilität wurde auf dem Fliesenboden durch die katerliche Schwungmasse zutiefst beeinträchtig, wie der nachfolgende Lärm eindrucksvoll bewiesen hat.

Die zweitbeste Ehefrau von allen ließ sich mit noch ausgesprochen kleinen Augen vor der Tür des Mädchenzimmers blicken und erwartete eine Form der Aufklärung. Ich konnte ihr versichern, daß nichts besorgniserregendes geschehen sei, der Kater die Sägeböcke gerammt habe, sich aber höchstselbst und auf schnellstmöglichem Wege eine Etage tiefer in Sicherheit bringen konnte, noch bevor die Oberseite auch nur eines der Böcke den Boden berührt hatte. Ich stellte die Arbeitshilfsgerätschaften wieder hin und verzog mich anschließend in Richtung Monster, während meine Angetraute den unterbrochenen Schlaf wieder aufnahm.

Etwas später hatte sich die Lage allgemein auch in der Katzenbande wieder normalisiert; alles ging seinen gewohnten Gang. Lilly sprang hinter Sally auf das Kissen, um von dort im Direktflug die Plattform des deckenhohen Kratzbaums zu erreichen. Es kommt täglich immer und immer wieder vor, so daß ich es gar nicht mehr richtig registrierte. Doch nun gab es schon wieder einen ordentlichen Rumms, und erneut zeugten durchdrehende Katzenpfoten von der Beschaffenheit unseres Fußbodens.

Der gut 2 ½ Meter hohe Kratzbaum war umgekippt, hatte die Wand neben der Terrassentür gestreift, dort aufgehängte Wetteranzeigetechnik heruntergerissen, das in der Gegend vorübergehend und noch nicht im endgültigen Einsatz befindliche Objekt der letzten Basteltätigkeit meiner Angetrauten, unseren neuen Wohnzimmertisch, noch gestreift und war schließlich in Ruhelage verblieben. Lilly war natürlich – genau wie Sally – richtig erschreckt und floh wie zuvor Marty in Richtung Souterrain.  Auch sie unterlag dem unbarmherzigen Gesetz der Physik in Form der Zentrifugalkraft (scheiß Newton), legte in der Kurve einen Powerslidehin und riss bei dieser Gelegenheit die von mir kurz zuvor wieder hingestellten Böcke um.

„Wer weint hier?“

Die zweitbeste Ehefrau von allen war wieder an dem Ort des Geschehens erschienen. Niemand weint, Sally hatte nur kurz vor Schreck aufgeschrien. Ich hatte sie schon auf dem Arm. Nun galt es, vor allen Dingen Lilly zu finden und zu beruhigen. Gutes Zureden und ein leckerer Schluck Beruhigungsmilch seitens der Katzenmama halfen nach einiger Zeit, so daß sie sich wieder blicken ließ. Die zweitbeste Ehefrau von allen zog sich schließlich erneut in ihr Zimmer zurück und hoffte noch auf etwas Schlaf.

Mit Sally auf dem linken Arm begann ich, das Chaos wieder aufzuräumen, lief dabei Lilly über den Weg und streichelte sie kurz, denn sie sah mich schon noch etwas verängstigt an und schien eine Standpauke zu erwarten. Nicht so schlimm, meine Kleine, du kannst nichts dafür.

Schade um den Kratzbaum. Wir werden ihn wohl nicht wieder aufbauen und die Teile in unsere Reserve legen.  Die verbliebenen Kratzbäume werden der Katzenbande wohl ausreichen müssen.


Samstag, 5. Oktober 2013

Kleine Freuden

Diese Geschichte beginnt, wie viele andere Geschichten in diesem Blog auch: Wir sitzen an unseren Schreibtischen und arbeiten vor uns hin. Das Radio verbreitet dezente Hintergrundmusik, welche ich durchaus zu überhören vermag. Die Fenster sind geschlossen. Der Sommer hat sich verabschiedet, die Temperaturen der Außenwelt haben sich dauerhaft unter die 30 Grad-Marke zurückgezogen, die Damen beginnen folglich zu frieren. Während ich noch kurzärmelig gekleidet bin und mir ernsthaft überlege, zumindest während der Mittagszeit, wenn die Sonne unser Büro für meine Begriffe immer noch sehr stark aufheizt, meinen kleinen R2D2 genannten Towerventilator anzuwerfen, tauchen zumindest Mandy und Trudi schon regelmäßig mit Kleidungsstücken auf, welche auf das minütlich zu erwartende Eintreten der nächsten Eiszeit schließen lassen.  Nur Karla ist da noch etwas anders drauf; in ihr scheint das ungebremste Feuer der Jugend zu brennen und sie entsprechend aufzuheizen.

Aber nicht, daß mir jetzt jemand unterstellt, ich hätte behauptet, sie sei heiß. Würde ich nie machen, sie ist so überhaupt nicht mein Typ.

