Freitag, 30. August 2013

Wilder Westen

Wer kennt nicht die guten alten Western-Filme, in denen harmlose, gottesfürchtige Siedler mit ihren Planwagen eine Wagenburg bilden, sobald sie von den selbstverständlich abgrundtief bösen Indianern angegriffen werden, welche zu diesem Zwecke die Wagenburg auf ihren Pferden mit entsprechendem Geheul umkreisen?

Im Moment glaube ich, daß unsere LASA-Außenstelle solch eine Wagenburg ist. Gut, über die Gottesfurcht der Siedler InsassenKollegen bin ich nicht in allen Fällen ausreichend informiert, um mir ein Gesamturteil bilden zu können, aber das stört mich jetzt nicht. Die Rolle der Indianer übernehmen die aufgrund der Baumaßnahmen umgeleiteten Linienbusse. Es ist einer der seltenen Tage, an dem ich mit meinem treuen Balduin an dem Ort bin, den ich nun zu verlassen gedenke. Sonst könnte ich mich zu Fuß rausschleichen. Aber ich lasse Balduin nicht zurück.

Ich schaue aus dem Fenster und sehe Busse. Viele Busse. Noch mehr Busse. Eine spontane Zählung meinerseits ergab, daß sich 15 (!) Busse hintereinander an unserer Außenstelle vorbeibewegen und dann der Straße folgend in einer Rechtskurve aus meinem Blickfeld verschwinden.

Das muß doch mal vorbei sein. Nein, es kommen immer neue Busse. Die können nicht alle vom Bahnhof kommen, die fahren bestimmt im Kreis. Das LASA ist eingekreist von wilden, heulenden hupenden Bussen. Ich wünsche mir eine eigene, mobile Megahupe, damit ich den hupenden Gegenschlag auslösen kann. Quasi mit einer Schalldruckkanone. Das klingt jetzt etwas infantil, ist mir aber total egal.

Ich bin unbewaffnet. Keine Megahupe, keine Schalldruckkanone, kein Gewehr ist zur Hand.

Und ich muß da jetzt durch, die Umzingelung durch die Busse mit dem treuen Balduin überwinden und den Weg eines einsamen Kuhhirten lonesome Cowboys zur heimatlichen Ranch bestreiten. Meine Angetraute steht bestimmt schon auf der Terrasse und schlägt die dort aufgehängte Triangel, mit der sie zum Essen ruft. Miracoli ist fertig.

Ich begebe mich zur Koppel Tiefgarage. Balduin wartet auf mich. Ich setze mich auf ihn steige ein, nehme die Zügel das Lenkrad, rede ihm nochmal gut zu. Erste Schweißperlen bilden sich auf meiner Stirn. Balduin und ich bewegen uns zu dem Punkt, an dem wir noch in Sicherheit sind. Die letzte Barriere die Schranke öffnet sich wie von Geisterhand.

Die Umzingelung ist nahezu perfekt. Der aufgewühlte Präriestaub Die Abgase der Busse rauben wir fast die Sinne. Doch ein Rückzug kommt für mich nicht in Frage. Ich wurde auserwählt, die Kavallerie zu holen und die Siedler zu retten. Ich will nach Hause, und zwar JETZT.

Da, was ist das? Ich sehe eine Lücke in der ansonsten gnadenlosen Umzingelung. Balduin wiehert Balduins Motor heult auf, als ich ihm die Sporen gebe das Gaspedal drücke. Er macht einen Satz nach vorne und – geschafft, ich habe die Umzingelung durchbrochen. Schnell weg. Ich sehe mich um, doch niemand verfolgt mich.

Freiheit, süße Freiheit.

Ein Lied kommt mir ins Gedächtnis.

“I’m a poor lonsesome Cowboy, and long long way from home.”

Und so reite fahre ich der Abendsonne entgegen.



Kommentare:

  1. Sehr anschauliche Schilderung Ihres heroischen Heimritts. Machte Freude, den Bericht zu lesen und ich sah Sie vor meinem inneren Auge in der untergehende Sonne am Horizont verschwinden. *lach*

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  2. Danke sehr :-). So bin ich denn verschwunden. Aber heute ist nicht alle Tage, ich komm' wieder, keine Frage.

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