Montag, 5. August 2013

Besuch bei Frau Doktor

Es gibt Möglichkeiten, sich einen Urlaubstag angenehm zu gestalten. Zumindest angenehmer als ich das jetzt getan habe. Gibt es einen schöneren Einstieg in den Urlaub als einen Zahnarztbesuch?  Obwohl ich genau genommen heute immer noch keinen Urlaub habe, sondern Überstunden abbaue. Da kann man das mal machen.

Ich gehe nicht zu einem in eigener Praxis niedergelassenen Zahnarzt, sondern in die Neustädter Zahnklinik. Die hat für mich den Vorteil, daß sie sehr großzügige Öffnungszeiten hat, auf alle Eventualitäten eingerichtet ist und ich dennoch immer wieder zum gleichen Behandler komme.

Der heutige Termin war lediglich ein schon länger geplanter Kontrolltermin. An sich nichts weiter Aufregendes. Sollte man meinen. Doch ich schiebe schon seit Tagen Angst; noch mehr als in den vergangenen Jahren. Das wird wohl daran liegen, daß es beim letzten Besuch einen Befund gegeben hat, der zu einer neuen Krone führte. Und selbst wenn da alles in Ordnung sein sollte, darf ich mich immer dem Vergnügen hingeben, Zahnstein entfernen zu lassen. Früher hat mir das nichts ausgemacht, aber im Laufe der Jahre bin ich da immer empfindlicher geworden. Das tut mittlerweile an einigen Stellen richtig weh. Und wenn man schon die Garantie auf Schmerzen hat, dann ist die Vorfreude auf den Termin mindestens doppelt so groß.

Die Nacht war entsprechend unruhig. Ich war seit kurz vor drei Uhr wach. Super. Die Zeit schlich dahin, bis ich schließlich aufstehen musste. Um sieben Uhr fuhr ich los, mein Termin war um acht Uhr. Da ich sonst zu dieser Zeit unter der Woche nie unterwegs bin, sondern meistens schon um Büro mein Unwesen treibe, konnte ich den Verkehr nicht einschätzen. Und ich bin lieber ganz großzügig zu früh als ziemlich knapp zu spät dran.

Um 7.40 Uhr betrat ich die heiligen Hallen der Zahnklinik. Kaum hatte ich mich im Blauen Salon, dem Wartezimmer meiner Zahnärztin, ausgebreitet und zur üblichen bereitliegenden Ablenkungsliteratur gegriffen, wurde ich auch schon aufgerufen. Also rein ins Vergnügen. Dieses Mal kam ich ins grüne Behandlungszimmer. Jedes Behandlungszimmer in der Klinik hat eine eigene Grundfarbe, die sich sogar bis auf die Plastikbecher und Papiertücher erstreckt.

Ich saß noch nicht ganz im Behandlungsstuhl, als Frau Doktor in offenkundig blendender Laune erschien. Aha, auch so eine Frühaufsteherin. Zumindest aber keine Morgenmuffelin. Sonst war ich immer erst nachmittags in der Klinik. Aber auch nachmittags hatte sie bislang keine schlechtere Laune an den Tag gelegt.

Klappe auf, hier stochern, da gucken, alles klar. „Alles in Ordnung, Sie haben es überstanden, nur noch den Zahnstein entfernen und danach die Zähne polieren.“ Nix da, die Zahnsteinentfernung war ja der Alptraum, den ich erwartete. Sie fing an, es zog ein- oder zweimal heftig. Fertig. Wie bitte? So schnell? War ja harmlos heute.

„Ja, es war nicht viel Zahnstein da. Haben Sie was anders gemacht als sonst?“

Nö, hatte ich nicht. Obwohl: Ich habe eine andere Zahncreme. Könnte ja den Ausschlag gegeben haben. Den Gedanken werde ich weiterverfolgen.

Ich holte mir mein Stempelchen für das Vorsorgeheft ab und verließ die Zahnklinik.

Es war 7.55 Uhr. In fünf Minuten hätte ich meinen Termin.

Ich bin übrigens Kassenpatient. 



Kommentare:

  1. Zahnärzte sind toll. Ich kann sie gut leiden. Auch die Betäubungsspritzen sind ein Segen. Ich bin unendlich dankbar, dass ich heute leben darf und nicht im finsteren Mittelalter geboren wurde. Ist mein voller Ernst. Ich wollte nicht zum Hufschmied müssen.....Zahnärzte, ich bin großer Fan!

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  2. Ja, gut daß es sie gibt und die Bohrer nicht mehr mit Fußpedal betrieben werden.

    Ich habe mal einen Zahnarzt gefragt, was ihn dazu bewogen hat, diesen Beruf zu ergreifen, bei dem es doch kaum jemanden gibt, der gerne zu ihm geht und die Zahl der Angstpatienten doch ein gewisses Ausmaß hat. Außerdem kann das ja durchaus ekelig sind, was er da sieht oder zu tun hat.

    Er meinte, daß er da kein Problem mit hat und es einen medizinischen Beruf gibt, den er schlimmer findet und nie hätte ergreifen können. Das sei der des Chirurgen und er habe einen Heidenrespekt davor.



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