Donnerstag, 8. August 2013

Die Grenzen der Welt

Chat noir erinnert daran, daß heute Weltkatzentag ist. Dann darf in einem Blog, welches eben diese Tiere auch namensgebend im Titel mit verarbeitet hat, ein aktueller Katzeneintrag nicht fehlen. Ist ja schließlich hier unter anderem auch ein Katzenblog. 

Es gibt Menschen, welche behaupten, Katzen könne man nicht erziehen. Doch, kann man. Katzen lassen sich nicht so gut dressieren wie Hunde und machen nicht so leicht auf Kommando Männchen. Aber das sollen sie auch nicht. Zumindest nicht bei uns. Es genügt wenn sie begreifen, daß sie in der Nähe des Tisches nichts zu suchen haben, wenn Essen darauf steht. Dies beinhaltet auch das Wissen darum, daß Essen klauen empfindliche Reaktionen unsererseits nach sich ziehen, weswegen es auch zu unterlassen ist. Und wenn sie verinnerlichen, daß die Küche eine Tabuzone ist. Unsere Katzen wissen das alles. Zumindest, solange jemand von uns in Sichtweite ist. Nur Sally ist da in letzter Zeit etwas vergesslich geworden, was sie aber nicht daran hindert, ihre Flugfähigkeiten unfreiwillig unter Beweis zu stellen, wenn sie in der Küche erwischt wird.

Die Fliesen in unserer Küche weichen farblich von denen im Esszimmer ab. Die Grenze der Farbe, also die entsprechende Bodenleiste zwischen den beiden Räumen, bildet auch die Grenze des Bewegungsbereiches unserer Katzenbande. Die Grenze ihrer Welt. Sie dürfen auf die Leiste treten, aber keinen Zentimeter darüber. Die Mädels und der Hauskater beachten diese Grenze – mit der bereits erwähnten Ausnahme – peinlich genau. Es sieht immer wieder ausgesprochen drollig aus, wenn sie mit den Vorderpfoten genau auf dieser Grenze stehen und den Kopf mit einem Giraffenhals in Richtung Küche recken. Das dürfen sie.

Weitere Grenzen sind die Tür ins Treppenhaus sowie die Terrassentür. Auch hier können wir die Türen öffnen, ohne daß ein Vierbeiner unbefugt einen Spurt nach draußen versucht. Merkt man, daß ich förmlich begeistert bin? Unsere verschiedenen Briefträger, Paketboten und sonstigen Besucher, die von uns an der Tür abgefertigt werden, bekommen jedes Mal einen Heidenschreck, wenn sie bemerken, daß eine Angehörige der Katzenbande neben uns an der geöffneten Tür sitzt und die Dinge beobachtet, die da so geschehen.

Sitzen wir auf der Terrasse, bleibt die Terrassentür weit offen. Marty setzt sich dann gerne an die Grenze und guckt nach draußen. Irgendwann wird ihm das zu langweilig und er verschwindet wieder. Lilly und Smilla riskieren auch gerne mal einen langen Blick, haben aber nicht Martys Ausdauer. Ich räume ein, daß unser Vertrauen in die lieben Kleinen nicht allumfassend ist. Wir lassen die jeweiligen Türen nach draußen nie geöffnet, wenn wir sie nicht im Blickfeld haben.

Seniorkatze Sally genießt ein besonderes Privileg. Sie ist ja absolut brav. Ein Schaf unter den Katzen. Als wir einst die Wohnung renovierten und alles im Chaos und dem Geruch frischer Farbe versank, ist sie zusammengebrochen. Da die Transportbox irgendwo ganz hinten im Keller war, nahmen wir sie kurzerhand auf dem Arm mit zum Tierarzt. Es war überhaupt kein Problem, auch nachdem sie sich wieder berappelt hatte. Sie blieb friedlich und wurde erst deutlich unruhiger, als unsere Wohnung wieder ins Blickfeld kam. Sie kennt den Anblick schon von den regelmäßigen Tierarztbesuchen vorher. Endlich wieder zu Hause.



Und jetzt darf sie mit auf die Terrasse. Unser seniles Tuttelchen ist immer froh, wenn meine Angetraute oder ich in Reichweite sind. So lange wir draußen grillen oder anders beschäftigt sind, hat sie in der Wohnung zu bleiben. Sobald aber abgeräumt ist und wir nur noch lesend herumsitzen wollen, stellen wir ein Katzensofa auf den Tisch und lassen sie darin liegen. Sie ist zufrieden, wird gestreichelt und macht keinerlei Anstalten, diesen Platz zu verlassen. Wenn sie keine Lust mehr hat, wird sie unruhig. Wir merken das und bringen sie dann wieder rein.

Sie soll das Familienleben auf ihre alten Tage ruhig noch richtig genießen.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen