Samstag, 31. August 2013

Schreck in der Morgenstunde

Mitten in der Nacht werde ich wach. Ich spüre, daß Lilly sich der Länge nach an meinem Bein gemütlich eingerichtet hat. Sally ist nicht an ihrem Platz. Das ist nicht ungewöhnlich, denn in den warmen Sommernächten hat sie es noch nie durchgehalten, bei mir zu bleiben. Lilly bemerkt, daß ich wach bin, steht auf und wandert bis auf meine Brusthöhe. Sie gibt Köpfchen, möchte sich ankuscheln. Also drehe ich mich auf die Seite, streichle sie kurz. Das ist für sie das Zeichen, das alles ok ist. Also legt sie sich in Höhe meines Zwerchfells hin und presst sich an mich. Ich beginne ihren Bauch zu kraulen, aber wie erwartet drückt sie ihre Hinterpfoten in meine Streichelhand. Kein Bedarf, der Papa soll sie einfach nur halten. Mache ich. Meine Hand umschließt beide Pfoten gleichzeitig. So schlafen wir wieder ein. Lilly ist dabei schneller als ich, wie ich an ihrem leisen Schnarchen feststelle.

Etwas später. Ich bin in einem geräumigen, grün gekachelten Badezimmer. Die Sonne strahlt durch das Fenster. Es steht auf Klappe und ist im unteren Bereich mit ein paar Schmutzweben versehen. Nicht übertrieben dramatisch, aber auch nicht schön. Da muß ich dringend mal ran. Ich verspüre ein menschliches Rühren. Da bin ich ja genau zur rechten Zeit… aufgewacht. Draußen ist es noch stockfinster. Das Badezimmer war ein Traum, das Rühren ist echt. Lilly liegt wieder an meinem Bein. Vorsichtig ziehe ich es zur Seite und wuchte es über sie, um aufzustehen. Lilly bemerkt, was die Stunde geschlagen und hat springt aus dem Bett. Auch gut. Ich gehe zur Keramikabteilung und lasse der Natur ihren Lauf.

Ein nörgelnder Katzenruf dringt durch die Wohnung. Sally! Sie wird Hunger haben. Das ist die Zeit, zu der sie meistens ihr Frühstück bekommt oder – falls ich arbeiten muß – schon bekommen hat. Sie war nie eine starke Frühstückerin, aber ein wenig an ihrer Spezialverköstigung lecken, das muss schon sein. Plötzlich wird der Laut kehliger. Ein sehr markantes Geräusch; ich warte auf das übliche Folgegeräusch. Mit diesem Laut kündigt Sally normalerweise an, daß sie sich gleich übergeben wird. Ja, wir können unsere Katzen auch an den Würgegeräuschen bzw. den zugehörigen Vorwarnungen unterscheiden. Sie sind halt sehr individuell.

Alle anderen unserer Katzen schaffen es in diesen Momenten, rechtzeitig eines der drei in der Wohnung verteilten Katzenklos zu erreichen und die Sache dort diskret zu erledigen. Meistens. Aber nicht immer. Sally schafft das nie. Doch die Folgegeräusche bleiben aus. Kann vorkommen, aber ich will dennoch mal nachsehen. Also erledige ich, was erledigt werden muß und begebe mich danach in Richtung Wohnzimmer. Hier liegt Sally halb auf dem Boden, stützt sich nur mit den Vorderbeinen. Sie hat ihre Hinterbeine nicht richtig unter Kontrolle. Lilly und Marty sind bei ihr. Ich kann nicht erkennen, ob es sich um neugieriges Gaffen oder eher um Anteilnahme und Fürsorge handelt. Smilla ist nirgendwo zu sehen. Entweder schläft sie im Gartenzimmer oder ich habe sie beim Schließen der Tür im Zimmer meiner Angetrauten eingesperrt. Kommt vor, ist aber unwahrscheinlich. Seit dort ein Ventilator seinen Dienst verrichtet, meidet Smilla dieses Zimmer.

Ich gehe zu Sally, nehme sie auf den Arm. Schon wieder denke ich daran, ob es das jetzt mit ihr gewesen war. Sally beginnt ihr Ersatzschnurren. Es hört sich schrecklich an, aber was soll sie machen, wenn es nicht mehr anders geht? Es hat lange genug gedauert, bis sie wenigstens wieder diese Krächzlaute von sich geben konnte. Die alte Dame richtet es sich auf meinem Arm gemütlich ein, sie wirkt zufrieden. Ich beruhige mich wieder.

Nach einiger Zeit will Sally runter. Ich setze sie vorsichtig auf den Boden ab. Sally will etwas laufen, aber das klappt noch nicht so richtig. Ihr linkes Hinterbein bricht ständig nach außen weg. Ich nehme sie wieder auf den Arm. Sie lässt es sich gefallen. Mir ist zwischenzeitlich der Gedanke gekommen, daß sie wieder einen ihrer Anfälle bekommen haben könnte. In ihrer Jugendzeit ist dies das erste Mal aufgetreten. Es erinnert ein wenig an einen epileptischen Anfall und wird anscheinend durch Stress ausgelöst. Nach ein paar Minuten sind diese Anfälle wieder vorbei. Sally bekommt sie nur noch sehr selten.

Ich starte einen zweiten Versuch und setzte Sally wieder runter. Ja, das sieht schon besser aus. Sie schwankt noch ein wenig. Vor der Küchentür bleibt sie stehen. Ja, Sally, Papa macht dir dein Frühstück. Und füllt auch gleich den Napf für den Rest der Bande auf. Alles geht seinen gewohnten Gang. Ich gebe Sally ihren Napf auf dem Sofa. Lilly kommt hinzu. Sie interessiert sich in letzter Zeit wieder stärker für Sallys Spezialkakao. Sei froh, daß du den noch nicht brauchst. Ich spreche ein leises  Lilly, nein aus. Das muß noch nicht mal besonders streng sein. Ein beiläufiger, entspannter Klang genügt meistens völlig. Lilly versteht sofort. Sie zieht sich wieder zurück.

Sally ist fertig und springt auf ihren Kratzbaum. Alles ist wieder wie immer.

Ein neuer Tag hat begonnen.



Freitag, 30. August 2013

Wilder Westen

Wer kennt nicht die guten alten Western-Filme, in denen harmlose, gottesfürchtige Siedler mit ihren Planwagen eine Wagenburg bilden, sobald sie von den selbstverständlich abgrundtief bösen Indianern angegriffen werden, welche zu diesem Zwecke die Wagenburg auf ihren Pferden mit entsprechendem Geheul umkreisen?

Im Moment glaube ich, daß unsere LASA-Außenstelle solch eine Wagenburg ist. Gut, über die Gottesfurcht der Siedler InsassenKollegen bin ich nicht in allen Fällen ausreichend informiert, um mir ein Gesamturteil bilden zu können, aber das stört mich jetzt nicht. Die Rolle der Indianer übernehmen die aufgrund der Baumaßnahmen umgeleiteten Linienbusse. Es ist einer der seltenen Tage, an dem ich mit meinem treuen Balduin an dem Ort bin, den ich nun zu verlassen gedenke. Sonst könnte ich mich zu Fuß rausschleichen. Aber ich lasse Balduin nicht zurück.

Ich schaue aus dem Fenster und sehe Busse. Viele Busse. Noch mehr Busse. Eine spontane Zählung meinerseits ergab, daß sich 15 (!) Busse hintereinander an unserer Außenstelle vorbeibewegen und dann der Straße folgend in einer Rechtskurve aus meinem Blickfeld verschwinden.

Das muß doch mal vorbei sein. Nein, es kommen immer neue Busse. Die können nicht alle vom Bahnhof kommen, die fahren bestimmt im Kreis. Das LASA ist eingekreist von wilden, heulenden hupenden Bussen. Ich wünsche mir eine eigene, mobile Megahupe, damit ich den hupenden Gegenschlag auslösen kann. Quasi mit einer Schalldruckkanone. Das klingt jetzt etwas infantil, ist mir aber total egal.

Ich bin unbewaffnet. Keine Megahupe, keine Schalldruckkanone, kein Gewehr ist zur Hand.

Und ich muß da jetzt durch, die Umzingelung durch die Busse mit dem treuen Balduin überwinden und den Weg eines einsamen Kuhhirten lonesome Cowboys zur heimatlichen Ranch bestreiten. Meine Angetraute steht bestimmt schon auf der Terrasse und schlägt die dort aufgehängte Triangel, mit der sie zum Essen ruft. Miracoli ist fertig.

Ich begebe mich zur Koppel Tiefgarage. Balduin wartet auf mich. Ich setze mich auf ihn steige ein, nehme die Zügel das Lenkrad, rede ihm nochmal gut zu. Erste Schweißperlen bilden sich auf meiner Stirn. Balduin und ich bewegen uns zu dem Punkt, an dem wir noch in Sicherheit sind. Die letzte Barriere die Schranke öffnet sich wie von Geisterhand.

Die Umzingelung ist nahezu perfekt. Der aufgewühlte Präriestaub Die Abgase der Busse rauben wir fast die Sinne. Doch ein Rückzug kommt für mich nicht in Frage. Ich wurde auserwählt, die Kavallerie zu holen und die Siedler zu retten. Ich will nach Hause, und zwar JETZT.

Da, was ist das? Ich sehe eine Lücke in der ansonsten gnadenlosen Umzingelung. Balduin wiehert Balduins Motor heult auf, als ich ihm die Sporen gebe das Gaspedal drücke. Er macht einen Satz nach vorne und – geschafft, ich habe die Umzingelung durchbrochen. Schnell weg. Ich sehe mich um, doch niemand verfolgt mich.

Freiheit, süße Freiheit.

Ein Lied kommt mir ins Gedächtnis.

“I’m a poor lonsesome Cowboy, and long long way from home.”

Und so reite fahre ich der Abendsonne entgegen.



Mittwoch, 28. August 2013

Kokosflocke

„Na, du kleine Kokosflocke auf meinem Spaghettieis.“

Sven kam in unser Büro, um Mandy davon zu überzeugen, daß es an der Zeit sei, draußen wieder ein paar Rauchwolken in den Himmel zu pusten.

Der Spruch klang interessant. „Darf ich mir den zur Weiterverwendung merken?“

„Klar. Den musst du gleich bringen, wenn deine Frau dich abholt. Dann will ich morgen aber auch deine kaputte Brille und die blauen Flecken sehen, wenn sie dich gehauen hat.“

Nun, darauf lasse ich es doch mal ankommen. Natürlich bin ich auch ein unterdrücktes Wesen, schließlich bin ich verheiratet. Aber gehauen hat mich schon lange keiner mehr. Außer auf den Oberarm, aber der hält was aus.

Die Zeit verging, als mich die erlösende Nachricht erreichte. Das per SMS  (eventuell auch so, ist zuverlässiger) gesendete Codewort lautet Tango. Es signalisiert mir die baldige Ankunft der zweitbesten Ehefrau von allen und unserem Balduin. Also Akte in die Ecke schmeißen, PC runterfahren und fluchtartig das Gebäude verlassen.

Balduin stand schon auf unserem Vorplatz. Ich stieg ein und begrüßte meine Angetraute fröhlich mit den Worten „Na, du kleine Kokosflocke auf meinem Spaghettieis.“

„…“

Meine Angetraute schaute mich an wie ein hypnotisiertes Kaninchen. 

Ich lächelte grinste sie kommentarlos an.

„Häh?“

Dann erzählte ich ihr die Geschichte. Die zweitbeste Ehefrau von allen verdreht nur die Augen.

