Montag, 30. September 2013

Wünsch dir was... (jetzt mit Update)

Damit Frau chat noir die Lupe weglegen kann:


(zum Hintergrund der Sache siehe hier in den Kommentaren)

Update: Tante Edit sagt: Gern geschehen.


Die Folgen eines Wochenendes

„Ich glaube, die saufen sich am Wochenende allen Mut an, damit sie uns konzentriert montags anrufen können.“

Zitat Mandy nach ihrem 24. Telefonat des Tages.

Ich hatte Glück, bei mir waren es nur 17 Anrufer.


Sonntag, 29. September 2013

Die Tätowierung

Der geneigte Leser wird sich zu erinnern wissen, daß ich Frl. Hasenclever unlängst mit der Offenbarung schockierte, daß ich eine Tätowierung habe. Mir hat sich immer noch nicht erschlossen, warum sie das so erschreckt hat.

Es war für  mich schon Jahre früher eine feststehende Tatsache, daß ich mir mal eine Tätowierung stechen lassen würde. Schwierig war es allerdings, dieses Unterfangen auch umzusetzen. Mir war kein Studio bekannt, welches so eine Arbeit ausführen würde. Mehr als allgemeine Informationen hatte ich nicht zu dem Thema. Es war ungefähr in der Jungsteinzeit, noch vor Verbreitung des Internets für den Normalbürger, als sich eine frühere platonische Freundin von mir eine Tätowierung stechen ließ.

Ich hakte nach, fragte sie aus und sah endlich die Gelegenheit, meine langjährigen Wünsche in die Tat umzusetzen. Ich wusste schon, in welche Richtung das Bild gehen sollte. Also besuchten wir gemeinsam das besagte Studio. Ich wollte mich erst unverbindlich umschauen, Eindrücke sammeln und auch noch die eine oder andere Anregung mitnehmen. Wie gesagt, gab es das Internet noch nicht in der heutigen Form für jedermann. Einfach mal Google anwerfen und sich Bilder anzeigen lassen war noch Zukunftsvision.

In den vielen Katalogbildern fand ich auch das, was ich gesucht habe: das Bild eines Einhorns. Allerdings in der Version mit Bart. Aber das würde sich ja ändern lassen. Es war eine eher einfache Arbeit, die auch nicht besonders kostenintensiv sein würde. Ich trug mein Ansinnen dem Menschen hinter dem Tresen vor. Er selbst war kein Angestellter des Ladens, sondern ein freier Tätowierer, der durch die Gegend tingelte und immer wieder für eine bestimmte Zeit in den verschiedenen Lokalitäten als Gast-Künstler arbeitete. Die Studios gab es früher noch nicht wie Sand am Meer, und er schien in der noch übersichtlichen Branche einen guten Ruf zu haben.

Dieser Tätowierer zeigte mir ein anderes Bild eines Einhorns aus seinem persönlichen Katalog. Es war das Foto einer fertigen Arbeit, nicht nur eine Zeichnung auf Papier. Ja, das war es! So und nicht anders sollte meine Tätowierung sein. Das Bild zeigte eine eher plastische Darstellung, nicht nur eine einfache Zeichnung. Dementsprechend würde es auch um ein Vielfaches teurer werden als ursprünglich gedacht. Aber hier zu sparen hieß, an der falschen Stelle zu sparen. Ich vereinbarte einen Termin und leistete eine Anzahlung.

Zu diesem Termin ging ich alleine; meine Freundin, die mich begleiten sollte, musste kurzfristig absagen. Das war ja schon wieder was für mich, aber die Umstände, daß ich eine Anzahlung geleistet hatte und endlich die Möglichkeit sah, meinen Wunschtraum zu realisieren, sorgten dafür, daß ich den Weg in das Studio auch alleine hinter mich brachte.

Ich setzte mich auf den Stuhl und harrte der Dinge. Nach meinen vorherigen Informationen würde das Bild rudimentär mit einer Schablone auf meinem Oberarm angezeichnet werden, danach sollte die Umsetzung mit der Nadel erfolgen.

Mein Oberarm wurde nochmal rasiert und desinfiziert. Anschließend füllte der Tätowierer seine Farben ab. Um den plastischen Effekt zu erzielen, würde er mit neun verschiedenen Schwarz- und Grautönen arbeiten. Handschuhe und Nadel lagen in sterilen Beuteln bereit. Nun gelangten wir an den Punkt, an dem es mir doch etwas seltsam zumute wurde. Der Bursche hatte nämlich keine Schablone, sondern zeigte mir das Foto eines Pferdes, welches ihm als Vorlage dienen würde. Er markierte einige wenige Stellen an meinem Oberarm mit einem Stift, dann erfolgte die letzte Frage:

Bleibt es dabei?

Ja, es bleibt dabei.

Und los ging es. Die Arbeit wurde routiniert und zügig ausgeführt. Ich hätte nie gedacht, daß das so schnell erledigt sein könnte. Nicht mal eine Stunde nach Betreten des Studios stand ich schon wieder vor der Tür.

Die Haut rund um die Tätowierung zeigte sich in den ersten Tagen feuerrot. Es wirkte so, als ob das Einhorn durch eine wabernde Glutwand gehen würde. Auch eine interessante Idee, aber mit bunten Tätowierungen habe ich es nicht so. Das Rot verblasste nach einigen Tagen, dann kam auch der erste Schreck: Die Tätowierung wurde langsam etwas blasser. Farbreste lagerten sich wie Schorf auf dem Bild ab. Jetzt nur nicht daran herumfummeln. Ich war darauf vorbereitet, aber dennoch gab es dieses Gefühl der Unsicherheit. Doch schließlich hat sich alles eingependelt. In den letzten Jahrzehnten gab es keine Veränderung mehr.

Sehr schnell spürte ich den Drang, von dem alle berichten, die mit ihrer Tätowierung im Reinen sind. Man will mehr. Noch eines. Und vielleicht ein weiteres. Tätowieren macht süchtig! Man sieht es ja auch an den Herr- und Damenschaften, die über und über mit Tätowierungen bedeckt sind. Das gefällt mir dann auch nicht mehr. Aber ja, auch ich möchte gerne noch eine weitere Tätowierung haben. Einen Drachenkopf. Dieser müsste genau so plastisch dargestellt sein wie das Einhorn, sonst sieht das nicht gut aus. Doch so etwas kann nicht jeder. Und es kostet richtig Geld.

Also wird es bei dem Einhorn verbleiben.

Schade.


Samstag, 28. September 2013

Gruß aus der Küche - Pseudo-Döner

Die zweitbeste Ehefrau von allen war wieder im Rahmen ihrer Trainerausbildung unterwegs.  Das an diesem Tag anstehende Seminar barg einiges an Neuland. Es würde in einem Studio stattfinden, mit dem man noch nicht zusammengearbeitet hatte. Auch der Referent war erstmals dabei. Aufgrund der besonderen Thematik – es ging um Vibrationstraining – fanden sich Teilnehmer aus unterschiedlichen Gruppen zusammen. Rajiv selbst war an diesem Tag verhindert, so daß er meine Angetraute gebeten hatte, stellvertretend für ihn das Seminar vorzubereiten und zu eröffnen. So lag eine gewisse, von meiner Angetrauten ausgehende Aufgeregtheit in der Luft.  Aber sie würde das schon meistern, da war ich sicher.

Stunden später, als ich gerade in einem wagemutigen Moment den Müll bei Tageslicht rausbrachte, fuhr sie mit Balduin vor, parkte ihn ordentlich in unserem Carport, stieg behutsam aus und näherte sich der Haustür vorsichtigen Schrittes. Oha, das war wohl wieder eine Veranstaltung mit Folgen. Erste Worte der zweitbesten Ehefrau von allen bestätigten diese Vermutung:

„50 Übungen zu 45 Sekunden auf den Vibrationsgeräten. Aua.“

Und weiter:

„Ich will gar nicht wissen, wie sich der Muskelkater morgen und übermorgen erst anfühlt.“

Gefolgt von einem:

„Hunger!“

Gut, zumindest dem konnte ich abhelfen. Und zwar mit einem Pseudo-Döner.

Genau wie beim Pfannengyros hat das Gericht auch hier nur sehr rudimentäre Bezüge zu einem echten Döner. 




Man nehme:

500 g Putenfleisch
2 große Zwiebeln
½ TL Kreuzkümmel
½ TL Paprikapulver
1 TL getrockneter Oregano
Knoblauch
1Salatgurke
8Tomaten
Salz
Pfeffer
Ciabatta
Zaziki
Pul Biber


Das Putenfleisch in mundgerechte Stücke schneiden und in der Pfanne knusprig anbraten. Dabei mit Kreuzkümmel, Paprikapulver und Oregano würzen. Wer mag, kann auch noch entsprechend Knoblauch hinzugeben. Die Zwiebeln klein schneiden und mitbraten.

Den Ciabatta-Leib am oberen Rand aufschneiden und so einen Deckel abheben. Das Innere aushöhlen. Dann den Laib im Ofen vorwärmen und schließlich mit dem Fleisch füllen. Alles nochmal für 5 Minuten bei 200 Grad in den Ofen geben.

Während dessen Gurke und Tomaten schneiden, vermischen und mit Salz und Pfeffer würzen.

Den Pseudo-Döner aus dem Ofen holen, Zaziki auf das Fleisch geben.  Mit etwas Pul Biber garnieren und mit dem Salat auf einem Teller anrichten.



Freitag, 27. September 2013

Kleine Randbemerkung (8)

Der Ehemann der zweitbesten Ehefrau von allen nahm sich das Nageletui – oder wie auch immer der Fachbegriff für das Ding lautet, in dem sich Nagelscheren, verschiedene ihm namentlich und funktionell unbekannte Dinge sowie eine Feile lagern.

Eine Glasfeile, um genau zu sein.

Wer benötigt eine Glasfeile? Die ollen Metalldinger tun es auch.

Und sie zerbrechen wenigstens nicht, wenn sie auf den gefliesten Boden fallen.






Donnerstag, 26. September 2013

Der Armleuchter und die Sache mit der unmoralischen Schadenfreude

Es gibt ja verschiedene Dinge, gegen die ich nicht ankomme. Dazu gehören Kinderwagen sowie Fahrräder in öffentlichen Verkehrsmitteln während des Berufsverkehrs. Man beachte freundlicherweise die einschränkenden letzten drei Worte des vorherigen Satzes. Danke. Mich regt es auch genauso auf, wenn ich Menschen mit Kinderwagen, geschobenen Fahrrädern sowie mitgeführten Hunden im dichtesten Gedränge eines Weihnachts- oder auch eines Trödelmarktes sehe. Den Kindern und auch den Hunden wird die Sache genau so wenig Freude bereiten wie den Mitmenschen. Wie allerdings das Fahrrad empfinden mag, entzieht sich auch nur dem Ansatz jeglicher Vermutung meinerseits.

