Mittwoch, 14. August 2013

Wagnisse

Mandy und Nadja, ebenfalls eine Sachbearbeiterin im LASA und Mitglied des büroeigenen Raucherclubs, holen sich mittags immer Essen von einem der im Umfeld unserer Außenstelle befindlichen Anbieter mehr oder weniger, tendentiell eher Letztere, gehobenen Gastronomie. Früher nannten wir so etwas ja gerne „Essen zum Mitnehmen“ oder „Essen auf die Hand“, heute kommt das alles aus Togo. To go eben. Ja, das war ein Flachwitz, ich weiß.

Ich finde es immer wieder sehr interessant, wer von meinen Kollegen alles das nötige Kleingeld hat, um sich sowohl morgens regelmäßig belegte Brötchen vom Bäcker mitzunehmen, als auch mittags noch Essen von außerhalb zu besorgen. Ist ja nicht so ganz billig, oder?! Eine Kantine haben wir nicht, also ist Selbstversorgung angesagt.

Da ich weder alleinlebender Berufsanfänger mit Steuerklasse 1 noch alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern oder gar alleinverdienender Familienvater mit noch abzuzahlendem freistehenden Haus bin, kann ich mir das nicht leisten. Bei mir gibt es regelmäßig morgens und mittags Butterbrote, hin und wieder auch mal Haferflocken oder Zwieback in Milch, mal etwas Obst – wenn es gerade nicht wieder wetterbedingt vorzeitig verschimmelt ist – oder eine dieser Chinanudelgerichte, die man nur mit heißen Wasser aufgießen muß, vier Tüten zu 99 Cent im Angebot bei Feinkost Albrecht. Oder es gibt auch gar nichts, bis ich wieder zu Hause bin. Das ist immer dann der Fall, wenn ich Butterbrote so überhaupt nicht mehr sehen kann.

Heute sollte es Mandy und Nadja zum örtlichen Schnellwok führen. Ein Schnellwok ist die pseudo-chinesische Variation einer deutschen Pommesbude oder eines türkischen Dönerladens. Die Auswahl ist schon reichlich, die Qualität einer Imbissbude entsprechend angemessen. Was für mich durchaus ok ist.

Karla wurde gefragt, ob man ihr etwas mitbringen solle, weil auch sie regelmäßig Essen von auswärts zu sich nimmt.

Karla war erfreut. „Dann hätte ich gerne gebratene Nudeln mit Huhn.“

Wenig überraschend. Sie nimmt immer gebratene Nudeln mit Huhn, wenn es zum Chinesen geht.

„Willst du nicht mal was anderes probieren. Die haben doch so eine große Auswahl auf dem Zettel.“

„Nein, will ich nicht. Das ist mir zu gewagt.“

Ich komme jetzt nicht daran vorbei, an die alte Redensart zu denken, die da lautet: „Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht.“ 


Kommentare:

  1. Am Montag waren der Chef und ich sehr früh unterwegs. Unser Termin dauerte statt der von uns erwarteten 120 Minuten nur 30 Minuten. Wir hatten außerdem den Besuch eines Matratzengeschäftes geplant und standen dort vor verschlossenen Türen und hatten plötzlich 45 Minuten Zeit. Also gingen wir frühstücken in ein in der Nähe liegendes, bekanntes Café. Und ich war erstaunt, wie voll es dort war und wer dort belegte Brötchen aß. Die meisten Menschen trugen Arbeitshosen und hatten den Parkplatz mit Firmenwagen zugestellt. Und genau da habe ich mich gefragt, wie sie sich das leisten können. Ich habe früher auch immer Brote mitgenommen, jeden Tag 5 bis 10 € fürs Essen war mir zu teuer. Aber heute kocht ja kaum noch jemand, wahrscheinlich ist das Essen aus Togo der Ersatz dafür.

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  2. Wird wohl so sein. Und auch unsere Linienbusfahrer haben keine Getränke zur Eigenversorgung mehr in ihren Taschen, obwohl das problemlos möglich wäre, sondern springen zwischendurch an einen Kiosk und versorgen sich dort mit Kaffee und Co.

    Auch wenn es dann mal länger dauert...

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