„Sag ihm, daß auf Spaghettieis keine Kokosflocken, sondern weiße Schokoladenraspel gehören.“

Ok, mache ich.



Dienstag, 27. August 2013

Krawatten

Frl. Hasenclever stand in der Mittagszeit in einer der beiden Öffnungen, die irgendein Maurer, an dessen Namen sich die Geschichte nicht erinnern wird, extra dort gelassen hat, damit sie sich dahin stellen kann. Andere Menschen verwenden diese Öffnungen, um unser Büro zu betreten und hoffentlich auch auf dem schnellstmöglichen Weg wieder zu verlassen.

Wir redeten über eine neue Stellenausschreibung. Der Leiter einer anderen Außenstelle ist zu einem Ministerium gewechselt.

„Sagen Sie mal Herr Paterfelis, Sie könnten sich doch bei Ihrer Qualifikation auch auf so eine Stelle bewerben. Wäre das nichts für Sie.“

Nun wollen wir mal nicht übertreiben. Ich bin ja keinen Studierten vonne Unisilität, sondern nur einen dummen Realschulschüler. Um sich als so ein einfach gestrickter Mensch auf eben diese Stelle bewerben zu können, sollte man schon einige erfolgreiche Jahre als Fachbereichsleiter tätig gewesen sein.

„Nein, Frl. Hasenclever, das fällt mir im Traum nicht ein. Da müsste ich ja eine Krawatte tragen.“

„Na und?“

„Krawatten schaden meinem Image. Außerdem habe ich mir vorgenommen, nie im Leben eine Krawatte anzuziehen. Noch nicht mal zu meiner eigenen Hochzeit. Und das habe ich bis jetzt locker durchgehalten.“

„Ich mag Schlipsträger an sich ja auch nicht. Aber hin und wieder muß man doch mal.“

„Nö, es gibt Fliegen, Halstücher und Kragenspangen. Aber auch die engen schon etwas ein.“

Frl. Hasenclever hatte eine Idee. Lag wohl an der Sonne und dem beginnenden Wahnsinn.

„Man könnte Ihnen doch eine Krawatte auftätowieren. Wäre das nichts?“

„Kind von Clown, oder? Dann lieber als T-Shirt-Druck. Gibt es jedoch leider nicht in meiner Größe. Außerdem habe ich schon eine Tätowierung. Aber mit Sicherheit nicht so eine.“

Die Gesichtszüge Frl. Hasenclevers entgleisten ein wenig.

Sie haben eine Tätowierung?“

Hallo, warum denn nicht? Ja, habe ich. Und zwar schon seit vielen Jahren. Noch aus der Zeit, bevor das so eine richtige Mode wurde. Die würde ich mir jederzeit nochmal stechen lassen. Außerdem hätte ich gerne eine weitere.

Ich weiß beim besten Willen nicht, was daran jetzt so erstaunlich ist. Wirke ich so konservativ auf andere? Kann ich mir nicht vorstellen.

He, ich war auch mal jung und hatte das Geld.



Montag, 26. August 2013

Ansprüche

Mein erster und einziger Urlaub im Jahr 2013 ist zu Ende. Wie immer bin ich nicht ganz zufrieden damit. Man sagte mir mal, ich solle einfach nicht so hohe Ansprüche an meinen Urlaub stellen, dann würde das auch was werden.

Hohe Ansprüche?

Ich kenne Kollegen, welche der Ansicht sind, daß es nur dann Urlaub ist, wenn man wegfährt. Natürlich nicht irgendwo innerhalb Deutschlands, nein, es muß eine Fernreise sein. Und das zwei Mal im Jahr.

Das sind Ansprüche.

Ich habe keine Ambitionen, während meines Urlaubes irgendwo hin zu fahren. Es fällt mir schwer, mich in einem neuen, mir fremden Umfeld einzugewöhnen. Und bis das soweit ist, fühle ich mich nicht wohl und stehe unter Druck. Auslandsreisen sind noch eine Steigerung. Meine beiden größten Sorgen, nämlich insbesondere durch Unkenntnis irgendwelcher Gegebenheiten aufzufallen bzw. – was noch schlimmer wäre – mich nicht verständlich machen zu können, wären hier alltäglich über alle Maße stark im Zentrum meines Denkens und Handelns vertreten. Insbesondere vor dem letzteren Teil habe ich eine regelrechte Panik. Danke nein, brauche ich nicht.

Im Gegensatz zu den Freunden des gepflegten Verreisens sehe mich da eher in einer bescheideneren Rolle. Morgens würde ich gerne in aller Frühe, beginnend noch vor Sonnenaufgang, regelmäßig mit einer großen Tasse echtem, heißen Kakao auf der Terrasse sitzen. Habe ich nicht gemacht. Um mich nach dem Aufstehen vor die Tür zu wagen, muß ich vorher unter die Dusche und mir die Haare waschen. Ich bin ja nicht ganz uneitel, wenn auch nur in geringem Ausmaß. Aber dazu fehlte mir der Elan. Zumindest zu dieser Uhrzeit.

Dann wollte ich jeden zweiten Tag zum Sport. Mindestens aber jeden dritten Tag. Klappte auch nicht, da mir mein Fuß weiterhin Probleme bereitet. Einen Tag habe ich dennoch einen Versuch gestartet. Schwerer Fehler, mein Fuß hat sich in Folge ausgesprochen schmerzhaft in Erinnerung gebracht. Hier ist weiter Schonung angesagt.

Saunabesuche waren auch in meiner Vorüberlegung, aber zunächst hat die Gluthitze des Sommers mich von der Idee wieder abgebracht. Zum Ende des Urlaubes hin war der Umstand, daß meine Ausrüstung aufgrund unserer Entrümpelungsaktion vorübergehend nicht gut zu erreichen war, schon etwas demotivierend. Außerdem wollte ich Sally nicht so lange alleine lassen. Bei ihrem Zustand habe ich keine entsprechende Ruhe für so etwas.

Lange geplant war, daß ich mich endlich mal intensiver mit einem bestimmten strategischen PC-Spiel beschäftige. Das ist für mich schon was Besonderes. Normalerweise habe ich dafür nicht den Nerv und die nötige Zeit, aber im Urlaub… Na ja, war auch wieder nichts. Wir haben ja entrümpelt. Ebenso wie ich mein Vorhaben, einige schon lange geplante, aufwendigere Blogeinträge vorzubereiten, aus den gleichen Gründen noch nicht umsetzen konnte. Es hat nur für die einfachen Texte gereicht.

Positiv ist, daß wir mit unserer Entrümpelungsaktion ein gutes Stück vorangekommen sind. Es ist noch nicht alles vollbracht, aber ich bin mit dem Erreichten zufrieden.

Aber mal ehrlich: Wie wenig Ansprüche an einen Urlaub kann man denn noch haben?



Sonntag, 25. August 2013

Beulenpest

Bei uns ist die Beulenpest ausgebrochen. Eine ganz schreckliche Sache. Das Monster ist akut davon betroffen.

Da Sally das eine oder andere Mal dahin gepinkelt hat, wo sie nicht hinpinkeln soll, haben wir das Monster bis auf weiteres hilfsweise mit Wolldecken aus unserem Kellerfundus abgedeckt. Die dürften im Fall der Fälle einiges fernhalten und lassen sich auch schnell in die Waschmaschine stecken. Einen Testlauf hat es noch nicht gegeben, da Sally in den letzten Tagen kein Missgeschick mehr unterlaufen ist.

Und dann begann es. Aus heiterem Himmel. Ohne jegliche Vorwarnung. Die ansonsten auf dem Monster glatt gezogenen Decken entwickelten Beulen. Nicht nur so kleine faltige Unebenheiten, sondern mehr oder weniger große Auswölbungen. Beulen eben. Diese Beulen können schon unangenehm sein. Insbesondere dann, wenn man sich draufsetzt oder sich an sie lehnt. Die geben meistens so seltsame Geräusche von sich, wenn das Innere wegen des ausgeübten Drucks zur Seite flutscht.

Es kommt aber auch vor, daß das geheimnisvolle Innenleben einer solchen Beule sehr hartnäckig am Ort verbleibt. Da kann man ruhig mal mit ein oder zwei Händen zugreifen. Oder Dinge darauf ablegen. Ein Buch oder etwas in der Art. Nichts passiert. Gar nichts. Keine Geräusche, keine Bewegungen. Erst nach hartnäckigem Herumkratzen lässt sich dieser Flutscheffekt wieder feststellen.

Hin und wieder kommt es vor, daß sich so eine geheimnisvolle Beule der Länge nach über das Monster bewegt, ohne daß wir etwas getan haben. Unheimlich.

Vor Kurzem ist es mir gelungen, unter Wahrung größtmöglicher Vorsicht in das Innere einer geöffneten Beule hineinzusehen. Da schimmerte etwas Weiß-Graues heraus.Ich hätte es herausquetschen können. Wie bei einem Eiterpickel. Aber ich habe es mir nochmal überlegt.

Es sind schon liebe Beulen, die wir da haben.

Du siehst mich nicht.




Samstag, 24. August 2013

Merk-Würdiges

Es ist spät geworden. In mir regt sich der Wunsch, gewisse Örtlichkeiten aufzusuchen und danach eine Schicht lang Matratzenhorchdienst zu schieben. Also schnell noch Sally mit ihrem Spezialkakao versorgen. Ich tappe schon halb im Nirwana befindlich in die Küche, mache kein Licht an. Die aus dem Wohnzimmer herüberscheinende Helligkeit sollte für mein Vorhaben ausreichen. Der Spezialkakao ist temperaturempfindlich und wird schnell schlecht, also empfiehlt sich die Lagerung im Kühlschrank. Ich hole den Napf mit den Resten, stelle ihn auf die Arbeitsplatte. Dann ein zweiter Griff in die Kälte. Der Mixbecher mit dem Spezialkakaovorrat ist das Objekt meines Begehrens. Deckel auf und schütten; ein guter Schluck soll noch die Reste im Napf auffüllen. Mist!

Merke: Wenn du einen Napf auffüllen willst, dann entferne vorher den darüber befindlichen Silikondeckel.

Nun mache ich doch das Licht in der Küche an. Schöne Schweinerei. Ein ordentlicher Schwall der leicht nach Kakao riechenden aber unter anderem pürierten Fisch enthaltenen Flüssigkeit hat sich auf der Arbeitsplatte ausgebreitet und droht, auf den Boden zu laufen. Ups, zu spät. Sie ist schon auf den Boden gelaufen. Wenn das Zeug zu lange ungekühlt und somit verdorben ist, dann hat sich das feine, unerklärliche Kakao-Aroma aber mal so richtig erledigt. Das Zeug stinkt dann einfach nur noch erbärmlich. Also schön alles ordentlich wegwischen. Auch aus den Ritzen, die sich dankbar als Lagerstätte aufgedrängt hatten. Küchenpapier her und los geht es. So ein Schei$, das war ein mächtiger Schwall. Aufgrund des intensiven Gestanks, den das Zeug nach einiger Zeit verbreitet, ist die zügige und was unsere Wohnung betrifft auch endgültige Entsorgung des vollgesogenen Papiers angesagt. Ich nehme es und will es in der Toilette entsorgen. Einige Blätter wandern in die Öffnung des Throns. Ich ziehe ab und… Mist!

Merke: Küchenpapier ist kein Toilettenpapier. Es zersetzt sich nicht so schnell und kann zum vorübergehenden Verstopfen des Abflusses führen.

