Montag, 24. Juni 2013

Ich kann auch anders

Nachdem ich kürzlich einen Anrufer ganz gewaltig am Telefon angeranzt habe und damit durchaus dieses unsägliche Vorurteil über unfreundliche Menschen im öden öffentlichen Dienst wieder bestätigte – der Typ hatte es aber auch verdient, ich werde noch darüber berichten – habe ich heute alles wieder rausgerissen.

Eine Bürgerin rief an, sie war sehr freundlich, irgendwie sympathisch, aber auch hektisch überdreht. Sie habe einen Bescheid von uns bekommen den sie ja so gar nicht verstehe und wollte auch mal einen Termin haben damit man ihr den erklären könne und habe auch schon verschiedentlich bei uns und anderen Dienststellen angerufen aber wir hätten ja gerade so lange Wartezeiten und sie sei ja selber Beamtin aber der Bescheid spreche eine ganz andere Sprache als sie und sie habe ja nur die Vordrucke wahrheitsgemäß ausgefüllt die wir ihr zugeschickt hätten und wollte auch nichts falsch machen und ob sie denn von uns auch mal eine Leistung in Anspruch nehmen könne und ob es sinnvoll wäre sich dies schriftlich bestätigen zu lassen und daß sie hoffe ihren Mann noch ganz lange zu behalten und daß sie auch gedenke noch so lange Beamtin zu bleiben bis sie pensioniert wird und sie aber nicht immer Beamtin gewesen wäre und daß ich ja sehr freundlich wäre und der erste sei der ihr den Bescheid und was wir da gemacht hatten mit verständlichen Worten erklärt habe.

Mein Anteil an diesem Gespräch bestand aus ein paar in den Redefluss eingeworfenen Satzfragmenten, für mehr hatte es nicht gereicht. Diese Satzfragmente bestanden im Wesentlichen aus Aussagen, die in vergleichbarer Form auch in dem Bescheid standen.

Ich würde ja gerne sagen „Empfehlen Sie mich ruhig weiter.“, aber bei meiner tiefgründigen Abneigung gegen Telefonate möchte ich darauf dann doch ganz gerne verzichten.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen