Montag, 15. Juli 2013

Lichtergrillen 2013

In der Zeit der modernen visuellen und zumeist einseitigen Telekommunikation, genannt Fernsehen, ist es möglich, zur Not auch mit Hilfe des Internets weltweit die ehemals heimischen Regionalsender zu empfangen.

Nachdem es mich von meiner niederrheinisch-ruhrgebietlichen Heimat in die große Weite irgendwo zwischen Nordsee und Alpen verschlagen hat, hielt ich über diese besagte technische Errungenschaft nachrichtendienstlichen mittels der vom WDR in Form regionaler Fernsehnachrichten erbrachten Dienstleistung Kontakt zu den Geschehnissen, die sich ohne mein Zutun in dem Mischgebiet zwischen flachmöglichsten Flachland und den Abraumhaldengebirgen ereigneten.

Vor vielen Jahren wurden die zweitbeste Ehefrau und ich eher zufällig auf eine Veranstaltung aufmerksam, welche der WDR regelmäßig abendfüllend von 20.15 bis 00.00 Uhr überträgt: die Kölner Lichter. Nun zählt Köln nicht unbedingt zu der Gegend, die ich mit Heimatgefühlen überflute, aber so aus der Ferne betrachtet relativiert sich alles. Wir hatten gerade unseren Tischgrill angeschmissen, als uns diese Sendung auffiel und ließen sie – zunächst als Geräuschkulisse in unserer Zweisamkeit einfach laufen. Doch die Veranstaltung ist einfach toll.

der festlich gedeckte Tisch

Bei den Kölner Lichtern handelt es sich um das größte musiksynchrone Höhenfeuerwerk Europas. Das Hauptfeuerwerk startet um 23.30 Uhr und dauert eine halbe Stunde.

Seit dem ist es bei uns zur Tradition geworden, an jeweiligen Lichterabend den Tischgrill auszupacken, Grillzeug vom Discounter auf den Tisch zu packen und so grillenderweise den Abend zu begehen. Ich räume ein, daß das schon etwas prollig wirkt, stört uns aber nicht. Wir haben unseren Spaß dabei.

Vorbeifahrt des Schiffskonvois

Der Lichterabend findet jeden zweiten Samstag im Juli statt; in diesem Jahr also am 13.07. Wie immer waren wir gut vorbereitet. Als Besonderheit dieses Jahres spielten auf dem Lichterabend erstmals die Bläck Föös. Genau wie bei den Höhnern habe ich mit deren Liedgut das kleine Problem, daß ich überwiegend die Texte in weiten Teilen rein phonetisch nicht verstehe. Der Dialekt der Jungs ist nicht meine Welt. Meine Angetraute ist da etwas vorbelasteter und übersetzt diese für mich, soweit erforderlich. Die Melodien sagen mir schon zu, aber die im Text enthaltene ewige Herausstellung der Liebe zur Stadt Köln finde ich nervig. Egal, bei englischen Texten achte ich auch nicht auf deren Aussage.

Dom und Funkenregen

Die Ansage des nächsten Liedes der Bläck Föös wies darauf hin, wie man zu Zeiten, als sie noch jung und schön waren, ins Kino gegangen ist. Das war bestimmt total spannend, so vor Einführung des Tonfilms…

Zwischendurch wurden – ebenfalls traditionell – immer wieder Freiluftexperimente von Chemikern oder Physikern vorgeführt. Wenn es knallt und stinkt ist es nicht immer Chemie, soviel sei gesagt. Während eines Experimentes, an dessen Ausführung auch Kinder beteiligt waren, zog es so ein widerliches Arschlochkind immer wieder zum Außenreporter, um während dessen Moderation im Bild faxen zu machen, ihm dumm ins Mikrofon zu sprechen oder ähnlichen vermeintlich witzigen, aber tatsächlich eher nervtötenden Unfug anzustellen. Nach einem Schwenk der Kamera in eine andere Richtung war das Kind plötzlich verschwunden. Nur im Hintergrund konnte man es zeitweise noch deutlich zu vernehmen. Gibt es da keine aufpassenden Erziehungsberechtigten? Oder hat dieser endlich sein Werk vollbracht? Vielleicht war es auch die Regieassistenz oder der Kumpel vom Kameramann, der sich dem Kind gewidmet hat. Man weiß es nicht. Fragen über Fragen…

Feuerwerk - vom Bildschirm abfotografieren ist doof

In Verlauf des Abends wurde der Rhein über mehrere Kilometer gesperrt. Zunächst fand hier – ebenfalls traditionell – eine Regatta mit Ruder-Achtern statt, welche mein Interesse weniger weckte. Später wurde abseits des Geschehens ein imposanter Konvoi aus etwa 50 Rheinschiffen zusammengestellt, welcher zu vorgerückter Stunde in Formation Fahrt aufnahm, bis er die Kölner Altstadt, das ist der Teil mit dieser etwas bekannteren dauerkaputten Kirche direkt neben dem Bahnhof, passiert hat. Die Rheinufer und die Schiffe waren wie immer eindrucksvoll beleuchtet, Musik wurde eingespielt und es fanden die ersten kleineren, so genannten Begrüßungsfeuerwerke statt. Der Zuschauer wurde so auf den Höhepunkt des Abends schon ziemlich nachhaltig eingestimmt.

Dundus auf einer Rheinbrücke

Nachdem die Schiffe ihre Zielposition erreicht hatten, näherte sich der Zeitpunkt X. Mitten auf dem Rhein war der Ponton-Verband verankert, von dem aus stets das Hauptfeuerwerk gezündet wird. Begleitet wurde das Feuerwerk teilweise von anderen Lichteffekten, vor allen Dingen aber von der Musik, die es beeindruckend untermalt hat. Die Übertragung fand von verschiedenen Bodenstandorten, aber auch von einem Hubschrauber aus statt. Und ganz ehrlich: Ein Besuch vor Ort, eingequetscht von über 500.000 Schaulustigen, kann die Bildgewalt aus der TV-Übertragung nicht ersetzen.

Wer die Möglichkeit hat, das WDR-Programm auch überregional zu empfangen, sollte sich für 2014 den zweiten Samstag im Juli vormerken. Die Kölner Lichter sind eine echte Empfehlung. Und schön dabei den Tischgrill nicht vergessen. So zur abendfüllenden Begleitung der Sache.




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen