Sonntag, 1. September 2013

Saisoneröffnung

Mit großen Schritten nähern wir uns dem Spätsommer. Die Gedanken fließen ruhiger und wenden sich den künftig zu erwartenden, naheliegenden Ereignissen zu – dem Weihnachtsfest. Na, bekommt schon jemand unter meinen Lesern den irren Blick, weil noch nicht alle Weihnachtsgeschenke gekauft wurden? Entspannt euch, es geht auch ohne. Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich verzichten schon seit Jahren darauf. Und auch unseren jeweiligen Elternteilen haben wir es im Laufe einiger Weihnachtsfeste beigebracht, daß wir unsere Verweigerung durchaus ernst meinen. Wir schenken nichts und wollen auch nichts geschenkt bekommen.

Unzweifelhaft machen die aktuellen Angebotszettel der verschiedenen Lebensmittelmärkte gnadenlos darauf aufmerksam, daß die Weihnachtssaison beginnt. Schamhaft wird das Wort Weihnachten vermieden und gegen Herbstersetzt, aber es ändert nichts daran, daß es sich eigentlich um Weihnachtsgebäck handelt, welches uns angeboten wird.

Noch nie habe ich begriffen, was Menschen veranlasst, bereits im Spätsommer Dominosteine, Spekulatius und Co einzukaufen. In meiner Gedankenwelt handelt es sich dabei um arme Irre, die es nicht abwarten können. Doch in diesem Jahr wird alles anders. Ich werde mich in die Welt der Irren einreihen. Manch einer wird sagen, ich sei da schon längst angekommen. Mag sein, aber das hätte andere Gründe.

Mit Schrecken erinnernwir uns an die letztjährige Vorweihnachtszeit. Es war mir unmöglich, meiner Angetrauten Mandelspekulatius zu beschaffen! Und warum? Weil wir – wie erwähnt - zu den Restexemplaren der Menschheit gehören, die der Ansicht sind, daß bestimmte Dinge, darunter auch durchaus essbare, einfach Saisonartikel sind und bleiben sollen. Wir müssen im Winter keine Erdbeeren haben. Und keine Weintrauben im Frühjahr. Das, was uns jetzt als Herbstgebäck angedreht werden soll, gehört in den Ablauf der Jahreszeiten eben nicht in den Spätsommer, sondern in die Vorweihnachtszeit. Also in die Zeit ab dem ersten Advent.

Diese Einstellung hatte im letzten Jahr jedoch zur Folge, daß die zweitbeste Ehefrau von allen auf Mandelspekulatiusentzug gesetzt werden musste. Die in unserer Gegend im Spätsommer noch vorhandenen  Massen an Mandelspekulatius waren gegen Ende November längst ausverkauft. Und ich durfte mir nach jedem Einkauf und auch zu anderen Gelegenheiten die Jammerei meiner Angetrauten anhören. Entzug ist eben echt hart.

Aber nicht in diesem Jahr. Das Gejammer werde ich mir nicht mehr antun. Ich werde mit der Faust auf den Tisch schlagen - und Mandelspekulatius kaufen, wann und wo immer ich sie auch finde. Auch bereits in der ersten Septemberwoche. Im Spätsommer. Jawohl. Aber ich werde diese Vorräte vor meiner Angetrauten verstecken, bis es an der Zeit ist. Da bin ich knallhart. Nicht, daß hier noch jemand schwach wird. Es geht ums Prinzip. Wie gut, daß ich nicht so für Süßigkeiten zu haben bin.

Oh, es gibt ja auch schon Schokoladenlebkuchen. Wieso werden die eigentlich nicht endlich mal ganzjährig...


Kommentare:

  1. Du brauchst sie nicht verstecken... Ich bleibe dabei, dass Weihnachtsplätzchen Weihnachtsplätzchen sind - außerdem habe ich noch Butterkekse. ;-)

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  2. Hi,
    ich lese ja hier schon eine ganze Weile "still" mit, aber jetzt muß ich doch mal kommentieren.
    Mir ging das mal so mit Gewürzspekulatius, die ich unglaublicherweise im Advent kaufen wollte. Nicht alles, daß man mich im Laden ausgelacht hätte!
    Da ich mit Weihnachten aber sowieso nichts wirklich Schönes mehr verbinde, außer ein antrainiertes schlechte Gewissen, ist mir das mittlerweile auch egal. Seit meiner Kindheit bin ich nur rumgereist an den Feiertagen (Scheidungskind) und jetzt, selbst verheiratet, aber ohne eigenen Nachwuchs, schmücke und backe ich nur für mich selbst, da mein Mann am liebsten von alldem nichts mitbekommen möchte. Dem reicht der zunehmende Verkehr (Staus), der immer 6 Wochen vor Weihnachten einsetzt. Wo kommen in dieser Zeit eigentlich die Mehr-Autos her und wo waren die im restlichen Jahr? Für ihn bedeutet Weihnachten seit ein paar Jahren eigentlich nur "frei haben". Was so ein Job aus einem Menschen machen kann, tse.
    Jedes Jahr nehme ich mir vor, diesmal läuft alles anders zu Weihnachten und jedes Jahr ist es doch wieder wie immer. Aber dieses Jahr wird es wirklich anders ;o) Nehme ich mir einfach mal vor.

    Viele Grüße
    Conny

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  3. Ich bekenne eine gewisse Sympathie für deinen Mann. ;-)

    Weihnachtsdeko haben wir auch noch irgendwo im Keller. Mal sehen, wann die mal wieder Tageslicht sieht. Einen Weihnachtsbaum gibt es jedenfalls nicht.

    Dann wünsche ich dir jetzt schon viel Erfolg bei deinem diesjährigen Weihnachtsansinnen. :-)

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