Natürlich billige ich jederman auch einen Platz in Bussen und Bahnen zu, habe aber meine Zweifel daran, ob die wirklich alle zwingend während der Hauptverkehrszeiten mit ihren sperrigen Gerätschaften (ja, ich weiß, Hunde sind keine Geräte) unterwegs sein müssen. Ebenso wie ich bezweifle, daß man mit großen – oder noch schlimmer – kleinen Hunden an der Leine über Kirmesse Kirmesine Kirmessenen Jahrmärkte schlendern muß. Ja, ihr dürft mich jetzt einmal Ar…mleuchter nennen. Ich stehe dazu.

Ich stand, flankiert von weiteren Feierabendlern in relativ übersichtlicher Anzahl, bei ausreichend warmem Wetter am Bahnsteig des Neustädter Hauptbahnhofs. Ein Bursche im Alter von 16 bis 20 Jahren und zugehörigem Fahrrad wartete ebenfalls. Plötzlich kam eine etwa gleichaltrige und somit junge Frau auf ihn zu. Man kannte sich wohl, schien aber den gegenseitigen Reaktionen nach zu urteilen nicht verabredet gewesen zu sein.

Der Zug fuhr ein, eine Tür hielt direkt vor unserer Nase. Beide stiegen vor mir ein. Die junge Frau wandte sich nach links, um die dort etwas höher gelegenen Sitze in Anspruch zu nehmen. Der Bursche konnte sein Fahrrad dorthin nicht mitschleppen und merkte an, daß das Fahrradabteil sich ja den Gang rechts hinunter befinden würde. Ein Umstand, den man durchaus aufgrund entsprechender unübersehbarer Beschilderung vor Betreten des Zuges hätte erkennen können. Er vermeldete aber, daß er gerade keine Lust dazu habe, das Fahrrad dort abzustellen. Dies zu tun wäre allerdings kein Problem gewesen, doch fünf Meter sind fünf Meter. Und auch dort hätte er nicht stehen müssen; die dort freien Sitzplätze hätten für ihn und seine Begleiterin locker ausgereicht. Stattdessen stellte er sein Gefährt mangels ausreichenden Platzes quer vor die gegenüberliegende Tür und setzte sich zu seiner Bekannten. Ich verblieb alleine mit dem Fahrrad im Vorraum.

Kurz vor dem nächsten Halt, an dem ich auf eben dieser durch das Fahrrad blockierten Seite aussteigen musste und mich schon anschickte, den kurzen Weg zur nächsten Tür zu nehmen, füllte sich der Vorraum mit anderen Aussteigewilligen. Der Bursche, zu dem das Fahrrad gehörte, war nicht darunter. Ein Herr, welcher bemerkt hatte, daß ich mich hier die ganze Zeit stehend und alleine mit dem Fahrrad aufgehalten hatte, obwohl Sitzplätze frei waren – er konnte ja nicht wissen, aus welchen Gründenich deren Benutzung nicht in Erwägung gezogen hatte – fragte mich, ob das mein Fahrrad sei. Ich weiß jetzt nicht, ob ich mich ob dieser Frage geschmeichelt fühlen sollte, denn mein Eindruck war eher,  daß dieser Drahtesel unter meinem Gewicht zusammenbrechen würde als mich auch nur mehr als zehn Meter auf die dafür vorgesehene Weise zu transportieren. Ich sah die Sache einfach positiv, vermochte seine Frage aber selbstverständlich nur zu verneinen. Da ich, wie bereits erwähnt, ein Ar…mleuchter bin, wies ich ihn nicht darauf hin, wo der Besitzer zu finden sei.

Der Herr fragte einmal laut in die Runde, ob einer der Anwesenden zu diesem Fahrrad gehöre. Auch der Bursche hätte diesen Ruf durchaus verstehen können, aber er war eher damit beschäftigt, seine Begleiterin zu unterhalten. Der Zug hielt an. Es wäre kein Aufwand gewesen, durch die nächste Tür auszusteigen, aber der fragende Herr zog es vor, die Tür zu öffnen, anzumerken, daß das Fahrrad, wenn es doch niemandem gehöre, auch nicht hier herumstehen müsse, es dann nach draußen zu tragen und dort ordentlich an der den Gleisen abgewandten Bahnsteigseite abzustellen. Der Bursche im Zug bemerkte dies nicht; seine Begleiterin zeigte ebenfalls keinerlei Reaktion, auch wenn sie die Sache aufgrund ihrer Sitzposition durchaus hätte beobachten können.

Niemand der anderen Fahrgäste regte sich darüber auf, und ich verhehle nicht, daß sich auch mir eine gewisse Schadenfreude aufdrängte. Während ich in Richtung Bahnsteigtreppe ging, fuhr der Zug wieder an.

Das Fahrrad jedoch blieb zurück.



Mittwoch, 25. September 2013

Dicht daneben ist auch vorbei

Über die krankhafte Neugier den immensen Informationsbedarf Frau Kleinhüppgenreuthers habe ich mich ja schon mal ausgelassen. Immer wenn sie der Meinung ist, daß draußen in der freien Wildbahn unserer Straße etwas geschieht, schnappt sie sich ihr kleines Körbchen, in dem sich regelmäßig ein paar Blatt Papier befinden, verlässt die Wohnung und schleppt das Papier zum an der Ecke des Hauses befindlichen Papiermülleimer. Von dort aus hat sie nahezu unsere gesamte Straße im Blick.

Dies nützt ihr recht wenig, wenn sie erfahren möchte, was auf unserer Terrasse so vor sich geht. Denn wie der Zufall es will, ist der Sichtschutzzaun ausgerechnet auf der zur Kleinhüppenreutherischen Papiermülleimer weisenden Seite so hoch, daß ein Einblick nicht möglich ist. Also muß sie stärkere Geschütze auffahren. Sie schnappt sich Bello, den familieneigenen Jagdhund, den sie im Gegensatz zu ihrem der Jagdleidenschaft frönenden Ehemann durchaus im Griff hat, und geht mit ihm – ähm, dem Hund, nicht ihrem Mann - ein paar Schritte die Straße runter, bis sie eine Stelle erreicht, an der sie umkehren und dabei zufällig einen oder mehrere Blicke auf unsere Terrasse werfen kann. Daß der arme Hund bis zu diesem Punkt noch keinerlei Gelegenheit hatte, auch nur einmal was loszuwerden, macht die offensichtliche Sache noch eindeutiger. Aber sie merkt es nicht.

Wenn die zweitbeste Ehefrau von allen und ich dank teilüberdachter Terrasse durchaus auch mal im Regen und eher kühlen Temperaturen den Grill anschmeißen, finden natürlich nicht nur die obligatorischen Fleischberge den Weg auf den Rost. Wir sind durchaus offen für andere nette, grillfähige Variationen genussversprechender Lebensmittel, als da wären Zucchini, Auberginen, Paprika, Kartoffeln, Champignons, Brot und diverse Käse. Es ging an diesem Tag alles relativ rauchfrei zu. Von ihrem Ausguck aus konnte Frau Kleinhüppenreuther nicht erkennen, wer da wohl den Grill angeworfen haben könnte. Zeit und Grund genug, mit Bello einen Kurzspaziergang einzulegen.

Wie nicht anders zu erwarten, wanderte Frau Kleinhüppenreuther den kurzen Weg die Straße hinauf, bis der Wendepunkt erreicht war, an dem sie unsere Terrasse im Blick haben würde. Dies war der Moment, zu dem meine Angetraute gerade Halloumi, einen zypriotischen Grillkäse, der beim Kauen wunderbar quietscht, auflegte. Frau Kleinhüppenreuther bemerkte, daß wir ihrer gewahr wurden und grüßte brav. Als höfliche Nachbarn grüßten wir selbstverständlich freundlich lächelnd zurück.

Frau Kleinhüppenreuther marschierte sehr zu Bellos Bedauern wieder in Richtung heimische Wohnung. Sie wurde vom Herrn Gemahl empfangen. Wir konnten noch hören, wie sie ihre Beobachtung weiterverbreitete.

„Die grillen Tofu. Ich glaube, die sind Vegetarier.“

Hmmm, dann hat das mit dem Näschen in der Vergangenheit aber wohl nicht so gut funktioniert.



Dienstag, 24. September 2013

Geschafft

Es ist vollbracht. Meine Angetraute ist endlich wieder im Besitz ihres Smartphones. Und zwar in vollfunktionsfähigem Zustand. Zu meiner Erleichterung lief die Reparatur tatsächlich ohne jegliche Kosten für uns.

In Windeseile wurde die Sim-Card zurückgetauscht und mir mein eigenes Handy wieder überlassen.

Nun, mein kleines altes Schnuckelchen, hast du dir aber wieder Erholung verdient. Soviel gearbeitet wie in den letzten Tagen hast du ja noch nie.

Ich stelle dich erst mal zurück auf lautlos und versenke dich in meinem Stoffbeutel, mit dem ich dann wieder zur Arbeit gehen werde.

Erhol dich gut.




Montag, 23. September 2013

Versteckt und doch erwischt

Versteckt habe ich mich. Untergetaucht bin ich. Und gewehrt habe ich mich, soweit es erforderlich war.

Ich war zu Hause, während meine einer Hühnersuppe bedürfenden Angetraute unterwegs war. Ich war unterwegs, während meine Angetraute zu Hause war. Kollegen, die was von mir wollten, habe ich auf Abstand gehalten. Bus und Bahn habe ich ignoriert und bin mit dem Auto gefahren. Beim Einkaufen habe ich alle böse angeguckt, so daß mir niemand zu nahe gekommen ist. Und während des Sports habe ich jeden angeknurrt, der mir unter die Augen gekommen ist.

Und doch haben sie mich erwischt.


Sie waren in der Überzahl. 

Drecksbande.



Wie ich mich fühle

Ein kleiner Nachtrag aus den letzten echten Spätsommertagen:

Nein, ich bin kein Freund des Sommers. Und erst recht nicht von Sommernächten. Da können die Wetteronkel und –tanten aus Radio und Fernsehen in Verbindung mit den Moderatoren der jeweiligen Sendungen ruhig von einem Orgasmus in den nächsten fallen, wenn sie verkünden, daß endlich wieder die 30 Grad-Marke geknackt wurde und kein Wölkchen den blauen Himmel verunstaltet – ich mag das nicht. Zu warm ist zu warm, und schlafen kann ich dann auch nicht richtig gut. So kommt es vor, daß ich im Büro entsprechend unausgeschlafen  mein Unwesen getrieben habe.

Fräulein Hasenclever war ebenfalls schon früh am Werk. Artig sagte ich ihr die Tageszeit, was aber wohl mehr einen Krächzen gleichkam.