Der Boden beginnt zu zittern. Neue Kollegen in unserer Außenstelle bekommen in diesen Momenten einen leicht verstörten Blick. Empfindlichere Gemüter hingegen stehen kurz vor dem Ausbruch einer Panikattacke, aber die können wir alten Hasen schnell beruhigen. Da unsere Fenster zumindest im geschlossenen Zustand hervorragend schallisolierend wirken, hört man den schweren Güterzug nicht, der gerade den Neustädter Hauptbahnhof passiert. Aufgrund verschiedener vermuteter Baufehler des uns aufnehmenden Gebäudes hat dies den Effekt, daß Schwingungen in deutlichem Ausmaß weitergeleitet werden. Man gewöhnt sich an diese kleinen Vorbeben.

Nachdem die Lage sich wieder beruhigt hat, erscheint Nadja in unseren heiligen Hallen.

„Püppiiiieeee, das Leben ist grausam.“

So beginnen meistens ihre an Mandy gerichteten Jammereien über die Ungerechtigkeiten dieser Welt im Allgemeinen und ihr gegenüber im Besonderen.

„Die Wissen immer noch nicht, wann das Vorstellungsgespräch stattfinden soll. Der Strebsinger meint, irgendwann Ende des Monats oder im nächsten Monat.“

Nadja hat sich intern auf eine andere Stelle beworben. Zu deren Vergabe findet bei uns routinemäßig neudeutsch Interviews statt, an denen neben den Bewerbern mehr als ein halbes Dutzend weitere Personen beteiligt sind. Deren Anwesenheit zu koordinieren scheint dieses Mal eine Herausforderung zu sein. Kann passieren.

„Ich habe keine Lust mehr und wollte daher spontan Urlaub buchen. So kann ich das aber vergessen.“

Kind, du wirst es überstehen, es wäre deine dritte Reise in diesem Jahr. Zieh wieder bei Mutti aus, dann hast du kein Geld mehr für so etwas übrig und ein Problem weniger, denn du mußt nicht mehr überlegen, was du damit anstellen sollst.

Der fiktive Zeiger der fiktiven Uhr in unserem höchst realistischen Büro näherte sich der Mittagspausenzeit. Mit deren unvermeidlichen Anbruch verlassen unsere Raucher stets fluchtartig das Gebäude, um die Luft der Außenbereiche, insbesondere aber unserer offiziellen Raucherecke zu aromatisieren.

„Hach, es ist ja schon halb Zwölf. Endlich wieder eine Fluppe anzünden. Ich freu mich so.“

Und an mich gewandt: „Freust du dich auch?“

„Oh ja, endlich wieder Ruhe hier.“

Wenn sie schon so fragt…



Donnerstag, 3. Oktober 2013

Möhren

Die Zeit, zu der wir uns im LASA der Anwesenheit von Frau Bernemann erfreuen konnten, neigte sich dem Ende zu. Sie hatte gekündigt und anderen Ortes eine neue Beschäftigung gefunden. Wir gönnten es ihr, denn die bei uns vorherrschende Arbeitssituation hatte sie gesundheitlich schon in einem mehr als bedenklichen Maß angegriffen.

Zu Beginn ihrer letzten Woche veranstalteten wir ein gemeinsames Frühstück, mit dem wir uns bei ihr verabschieden wollten. Auch ich überwand mich aufgrund des Anlasses und beehrte die Kollegen ausnahmsweise mit meiner Anwesenheit.

Der Tisch war schlicht aber ansprechend gedeckt; es gab neben frischen Brötchen auch Süßkram, Salzgebäck sowie Essiggurken und Möhren zum Knabbern.

Der Verzehr einer Essiggurke durch unsere weiblichen Mitarbeiter unterliegt dabei stets einer intensiven Kommentierung durch uns, wird dies doch regelmäßig als ein erster Hinweis auf eine bestehende Schwangerschaft gedeutet. Insbesondere dann, wenn in kurzem zeitlichen Abstand noch schokoladige Nahrungszufuhr erfolgt.

Möhren hingegen werden allgemein als harmlos erachtet. Der routinierte Leser meines Blogs wird sich erinnern, daß insbesondere Trudi ausgeprägte Gelüste in Richtung dieses Wurzelgemüses hegt. So fragte ich sie, ob sie denn auch eine Möhre haben möchte.

„Nein, brauche ich nicht mehr, ich habe doch jetzt wieder einen Freund.“

Stille. Sich dezent bildende Röte in Ihrem Gesicht.

Und dann ertönte eine Stimme aus der Runde:

„PATERFE… ähm, TRUDI!“



Mittwoch, 2. Oktober 2013

Clowns oder was?

