Samstag, 24. August 2013

Merk-Würdiges

Es ist spät geworden. In mir regt sich der Wunsch, gewisse Örtlichkeiten aufzusuchen und danach eine Schicht lang Matratzenhorchdienst zu schieben. Also schnell noch Sally mit ihrem Spezialkakao versorgen. Ich tappe schon halb im Nirwana befindlich in die Küche, mache kein Licht an. Die aus dem Wohnzimmer herüberscheinende Helligkeit sollte für mein Vorhaben ausreichen. Der Spezialkakao ist temperaturempfindlich und wird schnell schlecht, also empfiehlt sich die Lagerung im Kühlschrank. Ich hole den Napf mit den Resten, stelle ihn auf die Arbeitsplatte. Dann ein zweiter Griff in die Kälte. Der Mixbecher mit dem Spezialkakaovorrat ist das Objekt meines Begehrens. Deckel auf und schütten; ein guter Schluck soll noch die Reste im Napf auffüllen. Mist!

Merke: Wenn du einen Napf auffüllen willst, dann entferne vorher den darüber befindlichen Silikondeckel.

Nun mache ich doch das Licht in der Küche an. Schöne Schweinerei. Ein ordentlicher Schwall der leicht nach Kakao riechenden aber unter anderem pürierten Fisch enthaltenen Flüssigkeit hat sich auf der Arbeitsplatte ausgebreitet und droht, auf den Boden zu laufen. Ups, zu spät. Sie ist schon auf den Boden gelaufen. Wenn das Zeug zu lange ungekühlt und somit verdorben ist, dann hat sich das feine, unerklärliche Kakao-Aroma aber mal so richtig erledigt. Das Zeug stinkt dann einfach nur noch erbärmlich. Also schön alles ordentlich wegwischen. Auch aus den Ritzen, die sich dankbar als Lagerstätte aufgedrängt hatten. Küchenpapier her und los geht es. So ein Schei$, das war ein mächtiger Schwall. Aufgrund des intensiven Gestanks, den das Zeug nach einiger Zeit verbreitet, ist die zügige und was unsere Wohnung betrifft auch endgültige Entsorgung des vollgesogenen Papiers angesagt. Ich nehme es und will es in der Toilette entsorgen. Einige Blätter wandern in die Öffnung des Throns. Ich ziehe ab und… Mist!

Merke: Küchenpapier ist kein Toilettenpapier. Es zersetzt sich nicht so schnell und kann zum vorübergehenden Verstopfen des Abflusses führen.

Alles nur eine Zeitfrage, irgendwann löst sich das Papier schon auf. Mich plagt aber ein menschliches Rühren. Das ist jetzt eher schlecht. Ich schnappe mir unseren Pömpel und will die Sache beschleunigen. Die Sache im Klo, nicht mein Rühren. So schlimm ist es dann doch nicht mit mir. Aber der Erfolg bleibt aus. In meinem Tran suche ich die zweite Toilette des Hauses auf. Ich werfe wieder ein paar Blatt von dem Küchenpapier in Richtung des wohnungsinternen Zugangs zur Kanalisation. Weniger als vorher. Ein Druck auf das Knöpfchen, Wasser ergießt sich in die Schüssel und… Mist!

Merke: Auch weniger kann noch zu viel sein.

Ich bin mein Papier wenigstens losgeworden. Es wird sich von alleine zersetzen, da muß ich mir keine Sorgen machen. Aber da war ja noch was. Mist!

Merke: Wenn du mußt, dann mußt du. Mache es vorher, so lange es noch nicht zum Dringlichsten in deinem Leben geworden ist.

Also gehe wieder eine Etage höher zurück in Richtung Männerklo. Die Angetraute sagt zwar, daß dieses Klo das Gästeklo ist, aber für mich ist es das Männerklo. Mein Klo. Kein überflüssiger Schnickschnack. Ihr wisst schon, Reduzierung auf das Wesentliche. Ich versuche noch zwei Mal abzuziehen. Endlich, das Papier nimmt den vorgesehenen Weg. Ich schicke noch eine Botschaft hinterher.

Merke: Manchmal sind es die einfachen Dinge, die so befreiend wirken können. Lasse es einfach laufen, wenn du kannst.

Mit spürbarer Erleichterung gehe ich zurück in die Küche und fülle den Napf mit den verbliebenen Resten des Spezialkakaos auf. Kurz in der Mikrowelle anwärmen… Mist! Nein, reingefallen, dieses Mal ist nichts passiert.

Ich halte Sally den Napf hin. Lilly und Marty werden etwas aufdringlich. Sie sind mit ihrer aktuellen Futterauswahl unzufrieden. Pech, morgen früh mache ich eine andere Tüte auf. Bis dahin habt ihr das alte Futter hoffentlich noch gefressen. Also sorge ich dafür, daß die beiden sich von Sally und ihrem Napf fernhalten. Sally ist gerade wieder etwas vertrottelt, ich muß ihr den Napf schon fast unter die Nase halten, damit sie merkt, was ich von ihr will. Ich stehe dabei leicht verrenkt, macht aber nichts. Der von heute Mittag verbliebene Schmerz, der sich einstellte, nachdem ich mich an einer Kiste etwas unglücklich verhoben hatte, lässt sich inzwischen ertragen. Außerdem frisst Sally meistens recht zügig. Mist!

Merke: Wenn du eine senile Katze fütterst, dann rechne mit allem und nichts. Mache es dir dabei ruhig bequem.

Dieses Mal hat Sally alle Zeit der Welt. Entgegen ihrer sonstigen Gewohnheiten lässt sie nicht nur einen Rest im Napf übrig. Nein, sie leckt ihn noch blitze blank. War ja klar. Endlich ist sie fertig. Ich bin es auch.

Unter Berücksichtigung all dieser Merksätze ist das Leben gar nicht mehr so schrecklich, wie man meinen könnte. Ist doch auch mal schön.


Kommentare:

  1. Öhm...
    Warum bitte hast du dich nicht einfach auf das Mädchenklo gesetzt?!?!?
    MÄNNER!!!

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  2. Ich habe vorher nachgesehen. Bin kein Mädchen.

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