Alles nur eine Zeitfrage, irgendwann löst sich das Papier schon auf. Mich plagt aber ein menschliches Rühren. Das ist jetzt eher schlecht. Ich schnappe mir unseren Pömpel und will die Sache beschleunigen. Die Sache im Klo, nicht mein Rühren. So schlimm ist es dann doch nicht mit mir. Aber der Erfolg bleibt aus. In meinem Tran suche ich die zweite Toilette des Hauses auf. Ich werfe wieder ein paar Blatt von dem Küchenpapier in Richtung des wohnungsinternen Zugangs zur Kanalisation. Weniger als vorher. Ein Druck auf das Knöpfchen, Wasser ergießt sich in die Schüssel und… Mist!

Merke: Auch weniger kann noch zu viel sein.

Ich bin mein Papier wenigstens losgeworden. Es wird sich von alleine zersetzen, da muß ich mir keine Sorgen machen. Aber da war ja noch was. Mist!

Merke: Wenn du mußt, dann mußt du. Mache es vorher, so lange es noch nicht zum Dringlichsten in deinem Leben geworden ist.

Also gehe wieder eine Etage höher zurück in Richtung Männerklo. Die Angetraute sagt zwar, daß dieses Klo das Gästeklo ist, aber für mich ist es das Männerklo. Mein Klo. Kein überflüssiger Schnickschnack. Ihr wisst schon, Reduzierung auf das Wesentliche. Ich versuche noch zwei Mal abzuziehen. Endlich, das Papier nimmt den vorgesehenen Weg. Ich schicke noch eine Botschaft hinterher.

Merke: Manchmal sind es die einfachen Dinge, die so befreiend wirken können. Lasse es einfach laufen, wenn du kannst.

Mit spürbarer Erleichterung gehe ich zurück in die Küche und fülle den Napf mit den verbliebenen Resten des Spezialkakaos auf. Kurz in der Mikrowelle anwärmen… Mist! Nein, reingefallen, dieses Mal ist nichts passiert.

Ich halte Sally den Napf hin. Lilly und Marty werden etwas aufdringlich. Sie sind mit ihrer aktuellen Futterauswahl unzufrieden. Pech, morgen früh mache ich eine andere Tüte auf. Bis dahin habt ihr das alte Futter hoffentlich noch gefressen. Also sorge ich dafür, daß die beiden sich von Sally und ihrem Napf fernhalten. Sally ist gerade wieder etwas vertrottelt, ich muß ihr den Napf schon fast unter die Nase halten, damit sie merkt, was ich von ihr will. Ich stehe dabei leicht verrenkt, macht aber nichts. Der von heute Mittag verbliebene Schmerz, der sich einstellte, nachdem ich mich an einer Kiste etwas unglücklich verhoben hatte, lässt sich inzwischen ertragen. Außerdem frisst Sally meistens recht zügig. Mist!

Merke: Wenn du eine senile Katze fütterst, dann rechne mit allem und nichts. Mache es dir dabei ruhig bequem.

Dieses Mal hat Sally alle Zeit der Welt. Entgegen ihrer sonstigen Gewohnheiten lässt sie nicht nur einen Rest im Napf übrig. Nein, sie leckt ihn noch blitze blank. War ja klar. Endlich ist sie fertig. Ich bin es auch.

Unter Berücksichtigung all dieser Merksätze ist das Leben gar nicht mehr so schrecklich, wie man meinen könnte. Ist doch auch mal schön.


Kleine Randbemerkung (2)

Nur noch kurze Zeit, bis es wieder ins LASA geht. Ich habe die Befürchtung, daß es nicht lange dauern wird, bis mein persönlicher Vor-Urlaubszustand wieder erreicht ist. Die Gedankenspirale hat vor einigen Tagen schon wieder an Fahrt zugenommen. Ganz weg war sie nie. Die Nächte werden unruhiger, die Anspannung steigt.

Das kann es doch nicht sein.



Freitag, 23. August 2013

Fusel

Es gibt ja so Situationen, in die man aus Gründen gerät, die einem sowieso kein Mensch glauben würde, wenn man sie denn erzählen könnte. Beim letzten Einkauf geriet ich in so eine Situation. An sich hatte ich nur einen Mini-Einkauf zu erledigen; nicht mehr als drei oder vier Artikel. Da ich nicht alles bekommen hatte, was auf meinem Einkaufszettel so stand, reduziert sich der Wageninhalt, den ich dann an der Kasse auf das Laufband lud, auf ein paar Pakete Nudeln für die stille Reserve im Keller. Und eine Flasche Wodka.

Auf geht es zur Kasse. Der Kassierer war gut drauf, scherzte mit seiner Kundschaft herum. Nun war die Reihe an mir. Wir sagten uns höflich die Tageszeit, Scannen, Zahlen, Wechselgeld einstecken, schönen Tag noch. Routinemäßiges Abarbeiten. Nach mir ging es mit der Scherzerei weiter. Was mag der Mensch an der Kasse von mir gedacht haben? Einkauf fürs Wochenende? Peinlich! Ich habe ohnehin schon ein unbehagliches Gefühl dabei, wenn ich mal irgendetwas Alkoholisches im Einkaufswagen habe. Wein und Sekt geht noch, aber alles anderes ist echt eine Sache für sich. Liegt wohl daran, daß meine Angetraute und ich so gut wie keinen Alkohol trinken. Wein wandert hier höchstens ins Essen, Rum in den Kakao oder Tee und Kirschwasser ins Käsefondue. Aber das wäre es dann auch schon.

Unangenehm.

Aber ob der freundliche Kassierer mir glauben würde, wenn ich ihm erzählt hätte, daß der Wodka von uns als Reinigungsmittel verwendet wird? Interessiert hätte es ihn ohnehin wohl nicht.

Wodka? Reinigungsmittel?

Ja, und das ist alles nur Sallys Schuld. Sie hat jetzt wiederholt auf unser Sofa oder ins Bett gepinkelt.Sie ist eben alt und zeitweise verwirrt.

Um den Rest unserer Bande davon abzuhalten, sich daran ein Beispiel zu nehmen, muß der Urin-Geruch schnellstens wieder verschwinden. Unsere Matratzen sind aber nicht waschbar. Klar, die Bettbezüge wandern sofort in die Waschmaschine, was auch bei den Gegenstücken unseres Monsters, kein Problem darstellt. Aber der Rest… Immerhin ist unser Monster auch auf Basis von normalen Matratzen aufgebaut und kein handelsübliches Sofa. Das minimiert das Risiko einer dauerhaften Schädigung.

Auch nach der Handreinigung der Matratzen bleibt eine Geruchsnote, welche die Katzen zu erkennen vermögen. Ein Übersprühen mit den üblichen Geruchsstoppern bringt da auch nicht viel, die Katzen nehmen immer noch wahr, was sich da einst verteilt hat. Aber es gibt etwas, welches diesen Geruch nicht nur übertüncht, sondern die dafür ursächlichen Enzyme angeblich auch zersetzt. Wodka! Und in der Fuselausführung ist der sogar billiger als speziell zu diesem Zwecke hergestellte Reiniger.

Trotzdem komme ich mir beim Einkauf blöd vor.



Donnerstag, 22. August 2013

Gruß aus der Küche - Tomatensuppe

Den Vorruhestand habe ich erreicht. Seit Ende des letzten Jahres. Ins LASA muß ich noch, aber mein Hobby, das Wargaming bzw. Tabletop liegt seit dem aufgrund einiger misslicher Umstände auf Eis. Und was passiert? Einige Monate lang kann ich relativ entspannt darauf verzichten, doch jetzt holen einige Spieleschmieden zum großen Gegenschlag aus. Sie können nicht auf mich verzichten und versuchen mit allen Mitteln, mich wieder zurückzuholen.

Die sympathischen Herr- und Damenschaften von Freebooter’s Fate locken mit einer neuen Mannschaft. Und alten Piraten. Und jüngeren Piratinnen. Unter dem Titel Kugelhagelerscheint endlich ein einsteigerfreundliches und vor allen Dingen deutschsprachiges Regelwerk für ein historisches Tabletop, welches im 19. Jahrhundert angesiedelt ist. Einer sehr interessanten Epoche für so etwas. Die Herren Bonaparte und Lincoln lassen grüßen. Wenn dem Spieler Modelle im 10 mm-Maßstab genügen, kommt man sehr günstig im Rahmen einer Bestellung in Merry Old England an die eine oder andere Truppe. 150 bis 200 Püppies sollten pro Armee reichen. Die bekommt man für noch nicht mal 50 Pfund Sterling ins Haus geliefert. Weißmetall, kein schnödes Plastik. Da gibt es was zu bemalen. Der Krieg der Sterne geht auch auf der Tischplatte weiter. Mit richtig fetten neuen Raumschiffen. Aber erst im Frühjahr 2014. Zeit genug sich aufzuregen, daß man die jetzt schon erschienenen Modelle noch nicht alle besitzt.

Und ich? Ich will das alles haben. Aber ich habe keine Gegner. Und an neue ranzukommen, ist schwierig. Zumindest für mich. Auch wenn ich die Wege kenne, die mich zum Ziel bringen könnten. Außerdem summiert sich die zu investierende Kohle doch ein wenig. So kommt in mir also beim Betrachten der diversen Foren und Herstellerseiten ein gewisser Unmut hoch.

Haben will. HABEN WILL! HA-BEN-WILL!

Ich werde noch wahnsinnig. Blut muß fließen. Muahahahaaaa!

Aber nicht zu Hause, das gibt hässliche Flecken.

Und so gehe ich in die Küche und bereite eine Tomatensuppe zu. Ist ja farblich – ähnlich. Ich habe ohnehin eine Rotsehschwäche, da stört das dann auch nicht mehr.



Man nehme:

10 – 13 Tomaten durchschnittlicher Größe
½ Liter Weißwein nach eigenem Geschmack
1 Liter Fleischbrühe
250 g durchwachsenen Speck
2 Zwiebeln
2 – 3 Knoblauchzehen
1 Bund Basilikum
1 Bund Petersilie
1 Lorbeerblatt
2 EL Mehl
4 Scheiben Toast
Salz
Zucker
evtl. süße Sahne


Den gewürfelten Speck anbraten. Die ebenfalls gewürfelten Zwiebeln und den zerkleinerten Knoblauch hinzufügen; die Zwiebeln sollten glasig werden.

Die Tomaten enthäuten. Dazu einfach die Tomaten in eine Schüssel geben und mit kochendem Wasser übergießen. Nach einer Minute des Vollbades das Wasser abgießen und die Tomaten sofort mit kaltem Wasser abschrecken. Die Haut löst sich auch ohne vorheriges Anritzen so gut wie von alleine, ansonsten mit einem scharfen Messer etwas nachhelfen. Anschließend die Tomaten würfeln und mit in den Topf geben, das Mehl hinzufügen und gut unterrühren. Alles 5 Minuten andünsten.
Nun das Basilikum und das Lorbeerblatt hinzufügen und die werdende Suppe mit der Fleischbrühe und dem Wein ablöschen. Etwas Salz und Zucker einrieseln lassen. 30 Minuten köcheln lassen.

Nach Zeitablauf die Suppen durch ein Sieb passieren und nochmal mit Salz und Zucker abschmecken.

Je nach Geschmack die Sahne unterrühren. Bei unterschiedlichen Geschmäckern am Tisch lässt sich dies auch noch auf dem Teller nachholen. Ich mag eher die Variante ohne Sahne.

Die Toastscheiben aufrösten und in Würfel schneiden. Diese zusammen mit der Petersilie auf dem Teller zur Suppe hinzufügen.