Mein Lieblingsplatz im Bus war besetzt. Von einer Neuen unserer Runde der morgendlichen Busnutzer. Ist ja schon unverschämt. Ich meine, die kann sich doch nicht einfach da hinsetzen, bloß weil sie eine oder zwei Stationen vor mir in den Bus einsteigt. Was fällt der ein? Und dann ist das noch so eine Schnepfe, die sich auf die Innenseite (Gang) der Bank setzt und ihre Tasche auf dem Außenplatz (Fenster) neben sich abstellt. Das macht die bestimmt nur, damit sich keiner neben sie setzt. Denn dazu müsste man sie anquatschen und fragen. Macht kaum einer.

So setzte ich mich auf den freien Platz in der ersten Reihe rechts. Von da aus kann man die Ereignisse voraus auch viel besser wahrnehmen. Und auch das Multifunktionsgerät des Fahrers, mit dem er angezeigt bekommt, ob er noch im Zeitplan ist bzw. wie weit er abweicht. Das beobachte ich immer wieder minutenlang, teilweise während der ganzen Fahrt. Irgendwie kann mich das total fesseln.

Ja, ich weiß, laaaaangweilig.

Muß man nicht verstehen. Ich verstehe es auch nicht.

Während ich das Gerät wieder im Blick hatte, begegnete uns ein entgegenkommender Bus. Üblicherweise grüßen sich die Fahrer zu diesen Gelegenheiten. Gerne wüsste ich, ob sie das nur bei der ersten Begegnung am Tag machen oder auch, falls sie sich später nochmal über den Weg fahren. Heute aber zog der andere Fahrer statt der üblichen grüßenden Handbewegung eine Grimasse. Und steckte unserem Fahrer die Zunge raus. Soweit ich es in der Spiegelung der Scheibe sehen konnte, reagierte unser Fahrer entsprechend. Hmmm…

Nach ein paar Minuten kam es zur nächsten Begegnung. Wieder wurden Grimassen ausgetauscht. Und wieder. Und noch eine. Den ganzen Weg lang, bis ich aussteigen musste.

Hat da jemand einen Clown gefrühstückt? Eine Wette verloren? Fragen über Fragen.

Aber es ist schön zu wissen, daß man mit gut gelaunten Fahrern unterwegs ist.



Dienstag, 1. Oktober 2013

Der Zauber

Es war ein durchschnittlicher Montag. Zumindest was das Wetter anging. An diesem Morgen hatte ich ein hellblaues Jeanshemd und eine etwas dunklere Jeanshose angezogen. Frl. Hasenclever erschien wie meistens erst nach mir im Büro. Ich brachte ihr einige Akten zur Unterschrift vorbei, als wir bemerkten, daß wir im Partnerlook auftraten. Kann vorkommen.

Dienstags zog ich ein Hemd mit Längsstreifen an. Die Beschreibung meiner Hose wird auch im Folgenden auf die Montagsvariante bezogen bleiben, denn ich trage im Moment nur mittel- bis dunkelblaue Jeanshosen. Die schwarze Jeans ist für Sonn- und Feiertage sowie Beerdigungen reserviert. Vielleicht auch noch für andere offizielle Angelegenheiten. Mal sehen.

Frl. Hasenclever erschien in unserem Büro – sie hatte eine ähnliche Farb- und Musterkombination angezogen wie ich. Hmmm, Partnerlook. Schon wieder. Sehr verdächtig.

Mittwochs entschied ich mich für ein kariertes Hemd. Frl. Hasenclever hatte aus ihrem Kleiderschrank eine passend karierte Bluse rausgesucht. Ohne jegliche Absprache. Gerüchte, Gerüchte, Gerüchte.

Donnerstags fiel meine Wahl auf ein rotes Jeanshemd. Frl. Hasenclever… na ja, ihr könnt es euch denken. Rot.

Freitags sollte es warm werden. Ich entschied mich für eine schon etwas zerlumpte, mittelblaue Jeans, Turnschuhe und ein graues T-Shirt. Gespannt wartete ich auf Frl. Hasenclevers Erscheinen. Ich sah von meinem Schreibtisch aus, wie sie aus dem Treppenhaus kam.

„He, Frl. Hasenclever, das können Sie nicht machen.“

An ihren Füßen fanden sich Turnschuhe. In blau. So wie meine. Die Hose war eine offensichtlich schon ältere oder auf älter gemachte (Weicheier!) mittelblaue Jeans. Und das Oberteil? Ein weißes Top. Betroffen schaute sie mich an, dann an sich hinunter, nur um dann wieder den Blick auf mich zu heften.

„Herr Paterfelis, wissen Sie was? Ich hatte heute tatsächlich vor, ein graues T-Shirt anzuziehen. Aber das lag noch in der Wäsche. Ich habe es wohl vermasselt.“

Was soll man da sagen? Die Tatsachen sprechen für sich.

„Ja, Frl. Hasenclever, nun ist der Zauber unwiederbringlich zerstört.“

Ist wohl auch besser so.