Samstag, 22. Juni 2013

Paterfelis spielt - mit und ohne

Meine Karriere als Spiele-Spieler entwickelte sich auch nach dem Auslaufen der Begeisterung meines Umfeldes für Monopoly weiter. Im Bereich der Brettspiele entdeckte ich die teilweise sündhaft teuren weil ausstattungsintensiven Strategiespiele für mich. Die Einstiegsdroge – auch für die Dinge, die hier später noch zu thematisieren sein werden – war natürlich der Klassiker Risiko

Als ich im Kreis meiner Schulfreunde erstmalig mit diesem Spiel konfrontiert wurde, hatten sowohl der Angreifer als auch der Verteidiger im Spiel noch jeweils drei Würfel zur Verfügung, mit denen das Ergebnis der Auseinandersetzung zwischen den Armeen bestimmt werden sollte. Diese Zahl wurde später beim Verteidiger durch den Hersteller auf zwei reduziert, was das Spiel doch veränderte. Außerdem war Risikonoch vollkommen politisch unkorrekt, denn man musste andere Länder doch tatsächlich erobern. In späteren Ausgaben änderte sich dies dahingehend, daß diese Länder von den anderen Armeen zu befreien waren. Das ist wohl besser für das Seelenheil. Ich bin mir nicht ganz schlüssig darüber, ob diese anfängliche Eroberungsmentalität, der ich so schutzlos und ohne psychologische Begleitung in meiner frühen Jugendzeit ausgesetzt war, sich nachhaltig auf mein späteres Seelenleben ausgewirkt hat.

Diese Welt dieser doch komplexeren Spiele faszinierte mich dermaßen, daß ich mir auch Spiele kaufte, bloß weil ich deren Regeln einfach kennen lernen wollte, wohl wissend, daß ich niemals jemanden finden würde, mit dem ich diese Spiele auch tatsächlich mal austesten würde. Nicht lachen, aber ich kannte einen echten Spielesammler, der sich jedes Spiel, für das er sich interessierte, von Anfang an doppelt kaufte. Eines blieb originalverpackt in Sicherheit irgendwo liegen, das andere Exemplar wurde geöffnet und seiner Bestimmung zugeführt. Wir Sammlertypen sind ja schon mal etwas schräg, aber so schräg war ich dann doch nicht.

Risiko ging jedenfalls den gleichen Weg, wie die meisten der Strategiespiele und Simulationen, die ihm noch folgen sollten: Ich spielte sie zumeist gegen mich selber, soweit dies möglich war. Nicht alle Regelwerke ließen dies zu. Sobald es irgendeinen zwingenden Geheimhaltungsfaktor im Spielablauf gab, war es damit vorbei.

Die komplexeren Strategiespiele und (Wirtschafts-)Simulationen haben unter anderem den Nachteil (?), daß das vollständige Durchspielen bei Beteiligung von ebenbürtigen Gegnern durchaus mehrere Stunden dauern kann. Und wer hätte in einem Spiel, bei dem er selbst alle Spielerpositionen besetzt, darunter nicht wenigstens einen wirklich ebenbürtigen Gegner? Also mussten die Voraussetzungen geschaffen werden, daß das Spielbrett und Zubehör für einige Tage aufgebaut bleiben konnten.

Dies war in der Zeit, als ich noch bei meinen Eltern wohnte, an sich kein Problem, und auch später, in meiner ersten eigenen Wohnung weitgehend unproblematisch. Bis dann, eines Tages, Sally und Lucy zu mir kamen. Es benötigt nicht viel Phantasie um sich vorzustellen, was noch junge Stubentiger mit unbeaufsichtigtem Spielmaterial anstellen. Damit war die Epoche, zu der ich gegen mich selbst spielen konnte, vorbei.

Allerdings hatte sich im Kollegenkreis eine Spielrunde gebildet. Mit einigen wenigen der daran Beteiligten konnte ich auch hin und wieder mal ein etwas komplexeres Spiel starten, doch wurden zumeist die eher handelsüblicheren, familienfreundlicheren Brett- und Kartenspiele bevorzugt. Dies funktionierte über einige Jahre, bis sich irgendwann ein böser Geist ausbreitete, dem ich später nochmal begegnen würde und dem ich immer noch nicht Einhalt gebieten konnte. War es zu Beginn in dieser Runde noch üblich, sich regelmäßig mit immer der gleichen Auswahl an Spielen zu beschäftigen, die Regeln folglich auch sicher zu beherrschen und das Spielsystem richtig zu verstehen, so begann später die Phase, in der alle Nase lang neue Spiele angeschleppt wurden.

Die Spiele selbst wurden simpler – was jetzt nicht zwingend gegen gute Unterhaltung spricht – und ärmer an taktischen Raffinessen. Und die Spiele, welche noch so etwas wie Tiefgang besaßen, spielten wir  nicht oft genug, als daß man in der Lage gewesen wäre, die Vielschichtigkeit der Möglichkeiten zu erkennen oder auszuprobieren. So hat meine Motivation, mich an dieser Runde zu beteiligen, deutlich nachgelassen. Irgendwann wurde dann auch mehr gequatscht als gespielt und die Abstände der Treffen immer größer, bis sich die Sache vollständig erledigt hatte.

So schloss ich mit dem Thema einer sich regelmäßig treffenden Brettspielrunde zunächst ab. Die Überbleibsel dieser Zeit, darunter Klassiker wie Shogun, Junta, Empire, Civilization und 1835 belegen heute einen guten Teil des Kellerregals

Aber ich hatte noch andere Eisen im Feuer. Doch darüber werde ich – nach einem kleinen Exkurs in eine so völlig andere Spielewelt - später berichten.



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