Als Beilage eignet sich Ciabatta.

Wer mag, kann auf dem Teller auch noch Käsewürfel in der Suppe versenken (nein, ich bin kein Gourmet, deswegen mache ich so was ja auch) oder die Suppe im Topf nach dem Passieren mit Suppennudeln oder Reis aufpeppen.


PS: Beim nächsten Mal koche ich die Tomatenschalen ganz klassisch wieder mit. Das intensiviert den Geschmack weiter und erhöht die Inhaltsstoffe.


Mittwoch, 21. August 2013

Gewohnheitstiere

Katzen sind Gewohnheitstiere. Ob die Menschen, welche bei Ihnen wohnen dürfen, anwesend sind, ist ihnen weitgehend egal, solange ihre Versorgung sichergestellt ist. Nun ja, so ganz egal ist es ihnen auch nicht. Manche Stubentiger begrüßen uns, wenn wir wieder nach Hause kommen, andere nehmen unsere Anwesenheit zumindest zur Kenntnis. Daisy war seinerzeit immer beleidigt, wenn wir sie mal über ein Wochenende alleine ließen, und ignorierte insbesondere die zweitbeste Ehefrau von allen demonstrativ über Stunden. Strafe muß ja schließlich sein.

Schlimmer ist es für die lieben Kleinen, wenn sich in der Wohnung was verändert. Natürlich bemerken sie es sofort, wenn etwas anders als sonst steht. Dies erfordert jedes Mal eine neuerliche, intensive Begutachtung dieses Objekts. Probleme gibt es danach nicht.

Verwirrungszustände

Vor unserem großen Wohnzimmerkratzbaum haben wir für Seniorkatze Sally einen kleinen Zusatzkratzbaum, bestehend aus der Bodenplatte, zwei kleinen Stämmen und zwei versetzten Plattformen aufgebaut, damit sie diesen als Treppe verwenden kann. Mit dem Springen klappt es nicht mehr so richtig. Diese Hilfstreppe stand seit einigen Monaten auf ihrem Platz. Nun haben wir sie umständehalber an die Seite des Kratzbaumes gestellt.

Dies hatte Folgen. Sally fand den Weg nicht mehr, obwohl wir ihr den neuen Platz gezeigt haben. Die Treppe steht ja nicht mal einen Meter weiter seitlich. Aber unsere Seniorkatze wollte unbedingt die ihr bekannte Strecke benutzen. Und zur Not springen. Sie setzte an, machte einen Satz und… konnte sich nur mit ihren Vorderpfoten an der unteren Plattform des großen Kratzbaumes festhalten. So hing sie da, wusste nicht mehr vor noch zurück. Kein Schreien, kein Zappeln. Wir konnten die in ihrem Kopf arbeitenden Zahnräder förmlich quietschen hören.  Meine Angetraute hob Sally dann auf den Kratzbaum, zeigte ihr aber gleich den Weg nach unten – und zwar über die Treppe. Doch auch hier wollte man nicht so richtig ran; lieber wählte unser altes Tuttelchen den Weg des kontrollierten Absturzes.

Doch Beständigkeit führt auch zum Ziel. Nach zwei Tagen des Übens hat Sally dann auch den neuen Weg gefunden und ihn sich gemerkt. Sie benutzt ihn nun regelmäßig.



Dienstag, 20. August 2013

Entspannen

Rajiv ist über die Zustände im Büro weitgehend im Bilde. Er empfiehlt, nach Feierabend mindestens dreimal pro Woche ein Ausdauertraining zum Stressabbau einzulegen. Dazu bietet sich ein Besuch im Sporttempel natürlich an. Allerdings habe ich da sowohl ein logistisches Problem als auch eines mit dem inneren Schweinehund. Dazu käme dann noch das heiße Wetter und ein zur Zeit nicht voll belastbarer Fuß. Schlechte Voraussetzungen.

Bei passender Gelegenheit habe ich mich mit Frl. Hasenclever dahingehend ausgetauscht, denn sie kündigte ihren Vertrag mit dem Fitnessstudio, weil auch sie keinen Nerv mehr hatte, dort nach Feierabend aufzuschlagen. Nötig hätte sie es schon – zumindest was die Stressbewältigung angeht.

Wir haben für unser Stressbewältigungsproblem schließlich eine Lösung gefunden, die uns beide nahezu begeistert. Im Farbfernsehen ist mir vor Urzeiten mal ein Bericht untergekommen, in dem ein Schrotthändler gegen eine Gebühr Autowracks zur Verfügung stellt, an denen sich Gestresste mit Hilfe eines Vorschlaghammers genüsslich austoben können. Ja, das würden wir beide gerne mal machen und haben diesen Wunsch auch bei den Kollegen anklingen lassen.

Bedauernswerter Weise haben wir bislang keinen Schrotthändler gefunden, der uns entsprechende Autowracks günstig bis in die LASA-Tiefgarage liefert. Und dreimal wöchentlich wird das auf Dauer auch ziemlich teuer. Obwohl – es stehen dort genügend andere Autos herum…

Es ist jedenfalls beeindruckend zu sehen, welch nervösen Blick manche Kollegen aufsetzen, wenn Frl. Hasenclever und ich wieder anfangen, von unserem dringlichen und vor allen Dingen akuten Bedürfnis nach Stressabbau zu reden.



Montag, 19. August 2013

47 Minuten

An und für sich mag ich es, wenn gegrillt wird. Sehr gerne sogar. Das ist bei Männern einfach so genetisch festgelegt. Früher stand ich auch mit Leidenschaft selbst am Grill, in der Zwischenzeit hat sich das aber gelegt. Warum das so ist, kann ich nicht mal sagen. Möglicherweise fehlt mir einfach die Geduld. Obwohl Grillen ja schon eine Sache ist, die sich idealerweise über einen längeren Zeitraum hinziehen sollte. Und als Beisitzer werde ich nicht unruhig, wenn es länger dauert. Nein, das muß ja sogar so sein. Ein Grillabend ist eine abendfüllende Veranstaltung, die sich über einige Stunden hinzuziehen hat.

Nun habe ich mit dem Grillen auch so meine liebe Not. Richtig Grillen ist ja an sich das, was man mit Holzkohlenglut macht. Gas lasse ich auch so durchgehen, alles andere ist zwar auch machbar, aber die Atmosphäre stimmt nicht mehr. Grillen ist auf jeden Fall, wenn es riecht. Duftet. Oder auch stinkt, wie Randgruppen unserer Gesellschaft sagen würden. Unsere Nachbarn, die Knutsens, haben so etwas mal intensives Kochen genannt. War aber nicht böse gemeint.

Wenn wir auf der heimischen Terrasse grillen, stehe ich meistens wieder unter Strom und bin zum Leidwesen meiner Angetrauten durchaus auch latent aggressiv. Das hängt natürlich wieder mit der Phobie zusammen. Ich rechne jederzeit damit, daß irgendein Nachbar kommt und sich beschwert. Dummerweise ist die Rechtsprechung hierzulande in dieser ungemein wichtigen Frage des heimischen Outdoor-Grillens ausgesprochen uneinheitlich, so daß ich mich ja noch nicht mal im Recht oder im Unrecht wähnen kann, falls der Fall der Fälle mal eintreten sollte.

Am ehesten komme ich damit noch zurecht wenn ich weiß, daß die über uns wohnenden Knutsens nicht zu Hause sind. Und die in den schlauen Ratgebersendungen immer wieder aufgeführte absichernde Maßnahme, Nachbarn zum Grillen einzuladen, halte ich für ausnehmend wirklichkeitsfremd. So groß ist unsere Terrasse ja gar nicht, als daß wir alle potentiellen Kandidaten, bei denen sich eine Möglichkeit der Verärgerung wegen einer Geruchsbelästigung vermuten ließe, zu uns bitten könnten. Diese potentielle Vermutung würde sich dabei jedenfalls nur aus der räumlichen Nähe ergeben, nicht jedoch aus Erfahrungen. Gemeckert hat noch nie jemand.

Das für mich entspannteste Grillen findet daher immer dann statt, wenn wir woanders eingeladen sind. Aber auch hier gibt es eine Ausnahme: meine Schwiegereltern. Wenn das Telefon klingelt oder eine SMS eintrifft, welche das Ansinnen verbreitet, daß man uns zum Grillen einzuladen gedenkt, überlegen sowohl die zweitbeste Ehefrau von allen als auch ich, ob wir nicht am fraglichen Tag vorausschauend unpässlich sind oder anderweitige Dinge zu tun haben.

Denn Entspannung gibt es nicht, wenn mein Schwiegervater am Grill steht. Es soll früher mal anders gewesen sein, wenn ich den Bekundungen meiner Angetrauten Glauben schenken darf. Und ich habe noch keine Veranlassung gefunden, daran zu zweifeln.

Mein Schwiegervater gehört zu den Menschen, welche den Grill beladen bis zum Rand. Sobald die erste Charge Grillgut fertig ist, wandert sie auf einen Teller, von welchem aus man sich bedienen kann. Während der Plünderung des Tellers liegt bereits die zweite Charge auf dem Grillrost. Und schon fängt mein Schwiegervater an zu quengeln, daß der Teller nicht leer ist, er müsse Platz haben für die nächste Runde fertiger Fleischmassen.

Ich bin bestimmt kein langsamer Esser, aber so funktioniert das einfach nicht. Die Hektik macht keinen Spaß. Einfach weil ich es wissen wollte habe ich mal bei so einem Grillabend heimlich die Zeit genommen. Ich startete die Messung beim Anwerfen des Gasgrills und stoppte, nachdem der Tisch wieder abgeräumt war und das dreckige Geschirr in der Küche stand.

Und ich war erschüttert.

47 Minuten!


Sonntag, 18. August 2013

Schreck in der Abendstunde

Meine Angetraute und ich saßen abends auf dem Sofa. Smilla hing am Stamm unseres höchsten Kratzbaumes, Marty begann, seine tollen fünf Minuten zu bekommen, während Lilly ihr Köpfchen wiederholt gegen meine Hand stieß. Sie macht dies meistens, wenn sie um die Erlaubnis bettelt, sich an mich zu kuscheln. Das Betteln ist zwar nicht erforderlich, aber irgendwann hat sie es sich mal so angewöhnt. Blöderweise macht sie dies auch so, wenn ich schon im Bett bin. Nun ja, nicht ganz so schlimm. Ich streiche ihr ein- oder zweimal über den Rücken, dann ist alles geklärt und sie legt sich fest an mich gepresst hin.

Ich nahm den Blick der zweitbesten Ehefrau von allen auf. Er wirkte etwas verstört und lief knapp über meiner Schulter an mir vorbei. Sally lag wie so oft in meiner Kopfhöhe auf der Rückenlehne unseres Monsters. Mein Blick streifte sie nun. Es war sehr merkwürdig, wie das alte Tuttelchen da lag. Irgendwie untypisch, seltsam verdreht. Sie wird doch nicht… Sie hat ja schließlich ihr Alter erreicht und ist nicht mehr auf der Höhe.

Viererbande auf Monster

Ich fasste sie kurz an, doch Sally reagierte nicht. Ich strich ihr mit dem Fingers seitlich den Hals entlang. Weiterhin keine Reaktion. Meine Bewegungen wurden schneller und fester. Plötzlich ruckte ihr Kopf nach oben, begleitet von einem verärgerten Krächzen. Sally sah verstört durch die Gegend. Sie braucht zwischenzeitlich etwas länger, um sich nach einer Schlafphase zu orientieren.