„Oh, Herr Paterfelis, Sie hören sich an wie ich mich fühle.“

„Na dann seien Sie mal froh, daß Sie nicht so aussehen, wie ich mich gerade fühle.“

„Na was ist das denn? Das ist ja schon fast ein Kompliment. Und das von Ihnen.“

„Niemals, Frl. Hasenclever. Und wehe, sie verbreiten das weiter. Das ist rufschädigend.“

Komplimente? Ich? Auf keinen Fall! Am Ende hält mich noch jemand für einen netten Kerl…




Sonntag, 22. September 2013

Umgefallen

Wenn ich etwas absolut nicht leiden kann, dann ist das ein dickes Portemonnaie. Zumindest nicht, wenn das Volumen dieses Portemonnaies auf ein Übermaß an Münzen im Kleingeldfach beruht. Scheine hingegen würde ich durchaus tolerieren. Ich bin als grundsätzlich weltoffener Mensch der Ansicht, daß man nicht alles so eng sehen muß.

Um nun das Münzgeldvolumen zu reduzieren, leere ich das Kleingeldfach meines Portemonnaies immer wieder aus. Die entnommenen Münzen wandern nach Nominal sortiert in leere Kaugummidosen. Hin und wieder ist es ja sehr praktisch, über einen gewissen Vorrat zu verfügen. Dies gilt umso mehr in Zeiten, in denen die meisten Banken Münzgeld nicht mehr ohne Gebührenaufschlag herausgeben. So konnten wir das Wechselgeld für den Getränkeverkauf im Rahmen der Show ebenso unserer Geldreserve entnehmen wie auch einen ganzen Sack voll Gold für ein Geburtstagsgeschenk. Ich hatte damals noch ein kleines Würfelsäckchen als Überschuss in meinem Fundus, welches ich mit 50 Euro in 50 Cent-Münzen füllte. Die Legierung, aus dem diese Münzen bestehen, nennt man auch Nordisches Gold, so daß das sehr schön passte. Auch wenn sich das Geburtstagskind Bargeld für eine größere Anschaffung wünschte, finde ich es immer ziemlich doof, einfach einen Schein in einen Umschlag zu packen.

Nun haben meine Angetraute und ich die verbliebenen Münzen einem dankbaren Abnehmer zukommen lassen und dafür entsprechendes Papier erhalten. Dies haben wir zuletzt vor 2 ½ Jahren gemacht. Es war schon überraschend, wie viel da in der Zwischenzeit zusammengekommen ist. Der Betrag lag deutlich über 400 Euro.

Vor einiger Zeit berichtete ich ja schon, daß ich mein Tabletop-Hobby auf Eis gelegt habe. Und daß die Spieleschmieden mich nun jagen und wieder zurücklocken wollen. Sie haben es im Ansatz geschafft. Ich bin dank des überraschenden Geldsegens umgefallen und habe mir ein Regelbuch für ein historisches Tabletop sowie sechs Piratenfiguren gekauft. Im Hinterkopf hatte ich zumindest bei den Modellen den Gedanken, daß ich für das zugehörige Spiel namens Freebooter’s Fate eine zweite Mannschaft benötigen würde, falls ich mal auf jemanden stoße, der Interesse hat und gerne mal ein Probespiel bestreiten würde. Dies funktioniert mit nur einer Mannschaft tendentiell schlecht, und mit Ersatzfiguren proxen – so nennt man die Verwendung von anderen Figuren als den dafür vorgesehenen – funktioniert hier nicht so gut.

Nun kam das Paket an. Und ich muß ehrlich sagen – ich habe mich nicht sehr darüber gefreut. Schon nach der Bestellung nicht mehr. Die Ware war in Ordnung, aber der Umstand, daß ich wieder umgefallen bin, bloß wegen einer geringen Aussicht auf das Eintreffen einer bestimmten Situation, ärgert mich sehr. Ich fürchte, die Sachen werden wie so viele andere Dinge sinnlos eingelagert.

Schade ums Geld. Aber wer weiß, vielleicht...


Ein Paket - vom Püppie-Dealer meines Vertrauens

 
Mjam, Füllmaterial aus Maisstärke


Der Stoff, der süchtig macht



Samstag, 21. September 2013

Verlassen

Das Telefon im Büro gab Geräusche von sich. Aufdringliche Geräusche. Obwohl es schon auf geringste Lautstärke eingestellt ist, sind diese Geräusche nervenzermürbend. Ich habe den Verdacht, daß dies herstellerseits so vorgesehen ist, damit niemand auf den Gedanken kommt, das Telefon zu ignorieren.

Die ganze uns im LASA zur Verfügung stehende Technik kann verrecken, aber das Telefon wird seinen Dienst niemals versagen. Auf keinen Fall. Zumindest fast nie. Ich habe es in den letzten –zig Jahren wirklich nur ein einziges Mal erleben dürfen, daß die Telefonanlage ausgefallen ist. Und das natürlich nur für wenige Minuten. Im Gegensatz dazu hat wirklich alles andere… ach was, ich zähle gar nicht mehr mit.

Im Display erkannte ich, daß die zweitbeste Ehefrau von allen mich zu sprechen wünschte. Also stellte ich die Verbindung durch Abnahme des Hörers her. Meine Angetraute fragte, wann ich gedenke, zu Hause zu erscheinen. Schon am Vortag haben wir uns nicht gesehen, und sie fände es ganz nett, meiner zumindest an diesem Tag für eine halbe Stunde ansichtig zu werden. Da ich ohnehin vorhatte, pünktlich Feierabend zu machen, um dem Büro zu entkommen, ergänzte sich das ganz gut.

Zu Hause angekommen plauderten wir über den Tag. Schließlich fragte mich meine Angetraute, was ich um diese Uhrzeit vor hassenichgesehen vielen Jahren wohl gemacht habe. Ich warf einen Blick auf die nächstgelegene Uhr, welche zufällig mit einer Datumsanzeige versehen war und… oh, Scheiße.

„Ups, da saß ich in der Lobby eines Hotels und habe gewartet, daß das Seminar beginnt, auf dem wir uns kennengelernt haben.“

Uff!

„Paterfelis, du hast doch jetzt wohl nicht wirklich…“

„Doch. Kennenlerntag vergessen. Gerade erst hat es Klick gemacht.“

„Aber wir haben das Datum sogar auf unserem Autokennzeichen stehen!“

„Öhm, das schon, aber ich fahre Balduin ja kaum noch. Und unseren Kalender, auf dem das Datum markiert ist, hast du auf dem Tisch unter allen möglichen Dingen vergraben.“

„Egal!“

Es dauerte nicht mehr lange, da hatte meine Angetraute ihre Sachen und das  Rollwägelchen mit der großen Tasche geschnappt, die Wohnung verlassen und war mit Balduin abgerauscht.
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Aber der Brüllwürfel, mit dem sie beim Tanztraining für musikalische Untermalung sorgt, lässt sich mit dem Wägelchen am besten transportieren. Und sie hat es noch pünktlich zum Training geschafft.

;-)


Donnerstag, 19. September 2013

Käpt'n Greybeards großes Dilemma

Der allseits bekannte und ebenso beliebte wie gefürchtete Käpt’n Paterfelis, aus kaum nachvollziehbaren Gründen auch Greybeard genannt, verließ in aller Frühe die Herberge Zum tänzelnden Kater. Er begab sich mit langen Schritten zur nahen Anlegestelle, an welcher ihn ein Boot in Empfang nehmen sollte. Das Klacken der schweren Seestiefel auf dem Steinboden hallte durch die Dunkelheit. Pünktlich erschien das erwartete Boot. Die noch müde Besatzung ruderte einen gemächlichen Schlag in Richtung der Lasa, des Käpt‘ns stolzen Schiffes, welches im Neustädter Hafen vor Anker lag.

Der heutige Tag versprach kulinarischen Hochgenuss, hatte doch Leichtmatrose Sven geschworen, seinen Patzer aus dem letzten Jahr wieder gut zu machen und dem Käpt’n zur Mittagszeit ein ordentliches Dönertier zu kredenzen. Dies würde eine kleine Herausforderung sein, denn das bereits bekannte Jagdrevier für Dönertiere wurde unlängst von städtischen Schergen für die Öffentlichkeit gesperrt. Sven musste ein also ein neues Revier erkunden.

Greybeard konnte die hohen Masten seines Schiffes schon erkennen, als das kleine Boot von drei Stadtsoldaten geentert wurde, welche seinen Passierschein zu sehen wünschten. Der alte Käpt’n war kurz davor, seinen schrecklichen Säbel zu ziehen ob dieser Unverschämtheit, doch entschied er sich anders. Ihn verlangte es nicht danach, den Säbel nach getanem Werk wieder vom Blute der Büttel befreien zu müssen. Nach einem kurzen Blick auf den Passierschein verließen die drei Stadtsoldaten anstandslos das Boot. Sie ahnten nicht, wie kurz sie davor waren, ihrem Schöpfer gegenüberzutreten.

Noch ein paar kräftige Ruderschläge, und schon legte das kleine Boot an der Lasa an. Der Käpt’n ging an Bord und suchte direkt seine Kajüte auf. Kurze Zeit später machte sich Leichtmatrose Sven bemerkbar, welcher das neuste Besatzungsmitglied, das Schiffsjungenmädchen Karla im Schlepptau hatte. Greybeard hatte sie ihm zur Einweisung in ihre Pflichten überlassen.

Die Morgenwache schlug gerade sechs Glasen, als das nächste Mannschaftsmitglied erschien: der Vollmatrose Ökoklaus. Doch was musste der Käpt’n sehen? Der Ökoklaus war ohne sein gestreiftes Matrosenhemd aufgetaucht. Stets auf angemessene Kleidung bedacht vermochte Greybeard nicht, diesen Kerl derart in seiner Nähe zu ertragen, so daß er ihn in die Bilge sperren ließ.

Nach kurzer Zeit meldete sich Leichtmatrose Sven und äußerte den Wunsch, von Bord gehen und sich in einer Herberge zur Ruhe begeben zu dürfen. Er sei erkältet, könne unmöglich seinen Dienst verrichten und schon auf gar keinen Fall ein Dönertier besorgen. Greybeard war zutiefst erschüttert. Einen solchen neuerlichen Verrat würde er auf seinem Schiff nicht dulden. Nicht dieses Mal. So ordnete der Käpt’n an, man möge den Leichtmatrosen kielholen. Doch blieb ihm nur ein einziges Mitglied seiner Mannschaft, das Schiffsjungenmädchen Karla. Diese allerdings erklärte, für diese Aufgabe nicht die nötige Erfahrung und erst recht nicht die nötigen körperlichen Kräfte zu besitzen.

Auch die zwischenzeitlich an Bord gekommene Strandpiratin Mandy erwies sich nicht als Hilfe. So ließ Käpt’n Greybeard wieder einmal Gnade vor Recht ergehen. Betrübt verbrachte er den Rest des Tages in seiner Kajüte, bis er schließlich die Lasa wieder verließ, den Weg zurück zur Herberge Zum tänzelnden Kater beschritt und dort in den frühen Abendstunden dem fliegenden Spaghettimonster mit Fleischbällchen seine Ehre erwies.

