Samstag, 17. August 2013

Ich bin so angepisst

Hatte ich nicht gestern gesagt, daß es ein schrecklicher Tag wird? Ich hatte es gesagt. Ganz bestimmt hatte ich es gesagt. Es sind ja die bösen Vorahnungen, die dazu neigen, in Erfüllung zu gehen. Spulen wir mal alles zurück auf Anfang.

Der Tag dämmert irgendwie so dahin. Wir haben wieder etwas hin und her geräumt, aber insgesamt hielt sich das in Grenzen. Zwischenzeitlich hat sich im Keller ein Wäscheberg angesammelt, welcher meiner Beachtung harrt. Ist was für Samstag.

Außerdem stehen jetzt da unten zahlreiche leere Kartons herum. Es sind schon besondere Kartons mit einem praktischen Klappdeckel. Die fielen früher im Büro an und sollten weggeworfen werden. Viel zu schade, die habe ich eingesackt und hier verwendet. Der Inhalt wurde inzwischen neu verteilt oder entsorgt. Das war ja auch das Ziel unserer Aktion. Nun harren die Kartons auf weitere Nutzung. Aber erst, wenn im Keller aufgeräumt wird. So lange sind sie im Weg. Das nervt mich jetzt schon ganz gewaltig, ist aber nicht zu ändern. Wegwerfen und bei Gelegenheit neue mitbringen klappt nicht, denn diese Kartons gibt es heute im LASA nicht mehr.

Abends nutze ich die Gelegenheit der Abwesenheit der zweitbesten Ehefrau von allen, mir einen Film anzusehen, den ich zuvor aufgenommen hatte. Natürlich kam zum Zeitpunkt der Aufnahme parallel im anderen Programm ein ebenfalls für mich interessanter Film. Beide auf Festplatte bannen war nicht möglich. Ich habe offensichtlich dem falschen Film den Vorzug gegeben. Den langweiligeren von beiden. Ich kenne den anderen nicht, aber so ein Blödsinn kann das gar nicht gewesen sein.

Zwischendurch ruft Herr Graumann mal wieder an. Männer halten es am Telefon ja immer kurz und knackig. Es ist eine Gabe der Männer, mit wenigen Worten viel auszudrücken. Und komplexe Situationen auf eben diese wenigen Worte zu reduzieren. Deswegen dauern Männergespräche ja auch nie so lange. Stunden später waren wir fertig. Das bedeutet, daß wir Inhalte mit dem Datenvolumen einer mittelgroßen externen Festplatte ausgetauscht haben müssen. So im übertragenen Sinn natürlich.

Die zweitbeste Ehefrau von allen ist mittlerweile zu Hause. Ein seltenes Familienidyll ist zu beobachten. Für einige Zeit sind tatsächlich mal wir Beide und die komplette Katzenbande im Wohnzimmer vereint. Kommt nicht so oft vor, irgend jemand fehlt ansonsten immer. Ich beende das Familienidyll und verschwinde in mein Schlafzimmer, wo die Koje auf mich wartet.

Sally kommt nach, wartet, bis ich mich mit einem Bettlaken zugedeckt habe; für ein ordentliches Oberbett ist es mir immer noch zu warm. Dann springt sie auf das Bett und sucht ihren Stammplatz an meinem angewinkelten Bein auf. Ich mache das Licht aus. Nur Augenblicke später wird Sally unruhig. Keine Ahnung, was die wieder hat. Noch nicht. Sie gibt einen kurzen Laut des Jammerns von sich. Dann höre ich ein leises Plätschern. Sie wird doch jetzt nicht wirklich… doch, mir wird es warm und feucht im Schritt. Und das kommt nicht von mir. Jetzt weiß ich, wie es sich anfühlt, wenn man angepisst ist. Hoffentlich war das nur ein Missgeschick und nicht ein weiterer Schritt in Richtung Demenz.

Also aufstehen, Eigenreinigung vornehmen, das Bett abziehen während meine Angetraute der Katze nochmal das Klo zeigt, dann die Klamotten in Empfang nimmt um sie direkt in die Wäsche geben, bevor sich der Rest der Katzenbande dazu animiert fühlt, das neue Katzenklo auch auszuprobieren. Die Matratze erhält eine erste Reinigung und wird vorsorglich mit irgendeinem duftenden Anti-Duftzeug eingesprüht. Hauptsache, die Katzenbande riecht das nicht mehr.

Jetzt muß die Matratze erst mal trocknen. Also nächtige ich auf dem Sofa. Die zweitbeste Ehefrau von allen bleibt noch etwas auf. Mich stört es nicht weiter. Ich entferne das Rückenpolster unseres Monsters. Sally beobachtet das alles vom Kratzbaum aus.

Es ist dunkel im Wohnzimmer. Die zweitbeste Ehefrau von allen hat sich in ihr Zimmer zurückgezogen und schläft.

Ich schlafe nicht. Sally jammerte herum. Ihr fehlt das Rückenpolster. Wenn sie nicht auf dem Kratzbaum oder im Bett ist, schläft sie immer genau auf diesem fehlenden Polster. Pech! Sie hätte mich ja nicht anpissen müssen. Irgendwann gibt sie auf und klettert wieder auf ihren Kratzbaum. Auf mir will sie nicht schlafen, denn sie mag die Wolldecke nicht, unter der ich jetzt liege. Katzenkind, die verwende ich mit Absicht. Denke mal darüber nach, warum das so sein könnte.

Marty findet die Situation ganz toll. Das Muskelgebirge kämpft sich irgendwie einen Platz an meiner Seite frei und rückt mich so zurecht, daß er gemütlich liegen kann.

Ich kann immer noch nicht richtig schlafen. Das Monster ist für so etwas nicht ausgelegt. Es fehlt einfach an einem ordentlichen Lattenrost. Oder besser: Es fehlt überhaupt an einem Lattenrost.

Nach zwei Stunden trampelt Sally auf mir herum. Sie sucht wieder das Rückenpolster. Marty ist inzwischen verschwunden. Ich erbarme mich und setze einen Teil des Polsters wieder ein. Sally gibt Ruhe. Ich stehe auf, bin total gerädert.

Gleich gehe ich einkaufen. Und wehe, mir kommt jemand blöd.

Ich bin angepisst.



Kommentare:

  1. Ich sage ja immer: Wer Katzen hält, ist masochistisch veranlagt. Willkommen im Club!

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    1. Tja, liebe Madame Chat Noir, und da ich das nicht bin, halte ich mir auch keine.

      Herr Paterfelis, bei der Überschrift dachte ich eigentlich eher nur an schlechte Laune, aber dass das so wörtlich gemeint war, hätte ich nicht vermutet. Lach

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    2. Oh, so ohne Katzen entgeht Ihnen aber was. Wie Sie ja hier nachlesen können.

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    3. Weiß ich ja, man hat keinen Kontakt zu sehr eigenwilligen, egozentrischen Wesen, die überall ihre Haare verteilen und als Nachbarkatze ihre Geschäfte in meinem Blumenbeet hinterlassen. Aber ich will auch nicht unerwähnt lassen, dass -wenn ihnen mal danach ist - sie ja auch durchaus verschmust sein können. Sollte ich da was vermissen, besuche ich Bekannte, die Kätzchen als Haustiere haben. Und meinen Couchplatz zu Hause kann ich ohne besondere Vorkommnisse genießen ;-)

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