Boah, Katze, lege dich gefälligst nie wieder so seltsam hin.


Samstag, 17. August 2013

Ich bin so angepisst

Hatte ich nicht gestern gesagt, daß es ein schrecklicher Tag wird? Ich hatte es gesagt. Ganz bestimmt hatte ich es gesagt. Es sind ja die bösen Vorahnungen, die dazu neigen, in Erfüllung zu gehen. Spulen wir mal alles zurück auf Anfang.

Der Tag dämmert irgendwie so dahin. Wir haben wieder etwas hin und her geräumt, aber insgesamt hielt sich das in Grenzen. Zwischenzeitlich hat sich im Keller ein Wäscheberg angesammelt, welcher meiner Beachtung harrt. Ist was für Samstag.

Außerdem stehen jetzt da unten zahlreiche leere Kartons herum. Es sind schon besondere Kartons mit einem praktischen Klappdeckel. Die fielen früher im Büro an und sollten weggeworfen werden. Viel zu schade, die habe ich eingesackt und hier verwendet. Der Inhalt wurde inzwischen neu verteilt oder entsorgt. Das war ja auch das Ziel unserer Aktion. Nun harren die Kartons auf weitere Nutzung. Aber erst, wenn im Keller aufgeräumt wird. So lange sind sie im Weg. Das nervt mich jetzt schon ganz gewaltig, ist aber nicht zu ändern. Wegwerfen und bei Gelegenheit neue mitbringen klappt nicht, denn diese Kartons gibt es heute im LASA nicht mehr.

Abends nutze ich die Gelegenheit der Abwesenheit der zweitbesten Ehefrau von allen, mir einen Film anzusehen, den ich zuvor aufgenommen hatte. Natürlich kam zum Zeitpunkt der Aufnahme parallel im anderen Programm ein ebenfalls für mich interessanter Film. Beide auf Festplatte bannen war nicht möglich. Ich habe offensichtlich dem falschen Film den Vorzug gegeben. Den langweiligeren von beiden. Ich kenne den anderen nicht, aber so ein Blödsinn kann das gar nicht gewesen sein.

Zwischendurch ruft Herr Graumann mal wieder an. Männer halten es am Telefon ja immer kurz und knackig. Es ist eine Gabe der Männer, mit wenigen Worten viel auszudrücken. Und komplexe Situationen auf eben diese wenigen Worte zu reduzieren. Deswegen dauern Männergespräche ja auch nie so lange. Stunden später waren wir fertig. Das bedeutet, daß wir Inhalte mit dem Datenvolumen einer mittelgroßen externen Festplatte ausgetauscht haben müssen. So im übertragenen Sinn natürlich.

Die zweitbeste Ehefrau von allen ist mittlerweile zu Hause. Ein seltenes Familienidyll ist zu beobachten. Für einige Zeit sind tatsächlich mal wir Beide und die komplette Katzenbande im Wohnzimmer vereint. Kommt nicht so oft vor, irgend jemand fehlt ansonsten immer. Ich beende das Familienidyll und verschwinde in mein Schlafzimmer, wo die Koje auf mich wartet.

Sally kommt nach, wartet, bis ich mich mit einem Bettlaken zugedeckt habe; für ein ordentliches Oberbett ist es mir immer noch zu warm. Dann springt sie auf das Bett und sucht ihren Stammplatz an meinem angewinkelten Bein auf. Ich mache das Licht aus. Nur Augenblicke später wird Sally unruhig. Keine Ahnung, was die wieder hat. Noch nicht. Sie gibt einen kurzen Laut des Jammerns von sich. Dann höre ich ein leises Plätschern. Sie wird doch jetzt nicht wirklich… doch, mir wird es warm und feucht im Schritt. Und das kommt nicht von mir. Jetzt weiß ich, wie es sich anfühlt, wenn man angepisst ist. Hoffentlich war das nur ein Missgeschick und nicht ein weiterer Schritt in Richtung Demenz.

Also aufstehen, Eigenreinigung vornehmen, das Bett abziehen während meine Angetraute der Katze nochmal das Klo zeigt, dann die Klamotten in Empfang nimmt um sie direkt in die Wäsche geben, bevor sich der Rest der Katzenbande dazu animiert fühlt, das neue Katzenklo auch auszuprobieren. Die Matratze erhält eine erste Reinigung und wird vorsorglich mit irgendeinem duftenden Anti-Duftzeug eingesprüht. Hauptsache, die Katzenbande riecht das nicht mehr.

Jetzt muß die Matratze erst mal trocknen. Also nächtige ich auf dem Sofa. Die zweitbeste Ehefrau von allen bleibt noch etwas auf. Mich stört es nicht weiter. Ich entferne das Rückenpolster unseres Monsters. Sally beobachtet das alles vom Kratzbaum aus.

Es ist dunkel im Wohnzimmer. Die zweitbeste Ehefrau von allen hat sich in ihr Zimmer zurückgezogen und schläft.

Ich schlafe nicht. Sally jammerte herum. Ihr fehlt das Rückenpolster. Wenn sie nicht auf dem Kratzbaum oder im Bett ist, schläft sie immer genau auf diesem fehlenden Polster. Pech! Sie hätte mich ja nicht anpissen müssen. Irgendwann gibt sie auf und klettert wieder auf ihren Kratzbaum. Auf mir will sie nicht schlafen, denn sie mag die Wolldecke nicht, unter der ich jetzt liege. Katzenkind, die verwende ich mit Absicht. Denke mal darüber nach, warum das so sein könnte.

Marty findet die Situation ganz toll. Das Muskelgebirge kämpft sich irgendwie einen Platz an meiner Seite frei und rückt mich so zurecht, daß er gemütlich liegen kann.

Ich kann immer noch nicht richtig schlafen. Das Monster ist für so etwas nicht ausgelegt. Es fehlt einfach an einem ordentlichen Lattenrost. Oder besser: Es fehlt überhaupt an einem Lattenrost.

Nach zwei Stunden trampelt Sally auf mir herum. Sie sucht wieder das Rückenpolster. Marty ist inzwischen verschwunden. Ich erbarme mich und setze einen Teil des Polsters wieder ein. Sally gibt Ruhe. Ich stehe auf, bin total gerädert.

Gleich gehe ich einkaufen. Und wehe, mir kommt jemand blöd.

Ich bin angepisst.



Freitag, 16. August 2013

Eskapaden

Wie ich bereits erwähnt habe nutzen wir meinen aktuellen Urlaub, um unsere Wohnung gnadenlos zu entrümpeln. Im Laufe der Jahre fallen ja immer wieder so unendlich viele Dinge an, die man nicht oder nicht mehr benötigt, aber die eigentlich zu schade zum Wegwerfen sind. Da die Größe unserer Wohnung und damit das Volumen der Aufbewahrungsmöglichen begrenzt sind, war es einfach mal dringend nötig, entsprechend aktiv zu werden.

Es läuft nicht ganz so schnell wie erhofft, da die zweitbeste Ehefrau von allen an Nachmittagen meistens nicht zum häuslichen Schuften zur Verfügung steht, sondern sich auf ihre Trainer-Prüfung vorbereiten muß. Und dann sind da ja noch einige Abende und Samstage, die ebenfalls wegen Trainings oder Unterricht ausfallen. Und alleine komme ich hier nicht so gut weiter, weil ich die Einordnung, ob verschiedene Dinge als Gerümpel oder aufbewahrungswürdiges Zeug gelten, nicht vornehmen kann. Es handelt sich in der Masse nämlich um die Dinge meiner Angetrauten. Die Hoffnung, daß wir in diesem Urlaub noch bis in den Keller oder gar in den Keller-Keller vordringen, dürfte sich erledigt haben.

Alles Wegwerfenswürdige wird zur Zeit in Müllbeuteln gesammelt, auf der Terrasse zwischengeparkt und später weitgehend sachgerecht entsorgt.

Vorgestern um Mitternacht fing ein Wecker an, auf der Terrasse herumzubrüllen. Ich war schon in der Koje, während die zweitbeste Ehefrau von allen die Terrasse stürmte und versuchte, die Quelle des Geräusches zu lokalisieren. Es gelang ihr, eine ungefähre Eingrenzung vorzunehmen, als der Wecker auch schon aufgab. Es wurde meine Aufgabe, das Lärminstrument am nächsten Tag ausfindig zu machen.

So begab ich mich, als die Sonne wieder den Horizont erklommen hatte, an das Werk und durchwühlte Mülltüten. Da fand sich schon so manch ein Gegenstand, welcher von mir als tatverdächtig eingestuft werden konnte.  Ich legte die diversen Gerätschaften raus, entfernte die Energiequellen und packte dann alles wieder in einen der Säcke zurück. Nun hieß es abwarten.

Da meine Angetraute an diesem Nachmittag und Abend wieder aushäusig sein würde, wollte ich Mitternacht abwarten, um für den Fall der Fälle, daß ich das Lärminstrument nun doch nicht erwischt haben sollte, bereitzustehen, den passenden Müllsack zu lokalisieren und reinzuholen. Ich hatte die Säcke extra zu diesem Zweck auf der Terrasse passend griffbereit angeordnet.

Wie sich der Leser vielleicht erinnert, bin ich ein Frühaufsteher. Und wenn ich nicht früh aufstehe, bin ich zumindest früh wach. Meine Schlafenszeit dauert im Normalfall von 22.00 Uhr bis 3.00 Uhr. Da ist Mitternacht schon eine Ansage. Dankenswerterweise kam meine Angetraute deutlich vor Mitternacht wieder nach Hause, so daß ich nicht so lange durchhalten musste und fast komatös ins Bett fallen konnte. Die fehlende Viertelstunde wollte ich nicht mehr durchhalten

Natürlich fing der geheimnisvolle Wecker um Mitternacht wieder an, sein schändliches Werk zu betreiben. Ich konnte hören, wie meine Angetraute sich um die missliche Angelegenheit kümmerte, aber danach war es mit meiner Einschlafphase erst mal vorbei. Egal, ich habe Urlaub und muß nicht früh raus.

Immerhin hat es mein Körper damit gedankt, bis 5.00 Uhr geschlafen zu haben, danach war wieder alles vorbei. Mein Soll von fünf Stunden Schlaf habe ich aber grandios verfehlt. Ich blieb noch im Bett liegen, doch mein persönlicher Rhythmus war total durcheinander. Der Tag wird schrecklich werden, das steht fest.

Ich bin nicht mehr tauglich für solche jugendlichen Eskapaden.

Mitternacht? Pah. 



Donnerstag, 15. August 2013

Blitzmeldung: ein neuer Heldeneinsatz des SSB

Urlaub. Immer noch. Dies ist der entscheidende Grund, warum ich noch nicht im Bett den Schlaf des überwiegend Gerechten gesucht hatte, als die zweitbeste Ehefrau von allen nach hartem Training wieder die heimische Wohnung erreichte. Zeitnah suchte sie nach langer Heimfahrt die sanitären Anlagen auf. Es dauerte nur Sekunden, als ein Hilferuf ertönte. Ein dringender Hilferuf.

Ich wusste, daß WC-Papier in ausreichenden Mengen vorhanden war. Damit gab es nur noch eine Möglichkeit, aus welchen Gründen ein derartig verzweifelter Ruf durch die Wohnung schallte. Eine Frage, wie viele Beine die Ursache des Beistandsersuchens hatte war entbehrlich. Sofort sprang ich vom Sofa hoch, stieg in meinen SSB-Anzug und stürmte vollkommen selbstlos den Porzellanpalast der Angetrauten. Ein Blick klärte die Situation. Es handelte sich nicht um einen der üblichen daumennagelgroßen Arachniden, auch nicht um die unlängst beim Aufräumen aufgegriffene etwas größere Ausgabe, sondern um eine wirkliche fette, über alle Beine gesehen handtellergroße Spinne.