Im nächsten Jahr würde alles anders werden. Das schwor er sich bei seinem ergrauenden Bart.










Mittwoch, 18. September 2013

Kleine Randbemerkung (7)

Einkaufszettel für Donnerstag:

  • Spaghetti
  • Fleischklopse

Denn Donnerstag ist wieder Sprich-wie-ein-Pirat-Tag.

Du bist verwirrt? Dann bist du kein Pastafarianist.

Arrrr.





Dienstag, 17. September 2013

Hin- und hergerissen

Nach endlosen Monaten der Dauervertretung sind unsere beiden Nachwuchskräfte nun soweit, endlich eingesetzt zu werden. Damit ist die Situation entspannter. Aber weiterhin sind nicht alle Stellen besetzt. An der weiteren Vertretung nehmen die Beiden noch nicht teil.

In der Praxis sieht das so aus, daß wir Sachbearbeiter uns in den nächsten vier Wochen bei einer Vertretung im Verhältnis von 1 : 1 erholen können, bevor es wieder richtig zur Sache geht. Dummerweise ist im Moment noch nicht mal das Tagesgeschäft aus der eigenen Zuständigkeit zu schaffen.

Pikanterweise macht uns unsere Innenrevision gerade permanent darauf aufmerksam, was alles neuerdings auch noch zeitnah zu erledigen ist.

Leckt mich doch am Arsch. Aber kreuzweise, damit ihr zweimal am Loch vorbeikommt.

Zur Zeit pendle ich wieder zwischen den Wünschen, auf eine Hallig umzusiedeln und alles hinter mir zu lassen oder doch lieber ein Kettensägenmassaker zu veranstalten.



Verschwörung

Einmal recken und strecken. Ja, so ist es fein, mein Luxuskörper will auf das Aufstehen vorbereitet werden. Nanu, bin ich etwa alleine im Bett? Ich bewege meine Beine vorsichtig zur Seite. Es lässt sich kein Widerstand spüren, der auf eine Katze hindeutet. Dann kann ich mich ja nochmal richtig mit Schwung herumdrehen. Ist ja auch mal nett. Aber irgendwann finde ich dann doch die Muße, die Koje zu verlassen. Ist mir hier ohnehin zu warm geworden.

Ich wuchte mich hoch und werde fast von Marty umgerannt, dicht gefolgt von Lilly. Jogging am frühen Morgen? Seid ihr noch ganz dicht? Ich werfe einen Blick ins Wohnzimmer. Sally liegt auf dem Monster. Alles soweit in Ordnung. Wo ist Smilla? Ah ja, ganz klein zusammengerollt sie in ihrem Topf im Schlafzimmer. Hätte ich beim Rausgehen schon bemerken können.

Der nächste Weg führt mich ins Mädchenbad. Hier steht ein überdimensionales Jumbo-Katzenklo. Ich hocke mich davor hin, schnappe mir die Schaufel und den Plastikeimer. Das Jumbo-Klo will gereinigt werden. Ich öffne den vorderen Teil der Abdeckhaube, als etwas Schwarzes sehr zielorientiert an mir vorbeischleicht. Das Schwarze betritt das Klo und macht dort, was man dort eben als Katze so macht. Ich schließe die Haube. Nö, Sally, da mache ich jetzt und unmittelbar, nachdem du deine Hinterlassenschaften immerhin ordentlich verbuddelt hast, nicht sauber. Das muß schon noch etwas antrocknen. Also wird die Reinigung auf den Nachmittag verschoben, so lange kann ich jetzt nicht warten.

Treppe runter, Gartenzimmer. Das nächste Katzenklo erwartet mich. Ich nehme die Haube ab, als sich etwas grau-weißes Muskulöses an mir vorbeischiebt. Oh, hallo Marty, ausgejoggt? Ja, lass ruhig laufen, es stört mich nicht weiter. Haube drauf, noch während der Kater pinkelt. Arbeit für den Nachmittag.

Ich schleppe mich ins angrenzende Badezimmer. Mich erwarten ein Katzenklo und die Dusche. Mein erster Blick bestätigt mir sofort, daß ich mich nicht um das Klo kümmern muß. Zumindest jetzt nicht. Ein Katzenschwanz hängt raus, Smilla oder Lilly. Das lässt sich jetzt nicht unterscheiden. Und ich kann nicht ausschließen, daß Smilla sich zwischenzeitlich aus ihrem Topf kommend an mir vorbeigeschlichen hat.

Also warte ich mit dem Duschen, bis die Katze fertig ist, damit ich die Badezimmertür schließen kann. Ich bin ein Warmduscher im Wortsinn - die zweitbeste Ehefrau von allen würde das eher als eine heißere Sache bezeichnen, wenn ich unter der Dusche stehe - und neble stets das ganze Badezimmer ein. Auch ein offenes Fenster hilft da nicht viel. Zumindest nicht auf die Schnelle. Das will ich den lieben Kleinen nicht antun.

Katze verlässt das Klo; ich identifiziere sie als Lilly. Ich will die Tür schließen, als Lilly sich entscheidet, nochmal auf das Klo zu gehen. Ach du Sch…ande, sie fängt direkt an zu scharren. Also droht ein großes Geschäft. Lasse dir ruhig Zeit, Kind. Ich mag dich auch. Und bevor es atemberaubend wird, drücke ich schon mal den neben dem Menschenklo angebrachten Dufti. Ah, ich höre wieder Scharrgeräusche. Die Dame ist fertig.

Raus jetzt, ich will endlich duschen. Und beim nächsten Mal wartet ihr gefälligst mit euren Toilettengängen, bis ich saubergemacht habe.


Montag, 16. September 2013

Kleine Randbemerkung (6)

Aktendeckel fehlen immer noch. Jetzt sind die Kollegen dazu übergegangen, das, was sonst abgeheftet wird, in Klarsicht-Einsteckhüllen zu packen. Zum Kontrollieren muß das natürlich alles wieder rausgeholt werden. Ergebnis: Fliegende Blätter, insbesondere bei Durchzug.

Was wäre denn so schlimm daran, Heftrücken zu verwenden?

Ich hasse das.



Sonntag, 15. September 2013

Bärtige Angelegenheiten

Der Fernseher dudelte sein Programm vor sich hin, als ein Bericht gezeigt wurde, der meine Aufmerksamkeit erregte. Ich kann es kaum fassen. Das Unglaubliche ist eingetreten. Niemand hätte es jemals für möglich gehalten. Es gibt etwas, mit dem ich modisch auf Höhe der Zeit bin!

Denn ich bin Bartträger.

Es handelt sich um einen Vollbart, um genau zu sein. Mehr als nur so ein läppischer Dreitage-Bart, aber auch nicht so ein Ding, wie es der Alm-Öhi wohl tragen würde. Etwa alle vier bis fünf Wochen kürze ich den wieder runter auf eine Wochenbart-Länge. Je nach persönlichem Befinden dauert das auch mal länger oder wird schneller in Angriff genommen.

Damals in den wilden 80ern, als das mit dem Bartwuchs so langsam in die Gänge kam, war es unter uns pubertierenden Jungs noch üblich, daß wir alle den Flaum unter der Nasenspitze als Schnauzbart getragen haben. Die restliche, sich erst später dazugesellende Gesichtsbehaarung wurde schon entfernt, aber der Schnauzbart – oder was mal einer werden würde – blieb bei den meisten. Unsere südosteuropäischen Mitschüler waren uns da allerdings naturgemäß um Längen voraus.

Irgendwann habe ich den Rasierer auch mal über der Oberlippe angesetzt, aber das war schon ein seltsames Gefühl. Irgendwie kam ich mir nackt vor, habe es aber für einige Zeit beibehalten.

Schon bevor der Bartwuchs bei mir auch nur halbwegs als solcher angesehen werden konnte war ich mir darüber im Klaren, daß ich später Bartträger werden würde. Vollbartträger. Ich fand das immer toll. Umso mehr habe ich natürlich darauf gewartet, daß der Flaum im Gesicht endlich so stark wurde, daß ich mich des Projektes annehmen konnte.

Zum letzten Mal habe ich mich am Tag vor der mündlichen Abschlussprüfung meiner Lehre glatt rasiert. Danach nie wieder. Es begann eine Zeit des Experimentierens. Man muß ja erst mal Erfahrung sammeln, wie man mit den neuen Haaren so umgeht, wie lang sie werden sollen und wo der Punkt ist, an dem das anfängt, blöd auszusehen. Denn ein wirklicher Erwachsenenbart war das immer noch nicht. Aber im Laufe der Zeit wurde es besser.

Meine Angetraute liebt meinen Bart, wollte aber am Anfang unserer Beziehung auch mal sehen, wie ich ohne ihn wirke. Nun, da musste sie sich mit Fotos begnügen, welche zu dieser Zeit auch schon mehr als zehn Jahre alt waren. Nein, der Bart kommt bei mir nicht runter. Sie hat sich damit zufrieden gegeben und nie wieder gefragt.

Wenn ich mir am Haltepunkt Neustädter Ländchen die heutigen männlichen Teenager so ansehe muß ich feststellen, daß so gut wie keiner mehr seinen Flaum als Schnauzbart trägt. Egal in welchem Alter die sind, alle haben glattrasierte Gesichter. Bartwuchs kann man erst wieder bei denjenigen feststellen, die das entsprechende Alter haben, in dem ein Bart auch nach Bart aussieht. Also bei denen, welche das Schulalter schon längst hinter sich gelassen haben.

Ich bin ja schon gespannt, ob der aktuelle Modetrend des Barttragens sich im Laufe der Zeit auch wieder bei den Jüngeren etabliert. Und sei es nur als Flaum über der Oberlippe.





Samstag, 14. September 2013

Spinne am Morgen

Zu meinen üblichen Zeiten stehe ich vor dem LASA, ziehe meinen Mitarbeiterausweis an dem Kartenleser vorbei und rette mich mit einem beherzten Sprung zur Seite, damit mich die nun automatisch aufschwingende Eingangstür nicht erwischt.

Diese Tür ist schon ein kleines Ärgernis. Man kann sie von innen wie eine gewöhnliche Tür mit der Hand öffnen und dann auch wieder ins Schloss fallen lassen. Von außen aber entriegelt sie nur unter Verwendung des Mitarbeiterausweises. Soweit kein Problem. Aber sie schwingt. Es lässt sich nicht vermeiden. Alles funktioniert automatisch. Und die Schwingrichtung ist für den Unerfahrenen etwas heikel. Aber der echte Auskenner weiß, daß er sich rechts neben den Kartenleser zu stellen hat, um dem Schwung der schweren Tür zu entkommen.

