Samstag, 21. September 2013

Verlassen

Das Telefon im Büro gab Geräusche von sich. Aufdringliche Geräusche. Obwohl es schon auf geringste Lautstärke eingestellt ist, sind diese Geräusche nervenzermürbend. Ich habe den Verdacht, daß dies herstellerseits so vorgesehen ist, damit niemand auf den Gedanken kommt, das Telefon zu ignorieren.

Die ganze uns im LASA zur Verfügung stehende Technik kann verrecken, aber das Telefon wird seinen Dienst niemals versagen. Auf keinen Fall. Zumindest fast nie. Ich habe es in den letzten –zig Jahren wirklich nur ein einziges Mal erleben dürfen, daß die Telefonanlage ausgefallen ist. Und das natürlich nur für wenige Minuten. Im Gegensatz dazu hat wirklich alles andere… ach was, ich zähle gar nicht mehr mit.

Im Display erkannte ich, daß die zweitbeste Ehefrau von allen mich zu sprechen wünschte. Also stellte ich die Verbindung durch Abnahme des Hörers her. Meine Angetraute fragte, wann ich gedenke, zu Hause zu erscheinen. Schon am Vortag haben wir uns nicht gesehen, und sie fände es ganz nett, meiner zumindest an diesem Tag für eine halbe Stunde ansichtig zu werden. Da ich ohnehin vorhatte, pünktlich Feierabend zu machen, um dem Büro zu entkommen, ergänzte sich das ganz gut.

Zu Hause angekommen plauderten wir über den Tag. Schließlich fragte mich meine Angetraute, was ich um diese Uhrzeit vor hassenichgesehen vielen Jahren wohl gemacht habe. Ich warf einen Blick auf die nächstgelegene Uhr, welche zufällig mit einer Datumsanzeige versehen war und… oh, Scheiße.

„Ups, da saß ich in der Lobby eines Hotels und habe gewartet, daß das Seminar beginnt, auf dem wir uns kennengelernt haben.“

Uff!

„Paterfelis, du hast doch jetzt wohl nicht wirklich…“

„Doch. Kennenlerntag vergessen. Gerade erst hat es Klick gemacht.“

„Aber wir haben das Datum sogar auf unserem Autokennzeichen stehen!“

„Öhm, das schon, aber ich fahre Balduin ja kaum noch. Und unseren Kalender, auf dem das Datum markiert ist, hast du auf dem Tisch unter allen möglichen Dingen vergraben.“

„Egal!“

Es dauerte nicht mehr lange, da hatte meine Angetraute ihre Sachen und das  Rollwägelchen mit der großen Tasche geschnappt, die Wohnung verlassen und war mit Balduin abgerauscht.
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Aber der Brüllwürfel, mit dem sie beim Tanztraining für musikalische Untermalung sorgt, lässt sich mit dem Wägelchen am besten transportieren. Und sie hat es noch pünktlich zum Training geschafft.

;-)


Kommentare:

  1. Definiere "hassenichgesehen".
    Ich bin doch so neug....äh....detailverliebt.

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  2. Beginnen wir eine fröhliche Rätseltour. Ein zumindest annähernd zutreffendes Ergebnis lässt sich aus meinen Hinweisen im Blog herausfinden.

    Ich gebe auch einen Tipp: Mit Sally lebe ich jetzt am längsten zusammen, die Aufnahme von Miss Daisy in unsere Familie wurde von meiner nunmehr Angetrauten forciert.

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  3. Komm, hör uff! Fiese Nummer! Ich kann Rätsel nicht leiden. Ausserdem bin ich krank. Am Rücken, und ja wohl nicht im Kopf? Nun, die einen sagen so und die anderen so.

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  4. Ach, da kann ich ja nicht so sein. Ich bin einfach zu gut für diese Welt.

    Es war unser Fünfzehnjähriges.

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