Alleine mit etwas zusammengeknülltem Toilettenpapier bewaffnet führte ich als SSB direkt und ohne Vorwarnung den entscheidenden Schlag. Das folgende Geräusch des zerberstenden Exoskeletts  zeugte von dem Drama, welches sich abspielte. Die sterblichen Überreste des heimtückischen Eindringlings fanden ihr nasses Grab.

Und wieder hat der strahlende Held die zweitbeste Ehefrau von allen vor einem der zahllosen Übel dieser Welt gerettet…

…und anschließend ein ernstes Gespräch mit der Katzenbande geführt.

Sally: versagt
Lilly: versagt
Marty: versagt
Smilla: versagt

Wozu füttern wir euch eigentlich hier durch?



Gruß aus der Küche - Champignonschnitzel

Heute wird mal wieder die Rubrik Schnelle Küche bedient.

Benötigt werden:

4 Schnitzel (Geflügel oder Schwein)
400 g frische Champignons
¼ l süße Sahne
Gemüsesuppenwürfel oder -konzentrat für 1 Liter Flüssigkeit
½ Flasche Weißwein (trocken oder halbtrocken)
Pfeffer, Salz, Paprikapulver, Mehl



Die Schnitzel pfeffern und salzen, dann in Mehl wenden. In der Pfanne knusprig anbraten und warm stellen.

Die Champignons mundgerecht schneiden und in der Pfanne, in welcher zuvor die Schnitzel zubereitet wurden, anbraten. Mit dem Wein und der Sahne ablöschen. Den Gemüsesuppenwürfel oder das Konzentrat hinzugeben. Nicht mit Wasser auffüllen, die Flüssigkeitsmenge ist ausreichend.

Wer es etwas sämiger mag, kann die Sauce mit Saucenbinder andicken.

Anschließend mit Salz, Pfeffer und Paprikapulver abschmecken und auf den Tellern über die Schnitzel geben. Dazu gibt es Kroketten.

Die Sauce schmeckt auch hervorragend ohne Fleischbeilage zu Nudeln.




Mittwoch, 14. August 2013

Wagnisse

Mandy und Nadja, ebenfalls eine Sachbearbeiterin im LASA und Mitglied des büroeigenen Raucherclubs, holen sich mittags immer Essen von einem der im Umfeld unserer Außenstelle befindlichen Anbieter mehr oder weniger, tendentiell eher Letztere, gehobenen Gastronomie. Früher nannten wir so etwas ja gerne „Essen zum Mitnehmen“ oder „Essen auf die Hand“, heute kommt das alles aus Togo. To go eben. Ja, das war ein Flachwitz, ich weiß.

Ich finde es immer wieder sehr interessant, wer von meinen Kollegen alles das nötige Kleingeld hat, um sich sowohl morgens regelmäßig belegte Brötchen vom Bäcker mitzunehmen, als auch mittags noch Essen von außerhalb zu besorgen. Ist ja nicht so ganz billig, oder?! Eine Kantine haben wir nicht, also ist Selbstversorgung angesagt.

Da ich weder alleinlebender Berufsanfänger mit Steuerklasse 1 noch alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern oder gar alleinverdienender Familienvater mit noch abzuzahlendem freistehenden Haus bin, kann ich mir das nicht leisten. Bei mir gibt es regelmäßig morgens und mittags Butterbrote, hin und wieder auch mal Haferflocken oder Zwieback in Milch, mal etwas Obst – wenn es gerade nicht wieder wetterbedingt vorzeitig verschimmelt ist – oder eine dieser Chinanudelgerichte, die man nur mit heißen Wasser aufgießen muß, vier Tüten zu 99 Cent im Angebot bei Feinkost Albrecht. Oder es gibt auch gar nichts, bis ich wieder zu Hause bin. Das ist immer dann der Fall, wenn ich Butterbrote so überhaupt nicht mehr sehen kann.

Heute sollte es Mandy und Nadja zum örtlichen Schnellwok führen. Ein Schnellwok ist die pseudo-chinesische Variation einer deutschen Pommesbude oder eines türkischen Dönerladens. Die Auswahl ist schon reichlich, die Qualität einer Imbissbude entsprechend angemessen. Was für mich durchaus ok ist.

Karla wurde gefragt, ob man ihr etwas mitbringen solle, weil auch sie regelmäßig Essen von auswärts zu sich nimmt.

Karla war erfreut. „Dann hätte ich gerne gebratene Nudeln mit Huhn.“

Wenig überraschend. Sie nimmt immer gebratene Nudeln mit Huhn, wenn es zum Chinesen geht.

„Willst du nicht mal was anderes probieren. Die haben doch so eine große Auswahl auf dem Zettel.“

„Nein, will ich nicht. Das ist mir zu gewagt.“

Ich komme jetzt nicht daran vorbei, an die alte Redensart zu denken, die da lautet: „Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht.“ 


Montag, 12. August 2013

Ökonomie ist alles

Wir saßen in einem Park auf einer Bank. In der Nähe befand sich ein Ausflugslokal, daran angeschlossen ein kleines Fahrgeschäft mit kindgerechten Elektromobilen. Man musste eine Münze einwerfen, und schon konnten die Kleinen Nachwuchsautofahrer auf der durch Holzbanden abgeriegelten Betonfläche ihre Kreise ziehen.

Ein junger Vater beaufsichtigte seine kleine Tochter bei ihrem Treiben. Das Elektromobil schien wie für sie gemacht. Immer und immer wieder fand eine Münze ihren Weg durch den kleinen Schlitz und ließ die Zeituhr ihr Werk wieder von vorne beginnen. Die Kleine quietschte vor Vergnügen.

„Papa, noch eiiiinmal fahren.“

„Na gut, einmal darfst du noch.“ Und schon verschwand die nächste Münze.

„Papaaa, noch eiiiiiiiiinmal.“

„Wir müssen aber so langsam weiter, die Mama wartet doch auf uns.“

„Nur noch eiiiiiiiiiinmal fahren. Bittebittebittebitte.“

Väter neigen dazu, von ihren Töchtern um den Finger gewickelt zu werden. Auch dieser Vater machte da keine Ausnahme. Eine weitere Münze wurde versenkt.

„Papa, nochmal. Nur noch ein einziges Mal.“

„Das geht jetzt aber nicht mehr.“

„Warum nicht? Noch eiiiiiiiiiinmal. Dann können wir auch nach Hause gehen. Aber noch eiiiiiiiiiinmal.“

„Nein, der Papa hat kein Geld mehr.“

„Mönsch. Noch einmal. Bitte. Wo ist denn das ganze Geld?“

„Das haben wir alles in deinen Wagen gesteckt, damit du fahren kannst. Jetzt ist es alle.“

Doch das Fräulein Tochter hatte eine Idee:

„Papa, dann kauf doch einfach neues Geld.“



Sonntag, 11. August 2013

Das liebe Alter

Damals, als meine Mutter mich noch ausgesprochen gerne in eine dieser furchtbaren Seppl-Hosen gesteckt hat und ich machtlos dagegen war, wurde mein Geburtstag auch noch gefeiert. Heute bin ich ja ganz weit weg von derartigem Unfug. Also von dem Feiern meines Geburtstages. Und auch von den Seppl-Hosen. Quasi von beiden dieser schrecklichen Dinge. Hat schon mal jemand versucht, mit einer Seppl-Hose eine Rutsche zu benutzen? Na, Erkenntnisgewinn? Und so ist das mit Geburtstagen auch. Zumindest für mich. Geht so überhaupt nicht. Dabei habe ich kein Problem damit, älter zu werden. Zumindest nicht, so lange ich im Sporttempel nicht mit dem Trainingsprogramm für Senioren versorgt werde. Ist aber ein anderes Thema. Eigentlich kokettiere ich auch ganz gerne damit, so steinalt zu sein. Aber ich habe ja auch kein Problem mit meinen grauen Haaren. Himmel, was bin ich untypisch für unsere Gesellschaft…

Sei es drum, wir bewegen uns wieder zurück in die Seppl-Hosen-Zeit. Im Kindergarten wurden Geburtstage natürlich auch gefeiert. Das Geburtstagskind setzte sich auf einen Stuhl, die anderen Kinder bauten sich ihrerseits auf Stühlen in einem Halbkreis gegenüber auf. Danach schlugen die Nachwuchsmusiker irgendwie vollkommen disharmonisch  auf vorhandene LärmMusikinstrumente ein, zupften wahlweise an denselben oder anderen herum, bliesen auch mal in dafür vermutlich vorgesehene Öffnungen und krähten währenddessen – zumindest so lange sie nicht in irgendwelche Gerätschaften gepustet haben - ein Geburtstagslied. Hatte das Geburtstagskind diesen frühkindlichen Akt menschlicher Grausamkeit weitgehend schadlos und vermutlich doch mit einer gewissen Begeisterung überstanden, wurde es gefragt, wie alt es denn geworden sei und verteilte nach brav verkündeter und zumeist zutreffender Antwort mitgebrachte Süßigkeiten. Traditionell handelte es sich dabei um Kirsch-Lutscher. Die hatten einen zartgrünen Stiel und einen roten, kirschgroßen Kopf. Heute sehe ich die auch noch ganz selten mal in irgendwelchen Geschäften. Wie es danach im Kindergarten weiterging, weiß ich nicht mehr.  Zu Hause wurde natürlich auch noch mal gefeiert.

Was mich immer etwas gestört hat war der Umstand, daß mein damaliger Kindergartenfreund Holger älter war als ich. Da er in dem Jahr vor mir zur Welt gekommen ist, war er wohl sogar schon bemerkenswert alt. Damals war es ja noch ein erstrebenswertes Ziel, älter zu sein. Nun, dieses einstige Ziel habe ich zwischenzeitlich auch erreicht, wenn ich mir mein betriebliches und überwiegend auch persönliches, außerfamiliäres Umfeld so ansehe. Abgesehen von Herrn Graumann natürlich, denn der ist ja mal richtig alt… Er geht schon auf die Sechzig zu. Was jetzt aber mein Problem mit Holger nicht löste, denn Herrn Graumann kannte ich seinerzeit noch nicht. Und selbst wenn, dann hätte das wohl auch nichts geändert.

Irgendwann warteten Holger und ich auf der kleinen Plattform vor dem Eingang zum Kindergarten darauf, daß man die Tür aufschließen würde. Da hatte ich die Eingebung, deren Umsetzung mein Problem lösen sollte. Ich erklärte Holger, daß ich zwischenzeitlich älter sei als er! Genau! Einfach so! Meinen ausrufungszeichenvollen Blick erwiderte Holger mit einem fragezeichenüberströmten Gesichtsausdruck. Er überlegte und kam schließlich zu der Erkenntnis, daß dies ja gar nicht sein könne. Natürlich wollte ich wissen, warum.

Nun, die Sache war ganz einfach: Dann hätte ich ja zwischenzeitlich häufiger Geburtstag feiern müssen. Das aber hätte ich nicht getan, also könne ich gar nicht älter geworden sein. Selbstverständlich hatte ich die passende Antwort parat. Meine Geburtstage habe ich eben heimlich gefeiert. Auch damit konnte Holger sich  nicht anfreunden, denn man könne seine Geburtstage gar nicht heimlich feiern. Das sei eben so. Und weil man das nicht kann, wäre ich eben auch nicht älter als er. Gegen diese Argumentation kam ich dann auch nicht mehr an und gab auf.