Der wirkliche Haken an der Tür ist, daß sie nach der erforderlichen Betätigung des Kartenlesers nicht nur automatisch aufschwingt, sondern sich auch erst nach einer gefühlten Ewigkeit automatisch wieder schließt. Es gibt keine Möglichkeit, diesen Schließvorgang zu beschleunigen.

Es handelt sich hierbei um einen Mitarbeitereingang. Der Kundeneingang, eine Drehtür, befindet sich unmittelbar nebenan und wird erst später geöffnet. Nun kommt es vor, daß die Kundschaft sich schon vor den offiziellen Öffnungszeiten auf unserem Vorplatz versammelt. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Insbesondere, wenn er keinen festen Termin hat. Kennt man ja.

Und darum versuchen auch immer wieder Kunden, zusammen mit Mitarbeitern vorzeitig durch den besagten Mitarbeitereingang ins Gebäude zu gelangen. Da wir auf das Schließen der Tür keinerlei Einfluss haben, bleibt immer reichlich Zeit für anregende Diskussionen, die sich schwerpunktmäßig mit dem Thema beschäftigen, warum die Kundschaft denn gerade jetzt noch nicht das Gebäude betreten darf.

Für manche Menschen ist es einfach unbegreiflich, daß sich eine halbe bis dreiviertel Stunde vor der Öffnungszeit noch niemand in unserem öffentlichen Bereich befindet, der sie beaufsichtigen könnte. Und es besteht durchaus die Möglichkeit, daß sich unbeaufsichtigte Kunden – so sie es einmal bis hierhin geschafft haben – auch trickreich Zugang zu den an sich abgesperrten Bereichen verschaffen, in denen datenschutzwürdiges Material herumliegt und -hängt. Mal abgesehen davon, daß auch in den öffentlichen Bereichen genügend Dinge lagern, welche sich mitzunehmen lohnen.

Doch dieses Problem stellte sich mir nicht. Mehr als eine Stunde vor der offiziellen Öffnung stehen nur ganz selten schon Kunden in Bereitschaft. Ich ging also zur Stechuhr, zog meinen Mitarbeiterausweis wiederum an einem Kartenleser vorbei und wartete, bis die Bestätigung kam, daß meine Arbeitszeit nun begonnen habe.

Weiter ging es in Richtung Aufzug. Knöpfchen drücken, Aufzug kommen lassen, Kabine betreten und wieder Mitarbeiterausweis mit dem Kartenleser bekannt machen, damit der Knopf für die Etage, auf welcher die Sachbearbeitung residiert, aktiviert werden kann. Ich konnte noch einen kurzen Blick nach draußen werfen, bevor die Tür sich endgültig schloss, und bemerkte, daß Trudi sich dem Mitarbeitereingang näherte. Warten musste ich  nicht, denn sie würde erst noch einen Gang durch das zentrale Postbüro machen, um sich von dort Arbeit mitzunehmen. Als freundlicher Kollege hatte ich vor, ihr den Aufzug direkt wieder runterzuschicken, sobald ich oben angekommen wäre.

Als die Kabine sich in Bewegung setzte, sah ich eine große, fette Spinne, die sich in meine Richtung in Bewegung setzte. Nun ist es die Pflicht eines jeden Mitarbeiters des Hauses dafür Sorge zu tragen, daß niemand Unbefugtes die Etage der Sachbearbeitung betritt. Und diese Spinne schien mir ganz eindeutig niemand Befugtes zu sein. Also hinderte ich sie durch einen beherzten Fußtritt daran, ihren Vormarsch weiter auszuführen. Streng genommen würde sie nun nie wieder irgendwohin marschieren. So lagen die sterblichen Überreste auf dem Boden des Aufzuges. Natürlich würde ich bei einem auf zwei Beinen stehenden und auch sonst eher humanoid wirkenden Unbefugten tendentiell anders vorgehen.

Auf meiner Etage angekommen hatte ich vor, mir etwas Toilettenpapier zu besorgen und die Spuren meiner Tat zu beseitigen. Da ich jedoch nichts in Griffweite hatte, mit dem ich den Aufzug davon abhalten konnte, sich wieder in Bewegung zu setzen, hat das nicht so ganz geklappt.

In diesem Moment kam der Ökoklaus vorbei. Es war noch Zeit genug, um ihn vor dem Bevorstehenden zu warnen, so daß auch er seine Ohren schützen konnte. Denn ich hatte registriert,  daß sich die Tür vom zentralen Postbüro wieder geschlossen hatte (ja, es besteht da eine gewisse Hellhörigkeit im Hause, insbesondere morgens vor den Aufzugsschächten), was ja nur bedeuten konnte, daß Trudi fertig war und nun den Aufzug betreten würde.

Der Ökoklaus und ich warteten, vernahmen das Schließen der Aufzugstür, genossen noch einen Moment der Stille, bevor schließlich…

„UUUÄÄÄÄÄÄÄHHHHHHHHH!“

Na ja, ich wollte es vermeiden. Ehrlich.



Freitag, 13. September 2013

Gruß aus der Küche - Telur Belado

Der heutige Gruß aus der Küche führt uns in die Küche Indonesiens.

Man nehme:

8 hart gekochte Eier
2 Zwiebeln
2 Knoblauchzehen
2 TL Sambal Olek
6 EL Tomatenmark
300 ml heißes Wasser
Zucker
Salz



Die Eier pellen, Zwiebel und Knoblauch schälen und klein schneiden.

Das Tomatenmark und Sambal Olek mit etwas Salz und Zucker sowie den Zwiebeln und dem Knoblauch verrühren, bis eine glatte Masse entstanden ist. Anschließend die Gewürzmasse mit etwas heißem Öl in der Pfanne unter ständigem Rühren etwa zwei Minuten anbraten.

Die hartgekochten Eier etwa eine halbe Minute in der Gewürzmasse mitbraten, danach wieder entnehmen.

Das heiße Wasser zur Gewürzmasse geben und verrühren. Alles etwa zwei Minuten köcheln lassen, bis sich eine Sauce gebildet hat.

Die Eier halbieren.

Die Hälfte der Sauce entnehmen und in eine Schüssel oder auf einen Teller geben. Die halbierten Eier mit der Schnittseite nach unten auf die Sauce geben, danach die restliche Sauce über die Eier schütten.

Die zuvor in Ringe geschnittene Frühlingszwiebel darüber streuen und alles mit Reis servieren.



Donnerstag, 12. September 2013

Unter Palmen

Ich erwähnte bereits, daß unser Ökoklaus unlängst eine aufblasbare Plastikpalme gewonnen hat. Meine heimliche Vermutung, daß er diese nicht mit nach Hause nehmen darf, hat etwas an Nahrung gewonnen. Die stärkeren Ökos seiner Mitbewohner stellen zweifellos seine Frau und seine Tochter dar. Letztere hat gerade das Alter erreicht, in dem nicht mehr ganz so kleine Mädchen anfangen, Vegetarier zu werden, weil sie nicht Schuld sein wollen, wenn niedliche Tiere getötet werden. Nicht niedliche Tiere wie Spinnen, Fliegen und Ameisen hingegen dürfen durchaus… aber lassen wir das.

Die Palme verbreitet jedenfalls einen unangenehmen Plastikgeruch. Nach einiger Zeit sollte sich das von alleine erledigen, aber so etwas gehört sich natürlich nicht in einem ökologisch-dynamischen Haushalt. Also hat die Palme ihr neues Zuhause im Büro von Ökoklaus und Sven gefunden. Und so sitzt unser Ökoklaus da unter der Palme an seinem Schreibtisch, trägt ein gestreiftes Matrosen-Shirt  und hat seinen Spaß. Wenn es ganz hart wird, setzt er noch seine Sonnenbrille auf. Sorgen mache ich mir da schon lange nicht mehr. Ich kann ihn ganz leicht wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen.

Es genügt der Hinweis, daß Sven mal wieder gedroht hat, zur Palme passend in einem Bananenröckchen erscheinen zu wollen…


Kleine Randbemerkung (5)

Uff!

Muskelkater kann auch ein schönes Gefühl der Befriedigung darüber vermitteln, endlich mal wieder trainiert und nicht nur geübt zu haben.

Und jetzt gehe schleiche ich mich vor die Haustür, die Arbeit ruft.



Mittwoch, 11. September 2013

Wirre Gedanken

Nach mehrwöchiger Zwangspause habe ich heute endlich wieder den Sporttempel heimsuchen können. Balduin stand zu meiner Verfügung, so daß ich vom Büro aus den direkten Weg zur körperlichen Ertüchtigung einschlagen konnte. Wenn ich nicht auf den ÖPNV angewiesen bin, klappt das zeitlich hervorragend, so daß ich da vor der großen Feierabendwelle aufschlagen kann. Und ich bin auch noch nicht so schlapp in meinem Nachmittagstief.

Anschließend führten mich einige Umstände noch zwecks eines Einkaufs zum falsch geschriebenen Onkel Tom. Meine Angetraute hat sich – kaum daß der meteorologische Sommer vorbei ist - direkt eine Erkältung zugelegt. In Anbetracht des am Horizont schon bereitstehenden Winters scheint sie Trendsetter zu sein. Wohl eher unfreiwillig. Ich vermute ja, daß sich wieder irgendein Chinese verkühlt hat, was die zweitbeste Ehefrau von allen stets zum Anlass nimmt, diese Verkühlung über tausende von Kilometern wahrzunehmen, einzufangen und weiter zu verarbeiten. Frauen sind ja bekanntlich sehr feinfühlig. Jedenfalls war unter Anderem wieder Hühnersuppe in Einzelteilen zu beschaffen, welche hier vor Ort, also in der Heimatbasis, nicht beim Onkel Tom, zu einem harmonischen Ganzen kombiniert werden würden.

Natürlich war mein Stammplatz auf der weiträumigen Pkw-Abstellfläche besetzt. Gut, ich räume ein gewisses Verständnis ein, denn es ist ja nicht meine übliche Uhrzeit. Woher soll der Geschäftsführer auch wissen, daß er diesen Platz gerade jetzt freizuhalten hat? Darüber hinaus stellte sich das klitzekleine Problem, daß hier in der Gegend gerade neue Hochspannungsleitungen verlegt verhängt wie auch immer werden. Aus diesem Anlass gibt es aus Sicherheitsgründen großzügige Straßensperrungen. Und eben auch Parkplatzsperrungen. Ein gutes Drittel des Parkplatzes war aus dem genannten Grund unzugänglich. Aber gut, ich bin da sehr tolerant. Außerdem war ich vom Sport immer noch endorphingeladen und entsprechend guter Dinge.

An der Kasse rückte ich gerade auf Platz zwei vor, als ich hinter mir eine Dame hörte, die einen anderen Kunden vorließ. Ich drehte mich kurz um – ja, ok, zwei Teile, das ist gerade noch akzeptabel. Auch ich gestatte ihm huldvoll, den Platz vor mir einzunehmen. Tja, schlechtes Wetter draußen, gute Stimmung drinnen. Ist doch auch mal nett.

