Dienstag, 16. Juli 2013

Der Stuhl und der Emil (1)

Ich bin mal wieder sauer. Richtig sauer. An und für sich nur wegen einer Kleinigkeit. Aber wenn die Nerven ohnehin bis zum Zerreißen gespannt sind, dann fehlt halt nicht mehr viel. Meine Gedanken kreisen wieder verdächtig oft um benzinbetriebene Kettensägen und Eishockeymasken.

Beginnen wir in grauer Vorzeit. Die Geschichte der uns im LASA zur Verfügung gestellten Bürostühle begann für mich vor grob 30 Jahren. Der Standardstuhl hatte eine zu kurze Sitzfläche und eine zu kurze Rückenlehne, die man ein kleines Stück weit nach oben verschieben konnte. Die Sitzfläche selbst ruhte auf einem höhenverstellbaren Sockel und ließ sich rollen. Für Personen mit einer Körpergröße von mehr als 180 cm waren die Dinger viel zu klein.  Mit anderen Worten: Die Stühle waren für Zwergwüchsige. Ich bin allerdings eher in die andere Richtung orientiert.

Wenn man Pech hatte, bekam man einen Stuhl, der auf zwei Kufen gelagert war, also nicht gerollt werden konnte. Dafür hatte man aber Armlehnen. Mir haben die nie etwas gebracht. Die Gleichung lautet: ich = deutlich 180+ cm führt zu Abstand Unterarme zu Armlehnen = zuviel entspricht unpraktisch. Normal angewinkelt haben meine Unterarme die dafür bestimmten Lehnen noch nicht mal erreicht.

Befand man sich im gehobenen Dienst, war also einer derjenigen, der als Jurist oder so was von der Unisilität kam, erhielt man als Statussymbol einen Stuhl vom Typ 1 (rollfähig) mit den Armlehnen eines Stuhls vom Typ 2 (kufengelagert). Ein paar Jahre später erhielten besonders verdiente Studierte wie z. B. Abteilungsleiter auch noch Kopfstützen, während das gemeine Fußvolk weiter mit den Billigmodellen Vorlieb nehmen musste.

In der nächsten Evolutionsstufe – das bisherige Mobiliar war käuflich nicht mehr zu erwerben, da es seine Ursprünge sowohl farblich als auch technisch in den wilden 70ern hatte – beschaffte man Stühle, die alle über verstellbare Armlehnen verfügten und auch sonst deutlich mehr Einstellmöglichkeiten boten. Natürlich ohne Kopfstütze. Nach wie vor waren diese Modelle für Personen mit 180+ cm Körpergröße absolut ungeeignet, denn die Sitzfläche blieb zu kurz, die Rückenlehne immer noch zu niedrig und die verstellbaren Armlehnen in unerreichbarer Tiefe.

Also musste gejammert werden, bis man sich auf Druck des betriebsärztlichen Dienstes entschloss, einige wenige geeignetere Stühle für großgewachsene Mitarbeiter anzuschaffen. Idealerweise jedoch besorgte man sich ein richtig gutes Sitzmöbel als berufsfördernde Leistung, gesponsert von einem Sozialversicherungsträger. Gegen eine nicht unerhebliche Zuzahlung natürlich.

So bekam auch ich irgendwann einen etwas geeigneteren Stuhl von meinem Brötchengeber, besorgt aus dem Fundus des Hauses. Die Rückenlehne war zwar immer noch zu niedrig, aber schon deutlich besser als alles, was ich vorher hatte. Alles andere passte.

So weit, so gut.


(wird fortgesetzt)






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