Doofer Holger.



Samstag, 10. August 2013

Das Paket

Es klingelt an der Tür. Ich bin alleine zu Hause, also muß ich hin, obwohl ich gerade etwas fußlahm nur humpeln kann. Gerne mache ich aus den bekannten Gründen ohnehin nicht auf, aber wenn die zweitbeste Ehefrau von allen Pakete erwartet, kann ich mich nicht davor drücken. Außerdem hat sie die Wohnung erst vor ein paar Minuten verlassen. Es könnte durchaus sein, daß meine Angetraute was vergessen hat - inklusive ihrer Schlüssel.

Also rappel ich mich hoch und humple unter erheblichen Schmerzen in die Diele. Ich schaue durch den Türspion und sehe tatsächlich einen Paketboten. Sogar zwei. Ich öffne, einer der jungen Burschen kommt mit einem riesigen Paket ins Treppenhaus. Ich soll es annehmen. Klar, mache ich.

Moment, wieso fragt der mich jetzt, wer ich denn überhaupt sei und will meinen Namen wissen? Sollte er nicht wissen, wo er geklingelt hat? Ich schaue auf den Adressaufkleber. Na klar, das Paket ist für unsere Nachbarn im zweiten Stock. Hatte da jemand keinen Bock, das noch nicht mal besonders schwere aber doch voluminöse Paket die Treppe raufzuschleppen?

Ich nehme das Paket an und stelle es an passender Stelle im Treppenhaus ab, da ich weiß, daß im zweiten Stock niemand anwesend ist. Aber geklingelt hat der Bursche oben nicht, das hätte ich gehört.

Mistbande.


Freitag, 9. August 2013

Urlaub 2013 - Polterabend gefällig?

Wenn man mich so sieht käme man als unbefangener Beobachter gar nicht darauf, daß ich nicht lange still herumsitzen kann. Gut, still geht schon, ich bin nicht übertrieben gesprächig. Aber einfach nur sitzen und nichts tun klappt eher selten. Nur in Ausnahmefällen mal, so wie am Tag 1. Also kann ich auch einfach keinen Urlaub verbringen, ohne etwas Sinnvolles in der Zeit gemacht zu haben. Und wenn es dann doch mal mit dem Nichtstun geklappt hat, bin ich am Ende ausnehmend unzufrieden. Verschwendete Zeit.

Natürlich schaffe ich nie alles, was ich mir vorgenommen habe. Neben den ganzen üblichen geplanten sinnvollen Vorhaben stand auf meinem Plan auch, mich endlich mit dem von mir so geschätzten PC-Spiel Civilization IVzu beschäftigen. In den Monaten vor dem Urlaub bin ich über das Tutorial noch nicht hinausgekommen. Alles eine Zeitfrage. Und natürlich gehört das Spiel nicht in die Abteilung sinnvolle Dinge. Aber ich habe ja noch Zeit. Und unendlich viele ungesehene DVDs. Und Bücher. Und… Ja, ich merke schon, drei Wochen Urlaub sind zu wenig, ich sollte so langsam an den Ruhestand denken, um hier mal nacharbeiten zu können.

Aber das wollte ich eigentlich alles gar nicht schreiben.

Die diesjährige Urlaubsaktion beinhaltet das Entrümpeln der heimischen Wohnung. Es gibt ja durchaus verschiedene Möglichkeiten, sich Platz zu schaffen. Eine alte Lebensweisheit besagt, daß drei Mal umgezogen ungefähr so ist wie zwei Mal abgebrannt. Legt mich nicht auf die Verhältniswerte in dem Spruch fest, es geht um den Sinngehalt.

Umziehen ist aber keine Option, ich würde hier schon ganz gerne noch eine Zeit lang wohnen bleiben.

Also zieht Plan B, und der besagt: sichten was herumliegt und dann konsequent (!) aussortieren. Und wegschmeißen. Komme mir keiner mit Flohmärkten, Nachbarschaftshilfen und I-bäääh-Auktionen. Auf Flohmärkten habe ich zu viel Kontakt zu anderen Menschen. Will ich nicht haben. Echt nicht. Als bekennender Soziophobiker erst recht nicht. Und der Aufwand ist mir zu hoch. Wenn jemand regelmäßig auf einen Flohmarkt geht, kann er meine Sachen gerne geschenkt bekommen und versuchen, für sich noch Geld rauszuschlagen. Ich gehe da nicht hin. Habe ich als Jugendlicher mal gemacht. Die Erfahrung hat mir fürs Leben gereicht.  

Mit der Nachbarschaftshilfe habe ich auch keine positiven Erfahrungen. Ich hatte mal umzugsbedingt einen erst wenige Jahre alten Schrank abzugeben. Es gab niemanden, der ihn gebrauchen konnte. Für den Sperrmüll war der viel zu schade und ich hätte ihn auch verschenkt. Aber eben nicht weggeworfen. Also melden bei der Nachbarschaftshilfe. Und was ist? Die wollten den Schrank nicht nur kostenlos haben, sondern auch kostenlos geliefert bekommen. Nö, Freunde, ist nicht drin. Ich bezahle nicht noch dafür, daß ich den Aufwand habe, euch was zu schenken. Vergesst es. Da lasse ich nicht mit mir diskutieren.

Wenden wir uns also dem wohlbekannten Online-Auktionshaus zu. Früher war das ja mal richtig prima, aber heute ist das schon total verkommen. Die AGBs machen für Verkäufer keinen Spaß mehr. Viel schlimmer aber ist der Umstand, daß irgendwelche Winkeladvokaten, die Schmeißfliegen der modernen Gesellschaft, es sich zum Geschäftsprinzip gemacht haben, mit Abmahnungen Geld zu verdienen. Und wenn die mitbekommen, daß du in kurzer Zeit relativ viele Dinge verscherbelst, wirst du ruck zuck als gewerblicher Händler einsortiert, musst Allgemeine Geschäftsbedingungen und was sonst noch alles veröffentlichen, was natürlich auch inhaltlich der zuweilen weltfremden deutschen Rechtsprechung angepasst sein sollte. Und um das fehlerfrei hinzubekommen genügt selbst ein einfaches Jurastudium nicht mehr. Also habe ich da auch keine Lust drauf.

Bleibt also nur noch, im Bekanntenkreis mal herumzufragen, ob Interesse an der einen oder anderen Sache besteht. Natürlich wird sich keiner melden, denn jeder hat ja genug eigenes Gerümpel. Und nein, tauschen will ich nicht. Ich will Sachen loswerden, keine neuen dazubekommen. Auch keine guten Ratschläge von wegen Flohmarkt,  Nachbarschaftshilfe, Online-Auktionshäusern etc.

Aber eines ist sicher: Übermorgen erhalten wir eine Einladung zu einem Polterabend. Ich wüsste zwar nicht, wer da jetzt gerade in Frage käme, aber es wird eine solche Einladung geben. Garantiert. Und warum?

Weil wir einen Tag zuvor noch gutes Geschirr weggeschmissen haben werden.


Donnerstag, 8. August 2013

Die Grenzen der Welt

Chat noir erinnert daran, daß heute Weltkatzentag ist. Dann darf in einem Blog, welches eben diese Tiere auch namensgebend im Titel mit verarbeitet hat, ein aktueller Katzeneintrag nicht fehlen. Ist ja schließlich hier unter anderem auch ein Katzenblog. 

Es gibt Menschen, welche behaupten, Katzen könne man nicht erziehen. Doch, kann man. Katzen lassen sich nicht so gut dressieren wie Hunde und machen nicht so leicht auf Kommando Männchen. Aber das sollen sie auch nicht. Zumindest nicht bei uns. Es genügt wenn sie begreifen, daß sie in der Nähe des Tisches nichts zu suchen haben, wenn Essen darauf steht. Dies beinhaltet auch das Wissen darum, daß Essen klauen empfindliche Reaktionen unsererseits nach sich ziehen, weswegen es auch zu unterlassen ist. Und wenn sie verinnerlichen, daß die Küche eine Tabuzone ist. Unsere Katzen wissen das alles. Zumindest, solange jemand von uns in Sichtweite ist. Nur Sally ist da in letzter Zeit etwas vergesslich geworden, was sie aber nicht daran hindert, ihre Flugfähigkeiten unfreiwillig unter Beweis zu stellen, wenn sie in der Küche erwischt wird.

Die Fliesen in unserer Küche weichen farblich von denen im Esszimmer ab. Die Grenze der Farbe, also die entsprechende Bodenleiste zwischen den beiden Räumen, bildet auch die Grenze des Bewegungsbereiches unserer Katzenbande. Die Grenze ihrer Welt. Sie dürfen auf die Leiste treten, aber keinen Zentimeter darüber. Die Mädels und der Hauskater beachten diese Grenze – mit der bereits erwähnten Ausnahme – peinlich genau. Es sieht immer wieder ausgesprochen drollig aus, wenn sie mit den Vorderpfoten genau auf dieser Grenze stehen und den Kopf mit einem Giraffenhals in Richtung Küche recken. Das dürfen sie.

Weitere Grenzen sind die Tür ins Treppenhaus sowie die Terrassentür. Auch hier können wir die Türen öffnen, ohne daß ein Vierbeiner unbefugt einen Spurt nach draußen versucht. Merkt man, daß ich förmlich begeistert bin? Unsere verschiedenen Briefträger, Paketboten und sonstigen Besucher, die von uns an der Tür abgefertigt werden, bekommen jedes Mal einen Heidenschreck, wenn sie bemerken, daß eine Angehörige der Katzenbande neben uns an der geöffneten Tür sitzt und die Dinge beobachtet, die da so geschehen.

Sitzen wir auf der Terrasse, bleibt die Terrassentür weit offen. Marty setzt sich dann gerne an die Grenze und guckt nach draußen. Irgendwann wird ihm das zu langweilig und er verschwindet wieder. Lilly und Smilla riskieren auch gerne mal einen langen Blick, haben aber nicht Martys Ausdauer. Ich räume ein, daß unser Vertrauen in die lieben Kleinen nicht allumfassend ist. Wir lassen die jeweiligen Türen nach draußen nie geöffnet, wenn wir sie nicht im Blickfeld haben.

Seniorkatze Sally genießt ein besonderes Privileg. Sie ist ja absolut brav. Ein Schaf unter den Katzen. Als wir einst die Wohnung renovierten und alles im Chaos und dem Geruch frischer Farbe versank, ist sie zusammengebrochen. Da die Transportbox irgendwo ganz hinten im Keller war, nahmen wir sie kurzerhand auf dem Arm mit zum Tierarzt. Es war überhaupt kein Problem, auch nachdem sie sich wieder berappelt hatte. Sie blieb friedlich und wurde erst deutlich unruhiger, als unsere Wohnung wieder ins Blickfeld kam. Sie kennt den Anblick schon von den regelmäßigen Tierarztbesuchen vorher. Endlich wieder zu Hause.



Und jetzt darf sie mit auf die Terrasse. Unser seniles Tuttelchen ist immer froh, wenn meine Angetraute oder ich in Reichweite sind. So lange wir draußen grillen oder anders beschäftigt sind, hat sie in der Wohnung zu bleiben. Sobald aber abgeräumt ist und wir nur noch lesend herumsitzen wollen, stellen wir ein Katzensofa auf den Tisch und lassen sie darin liegen. Sie ist zufrieden, wird gestreichelt und macht keinerlei Anstalten, diesen Platz zu verlassen. Wenn sie keine Lust mehr hat, wird sie unruhig. Wir merken das und bringen sie dann wieder rein.

