Mittwoch, 25. September 2013

Dicht daneben ist auch vorbei

Über die krankhafte Neugier den immensen Informationsbedarf Frau Kleinhüppgenreuthers habe ich mich ja schon mal ausgelassen. Immer wenn sie der Meinung ist, daß draußen in der freien Wildbahn unserer Straße etwas geschieht, schnappt sie sich ihr kleines Körbchen, in dem sich regelmäßig ein paar Blatt Papier befinden, verlässt die Wohnung und schleppt das Papier zum an der Ecke des Hauses befindlichen Papiermülleimer. Von dort aus hat sie nahezu unsere gesamte Straße im Blick.

Dies nützt ihr recht wenig, wenn sie erfahren möchte, was auf unserer Terrasse so vor sich geht. Denn wie der Zufall es will, ist der Sichtschutzzaun ausgerechnet auf der zur Kleinhüppenreutherischen Papiermülleimer weisenden Seite so hoch, daß ein Einblick nicht möglich ist. Also muß sie stärkere Geschütze auffahren. Sie schnappt sich Bello, den familieneigenen Jagdhund, den sie im Gegensatz zu ihrem der Jagdleidenschaft frönenden Ehemann durchaus im Griff hat, und geht mit ihm – ähm, dem Hund, nicht ihrem Mann - ein paar Schritte die Straße runter, bis sie eine Stelle erreicht, an der sie umkehren und dabei zufällig einen oder mehrere Blicke auf unsere Terrasse werfen kann. Daß der arme Hund bis zu diesem Punkt noch keinerlei Gelegenheit hatte, auch nur einmal was loszuwerden, macht die offensichtliche Sache noch eindeutiger. Aber sie merkt es nicht.

Wenn die zweitbeste Ehefrau von allen und ich dank teilüberdachter Terrasse durchaus auch mal im Regen und eher kühlen Temperaturen den Grill anschmeißen, finden natürlich nicht nur die obligatorischen Fleischberge den Weg auf den Rost. Wir sind durchaus offen für andere nette, grillfähige Variationen genussversprechender Lebensmittel, als da wären Zucchini, Auberginen, Paprika, Kartoffeln, Champignons, Brot und diverse Käse. Es ging an diesem Tag alles relativ rauchfrei zu. Von ihrem Ausguck aus konnte Frau Kleinhüppenreuther nicht erkennen, wer da wohl den Grill angeworfen haben könnte. Zeit und Grund genug, mit Bello einen Kurzspaziergang einzulegen.

Wie nicht anders zu erwarten, wanderte Frau Kleinhüppenreuther den kurzen Weg die Straße hinauf, bis der Wendepunkt erreicht war, an dem sie unsere Terrasse im Blick haben würde. Dies war der Moment, zu dem meine Angetraute gerade Halloumi, einen zypriotischen Grillkäse, der beim Kauen wunderbar quietscht, auflegte. Frau Kleinhüppenreuther bemerkte, daß wir ihrer gewahr wurden und grüßte brav. Als höfliche Nachbarn grüßten wir selbstverständlich freundlich lächelnd zurück.

Frau Kleinhüppenreuther marschierte sehr zu Bellos Bedauern wieder in Richtung heimische Wohnung. Sie wurde vom Herrn Gemahl empfangen. Wir konnten noch hören, wie sie ihre Beobachtung weiterverbreitete.

„Die grillen Tofu. Ich glaube, die sind Vegetarier.“

Hmmm, dann hat das mit dem Näschen in der Vergangenheit aber wohl nicht so gut funktioniert.



Kommentare:

  1. Das ist DER Beweis dafür, dass sie keinerlei Geruchssinn haben kann... 3:-)

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  2. Halloumi, Tofu...
    Ist doch alles das gleiche;-)

    Außerdem ist es ein klarer Beweis, dass ihr Teilzeitvegetarier seid.

    Schön, dass die lieben Nachbarn sich so kümmern;-)

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    1. Quietscht Tofu beim Essen auch so wie Halloumi?

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    2. Ich glaube nicht, aber ich bin mir nicht sicher.
      Ist schon so lange her, dass ich Tofu probiert habe;-)

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