Bezahlen wollte der Herr mit einer hauseigenen Geschenkkarte. Kannte ich so noch nicht, es scheint sich um eine Art Guthabenkarte zu handeln. Der junge Bursche an der Kasse – schütteres Haar, wirre Haare im Gesicht, die wohl einen Bart darstellen sollten – war mit dem System auch nicht so ganz vertraut. Damit waren wir also auf Augenhöhe. Der Kunde erklärte ihm, was seine Kassierer-Kollegen immer so mit der Karte machen würden. Er bezahle meistens auf diesem Weg. Hat aber nicht geklappt. Es war des Jungkassierers erster Tag an der Kasse. Der verzweifelte Ruf an die in unmittelbarer Nähe befindliche Aufsicht verhallte ungehört, denn diese war ebenfalls mit einer Kundin bzw. deren Problem beschäftigt und musste, um dieses zur allgemeinen Zufriedenheit klären zu können, mehrfach telefonieren. Schließlich wurde man doch auf uns aufmerksam. Die Kundin an der Aufsicht meinte, daß selbige sich doch gerne eben um das Kassenproblem kümmern könne, sie habe genügend Zeit. Gute-Laune-Wetter eben. Das wird es sein. So ein wenig Donnergrollen stört da auch nicht weiter.

Unser Blockade-Kunde war sichtlich unangenehm darüber berührt, daß gerade er, den wir großzügig vorgelassen hatten, nun alles aufhielt. Macht nix, wir waren allgemein guter Dinge (ja ja, die Endorphine halt – und endlich keine Affenhitze mehr, hatte ich das schon erwähnt?) und strahlten auch den Menschen an der Kasse an. Natürlich bin ich freundlich zu Kassierern. Immer. Es könnte ja sein, daß es sich bei dem oder der Kassierer/in um Alex handelt. Die Alex. Die Frau mit den unglaublich kleinen Füßen.

Natürlich hatte der Mensch an der Kasse nicht die geringste Ähnlichkeit mit der Person auf den Fotofragmenten, die man in Alex‘ Blog finden kann. Aber das könnte ja auch alles ein Trick sein. Vielleicht steht Alex gar nicht für Alexandra oder so, sondern für Alexander. Und sie ist in Wirklichkeit ein Kerl. Alles nur wegen der Anonymität. Man bloggt ja nur höchst selten unverfälschte Geschichten. Und die Fotos sind alle von einer Agentur gekauft. Jaha, aber ich falle nicht darauf rein. Also bin ich freundlich.

Ich möchte doch nicht irgendwann als Arsch-Kunde in ihrem Blog auftauchen. Nee nee.

Aber ich bin ja ebenfalls nett zu anderen Menschen. Auch zu denen, die nicht bloggen.

Meistens jedenfalls.


PS: Ich wünsche meiner Angetrauten und auch Alex gute Genesung.


Dienstag, 10. September 2013

Wir, die Mafia

Weiterhin fehlen in unserer LASA-Außenstelle die Aktendeckel. Die Neubeschaffung nach europaweiter Ausschreibung lässt auf sich warten. Und da unser Archiv in der Hauptverwaltung gerade umzieht, werden auch keine gebrauchten Aktendeckel nach digitaler Archivierung der Vorgänge geliefert. Unser Vorrat vor Ort ist aber tatsächlich aufgebraucht. Außer natürlich meiner kleinen stillen Reserve

Frl. Hasenclever steht im Zugang zu meinem Büro und klärt mich über das Aktendeckelproblem auf. Ich erläutere ihr die Sache mit meiner Reserve und den Schwarzmarktgeschäften.

„Herr Paterfelis, wissen sie was? Wir schicken Ludwig, Ihren Auszubildenden, in den Ausbildungsbereich der Hauptverwaltung. Ich weiß, daß die noch Vorräte haben. Davon soll er ordentlich abgreifen, rausschmuggeln und uns mitbringen.“

„Sehr schön, Frl. Hasenclever. Das bringt ordentlich Reibach. Was machen Sie dann mit der ganzen Kohle?“

„Ich lasse uns neue Schrottautos zum Entstressen bringen. Und Sie?“

„Dann spendiere ich einen neuen Vorschlaghammer. Mit Mahagoni-Griff.“

Ich träumte so vor mich hin. Doch Frl. Hasenclever war aufmerksam.

„Denken Sie daran, daß der Auszubildende danach zum Schweigen gebracht werden muß. Sonst verrät er noch, daß wir plötzlich riesige Berge an Aktendeckeln zurückhalten.“

„Oh, da fällt uns schon was ein, nicht wahr, Ludwig?! Und noch ein Memo an mich: Beton kaufen."

Ich liebe es, wenn der Nachwuchs den irren Blick bekommt.



Montag, 9. September 2013

Logik oder S = (O + K + X + V + Y) x 2

Nadja ist Sachbearbeiterin in Teilzeit. Sie hat die halbe Arbeitszeit und verteilt diese auf drei Tage pro Woche, an denen sie anwesend ist. Schon früher, bevor sie mutterte und nach dem Erziehungsurlaub in Teilzeit wieder zu uns zurückkam, hat sie es geschafft, ihren Arbeitsbereich vor die Wand zu fahren. Sie ist nicht dumm, ihre Aus- und später auch die Fortbildung hat sie mit Bestnoten bestanden. Darin spiegelt sich aber nur das Ergebnis von theoretischem Wissen wieder. Praxis ist etwas ganz anderes.

Dies gilt umso mehr, wenn man Verantwortung trägt und diese auch wahrnehmen muß. Nämlich immer dann, wenn es darum geht, einen Fall entweder selbst durch Unterschrift abzuschließen oder eine Entscheidungsvorlage zur Unterschrift dem Fachbereichsleiter vorzulegen.

Meiner Meinung nach hat sie damit ein ganz gewaltiges Problem. Sie traut sich einfach nicht, zu unterschreiben. Nadja will alles noch mehrfach absichern, ermittelt die abenteuerlichsten Dinge aus und lässt den Vorgang dann weiter liegen, um nochmal darüber nachdenken zu können.

Nachdem sie sich seinerzeit in den Mutterschutz verabschiedet hat, wurden ihre Akten von einer nicht ganz unerfahrenen, aber in der Position als Sachbearbeiterin doch neuen Kollegin übernommen. Sie schaffte es, diese Baustelle in wenigen Monaten zu bereinigen.

Als Nadja aus dem Erziehungsurlaub zurückkam, erhielt sei eine – ihrer reduzierten Arbeitszeit entsprechende – neue Zuständigkeit. In unseren Aktenzeichen ist unter anderem der erste Buchstabe des Namens unserer jeweiligen Kundschaft enthalten. Über die maschinelle Auswertung der Statistik lässt sich feststellen, von welchem Buchstaben in der Vergangenheit wie viele Neuanträge eingegangen sind. So ist über die Zuordnung der Buchstaben eine zumindest annähernd gleichmäßige Verteilung der Vorgänge möglich.

Nadja ist der festen Überzeugung, daß sie mit ihrer neuen Zuständigkeit benachteiligt wurde, denn sonst wäre sie nicht schon wieder dabei, unter Aktenbergen zu versinken. Sie hat nur 50 % Arbeitszeit, aber 5 Buchstaben zu betreuen, nämlich O, K, X, V und Y. Ich hingegen habe 100 % Arbeitszeit, aber nur einen Buchstaben, nämlich das S. Es war ihr beim besten Willen nicht zu vermitteln, daß es in Deutschland sehr viel mehr Menschen gibt, deren Nachname mit S anfängt als mit O, K, X, V und Y zusammen. Nein, sie sah es nicht ein, alles ist ungerecht.

Und wo sie schon mal dabei war, regte sie sich auch über die ungerechte Verteilung der Vertretung auf. Sie sei ja nur an drei Tagen da, müsste aber für fünf Tage Vertretung machen. Was durchaus zutreffend ist. Allerdings hat sie eine Arbeitszeit von 50 %, so daß sie zwar an fünf Tagen Vertretung macht, aber nur die Hälfte von dem zugesteuert bekommt, was eine Vollzeitkraft erledigen müsste. Auf die Woche gerechnet hat sie also die Hälfte von dem zu vertreten, was ein Vollzeitmitarbeiter zu erledigen hat. Sie aber möchte an den drei Tagen ihrer Anwesenheit nur 50 % bekommen und an den anderen Tagen nichts. Auch hier kamen wir nicht weiter. Sie sieht die Unlogik in ihren Gedanken nicht ein.

Es wird aber tatsächlich Zeit, daß unsere Zuständigkeit nochmal überprüft wird. Ich habe mir die Zahlen der letzten Monate mal angesehen. Auf mich entfielen im Schnitt drei Mal soviel Neuanträge wie für Nadja. Dabei ist meine Arbeitszeit nur doppelt so hoch wie ihre. Und ich habe noch zahlreiche Zusatzaufgaben zu erledigen, die sie nicht hat. Ja, es stimmt wohl, daß da ein Fehler in der Verteilung vorliegt. Aber diesen Fehler meinte sie wohl nicht...




Sonntag, 8. September 2013

Unentbehrliches

Der bewegliche Fernsprechapparat mit eingebauten Zusatzfunktionen der zweitbesten Ehefrau von allen ist in einen wilden Streik getreten. Das ist aktuell etwas unpraktisch. Denn von den ganzen anderen Dingen, die sie ständig mit dem Ding anstellt mal abgesehen, muß sie zur Zeit über ihre Mobilrufnummer erreichbar sein.

An sich wollte ich meine Einkaufstour alleine starten, aber da ich zufällig auch die Lage eines Geschäftes kannte, in der diese beweglichen Fernsprechapparate repariert werden, schloss meine Angetraute sich mir an, um unseren ersten Weg in die Richtung eben dieses Geschäftes zu lenken.

Eine Reparatur vor Ort war nicht möglich, aber da die Garantie noch läuft, würde man es einschicken und zusehen, daß die Sache in den nächsten 10 bis 20 Tagen erledigt sei.

10 bis 20 Tage.

Für mich als Fernsprechverweigerer jeglicher Art kein Thema und eine durchaus angemessene Zeit, für meine Angetraute in der momentanen Situation eine Katastrophe. Also machte ich das, was ein Mann in so einer Situation machen muß. Ich überließ ihr mein eigenes Handy. Das ist irgend so ein altes Ding, welches aus einer Zeit stammt, als die Finnen noch in Bochum Handys gebaut haben. Es ist angekratzt, funktioniert aber. Ich bin mit ungefähr 10 bis 15 SMS im Monat dabei, und vielleicht rufe ich alle drei Monate damit auch mal irgendwo an. Das Gerät hat ja überhaupt keine Chance, kaputt zu gehen. Außer eventuell wegen Durchrostens wegen Nichtgebrauch. Kennt sich jemand aus und kann mir sagen, ob da ein Risiko besteht?