Sie soll das Familienleben auf ihre alten Tage ruhig noch richtig genießen.



Mittwoch, 7. August 2013

Ich verstehe es nicht

Es ist Mittwoch, 22.00 Uhr ist gerade vorbei. Die Sommernacht ist nicht übertrieben angenehm, aber nach den durchwachsenen Temperaturen der letzten Tage durchaus eine Erleichterung.

Vor dem Haus spielen Kinder, deren Lebensalter eher noch im einstelligen Jahresbereich anzusiedeln ist. Es sind keine Ghettokinder, sondern Kinder mittelständischer Eltern. So wie wir das früher auch waren. Nirgendwo sieht man Erziehungsberechtigte oder sonstige Aufsichtspersonen.

Ich verstehe es nicht. Ich werde es nie verstehen.

Es sind solche Momente, in denen die zweitbeste Ehefrau von allen und ich froh sind, keine Kinder zu haben.

Denn die würden aufgrund ihrer Erziehung im heutigen Alltag der Kinder- und Jugendlichen nicht bestehen können. Sie würden engere Regeln lernen und Pflichten kennen. Zumindest wäre das unsere Hoffnung.

Sind wir das heutige Gegenstück von dem, was wir selbst früher als Spießer bezeichnet haben?

Mag sein. Aber ich stehe dazu.


Von Darmstadt nach Lochhausen

Von Seniorkatze Sally gibt es keine wesentlichen Neuigkeiten. Sie ernährt sich fast ausschließlich von ihrem Spezial"kakao", ist nörgelig durch und durch, nimmt aber weiterhin im Rahmen ihrer Möglichkeiten am Familienleben teilt. Hin und wieder gibt es auch noch einen kleinen Schlagabtausch mit Lilly, den sie nicht unbedingt verliert.

Früher war Sally die Schmusekatze in Person. Ich konnte mich hinlegen oder zumindest in bequemer Lage auf dem Sofa herumlümmeln wie ich wollte, Augenblicke später war Sally auch da und legte sich auf eines meiner Beine. Eine zufällige Berührung hat gereicht, und sie schmiss sich auf den Rücken und wollte gekrabbelt werden. Bevorzugt natürlich den Bauch, was sie fast ewig durchhalten konnte. Hört sich erst mal ganz niedlich an, aber irgendwann wird das auch mal nervig.

Jetzt, im fortgeschrittenen Alter, muss man Sally schon zu ihrem Glück nötigen, indem man sie zu sich holt oder auf den Arm nimmt und dann einfach anfängt, ihr Streicheleinheiten zu geben. Meistens nimmt sie diese auch ganz willig an.

Als ich Sally zuletzt auf dem Arm hatte, drehte ich sie auch in Rückenlage und bearbeitete ihren Bauch. Es gefiel ihr und sie begann, diese seltsamen Krächz- und Knarzlaute von sich zu geben, welche bei ihr das ansonsten katzentypische Brummen ersetzen. So schlief sie dann nach einiger Zeit auf meinem Arm ein. Also im Sinne von Schlafen, nicht Entschlafen. Leichte Schnarchgeräusche unterstrichen dies.

Nach ein paar Minuten hörte ich ein leises Pfft. Pfffft. Und schon schwebte ich in einer unerwünschten olfaktorischen Herausforderung, welche an Pest, Hölle und Verdammnis erinnerte. Wer jemals einen Katzenfurz gerochen hat wird wissen, welche Höllenqualen ich erleiden musste.

Ich weiß ja, daß Katzen nicht grinsen können. Die Gesichtsmuskeln lassen so etwas nicht zu. Außerdem verstehen diese Tiere das Konzept Humor nicht. Aber ich schwöre euch: Auf Sallys Gesicht konnte ich ein sattes, zufriedenes Lächeln sehen.

Und ich fühlte mich auf einmal so leicht und schwebend. Wo kamen eigentlich plötzlich die ganzen bunten Farben und das Licht her?


Es muß dir nicht peinlich sein.



Dienstag, 6. August 2013

Der Orden

Ein kleiner Nachtrag von letzter Woche.

Ich bin alleine in meinem Büro. Alle anderen Vöglein sind schon ausgeflogen und werden auch nicht zurück erwartet. Die Tür öffnet sich. Ich schaue nicht mal von meinem Schreibtisch hoch, sondern begrüße den Eintretenden direkt mit den Worten

„Habe ich nicht, will ich nicht, mache ich auch nicht.“

Es ist mein letzter Arbeitstag vor dem Urlaub. Ein typischer letzter Arbeitstag vor einer längeren Abwesenheit. Ich erleide das Schicksal des Bürodinosauriers erfahrenen Kollegen und Seniorsachbearbeiters. Die Kollegen werden sich darüber im Klaren, daß ich für mehrere Wochen nicht mehr vor Ort bin. Sie wollen die Gelegenheit nutzen, um ihre Frageakten nochmal loszuwerden, ich hingegen möchte meinen Schreibtisch noch halbwegs aufräumen, damit in den nächsten Wochen nichts anbrennt und sich meine Vertretung zurecht findet. Alles, was nicht eilig ist, wandert in den Aktenschrank. Das packt in den nächsten Wochen keiner an, vertreten wird nur der laufende Eingang. Reste bleiben liegen.

Die Wünsche der Kollegen laufen damit meinen eigenen Erwartungen und Hoffnungen ziemlich konträr. Obwohl: Erwartungen? Nein, die Erwartungen werden erfüllt. Es geschieht schließlich genau das Erwartete. Morgens lasse ich mir das ja noch gefallen, aber je mehr es in Richtung Mittag geht, desto unwilliger werde ich, wenn man sich mal wieder die Klinke in die Hand gibt.

Ja, ich bin der Frageonkel. Auf meine Meinung wird Gewicht gelegt. Das ist grundsätzlich schön und das Ergebnis langjähriger Berufserfahrung. Im Laufe der Zeit kam es soweit, daß als Begründung für eine Lösung in einem Aktenproblem immer angeführt wurde, daß die Idee von mir stammt. Schließlich wurde mir sogar ein dazu passender Stempel angefertigt. So ein Stempel kann ja der Inbegriff eines Ordens für einen Büromenschen sein. Und dieser ist es zweifellos.

Drücke ich diesen Stempel auf ein Blatt Papier, finden sich dort  anschließend die in wohlfeilen Lettern gesetzten Worte

„Paterfelis hat am… gesagt: “

Das Weiterführende ist dann noch von mir handschriftlich zu ergänzen.

Ein Zettel mit diesem Stempel gilt in unserem Fachbereich schon fast als Passierschein für jeglichen Vorschlag, der im Anschluss aufgeführt ist. Ja, das schmeichelt mir natürlich auch. Allerdings habe ich mir abgewöhnt, diesen Stempel inflationär einzusetzen. Frl. Hasenclever war mal der Verzweiflung nahe, als sie insbesondere in den Akten der jüngeren Kollegen andauernd derartige Hinweise vorfand. Natürlich nicht auf Unterlagen, die offiziellen Charakter haben, aber auf Einlagezetteln und später nicht mehr benötigten Vermerken.

Heute wird der Stempel von mir nur noch für wirklich gravierende Sachverhalte verwendet. Aber er hat seine Wirkung nicht verloren.

Dennoch:

„Habe ich nicht, will ich nicht, mache ich auch nicht.“

Leute, ihr habt jetzt Zeit genug gehabt, euch um die Frageakten zu kümmern.

Irgendwann muß es auch mal gut sein.



Montag, 5. August 2013

Besuch bei Frau Doktor

Es gibt Möglichkeiten, sich einen Urlaubstag angenehm zu gestalten. Zumindest angenehmer als ich das jetzt getan habe. Gibt es einen schöneren Einstieg in den Urlaub als einen Zahnarztbesuch?  Obwohl ich genau genommen heute immer noch keinen Urlaub habe, sondern Überstunden abbaue. Da kann man das mal machen.

Ich gehe nicht zu einem in eigener Praxis niedergelassenen Zahnarzt, sondern in die Neustädter Zahnklinik. Die hat für mich den Vorteil, daß sie sehr großzügige Öffnungszeiten hat, auf alle Eventualitäten eingerichtet ist und ich dennoch immer wieder zum gleichen Behandler komme.

Der heutige Termin war lediglich ein schon länger geplanter Kontrolltermin. An sich nichts weiter Aufregendes. Sollte man meinen. Doch ich schiebe schon seit Tagen Angst; noch mehr als in den vergangenen Jahren. Das wird wohl daran liegen, daß es beim letzten Besuch einen Befund gegeben hat, der zu einer neuen Krone führte. Und selbst wenn da alles in Ordnung sein sollte, darf ich mich immer dem Vergnügen hingeben, Zahnstein entfernen zu lassen. Früher hat mir das nichts ausgemacht, aber im Laufe der Jahre bin ich da immer empfindlicher geworden. Das tut mittlerweile an einigen Stellen richtig weh. Und wenn man schon die Garantie auf Schmerzen hat, dann ist die Vorfreude auf den Termin mindestens doppelt so groß.

Die Nacht war entsprechend unruhig. Ich war seit kurz vor drei Uhr wach. Super. Die Zeit schlich dahin, bis ich schließlich aufstehen musste. Um sieben Uhr fuhr ich los, mein Termin war um acht Uhr. Da ich sonst zu dieser Zeit unter der Woche nie unterwegs bin, sondern meistens schon um Büro mein Unwesen treibe, konnte ich den Verkehr nicht einschätzen. Und ich bin lieber ganz großzügig zu früh als ziemlich knapp zu spät dran.

Um 7.40 Uhr betrat ich die heiligen Hallen der Zahnklinik. Kaum hatte ich mich im Blauen Salon, dem Wartezimmer meiner Zahnärztin, ausgebreitet und zur üblichen bereitliegenden Ablenkungsliteratur gegriffen, wurde ich auch schon aufgerufen. Also rein ins Vergnügen. Dieses Mal kam ich ins grüne Behandlungszimmer. Jedes Behandlungszimmer in der Klinik hat eine eigene Grundfarbe, die sich sogar bis auf die Plastikbecher und Papiertücher erstreckt.

Ich saß noch nicht ganz im Behandlungsstuhl, als Frau Doktor in offenkundig blendender Laune erschien. Aha, auch so eine Frühaufsteherin. Zumindest aber keine Morgenmuffelin. Sonst war ich immer erst nachmittags in der Klinik. Aber auch nachmittags hatte sie bislang keine schlechtere Laune an den Tag gelegt.

Klappe auf, hier stochern, da gucken, alles klar. „Alles in Ordnung, Sie haben es überstanden, nur noch den Zahnstein entfernen und danach die Zähne polieren.“ Nix da, die Zahnsteinentfernung war ja der Alptraum, den ich erwartete. Sie fing an, es zog ein- oder zweimal heftig. Fertig. Wie bitte? So schnell? War ja harmlos heute.

„Ja, es war nicht viel Zahnstein da. Haben Sie was anders gemacht als sonst?“

Nö, hatte ich nicht. Obwohl: Ich habe eine andere Zahncreme. Könnte ja den Ausschlag gegeben haben. Den Gedanken werde ich weiterverfolgen.

Ich holte mir mein Stempelchen für das Vorsorgeheft ab und verließ die Zahnklinik.

Es war 7.55 Uhr. In fünf Minuten hätte ich meinen Termin.

Ich bin übrigens Kassenpatient.