Sonntag, 15. September 2013

Bärtige Angelegenheiten

Der Fernseher dudelte sein Programm vor sich hin, als ein Bericht gezeigt wurde, der meine Aufmerksamkeit erregte. Ich kann es kaum fassen. Das Unglaubliche ist eingetreten. Niemand hätte es jemals für möglich gehalten. Es gibt etwas, mit dem ich modisch auf Höhe der Zeit bin!

Denn ich bin Bartträger.

Es handelt sich um einen Vollbart, um genau zu sein. Mehr als nur so ein läppischer Dreitage-Bart, aber auch nicht so ein Ding, wie es der Alm-Öhi wohl tragen würde. Etwa alle vier bis fünf Wochen kürze ich den wieder runter auf eine Wochenbart-Länge. Je nach persönlichem Befinden dauert das auch mal länger oder wird schneller in Angriff genommen.

Damals in den wilden 80ern, als das mit dem Bartwuchs so langsam in die Gänge kam, war es unter uns pubertierenden Jungs noch üblich, daß wir alle den Flaum unter der Nasenspitze als Schnauzbart getragen haben. Die restliche, sich erst später dazugesellende Gesichtsbehaarung wurde schon entfernt, aber der Schnauzbart – oder was mal einer werden würde – blieb bei den meisten. Unsere südosteuropäischen Mitschüler waren uns da allerdings naturgemäß um Längen voraus.

Irgendwann habe ich den Rasierer auch mal über der Oberlippe angesetzt, aber das war schon ein seltsames Gefühl. Irgendwie kam ich mir nackt vor, habe es aber für einige Zeit beibehalten.

Schon bevor der Bartwuchs bei mir auch nur halbwegs als solcher angesehen werden konnte war ich mir darüber im Klaren, daß ich später Bartträger werden würde. Vollbartträger. Ich fand das immer toll. Umso mehr habe ich natürlich darauf gewartet, daß der Flaum im Gesicht endlich so stark wurde, daß ich mich des Projektes annehmen konnte.

Zum letzten Mal habe ich mich am Tag vor der mündlichen Abschlussprüfung meiner Lehre glatt rasiert. Danach nie wieder. Es begann eine Zeit des Experimentierens. Man muß ja erst mal Erfahrung sammeln, wie man mit den neuen Haaren so umgeht, wie lang sie werden sollen und wo der Punkt ist, an dem das anfängt, blöd auszusehen. Denn ein wirklicher Erwachsenenbart war das immer noch nicht. Aber im Laufe der Zeit wurde es besser.

Meine Angetraute liebt meinen Bart, wollte aber am Anfang unserer Beziehung auch mal sehen, wie ich ohne ihn wirke. Nun, da musste sie sich mit Fotos begnügen, welche zu dieser Zeit auch schon mehr als zehn Jahre alt waren. Nein, der Bart kommt bei mir nicht runter. Sie hat sich damit zufrieden gegeben und nie wieder gefragt.

Wenn ich mir am Haltepunkt Neustädter Ländchen die heutigen männlichen Teenager so ansehe muß ich feststellen, daß so gut wie keiner mehr seinen Flaum als Schnauzbart trägt. Egal in welchem Alter die sind, alle haben glattrasierte Gesichter. Bartwuchs kann man erst wieder bei denjenigen feststellen, die das entsprechende Alter haben, in dem ein Bart auch nach Bart aussieht. Also bei denen, welche das Schulalter schon längst hinter sich gelassen haben.

Ich bin ja schon gespannt, ob der aktuelle Modetrend des Barttragens sich im Laufe der Zeit auch wieder bei den Jüngeren etabliert. Und sei es nur als Flaum über der Oberlippe.





Kommentare:

  1. Ich persönlich finde, dass Bärte IMMER gehen.
    Entweder man mag Bart, oder nicht.
    Ich mag übrigens Bart, egal, ob Dreitage- oder Dreimonatsbart.
    Was aber gar nicht geht, sind Schnäuzer.
    Ist Dir auch aufgefallen, dass Schnäuzer fast nur von Polizisten und Soldaten getragen werden?
    Komisch, oder?

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  2. Keine Schnäuzer? Nicht mal bei Thomas Magnum?

    Ich habe ewig niemanden mehr mit einem Schnauzbart gesehen. Aber dafür immer wieder diese Typen mit den lustigen Kinnbärten.

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