Donnerstag, 4. Juli 2013

Wachablösung

Es gibt in unserer kleinfamiliären Katzenbande seit einigen Jahren eine Tradition. Wenn ich mich morgens unter die Dusche begebe, schließe ich die Tür des Badezimmers hinter mir. Nein, das ist jetzt einfach zweckmäßig und nicht die Tradition. Zur Tradition gehört, daß seinerzeit Daisy vor der Badezimmertür wartete und darüber wachte, daß sich niemand Unbefugtes Zutritt verschaffte. Sobald ich die Tür wieder öffnete, betrat sie das Badezimmer, stürmte direkt bis zur noch feuchten Duschwanne vor und begann, mit den darin befindlichen Pfützen zu spielen.

Gut, sie war eine Britisch Kurzhaar und gehörte damit zu einer Katzenrasse, die als nicht gerade wasserscheu gilt. Allerdings relativierte sich ihr Spaß an den Wasserspielen in den Momenten, in denen aus dem Brausekopf noch ein paar Tropfen herunterfielen und sie erwischten. Natürlich gewöhnt man sich als Katzenpapa auch sehr schnell an diese kleinen Ereignisse, so daß ich es nach ihrem Tod schon vermisste, nach dem Türöffnen von einer Katze umgerannt zu werden.

Schließlich aber nahm Marty diese Tradition wieder auf. Ich war schon sehr erstaunt, als ich eines Morgens nach dem Öffnen der Tür feststellte, daß der Bursche davor saß und wartete, schließlich ins Bad ging und gleich Daisy die Duschwanne für sich entdeckte. Seine feuchte Spur ließ sich anschließend auf unserem gefliesten Wohnzimmerboden noch weiterverfolgen. Ich habe ja durchaus fiese Gedanken und bin versucht, einfach mal Wasser in der Wanne stehen zu lassen. Mal sehen, ob er es rechtzeitig bemerkt und auch da reinmarschiert… Nein, mache ich doch nicht. Obwohl… Nein.

Marty, nachdem er alles erledigt hat
Anfänglich nahm Marty seinen Posten vor der Tür noch unregelmäßig ein, aber schließlich saß auch er stets in Bereitschaft und wartete. Lediglich kleinere Unregelmäßigkeiten meinerseits, etwa ein verspätetesDuschen, können ihn davon abhalten. Auch als Kater hat man schließlich ein geregeltes Leben, und wenn es nicht an der Zeit ist, dann ist es nicht an der Zeit. Basta.

Als ich heute Morgen die Tür öffnete, kam wieder das übliche grau-weiße Fellbündel rein. Meine Sicht ist dann noch etwas getrübt, weil die durch mich als WarmHeißduscher verursachten Nebelschwaden dafür Sorge tragen, daß der klare Blick durch meine Brille etwas eingeschränkt ist. Zum groben Erkennen der Fellfarbe hat es aber stets gereicht. Vor dem Bad sehe ich nach den gefühlten Stunden dem Moment, den meine Brillengläser benötigt haben, um sich von dem Beschlagenen zu befreien, Marty im Kratzbaum liegen. Er starrt ganz fasziniert nach draußen und beobachtet irgendein Tier in unserem Garten. Meine Güte, muß der schnell gewesen sein. Ich sehe mich um – Smilla kommt mit nassen Pfoten aus dem Bad und wünscht beachtet zu werden. Hat sie jetzt ebenfalls diese Tradition übernommen?

Ich bin ja sehr gespannt, ob sich das wiederholt.

Smilla, unsere sich 'rumkugelnde Rumkugel




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