Sonntag, 2. Juni 2013

Vom Wuppen

Frau Kleinhüppgenreuther ist Wuppertante. Ihr wisst doch, was das ist?! Klar, Wupperware kennt man. Die stellen doch diese wenigen praktischen und vielen unpraktischen Dinge aus Plastik her, mit denen man Lebensmittel frisch halten soll. Erfunden wurde das Zeug vor vielen Jahren von einem Herrn aus dem an der Wupper gelegenen Wuppertal, weswegen er seine daraus resultierende für den Verkauf vorgesehene Ware auch Wupperware nannte. Der Vertrieb erfolgt über den Heimverkauf, den so genannten Wupperpartys. Und die damit beauftragten Handelsvertreterinnen nennt man im Volksmund eben Wuppertanten. Na also, war doch klar, daß ihr die kennt.

Ihr habt doch auch schon mal den Ausdruck wir wuppen das gehört. Der stammt ursprünglich aus dem Sprachgebrauch der Wuppertanten. Die bezeichnen das Verkaufen der Wupperware nämlich als wuppern. Und immer, wenn im Rahmen der internen Wuppertanten-Schulungen neue Plastikmaterialien für den Verkauf vorgestellt werden, welche, wie einst die Bundeslade der Hebräer, begleitet von frenetischem Jubel der Wuppertanten in den Tempel Saal getragen werden, kommentieren die begeisterten Wuppertanten die Aufforderung zum eifrigen Verkauf mit den Worten Wir wuppern das schon. Im Verlauf der Jahre verflachte dieses wuppern  im Volksmund einfach zu wuppen und bedeutet soviel wie wir schaffen das schon oder wir machen das schon. Diese Insiderkenntnisse habe ich von meiner Angetrauten einer mir bekannten Person, welche ebenfalls kurzzeitig mal als Wuppertante aktiv war und sich dem Bann dieser zumindest in unserem Regionalbezirk fast schon sektenartig auftretenden Vereinigung  gerade noch rechtzeitig und ohne bleibenden Schaden entziehen konnte.

Frau Kleinhüppgenreuther also ist Wuppertante. Als solche muß sie natürlich zu den ganzen nützlichen und noch mehr unnützen Dingen stehen, die sie unter das Volk bringen will. Auch bei uns im Haus steht eine gewisse Palette dieser Artikel zur Verfügung, und es sind nicht wenige darunter, welche hier einfach nur Platz wegnehmen, ohne daß diese jemals ihre Zweckbestimmung gefunden haben. Abgesehen davon natürlich, dem Herrn aus Wuppertal Geld in die Kassen zu spülen. Es tröstet aber zu wissen, daß der von uns einst dafür geleistete Obolus deutlich geringer ausgefallen ist als das, was der gewöhnliche Kunde dafür zu berappen hat.

Nun ist es so, daß die Kleinhüppgenreuthers während der warmen Jahreszeit gerne ihren Gasgrill anwerfen. Allerdings kann es draußen so warm sein wie es will, zum Essen bleiben sie immer in der Wohnung. Und das, obwohl eine schöne Terrasse samt Mobiliar vorhanden ist. Achtung, jetzt kommt es noch schlimmer: Herr Kleinhüppgenreuther stellt sich zur Essenszeit mit dem kompletten Vorrat an Grillgut an sein Arbeitsgerät, bereitet es dort nahezu im Akkord zu, deponiert die fertigen, saftigen, knusprig-braunen Stücke von totem Tier in diese überflüssigen Warmhaltetöpfe aus dem Hause Wupperware, grillt die nächsten Lagen ebenfalls durch, nur um diese dann wiederum in den Gefäßen einzulagern und bringt dann, nachdem er den Grill ausgeschaltet hat, alles an den heimischen Tisch.

Wenn ich das sehe, zerreißt es mir das Herz. Grillen, das ist doch eine Sache, die sich idealerweise über einen längeren Zeitraum hinzieht, verbunden mit einer steten Aneinanderreihung immer neuer, frisch und knusprig vom Grill gelieferter Fleisch- und Wurstwaren. Und anderer Dinge, die man durchaus auch grillen kann. Ich kann doch so etwas nicht in Warmhaltebehälter packen. Da geht doch das Knusprige verloren.

Nö, alles hat seine (kulinarischen) Grenzen.


Kommentare:

  1. Da kann man nur sagen: "Jedem das Seine"
    Wenn man es im Hause Kleinhüppgenreuther so mag?!
    Das mit dem Wuppergeschirr, das aus Wuppertal kommt bzw. dort erfunden wurde wußte ic nicht. Aber ich habe auch viel von dem "unnützen" Zeug im Schrank.
    Einen sonnigen Sonntag wünscht Dir
    Irmi

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  2. Köstlich. Also nicht das Grillgut von Herrn Kleinhüppgenreuther, sondern Dein Text. Und Irmi ist auf die Satire reingefallen, befürchte ich. Macht nix, Wuppertal ist überall. Bei uns ist der Running Gag das Wupperseufzen. Davon sprach eine Wuppertante anl. einer Wupperparty in der 100m²-Welt, als sie eine Wupperdose schloß und ein leiser, letzter Lufthauch entwich. "Haben Sie den Wupperseufzer gehört, meine Damen? Nun ist ihre Wurst gut eingewuppert. Sie muss Seufzen, die Wupperdose, dann ist es richtig!" Ich sage ja, Wuppertal ist überall.

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