Freitag, 5. Juli 2013

Susanna war da

Susanna und ich kennen uns jetzt auch schon ein paar Jahrzehnte. Über das Berufliche hinaus hatten wir allerdings nie etwas miteinander zu tun. Ich bin ja nicht so der leutselige Typ. Sie arbeitete früher gemeinsam  mit mir im Auslandsbereich des LASA in Bad Husten, in dem ich mir als junger Sachbearbeiter meine ersten Sporen verdiente. Susanna war schon eine auffallende Person, für eine Frau groß aber noch nicht zu groß gewachsen, dunkle Löwenmähne, selbstbewusst, meistens gut gelaunt, lebenslustig und nie um einen Spruch verlegen. Obwohl sie ungefähr in meinem Alter ist, hat sie sich schon damals die Haare gefärbt. Die ersten grauen Strähnen waren wohl schon zu deutlich sichtbar.

Später ließ sie sich in einen anderen Bereich des LASA versetzen, so daß wir uns für ein paar Jahre aus den Augen verloren. Wir trafen uns erst wieder, als ich schon längst in der LASA Außenstelle in Neustadt arbeitete. Sie wurde von einer anderen Außenstelle zu uns versetzt. Äußerlich hatte sie sich kaum verändert, nur die Löwenmähne war verschwunden. Nun trug sie die Haare zwar weiterhin lang, aber glatt. Das gefiel mir jetzt nicht ganz so gut, aber das musste es ja auch nicht. Hin und wieder kreuzten sich unsere Wege, wir unterhielten uns dann auch mal kurz, aber viel hatten wir nicht miteinander zu tun.

Eines Tages bekam ich mit, daß Susanna langzeiterkrankt war. Sie hatte Krebs. Es tat mir sehr leid um sie, aber es war wohl noch nicht zu spät, den Kampf erfolgreich aufzunehmen. Natürlich blieb ihr auch die unvermeidliche Chemotherapie nicht erspart. Weitere Informationen drangen nicht zu mir durch, und irgendwann dachte ich auch nicht mehr an Susanna.

Letzte Woche, als ich gerade meine Codekarte zum Feierabend an der Stechuhr vorbeigezogen hatte, betrat Susanna das Haus. Zufällig war Dr. Strebsinger auch in der Empfangshalle und nahm sie direkt in Anspruch. Susanna machte einen guten Eindruck, eine positive Stimmung ging von ihr aus, ihre Haut war sonnengebräunt. Vielleicht war das auch rostfarben, bei unserem aktuellen Sommer kann man das ja nicht so gut einschätzen. Aber das mit Sicherheit Auffallendste an ihr waren ihre Haare. Durch die Chemotherapie hatte sie alle Haare verloren, aber zwischenzeitlich sind wieder genügend nachgewachsen, um eine ansehnliche Kurzhaarfrisur zu bilden. Aber das war es nicht, was mir ins Auge fiel. Es war die Haarfarbe. Sie hatte nicht wieder nachgefärbt. Die Haare waren – bis auf wenige silbergraue Flächen – schneeweiß. Und ich muß sagen: Das sah ja mal richtig gut aus.

Leider hatte ich keine Zeit, mit ihr zu reden, aber das, was ich so beobachtet habe, hinterließ ein gutes Gefühl in mir.

Kommen wir doch noch mal zu den Oberflächlichkeiten zurück. Ich bin wirklich sehr gespannt, ob Susanna wieder anfängt zu färben oder ob sie es jetzt, nach dieser offenbarenden Unterbrechung, sein lässt. Gegen graue Haare habe ich nie etwas gehabt, egal ob bei Männern oder bei Frauen, weder bei mir noch bei anderen. Auch nicht, wenn diese in jüngeren Jahren schon deutlich sichtbar sind.

Kürzlich habe ich das Foto einer anderen ehemaligen Kollegin von mir gesehen, zu der ich auch schon seit Jahren keinen Kontakt mehr habe. Sie trägt ihre einst mittellangen dunkelblonden Haare zwischenzeitlich als aschgraue Löwenmähne. Und bei ihr sieht das ebenfalls richtig gut aus.

Liebe Mädels: Nicht die Haarfarbe macht den Eindruck, sondern die Ausstrahlung. Steht doch einfach mal dazu.



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