Ist ja auch mal schön, wenn so ein telekommunikativer Neandertaler wie ich in der Nähe ist und aushelfen kann.

Der weitere Weg führte uns in den örtlichen Feinkostladen. Schon im Eingangsbereich nahmen uns eine Frau und ihre vielleicht jungteenagerliche Tochter noch kurz mit dem Einkaufswagen die Vorfahrt. Kein Drama, wir waren ja auch schon mit einem entsprechenden Gerät ausgestattet, so daß ein Zusammenstoß wohl ohne Blessuren verlaufen wäre.

Die Kleine hat davon nichts mitbekommen; sie war durchgehend mit ihrem Smartphone beschäftigt. Im Laden führte sich die Situation so weiter. Ständig lief uns das Kind vor die Füße oder stand im Weg herum, der Außenwelt durch Dauerblick auf das Smartphone vollkommen entrückt. Wir waren durchaus froh, irgendwann überholen zu können, nur um nach Erledigung der kassentechnischen Angelegenheit wieder hinter Mutter und Tochter herzuschleichen, welche uns an der Nachbarkasse wieder überholt hatten. Das ist jetzt so wie beim Autorennen: Die wahren Helden überholen auf der Strecke, die Luschen durch einen besseren Boxenstopp. Langweilig.

Im nächsten Laden liefen uns die Beiden wieder über den Weg. Das Frl. Tochter konnte vom Smartphone immer noch nicht ablassen. Ich habe echt keine Idee, wie sie es geschafft hat, ihrer Mutter auf den Fersen zu bleiben.

Wieder draußen fragte mich die zweitbeste Ehefrau von allen, was das Mädchen wohl machen würde, wenn ihr das Gleiche passiert wäre wie meiner Angetrauten mit ihrem Smartphone. Als Option bot sie alles an, was zwischen vollkommener Apathie und hysterischem Herumkreischen liegt.

Nein, so weit würde ich nicht gehen. Es handelt sich schließlich um ein Kind unserer modernen, hochdynamischen  Zeit, welches mit Sicherheit schon einen höheren geistigen Reifegrad erreicht hat als unsereins in den längst vergangenen Zeiten, als wir noch in dem entsprechenden Alter waren.

Dieses Kind würde eine derartige Situation mit aller Souveränität und Gelassenheit zu beherrschen wissen.

Und das stets bereitliegende, vollausgestattete Ersatzgerät benutzen.



Samstag, 7. September 2013

Kleine Randbemerkung (4)

Die Außentemperaturen erreichen wieder erträgliche Marken. Regen und Gewitter stört mich nicht. Sally hat schon seit einiger Zeit nur noch dahin gepinkelt, wo sie es auch darf. Spuren von Katzendurchfall habe ich auch nicht mehr gefunden.

Ob ich dem Frieden trauen darf?



Freitag, 6. September 2013

Nichts darf man

Unsere Terrasse ist von einem Holzzaun eingerahmt. Dieser dient in erster Linie dem Sichtschutz und ist an den entsprechenden Stellen entsprechend hoch. Um nicht ganz so wie in einem Kasten zu sitzen und auch noch einen Blick auf den Garten werfen zu können, fällt dieser Zaun in längeren Teilen deutlich ab und dient nur noch als Begrenzung. Vor unserer Terrasse befindet sich noch ein Stück unseres Steingartens, der an dieser Stelle mit einem großen Lavendelfeld versehen wurde. Bei Insekten im Allgemeinen und Hummeln im Speziellen erfreut sich dieser Lavendel ausgesprochener Beliebtheit, was uns auch nicht weiter stört. Besser, die Flugviecher umkreisen den Lavendel als uns, wenn wir uns draußen aufhalten.

Unser Garten ist weitgehend offen gestaltet, was nicht nur Kinder immer wieder dazu veranlasst, diesen ohne Erlaubnis zu betreten. Und das, obwohl es eindeutig erkennbar ist, daß hier keine öffentlich nutzbare Freifläche vorliegt. Ich rede hier nicht nur von Kleinkindern, welche den Unterschied zwischen allgemein zugänglicher Fläche und Privatbesitz noch nicht unbedingt (er)kennen müssen. Sollte es irgendwann mal wieder erforderlich sein, einen Garten zu gestalten bzw. gestalten zu lassen, wird dieser wieder einen Zaun bekommen. Soviel steht fest. Der nachträgliche Aufbau eines Zaunes wäre zwar möglich, würde aber den uns zur Zeit möglichen finanziellen Rahmen sprengen, da zu viele Anpassungsarbeiten erforderlich wären.

Wir saßen im Wohnzimmer, als wir plötzlich hörten, wie Kieselsteine aus unserem Garten gegen den Zaun geworfen wurden. Die zweitbeste Ehefrau von allen sprang vom Sofa auf, sah das Kind, das mit den Steinen offensichtlich die Hummeln bewarf und dabei nicht selten auch unseren Zaun traf. Sie wies das Kind mit deutlich erhobener Stimme darauf hin, daß es dies gefälligst zu unterlassen habe.

Die auf der Straße wartende Mutter des Kindes reagierte insgesamt äußerst unwirsch und meinte zu dem Kind

„Na komm, ich habe dir doch vorhin schon gesagt, daß die Alte wieder meckert. Hier darfst du gar nichts.“

Stimmt, gute Frau, ihr Kind darf in unserem Garten gar nichts. Es darf ihn noch nicht mal betreten. Und es darf auch nicht, weder von innerhalb noch von außerhalb, mit Steinen unser Eigentum bewerfen. Und wenn sie das schon wissen, warum wirken sie nicht entsprechend erzieherisch auf ihr Kind ein, damit es vielleicht etwas Respekt vor dem Eigentum anderer lernt? So als Maßnahme für die Zukunft, in der das Kind eigenverantwortlich mit anderen in einem Gemeinwesen zusammenleben muß?

Kann mir mal jemand sagen, was hier heute in unserer Gesellschaft schief läuft?


Donnerstag, 5. September 2013

Unter Tage - jetzt erst recht

Es gab eine Flut von Neuanträgen im LASA. Aber mal wieder keine Aktendeckel. Unseren investigativen Bemühungen hinsichtlich deren Verbleibs führten uns zu der Erkenntnis, daß auch in der Hauptverwaltung in Bad Husten eine Mangelsituation eingetreten war. Aufgrund des Umzugs unseres Archives war man nicht dazu gekommen, alte Akten zu digitalisieren und verfügte damit auch nicht mehr über einen wiederzuverwendenden Vorrat freigewordener Aktendeckel. Und neue standen noch nicht zur Verfügung, weil diese Beschaffungsmaßnahme erst europaweit ausgeschrieben werden musste.

Ich enthalte mich dazu jeglichen Kommentares. Nicht so der Ökoklaus. Er kam polternd in unser Büro und ließ sich über diesen „Scheiß“ aus, der da passiert sei.

„Strich!“ Die Strichbeauftragte hatte wieder gnadenlos zugeschlagen. Doch unser Ökoklaus versuchte, sich aus der Schlinge zu ziehen.

„He, ich habe mal ein paar Jahre in Dortmund gewohnt. Damit bin ich doch auch Ruhrgebietler und darf keine Strafstriche bekommen.“

Oha, ein Fall für den Unparteiischen.

„Bist du da geboren?“

„Nö.“

„Pech für dich. Mandy, bitte einen Doppelstrich wegen Meckerns.“

Lernen sie es denn nie?

Mutter, hol mich vonne Zeche, ich kann datt ganze Schwatte nich mea sehn.






Kleine Randbemerkung (3)

Irgendeine der Katzen hat seit zwei Tagen Durchfall und schafft es nicht immer rechtzeitig zum Klo. Spuren finden sich fast ausschließlich im Gartenzimmer. Eine Identifikation des armen Opfers war bislang noch nicht möglich.

Der Radioonkel erzählt gerade etwas von Temperaturen bis 32 Grad. Und zwar hier, nicht irgendwo im Death Valley.

Ich werde noch wahnsinnig.



Mittwoch, 4. September 2013

Die Tiefgaragensause

Es hat sich in verschiedenen LASA-Außenstellen zum Brauch entwickelt, einmal im Jahr nach Ende der offiziellen täglichen Pflichtanwesenheitszeit eine Feier mit den Mitarbeitern zu veranstalten. Nachdem diese Feier in unserer Außenstelle in den letzten Jahren ausgefallen war, sollte diese Tradition nun wiederbelebt werden. Alle paar Jahre lasse ich mich da auch mal blicken, insgesamt ist dies aber eher keine Veranstaltung, an der ich Gefallen finden könnte. Zu viele Menschen auf einem Haufen, zu viel Gedränge, viel zu viel Small Talk. Ich stehe da permanent unter Strom und muß mich schon sehr beherrschen, um das durchzuhalten. Und da es auch ziemlich doof aussieht, wenn ich nur ganz am Rande herumstehe und das Treiben beobachte – was im Übrigen auch einen gewissen Grad zumutbarer Langeweile überschreitet – müssen die Kollegen meistens gänzlich auf meine Anwesenheit verzichten.

In unserer Außenstelle findet diese von den Führungskräften des Hauses gesponserte Feier traditionell in der Tiefgarage des Hauses statt und wird folgerichtig als Tiefgaragensause bezeichnet. Autos werden rechtzeitig auf die nun freien Besucherparkplätze umgestellt, Parken in zweiter Tiefgaragenreihe ist ausdrücklich erlaubt, Bierzeltgarnituren sind schnell besorgt und platziert, zusätzlich wird ein ordentlich großer Holzkohlengrill aufgebaut, der während nahezu der ganzen Veranstaltung seinen Dienst leistet. Ebenso findet sich der Platz für ein kaltes Buffet, welches von spendablen Mitarbeitern erstellt wird. Und natürlich darf eine mobile Kühltruhe für die Getränke nicht fehlen.

Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, daß ich von einem Holzkohlengrill geschrieben habe, welcher in unserer Tiefgarage seinen Dienst verrichtet. Ja, richtig gelesen. Und die Feuerwehr stört sich noch nicht mal daran. Skandal? Lebensgefahr? Aber mitnichten, wir sind doch alle mehr oder weniger verantwortungsvolle Mitmenschen. Unser Gebäude bietet nämlich eine Besonderheit, welche ein solches Unterfangen zulässt.

Geplant war der Bau eines mehrstöckigen Bürogebäudes mit einer Tiefgarage. Während der Bauarbeiten stellte sich heraus, daß sich unterhalb des Bauplatzes in keinem Plan genau verzeichnete Tunnel- und Röhrensysteme befinden. Dummerweise sind diese Systeme noch in Benutzung. Damit hatte sich der Gedanke an den Fertigbau der Tiefgarage erledigt. Eine ziellose, nach unten führende Rampe erinnert heute noch an die ursprüngliche Planung. Statt dessen wurde das Gebäude nun auf Sockel gestellt. Die Tiefgarage befindet sich ebenerdig und das eigentliche, auch heute noch so bezeichnete Erdgeschoss erstreckt sich in einer Höhe, in der beim Nachbargebäude die erste Etage zu finden ist und kann zur regelmäßigen Verwirrung unserer Besucher nur über eine große Treppe oder über Aufzüge erreicht werden.

