Mittwoch, 11. September 2013

Wirre Gedanken

Nach mehrwöchiger Zwangspause habe ich heute endlich wieder den Sporttempel heimsuchen können. Balduin stand zu meiner Verfügung, so daß ich vom Büro aus den direkten Weg zur körperlichen Ertüchtigung einschlagen konnte. Wenn ich nicht auf den ÖPNV angewiesen bin, klappt das zeitlich hervorragend, so daß ich da vor der großen Feierabendwelle aufschlagen kann. Und ich bin auch noch nicht so schlapp in meinem Nachmittagstief.

Anschließend führten mich einige Umstände noch zwecks eines Einkaufs zum falsch geschriebenen Onkel Tom. Meine Angetraute hat sich – kaum daß der meteorologische Sommer vorbei ist - direkt eine Erkältung zugelegt. In Anbetracht des am Horizont schon bereitstehenden Winters scheint sie Trendsetter zu sein. Wohl eher unfreiwillig. Ich vermute ja, daß sich wieder irgendein Chinese verkühlt hat, was die zweitbeste Ehefrau von allen stets zum Anlass nimmt, diese Verkühlung über tausende von Kilometern wahrzunehmen, einzufangen und weiter zu verarbeiten. Frauen sind ja bekanntlich sehr feinfühlig. Jedenfalls war unter Anderem wieder Hühnersuppe in Einzelteilen zu beschaffen, welche hier vor Ort, also in der Heimatbasis, nicht beim Onkel Tom, zu einem harmonischen Ganzen kombiniert werden würden.

Natürlich war mein Stammplatz auf der weiträumigen Pkw-Abstellfläche besetzt. Gut, ich räume ein gewisses Verständnis ein, denn es ist ja nicht meine übliche Uhrzeit. Woher soll der Geschäftsführer auch wissen, daß er diesen Platz gerade jetzt freizuhalten hat? Darüber hinaus stellte sich das klitzekleine Problem, daß hier in der Gegend gerade neue Hochspannungsleitungen verlegt verhängt wie auch immer werden. Aus diesem Anlass gibt es aus Sicherheitsgründen großzügige Straßensperrungen. Und eben auch Parkplatzsperrungen. Ein gutes Drittel des Parkplatzes war aus dem genannten Grund unzugänglich. Aber gut, ich bin da sehr tolerant. Außerdem war ich vom Sport immer noch endorphingeladen und entsprechend guter Dinge.

An der Kasse rückte ich gerade auf Platz zwei vor, als ich hinter mir eine Dame hörte, die einen anderen Kunden vorließ. Ich drehte mich kurz um – ja, ok, zwei Teile, das ist gerade noch akzeptabel. Auch ich gestatte ihm huldvoll, den Platz vor mir einzunehmen. Tja, schlechtes Wetter draußen, gute Stimmung drinnen. Ist doch auch mal nett.

Bezahlen wollte der Herr mit einer hauseigenen Geschenkkarte. Kannte ich so noch nicht, es scheint sich um eine Art Guthabenkarte zu handeln. Der junge Bursche an der Kasse – schütteres Haar, wirre Haare im Gesicht, die wohl einen Bart darstellen sollten – war mit dem System auch nicht so ganz vertraut. Damit waren wir also auf Augenhöhe. Der Kunde erklärte ihm, was seine Kassierer-Kollegen immer so mit der Karte machen würden. Er bezahle meistens auf diesem Weg. Hat aber nicht geklappt. Es war des Jungkassierers erster Tag an der Kasse. Der verzweifelte Ruf an die in unmittelbarer Nähe befindliche Aufsicht verhallte ungehört, denn diese war ebenfalls mit einer Kundin bzw. deren Problem beschäftigt und musste, um dieses zur allgemeinen Zufriedenheit klären zu können, mehrfach telefonieren. Schließlich wurde man doch auf uns aufmerksam. Die Kundin an der Aufsicht meinte, daß selbige sich doch gerne eben um das Kassenproblem kümmern könne, sie habe genügend Zeit. Gute-Laune-Wetter eben. Das wird es sein. So ein wenig Donnergrollen stört da auch nicht weiter.

Unser Blockade-Kunde war sichtlich unangenehm darüber berührt, daß gerade er, den wir großzügig vorgelassen hatten, nun alles aufhielt. Macht nix, wir waren allgemein guter Dinge (ja ja, die Endorphine halt – und endlich keine Affenhitze mehr, hatte ich das schon erwähnt?) und strahlten auch den Menschen an der Kasse an. Natürlich bin ich freundlich zu Kassierern. Immer. Es könnte ja sein, daß es sich bei dem oder der Kassierer/in um Alex handelt. Die Alex. Die Frau mit den unglaublich kleinen Füßen.

Natürlich hatte der Mensch an der Kasse nicht die geringste Ähnlichkeit mit der Person auf den Fotofragmenten, die man in Alex‘ Blog finden kann. Aber das könnte ja auch alles ein Trick sein. Vielleicht steht Alex gar nicht für Alexandra oder so, sondern für Alexander. Und sie ist in Wirklichkeit ein Kerl. Alles nur wegen der Anonymität. Man bloggt ja nur höchst selten unverfälschte Geschichten. Und die Fotos sind alle von einer Agentur gekauft. Jaha, aber ich falle nicht darauf rein. Also bin ich freundlich.

Ich möchte doch nicht irgendwann als Arsch-Kunde in ihrem Blog auftauchen. Nee nee.

Aber ich bin ja ebenfalls nett zu anderen Menschen. Auch zu denen, die nicht bloggen.

Meistens jedenfalls.


PS: Ich wünsche meiner Angetrauten und auch Alex gute Genesung.


Kommentare:

  1. Es ist jetzt kurz nach halb vier. Ich kauere auf dem Boden vor der Couch und hoffe, dass der Notarzt bald erscheint.
    Ich bin ne arme Sau, echt wahr. Wie auch immer: Ich hab eben sehr lachen müssen! Vielen Dank. Also so was freundliches....ich werd ja gar nicht fertig!
    Natürlich heiße ich gar nicht Alexandra sondern Johann. Bin demnach auch gar keine Frau. An der Kasse arbeiten? Würde mir doch im Traum nie einfallen, bin ich jeck? Im wirklichen Leben bin ich nämlich Imobilienmakler, hab total viel Kohle, ne sehr scharfe Frau, ein Model übrigens und....oh! Es klingelt gerade, Jippie! Der Sushi-Lieferant. Endlich. Wird aber auch Zeit!
    Gehab dich wohl und: lass dir nie, nie, nie einreden, dass Jammern kontraproduktiv wäre! Nie, hörst du? Alles Lüge. ;-)

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  2. Dann muß ich ja gar nicht mehr freundlich zu Kass... ach, doch, es gibt ja noch das Kassenmädchen.

    http://kassenmaedchen.blogspot.de/

    :-)

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