Samstag, 3. August 2013

Heiße Nächte

Die hochtemperierten Nächte führen nicht unbedingt zu einer Verbesserung der Nachtruhe. Gerade ich, der ich selbst im tiefsten Winter bei offenem Fenster schlafe, bekomme da so meine Probleme. Auch der Katzenbande setzen die Temperaturen zu. Tagsüber hängen die vier Stubentiger meistens nur noch wie ein Schluck Wasser in der Kurve an ihren Lieblingsplätzen herum. Verhalten miteinander getobt wird - wenn überhaupt - nur noch in den frühen Morgen- oder späten Nachtstunden. Wie meistens in diesen Sommernächten bin ich im Bett von längerfristigen Anwesenheiten der vollbiologischen, naturfellbezogenen Langzeitersatzwärmflaschen befreit.

Nicht so jedoch in den letzten wärmeren Nächten. Ich lag auf dem Rücken, bekleidet nur mit dem absolut notwendigsten Textil, das Oberbett bedeckte lediglich einen meiner Füße. Sogar Sally hatte es vorgezogen, anderen Ortes zu nächtigen. Das kann aber auch damit zu tun haben, daß sie den Kontakt mit nackter Menschenhaut, soweit dieser sich nicht auf eine sie streichelnde Hand beschränkt, gerne vermeidet.

Ich döste mehr als daß ich schlief. Da bemerkte ich, daß eine unserer Katzen auf das Bett gesprungen war. Sie näherte sich meinem Oberkörper. Dann wurde mir ein Katzenkopf mehrfach in die Seite gerammt. Aha, man bettelt um Anteilnahme und Beachtung. Mitten in der Nacht! Geht’s noch? Ich ließ meinen linken Arm sinken und fühlte nach, wer sich so etwas erlaubt. Sally schied direkt aus, sie macht so etwas nicht. Das von mir ertastete Fell war sehr weich und vermittelte den subjektiven Eindruck von luftiger Kühle. Eindeutig Lilly!

Also legte ich meine Hand auf ihren hinteren Rücken. Meistens möchte sie nicht aktiv gestreichelt werden, sie bevorzugt den vorhandenen Kontakt durch die auf ihr befindliche Hand. Sehr genügsam, die Kleine. Außerdem kann man dabei gut weiter Dösen und sogar wieder Einschlafen. Ein leises Brummen durchzog den Raum. Gut, man war zufrieden. Schließlich rückte Lilly weiter auf. Nö, Verrenkungen mache ich jetzt nicht, um sie weiter betatschen zu können. In meinem Arm befinden sich Knochen, irgendwann wird es unbequem. Ich legte meinen Arm wieder an die Seite. Lilly rückte nochmal nach und rollte sich in meiner Achsel zusammen.

Katze, das geht jetzt aber gar nicht. Man kann über Achselhaare ja denken, was man will. Liebe mitlesende Früh- und Spät-Jugendliche, ihr müsst jetzt ganz tapfer sein, denn der Onkel erzählt wieder was von früher: Es gab eine Zeit, so etwa die Siebziger bis Mitte der Neunziger, da liefen Männer und auch die mit Abstand meisten Frauen in Deutschland mit unrasiertenAchseln herum.  Und wer weiß, wo die sich noch alles nicht rasiert hatten. Ja, auch eure Eltern gehörten wahrscheinlich dazu. Und Nena

Ich bin in dieser Zeit aufgewachsen. Stellt euch vor, man hat sich auch damals vermehrt. Trotzdem. Die Mitmenschen im Allgemeinen haben seinerzeit nicht direkt gekotzt, wenn sie ein Haar an einer Körperstelle unterhalb der Nasenspitze wahrgenommen haben. Von daher sehe ich dies auch heute etwas entspannter als es nach Aussage der Werbeindustrie zu sein hat. Ok, mit Einschränkungen, ich räume das gerne ein. Aber in einer schwül-warmen Nacht brauche ich keinen Haarball mit dem Volumen einer Vier-Kilo-Katze unter den Armen.

LILLY, MACH DICH DA VOM ACKER!


Gemischte Katzenwolle, gespendet von Sally, Marty und Smilla







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