Montag, 9. September 2013

Logik oder S = (O + K + X + V + Y) x 2

Nadja ist Sachbearbeiterin in Teilzeit. Sie hat die halbe Arbeitszeit und verteilt diese auf drei Tage pro Woche, an denen sie anwesend ist. Schon früher, bevor sie mutterte und nach dem Erziehungsurlaub in Teilzeit wieder zu uns zurückkam, hat sie es geschafft, ihren Arbeitsbereich vor die Wand zu fahren. Sie ist nicht dumm, ihre Aus- und später auch die Fortbildung hat sie mit Bestnoten bestanden. Darin spiegelt sich aber nur das Ergebnis von theoretischem Wissen wieder. Praxis ist etwas ganz anderes.

Dies gilt umso mehr, wenn man Verantwortung trägt und diese auch wahrnehmen muß. Nämlich immer dann, wenn es darum geht, einen Fall entweder selbst durch Unterschrift abzuschließen oder eine Entscheidungsvorlage zur Unterschrift dem Fachbereichsleiter vorzulegen.

Meiner Meinung nach hat sie damit ein ganz gewaltiges Problem. Sie traut sich einfach nicht, zu unterschreiben. Nadja will alles noch mehrfach absichern, ermittelt die abenteuerlichsten Dinge aus und lässt den Vorgang dann weiter liegen, um nochmal darüber nachdenken zu können.

Nachdem sie sich seinerzeit in den Mutterschutz verabschiedet hat, wurden ihre Akten von einer nicht ganz unerfahrenen, aber in der Position als Sachbearbeiterin doch neuen Kollegin übernommen. Sie schaffte es, diese Baustelle in wenigen Monaten zu bereinigen.

Als Nadja aus dem Erziehungsurlaub zurückkam, erhielt sei eine – ihrer reduzierten Arbeitszeit entsprechende – neue Zuständigkeit. In unseren Aktenzeichen ist unter anderem der erste Buchstabe des Namens unserer jeweiligen Kundschaft enthalten. Über die maschinelle Auswertung der Statistik lässt sich feststellen, von welchem Buchstaben in der Vergangenheit wie viele Neuanträge eingegangen sind. So ist über die Zuordnung der Buchstaben eine zumindest annähernd gleichmäßige Verteilung der Vorgänge möglich.

Nadja ist der festen Überzeugung, daß sie mit ihrer neuen Zuständigkeit benachteiligt wurde, denn sonst wäre sie nicht schon wieder dabei, unter Aktenbergen zu versinken. Sie hat nur 50 % Arbeitszeit, aber 5 Buchstaben zu betreuen, nämlich O, K, X, V und Y. Ich hingegen habe 100 % Arbeitszeit, aber nur einen Buchstaben, nämlich das S. Es war ihr beim besten Willen nicht zu vermitteln, daß es in Deutschland sehr viel mehr Menschen gibt, deren Nachname mit S anfängt als mit O, K, X, V und Y zusammen. Nein, sie sah es nicht ein, alles ist ungerecht.

Und wo sie schon mal dabei war, regte sie sich auch über die ungerechte Verteilung der Vertretung auf. Sie sei ja nur an drei Tagen da, müsste aber für fünf Tage Vertretung machen. Was durchaus zutreffend ist. Allerdings hat sie eine Arbeitszeit von 50 %, so daß sie zwar an fünf Tagen Vertretung macht, aber nur die Hälfte von dem zugesteuert bekommt, was eine Vollzeitkraft erledigen müsste. Auf die Woche gerechnet hat sie also die Hälfte von dem zu vertreten, was ein Vollzeitmitarbeiter zu erledigen hat. Sie aber möchte an den drei Tagen ihrer Anwesenheit nur 50 % bekommen und an den anderen Tagen nichts. Auch hier kamen wir nicht weiter. Sie sieht die Unlogik in ihren Gedanken nicht ein.

Es wird aber tatsächlich Zeit, daß unsere Zuständigkeit nochmal überprüft wird. Ich habe mir die Zahlen der letzten Monate mal angesehen. Auf mich entfielen im Schnitt drei Mal soviel Neuanträge wie für Nadja. Dabei ist meine Arbeitszeit nur doppelt so hoch wie ihre. Und ich habe noch zahlreiche Zusatzaufgaben zu erledigen, die sie nicht hat. Ja, es stimmt wohl, daß da ein Fehler in der Verteilung vorliegt. Aber diesen Fehler meinte sie wohl nicht...




Kommentare:

  1. Nein - denn auch um das zu erkennen ist sie zu ... ähm ... *räusper* ... *runterschluck* ... *grübel* ... horizontbegrenzt.

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  2. Herrlich! Das erinnert mich stark an einen Arbeitskollegen, immerhin Chefbuchhalter, der allen Ernstes folgende Rechnung aufstellte: Ich darf 6 Wochen unter Fortzahlung der Bezüge krank sein, das sind also 30 Werktage. Im letzten Jahr war ich aber nur 14 Tage krank, habe also noch 16 Tage gut und die möchte ich nun ausbezahlt haben. Er hatte sogar schon ausgerechnet, wieviel Geld das ausmachte und war von seinem absolut falschen Gedankengang nicht abzubringen, wurde aber damals in der Firma dann auch nicht mehr wirklich alt.....

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  3. Dazu gibt es Einsteins Klassiker:

    "Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Obwohl ich mir beim Universum nicht so sicher bin."

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  4. In der hiesigen Anstalt wird gerne kolportiert, an den Tagen 1-15 würden mehr Menschen geboren als an den Tagen 16-31 (wahlweise auch umgekehrt).....
    Die Sache mit den Buchstaben ist ja noch irgendwie nachvollziehbar, aber das an bestimmten (hintereinanderliegenden) Tagen grundsätzlich mehr Menschen geboren werden, ist grober Unfug. Ausnahme natürlich 1. und 31.

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  5. @ anstaltszauber: Immer so, wie man es gerade braucht. Typisch.

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