Das Parkdeck selbst ist offen gebaut und nur an jenen Stellen überdacht, über denen sich der Rest des Gebäudes ausbreitet. Die weitere Fläche stellt damit eine ebenerdige Tiefgarage unter freiem Himmel dar und verfügt über einen ordentlichen Baumbewuchs. Übrigens sehr zum Leidwesen unseres armen Balduin. Mein Parkplatz befindet sich unter einem solchen Baum, was immer wieder zu Hinterlassenschaften der Objekte des Interesses der Ornithologen führt.  Meistens nutze ich den Platz ja nicht, sondern stelle ihn anderen Kollegen zur Verfügung, sonst hätte ich schon längst versucht, einen anderen zu bekommen. Also kann ich sagen, daß ich einen Tiefgaragenstellplatz habe, an dem mein Auto regelmäßig von frei fliegenden oder hockenden Vögeln vollgekackt wird. Ist ja auch was Besonderes.

In diesem Jahr fand die Tiefgaragensause mit Südsee-Thema statt. Das Buffet war zwar nicht unbedingt darauf ausgerichtet (ja, ihr wisstdoch, ich bin da ein Korinthenkacker), aber etwas passende Dekoration inklusive einiger Kränze aus Kunstblumen sowie einer aufblasbaren Plastikpalme fanden sich dann doch. Zum Unterhaltungsprogramm gehörte eine Tombula[sic!]. Da die dafür vorgesehenen Preise doch zu schnell ihren neuen Besitzer fanden, verloste man auch kurzerhand noch Teile der Dekoration, darunter die besagte aufblasbare, durchaus mannshohe Palme. Der Ökoklaus zeigte sich als glücklicher Gewinner derselben. Mal sehen, was er damit anstellt.

Am späten Nachmittag verabschiedete sich Dr. Strebsinger vorübergehend, er habe noch was in der Stadt zu erledigen, würde aber nochmal zurückkommen. Nach anderthalb Stunden war er dann auch wieder vor Ort, die Aufräumarbeiten näherten sich bereits dem Ende. Der verbliebene harte Kern der Mitarbeiter verspürte den Wunsch, eine der nahegelegenen Altstadtkneipen mit ihrem Besuch zu beehren und fragte natürlich bei Dr. Strebsinger, ob er mitkommen möchte. Dieser aber lehnte das Ansinnen ab. Gerade habe er 1 ½ Stunden gebraucht, um in der Stadt eine neue Kaffeemaschine zu erstehen und sei vollkommen fertig.

Armer Kerl, aber wenigstens sind nun die Grundvoraussetzungen der künftigen Versorgung mit bürotauglichen Betriebsmitteln und Schmierstoffen wieder gegeben.


Dienstag, 3. September 2013

Gruß aus der Küche - Camembert-Muffins

Heute wird es matschig. Aber anschließend besteht zumindest eine gewisse Wahrscheinlichkeit, daß die Hände endlich mal wieder sauber sind. Doch der Reihe nach.

Auf dem Beschaffungsplan stehen:

10 altbackene Brötchen
4 Eier
600 ml Milch
600 g Camembert, gerne etwas reifer
1 Gemüsezwiebel
Salz
Pfeffer
Muskat
1 Bund Petersilie oder andere Kräuter nach Wahl



Die Milch anwärmen, aber nicht zum Kochen bringen. Kräftig mit Salz, Pfeffer und frisch geriebener Muskatnuss würzen. Die Eier hinzugeben und sofort verrühren. Den Topf vom Herd nehmen. Anschließend die zerkleinerten Brötchen unterrühren und alles gut vermengen. Dies funktioniert am besten mit der bloßen Hand. Die Milch sollte nicht mehr zu warm sein, wenn man hier hitzeempfindlich ist. Nun alles 20 Minuten stehen lassen.

Während der Wartezeit die Zwiebel klein schneiden und glasig andünsten. Den Camembert ebenfalls in kleine Stücke schneiden. Petersilie, Zwiebeln und Camembert wiederum mit der Hand untermengen.

Die Masse in Muffinformen verteilen. Diese können ruhig gut befüllt werden, da der Teig sich mangels Hefe oder Backpulver nicht mehr im Volumen vergrößert. Das Ganze bei 200 Grad für 30 bis 35 Minuten im Ofen backen. Nicht vergessen, in den Ofen auch eine Schale warmes Wasser hinzustellen. Warm oder kalt servieren.



Diese Pseudo-Muffins erinnern natürlich stark an Semmelknödel, grenzen sich aber durch den eingearbeiteten Käse geschmacklich schon ab. An Stelle von Camembert eignen sich auch andere Weichkäse mit intensiverem Geschmack.

Der noch warme Muffin neigt dazu, an den Papierförmchen festzukleben. Vielleicht wäre eine metallene Backform geeigneter. Kalt ist die Entnahme aus den Förmchen etwas einfacher

Wir haben aus der beschriebene Menge 15 Muffins herstellen können.


Tante EDIT meint: Paterfelis kann auch nachtragend sein. Deswegen hat er auch das Rezept auch um den Satz mit der Schüssel und dem Wasser ergänzt.

Sonntag, 1. September 2013

Saisoneröffnung

Mit großen Schritten nähern wir uns dem Spätsommer. Die Gedanken fließen ruhiger und wenden sich den künftig zu erwartenden, naheliegenden Ereignissen zu – dem Weihnachtsfest. Na, bekommt schon jemand unter meinen Lesern den irren Blick, weil noch nicht alle Weihnachtsgeschenke gekauft wurden? Entspannt euch, es geht auch ohne. Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich verzichten schon seit Jahren darauf. Und auch unseren jeweiligen Elternteilen haben wir es im Laufe einiger Weihnachtsfeste beigebracht, daß wir unsere Verweigerung durchaus ernst meinen. Wir schenken nichts und wollen auch nichts geschenkt bekommen.

Unzweifelhaft machen die aktuellen Angebotszettel der verschiedenen Lebensmittelmärkte gnadenlos darauf aufmerksam, daß die Weihnachtssaison beginnt. Schamhaft wird das Wort Weihnachten vermieden und gegen Herbstersetzt, aber es ändert nichts daran, daß es sich eigentlich um Weihnachtsgebäck handelt, welches uns angeboten wird.

Noch nie habe ich begriffen, was Menschen veranlasst, bereits im Spätsommer Dominosteine, Spekulatius und Co einzukaufen. In meiner Gedankenwelt handelt es sich dabei um arme Irre, die es nicht abwarten können. Doch in diesem Jahr wird alles anders. Ich werde mich in die Welt der Irren einreihen. Manch einer wird sagen, ich sei da schon längst angekommen. Mag sein, aber das hätte andere Gründe.

Mit Schrecken erinnernwir uns an die letztjährige Vorweihnachtszeit. Es war mir unmöglich, meiner Angetrauten Mandelspekulatius zu beschaffen! Und warum? Weil wir – wie erwähnt - zu den Restexemplaren der Menschheit gehören, die der Ansicht sind, daß bestimmte Dinge, darunter auch durchaus essbare, einfach Saisonartikel sind und bleiben sollen. Wir müssen im Winter keine Erdbeeren haben. Und keine Weintrauben im Frühjahr. Das, was uns jetzt als Herbstgebäck angedreht werden soll, gehört in den Ablauf der Jahreszeiten eben nicht in den Spätsommer, sondern in die Vorweihnachtszeit. Also in die Zeit ab dem ersten Advent.

Diese Einstellung hatte im letzten Jahr jedoch zur Folge, daß die zweitbeste Ehefrau von allen auf Mandelspekulatiusentzug gesetzt werden musste. Die in unserer Gegend im Spätsommer noch vorhandenen  Massen an Mandelspekulatius waren gegen Ende November längst ausverkauft. Und ich durfte mir nach jedem Einkauf und auch zu anderen Gelegenheiten die Jammerei meiner Angetrauten anhören. Entzug ist eben echt hart.

Aber nicht in diesem Jahr. Das Gejammer werde ich mir nicht mehr antun. Ich werde mit der Faust auf den Tisch schlagen - und Mandelspekulatius kaufen, wann und wo immer ich sie auch finde. Auch bereits in der ersten Septemberwoche. Im Spätsommer. Jawohl. Aber ich werde diese Vorräte vor meiner Angetrauten verstecken, bis es an der Zeit ist. Da bin ich knallhart. Nicht, daß hier noch jemand schwach wird. Es geht ums Prinzip. Wie gut, daß ich nicht so für Süßigkeiten zu haben bin.

Oh, es gibt ja auch schon Schokoladenlebkuchen. Wieso werden die eigentlich nicht endlich mal ganzjährig...


Danke der Nachfrage

Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich trafen unlängst mal wieder Rajiv im Rahmen einer Vortragsveranstaltung. Nach der allgemeinen Verabschiedung blieben wir noch etwas, um beim Aufräumen zu helfen. Außerdem hatte meine Angetraute noch kurz etwas mit ihm zu besprechen.

Rajiv gab mir die Hand, fragte nach, wie es mir ginge.

Wie es eben so ist, wenn man nur noch unruhig schläft, immer an die Arbeit denken muß, weder im Büro nochzu Hause zur Ruhe kommt. Wenn der ganze Wahnsinn, der da stattfindet, immer und immer wieder in den Fokus der Gedanken rückt. Dinge, die nur noch Selbstzweck sind, ohne Sinn und Verstand. Wenn man am liebsten den ganzen Kram drangeben und aussteigen würde. Einfach nur weg, alles hinter sich lassen. Bescheiden leben, keine Verantwortung, keine Verpflichtungen mehr. Aber ich bin ja nicht der Typ für so etwas, habe Verantwortung, habe Verpflichtungen, die ich einhalte. Will einfach nur den großen Rundumschlag machen, ausmisten, den ganzen materiellen und immateriellen Ballast abwerfen. Es loswerden. Frei atmen können. Die persönlichen Mahnmale nicht mehr sehen müssen. Ab auf die einsame Insel im Süden, den Strand fegen. Nö, macht die Gesundheit auf Dauer nicht mit. Vielleicht doch die Nordseehallig. Das ist mehr meine Welt. Die rauhe, wilde See, der strenge Wind, der Geruch nach Meer. Der nächste Nachbar hunderte von Metern oder noch weiter entfernt. Das Dasein wegen meiner auch als verschrobener alter Kautz bestreiten. Nur Schluss machen mit dem ganzen Wahnsinn hier.

„Alles wie immer, danke.“