Donnerstag, 19. September 2013

Käpt'n Greybeards großes Dilemma

Der allseits bekannte und ebenso beliebte wie gefürchtete Käpt’n Paterfelis, aus kaum nachvollziehbaren Gründen auch Greybeard genannt, verließ in aller Frühe die Herberge Zum tänzelnden Kater. Er begab sich mit langen Schritten zur nahen Anlegestelle, an welcher ihn ein Boot in Empfang nehmen sollte. Das Klacken der schweren Seestiefel auf dem Steinboden hallte durch die Dunkelheit. Pünktlich erschien das erwartete Boot. Die noch müde Besatzung ruderte einen gemächlichen Schlag in Richtung der Lasa, des Käpt‘ns stolzen Schiffes, welches im Neustädter Hafen vor Anker lag.

Der heutige Tag versprach kulinarischen Hochgenuss, hatte doch Leichtmatrose Sven geschworen, seinen Patzer aus dem letzten Jahr wieder gut zu machen und dem Käpt’n zur Mittagszeit ein ordentliches Dönertier zu kredenzen. Dies würde eine kleine Herausforderung sein, denn das bereits bekannte Jagdrevier für Dönertiere wurde unlängst von städtischen Schergen für die Öffentlichkeit gesperrt. Sven musste ein also ein neues Revier erkunden.

Greybeard konnte die hohen Masten seines Schiffes schon erkennen, als das kleine Boot von drei Stadtsoldaten geentert wurde, welche seinen Passierschein zu sehen wünschten. Der alte Käpt’n war kurz davor, seinen schrecklichen Säbel zu ziehen ob dieser Unverschämtheit, doch entschied er sich anders. Ihn verlangte es nicht danach, den Säbel nach getanem Werk wieder vom Blute der Büttel befreien zu müssen. Nach einem kurzen Blick auf den Passierschein verließen die drei Stadtsoldaten anstandslos das Boot. Sie ahnten nicht, wie kurz sie davor waren, ihrem Schöpfer gegenüberzutreten.

Noch ein paar kräftige Ruderschläge, und schon legte das kleine Boot an der Lasa an. Der Käpt’n ging an Bord und suchte direkt seine Kajüte auf. Kurze Zeit später machte sich Leichtmatrose Sven bemerkbar, welcher das neuste Besatzungsmitglied, das Schiffsjungenmädchen Karla im Schlepptau hatte. Greybeard hatte sie ihm zur Einweisung in ihre Pflichten überlassen.

Die Morgenwache schlug gerade sechs Glasen, als das nächste Mannschaftsmitglied erschien: der Vollmatrose Ökoklaus. Doch was musste der Käpt’n sehen? Der Ökoklaus war ohne sein gestreiftes Matrosenhemd aufgetaucht. Stets auf angemessene Kleidung bedacht vermochte Greybeard nicht, diesen Kerl derart in seiner Nähe zu ertragen, so daß er ihn in die Bilge sperren ließ.

Nach kurzer Zeit meldete sich Leichtmatrose Sven und äußerte den Wunsch, von Bord gehen und sich in einer Herberge zur Ruhe begeben zu dürfen. Er sei erkältet, könne unmöglich seinen Dienst verrichten und schon auf gar keinen Fall ein Dönertier besorgen. Greybeard war zutiefst erschüttert. Einen solchen neuerlichen Verrat würde er auf seinem Schiff nicht dulden. Nicht dieses Mal. So ordnete der Käpt’n an, man möge den Leichtmatrosen kielholen. Doch blieb ihm nur ein einziges Mitglied seiner Mannschaft, das Schiffsjungenmädchen Karla. Diese allerdings erklärte, für diese Aufgabe nicht die nötige Erfahrung und erst recht nicht die nötigen körperlichen Kräfte zu besitzen.

Auch die zwischenzeitlich an Bord gekommene Strandpiratin Mandy erwies sich nicht als Hilfe. So ließ Käpt’n Greybeard wieder einmal Gnade vor Recht ergehen. Betrübt verbrachte er den Rest des Tages in seiner Kajüte, bis er schließlich die Lasa wieder verließ, den Weg zurück zur Herberge Zum tänzelnden Kater beschritt und dort in den frühen Abendstunden dem fliegenden Spaghettimonster mit Fleischbällchen seine Ehre erwies.

Im nächsten Jahr würde alles anders werden. Das schwor er sich bei seinem ergrauenden Bart.










Kommentare:

  1. Hey Ho! Und 'ne Buddel voll Rum!
    Schönes Wochenende.

    AntwortenLöschen
  2. Der Rum steht bereit und wartet darauf, einen kräftigen Kakao mit Sahne zu verdünnen.

    AntwortenLöschen