Mittwoch, 4. September 2013

Die Tiefgaragensause

Es hat sich in verschiedenen LASA-Außenstellen zum Brauch entwickelt, einmal im Jahr nach Ende der offiziellen täglichen Pflichtanwesenheitszeit eine Feier mit den Mitarbeitern zu veranstalten. Nachdem diese Feier in unserer Außenstelle in den letzten Jahren ausgefallen war, sollte diese Tradition nun wiederbelebt werden. Alle paar Jahre lasse ich mich da auch mal blicken, insgesamt ist dies aber eher keine Veranstaltung, an der ich Gefallen finden könnte. Zu viele Menschen auf einem Haufen, zu viel Gedränge, viel zu viel Small Talk. Ich stehe da permanent unter Strom und muß mich schon sehr beherrschen, um das durchzuhalten. Und da es auch ziemlich doof aussieht, wenn ich nur ganz am Rande herumstehe und das Treiben beobachte – was im Übrigen auch einen gewissen Grad zumutbarer Langeweile überschreitet – müssen die Kollegen meistens gänzlich auf meine Anwesenheit verzichten.

In unserer Außenstelle findet diese von den Führungskräften des Hauses gesponserte Feier traditionell in der Tiefgarage des Hauses statt und wird folgerichtig als Tiefgaragensause bezeichnet. Autos werden rechtzeitig auf die nun freien Besucherparkplätze umgestellt, Parken in zweiter Tiefgaragenreihe ist ausdrücklich erlaubt, Bierzeltgarnituren sind schnell besorgt und platziert, zusätzlich wird ein ordentlich großer Holzkohlengrill aufgebaut, der während nahezu der ganzen Veranstaltung seinen Dienst leistet. Ebenso findet sich der Platz für ein kaltes Buffet, welches von spendablen Mitarbeitern erstellt wird. Und natürlich darf eine mobile Kühltruhe für die Getränke nicht fehlen.

Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, daß ich von einem Holzkohlengrill geschrieben habe, welcher in unserer Tiefgarage seinen Dienst verrichtet. Ja, richtig gelesen. Und die Feuerwehr stört sich noch nicht mal daran. Skandal? Lebensgefahr? Aber mitnichten, wir sind doch alle mehr oder weniger verantwortungsvolle Mitmenschen. Unser Gebäude bietet nämlich eine Besonderheit, welche ein solches Unterfangen zulässt.

Geplant war der Bau eines mehrstöckigen Bürogebäudes mit einer Tiefgarage. Während der Bauarbeiten stellte sich heraus, daß sich unterhalb des Bauplatzes in keinem Plan genau verzeichnete Tunnel- und Röhrensysteme befinden. Dummerweise sind diese Systeme noch in Benutzung. Damit hatte sich der Gedanke an den Fertigbau der Tiefgarage erledigt. Eine ziellose, nach unten führende Rampe erinnert heute noch an die ursprüngliche Planung. Statt dessen wurde das Gebäude nun auf Sockel gestellt. Die Tiefgarage befindet sich ebenerdig und das eigentliche, auch heute noch so bezeichnete Erdgeschoss erstreckt sich in einer Höhe, in der beim Nachbargebäude die erste Etage zu finden ist und kann zur regelmäßigen Verwirrung unserer Besucher nur über eine große Treppe oder über Aufzüge erreicht werden.

Das Parkdeck selbst ist offen gebaut und nur an jenen Stellen überdacht, über denen sich der Rest des Gebäudes ausbreitet. Die weitere Fläche stellt damit eine ebenerdige Tiefgarage unter freiem Himmel dar und verfügt über einen ordentlichen Baumbewuchs. Übrigens sehr zum Leidwesen unseres armen Balduin. Mein Parkplatz befindet sich unter einem solchen Baum, was immer wieder zu Hinterlassenschaften der Objekte des Interesses der Ornithologen führt.  Meistens nutze ich den Platz ja nicht, sondern stelle ihn anderen Kollegen zur Verfügung, sonst hätte ich schon längst versucht, einen anderen zu bekommen. Also kann ich sagen, daß ich einen Tiefgaragenstellplatz habe, an dem mein Auto regelmäßig von frei fliegenden oder hockenden Vögeln vollgekackt wird. Ist ja auch was Besonderes.

In diesem Jahr fand die Tiefgaragensause mit Südsee-Thema statt. Das Buffet war zwar nicht unbedingt darauf ausgerichtet (ja, ihr wisstdoch, ich bin da ein Korinthenkacker), aber etwas passende Dekoration inklusive einiger Kränze aus Kunstblumen sowie einer aufblasbaren Plastikpalme fanden sich dann doch. Zum Unterhaltungsprogramm gehörte eine Tombula[sic!]. Da die dafür vorgesehenen Preise doch zu schnell ihren neuen Besitzer fanden, verloste man auch kurzerhand noch Teile der Dekoration, darunter die besagte aufblasbare, durchaus mannshohe Palme. Der Ökoklaus zeigte sich als glücklicher Gewinner derselben. Mal sehen, was er damit anstellt.

Am späten Nachmittag verabschiedete sich Dr. Strebsinger vorübergehend, er habe noch was in der Stadt zu erledigen, würde aber nochmal zurückkommen. Nach anderthalb Stunden war er dann auch wieder vor Ort, die Aufräumarbeiten näherten sich bereits dem Ende. Der verbliebene harte Kern der Mitarbeiter verspürte den Wunsch, eine der nahegelegenen Altstadtkneipen mit ihrem Besuch zu beehren und fragte natürlich bei Dr. Strebsinger, ob er mitkommen möchte. Dieser aber lehnte das Ansinnen ab. Gerade habe er 1 ½ Stunden gebraucht, um in der Stadt eine neue Kaffeemaschine zu erstehen und sei vollkommen fertig.

Armer Kerl, aber wenigstens sind nun die Grundvoraussetzungen der künftigen Versorgung mit bürotauglichen Betriebsmitteln und Schmierstoffen wieder gegeben.


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