Sonntag, 8. September 2013

Unentbehrliches

Der bewegliche Fernsprechapparat mit eingebauten Zusatzfunktionen der zweitbesten Ehefrau von allen ist in einen wilden Streik getreten. Das ist aktuell etwas unpraktisch. Denn von den ganzen anderen Dingen, die sie ständig mit dem Ding anstellt mal abgesehen, muß sie zur Zeit über ihre Mobilrufnummer erreichbar sein.

An sich wollte ich meine Einkaufstour alleine starten, aber da ich zufällig auch die Lage eines Geschäftes kannte, in der diese beweglichen Fernsprechapparate repariert werden, schloss meine Angetraute sich mir an, um unseren ersten Weg in die Richtung eben dieses Geschäftes zu lenken.

Eine Reparatur vor Ort war nicht möglich, aber da die Garantie noch läuft, würde man es einschicken und zusehen, daß die Sache in den nächsten 10 bis 20 Tagen erledigt sei.

10 bis 20 Tage.

Für mich als Fernsprechverweigerer jeglicher Art kein Thema und eine durchaus angemessene Zeit, für meine Angetraute in der momentanen Situation eine Katastrophe. Also machte ich das, was ein Mann in so einer Situation machen muß. Ich überließ ihr mein eigenes Handy. Das ist irgend so ein altes Ding, welches aus einer Zeit stammt, als die Finnen noch in Bochum Handys gebaut haben. Es ist angekratzt, funktioniert aber. Ich bin mit ungefähr 10 bis 15 SMS im Monat dabei, und vielleicht rufe ich alle drei Monate damit auch mal irgendwo an. Das Gerät hat ja überhaupt keine Chance, kaputt zu gehen. Außer eventuell wegen Durchrostens wegen Nichtgebrauch. Kennt sich jemand aus und kann mir sagen, ob da ein Risiko besteht?

Ist ja auch mal schön, wenn so ein telekommunikativer Neandertaler wie ich in der Nähe ist und aushelfen kann.

Der weitere Weg führte uns in den örtlichen Feinkostladen. Schon im Eingangsbereich nahmen uns eine Frau und ihre vielleicht jungteenagerliche Tochter noch kurz mit dem Einkaufswagen die Vorfahrt. Kein Drama, wir waren ja auch schon mit einem entsprechenden Gerät ausgestattet, so daß ein Zusammenstoß wohl ohne Blessuren verlaufen wäre.

Die Kleine hat davon nichts mitbekommen; sie war durchgehend mit ihrem Smartphone beschäftigt. Im Laden führte sich die Situation so weiter. Ständig lief uns das Kind vor die Füße oder stand im Weg herum, der Außenwelt durch Dauerblick auf das Smartphone vollkommen entrückt. Wir waren durchaus froh, irgendwann überholen zu können, nur um nach Erledigung der kassentechnischen Angelegenheit wieder hinter Mutter und Tochter herzuschleichen, welche uns an der Nachbarkasse wieder überholt hatten. Das ist jetzt so wie beim Autorennen: Die wahren Helden überholen auf der Strecke, die Luschen durch einen besseren Boxenstopp. Langweilig.

Im nächsten Laden liefen uns die Beiden wieder über den Weg. Das Frl. Tochter konnte vom Smartphone immer noch nicht ablassen. Ich habe echt keine Idee, wie sie es geschafft hat, ihrer Mutter auf den Fersen zu bleiben.

Wieder draußen fragte mich die zweitbeste Ehefrau von allen, was das Mädchen wohl machen würde, wenn ihr das Gleiche passiert wäre wie meiner Angetrauten mit ihrem Smartphone. Als Option bot sie alles an, was zwischen vollkommener Apathie und hysterischem Herumkreischen liegt.

Nein, so weit würde ich nicht gehen. Es handelt sich schließlich um ein Kind unserer modernen, hochdynamischen  Zeit, welches mit Sicherheit schon einen höheren geistigen Reifegrad erreicht hat als unsereins in den längst vergangenen Zeiten, als wir noch in dem entsprechenden Alter waren.

Dieses Kind würde eine derartige Situation mit aller Souveränität und Gelassenheit zu beherrschen wissen.

Und das stets bereitliegende, vollausgestattete Ersatzgerät benutzen.



Kommentare:

  1. Smartphones? Schlimme Sache. Aber eben auch total toll!
    Man kann zum Beispiel ganz wunderbar aus dem oft langweigen Alltag "flüchten".
    Es löst ganz klar schöne Emotionen aus, wenn man inmitten stupidem Tuns eine Mail von Freunden bekommt oder wenn einem jemand spontan ein lustiges Foto schickt. Und, so sind wir Menschen eben.....wir jagen schöne Emotionen. Sind ganz süchtig danach. Das macht den Alltag bunter, eben schöner. Die Gewissheit nicht alleine zu sein, geliebt oder zumindest gemocht zu werden.
    Man darf die Bodenhaftung dabei nicht verlieren? Nein.
    Es wäre, wie bei eurem Einkaufs-Erlebniss, an der Mutter gelegen. Ihr Job, dem Teenager zu erklären, dass manche Dinge der vollen Konzentration bedürfen. Einkaufen mit Mutti? Auch Mutti steht voll drauf, wenn sie bemerkt und beachtet wird und nicht nur zahlendes Beiwerk ist.
    Smartphones....ein Kapitel für sich.

    (von meinem Smartphone gesendet, während ich Wäsche sortiere, nebenher noch Blogs lese, kommentiere und ja....dadurch der stupiden Arbeit ein wenig entfleuche. Schönen Sonntag. )

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  2. Du solltest zusammen mit dem Chef den Club der Handygegner gründen. Er kann die Dinger auch nicht leiden und benutzt sein Uraltteil nur, wenn es nicht anders geht. Werde ihn von Dir grüßen.

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  3. @ Alex: Ich hänge schon lange genug an dem blöden Laptop herum. Elende Zeitvernichtungsmaschine. Mit einem Smartphone bei der Arbeit käme ich ja zu gar nichts Sinnvollem mehr.

    @ chat noir: Ja, wir fangen klein an, so als anonyme Handygegner, und dann rollen wir alles von hinten auf. Pass mal auf, bei der übernächsten Bundestagswahl...

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  4. Die Tochter hätte definitiv KEIN angemessenes Ersatzgerät. Die möglichen Leih-Geräte von Vater und Mutter können auf keinen Fall Ihren Ansprüchen für die Nutzung von -Selbstporträts auf Facebook posten- genügen und sie würde in der Schule dem garstigsten Mobbing ausgesetzt sein.
    Einen Reparaturfall, wie den Ihren, auch nur von den üblichen 2 Tagen, würde IHRE MUTTER nicht ertragen und würde von der zickigen Tochter gezwungen sein, auch gegen die vernünftige Beratung der Mobilfunkfachverkaeuferin, Papas wenig genutzten Vertrag UMGEHEND in einen überflüssigen Internettarif umzuwandeln, damit die verzogene Göre SOFORT das nächst-bessere Premium-Smartphone bekommt.
    P.S.: Die Tochter konnte der Mutter mit einer Mama-APP auf GPS-Basis folgen, die parallel zu Facebook auf ihrem Bildschirm läuft.
    P.P.S: Schöne Idee, aber Handys rosten nicht durch bei Nichtgebrauch, sie genügen nur absolut nicht mehr den Ansprüchen der nächsten Generation, die glaubt, es handelt sich hierbei um ein Vorkriegsmodell.

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  5. Oha, dann einen herzlichen Dank für die Expertise. Man bemerkt sofort die Erfahrung einer Frau vom Fach. :-)

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