Freitag, 28. Juni 2013

Pony oder Scheitel?

Ich habe es ja nicht so mit der ausgefeilten Erstellung einer Frisur. Außer als Kind, als ich meinem Onkel immer wieder mit Begeisterung einen fetten Knoten in seine spärlichen Haupthaare einarbeiten wollte und mir dies auch immer wieder mal gelang. Widerstand war zwecklos. Heute schlurfe ich morgens unter die Dusche, wasche mir unter anderem die Haare, rubble einmal mit dem Handtuch durch die wallende Pracht und kämme dann alles nach hinten. Wenn die Haare dann luftgetrocknet sind, haben die so zu liegen, daß es halbwegs manierlich aussieht und fertig. Meine Angetraute und mein persönliches Grauen Conny wünschen sich das wohl etwas anders, aber da bin ich resistent.

Den ersten Bezug zur Haarmode hatte ich meiner Erinnerung nach im Kindergarten. Einer der Jungs, er hieß Jörg, hatte etwas längere Haare, die sich knapp über Schulterhöhe nach außen drehten. Das fand ich damals toll und wollte es auch so haben. Meine Mutter hat mal versucht, mir die Haare so zu föhnen, daß das bei mir auch so hinkommt. Hat aber nicht funktioniert. Es könnte natürlich daran gelegen haben, daß Jörgs Haare von Natur aus etwas gewellt waren und den entsprechenden Schwung hatten. Meine hingegen waren glatt, hatten und haben aber Wirbel, die schon ganze Friseur-Generationen zur Verzweiflung brachten.

Eines Tages wurden wir alle nacheinander von Tante Marianne, unserer Kindergärtnerin, gekämmt. Ich setzte ich mich brav auf den vor ihr stehenden Stuhl hin, als sie mich dann auch direkt fragte „Pony oder Scheitel?“ Freunde, da kam der kleine Paterfelis aber mächtig ins Grübeln. Einen Scheitel kannte ich nicht, aber ein Pony, das mochte ich. Vielleicht würden wir ja reiten dürfen? Musste man sich dafür hübsch machen? Keine Ahnung, aber ich wollte dann doch lieber das Pony als so einen unbekannten Scheitel. Der wäre bestimmt auch richtig groß gewesen, ein Pony aber war klein. Relativ jedenfalls. Also antwortete ich „Pony“. Tante Marianne kämmte mich kurz durch und ab ging es ins Nebenzimmer. Da war aber kein Pony, nur eine unbekannte Frau mit einem Fotoapparat. Ich setzte mich wiederum auf den angebotenen Stuhl, das Foto wurde gemacht, das war es. Wo blieb das Pony?

Meine Enttäuschung war wohl ziemlich groß, denn auf diesem DIN A5-großen schwarz-weiß-Bild, welches wir später als Ergebnis des ganzen Tuns erhielten, habe ich doch ein etwas unglückliches Gesicht.

So rein tiefenpsychologisch betrachtet muß das wohl der Auslöser meiner Abneigung gewesen sein, mich von anderen Leuten frisieren zu lassen. Man kann diesen Menschen einfach nicht trauen. Keinem!

Außer Conny, meinem Grauen…


Kommentare:

  1. Und ich dachte immer, "Bad Hairdays" gibt es nur bei Frauen...

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  2. Tja, früh übt sich, was ein Frisurenjammerer werden will. Allerdings stehen meine Wünsche da nun mal in krassem Gegensatz zu denen meiner Angetrauten und meiner Friseurin. Aber wenigstens sind die beiden sich einig.

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  3. Zur Erinnerung für dich und Erklärung an alle Leser und Leserinnen:

    Ich habe absolut nichts gegen Paterfelis Frisurenwunsch, ABER: dafür muss er sich die Haare morgens halt föhnen, damit im Nacken keine "Eselsohren" entstehen. Das sieht nämlich echt sch*piiieeep* aus!

    Da er sich dem Föhn aber völlig verweigert, muß er halt mit der entsprechenden Konsequenz leben. :-P

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  4. Sind Wir!! Und nein Ich bringe kein Pony mit!:-) muhahahaha:-)

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  5. Tja - schlechte Karten für Dich, Herr Paterfelis. Die Weiblichkeit ist sich einig und die zweitbeste Ehefrau von allen hat recht - Eselsohren sind ätzend. Hat mein Männe auch, wenn die Haare zu lang sind. Leider läßt er sich dagegen die Haare selbst so kurz schneiden, dass das auch blöd aussieht. Aber ich weigere mich, mit zum Friseur zu gehen. "Mein Mann soll die Haare so geschnitten bekommen!" In aller Öffentlichkeit! Da ist eine Friseurin in den heimischen vier Wänden schon prima. Im Salon verweigere ich mich. Zum Glück wächst Haar ja wieder nach ;-)

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  6. Was? Es gibt Männer mit eigener Entscheidungsgewalt über Frisuren? Mein Weltbild bricht zusammen.

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  7. Dafür trägt er seit Kindesbeinen an diese Frisur. Niemand kennt ihn anders.

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