Samstag, 8. Juni 2013

Es ging zu lange gut

Es ist lange her, daß ich Abenteuer aus der Wunderwelt meiner wöchentlichen Einkaufstouren erzählt habe. Sehr lange. Mein letzter Blogeintrag, der auch nur ansatzweise mit diesem Thema zu tun hatte, stammt aus der kalten Zeit des Jahres. Gut, ich räume ein, daß das auch letzte Woche gewesen sein könnte.

In Anbetracht meiner Einkaufsliste, welche durchaus einen gewissen, kaum wahrnehmbaren aber dennoch nicht zu unterschätzenden und höchst wichtigen Schwerpunkt auf GRILLFLEISCH hatte, überlegte ich mir, daß es auch und nicht zuletzt unter Berücksichtigung des Gezeitenstandes, des Unkrauts im Garten, meiner Aktenberge, des warmen Wetters sowie der Türkei-Krise nicht verkehrt sein könnte, unter Umständen eine Kühlbox zum Transport meiner kühlpflichtigen Einkäufe einzupacken. Schnell noch die Katzen versorgen, die Katzenklos sauber machen, Spülmaschine und Waschmaschine anwerfen, dann ging es los.

Vollbepackt mit dieser Box, einer Tüte Leergut, einer Tüte grün bepunkteten Mülls und einer kleinen Tüte verschimmelter Aprikosen und verschimmelten Brotes begab ich mich unter Einlegen eines Umweges an unserem unmittelbar vor dem Haus gelegenen Entsorgungszentrum in Form vierer Mülltonnen – Papiermüll steht hinter dem Haus, vorne ist kein Platz mehr – zu unserem Balduin. Ich öffnete den Kofferraum, warf einen Blick hinein und schloss ihn sofort wieder, ohne mein noch verbliebenes Gepäck losgeworden zu sein. Meine Angetraute hat heute noch einen Auftritt und bereits einige technische Zubehörteile in Balduins Heckstück verstaut. Sehr ärgerlich. Also alles auf die Rückbank.

Der erste Weg führte zum Schwarz-Markt. Hier war es voller als sonst, die Schatten suchenden Autofahrer parkten noch dämlicher und raumgreifender als üblich, nur um auch des letzte äußere Ende eines Stücks vom Kotflügels nicht der Sonne aussetzen zu müssen. Ich hoffe, die Vögel, welche das schattenspendende Grün besetzt hatten, kacken ihnen die Windschutzscheiben voll. Bitte auf die Fahrerseite in Augenhöhe, damit es richtig nervt.

Im Laden selbst geschah nichts weiter Erzählenswertes. Auch hier parkten die Kunden ihre Wagen kreuz und quer, vor allen Dingen aber an Stellen, an die ich ran musste. Normalität. Nur nicht zu dieser Uhrzeit. Hallo, Leute, das ist meine Uhrzeit. Da habt ihr nichts in diesem Laden zu suchen. Wenn es draußen kühler ist, kommt ihr auch nicht so früh. Haut ab, los jetzt, verschwindet. Mein inneres Rufen verhallte ungehört und ohne Konsequenzen.

Ich fuhr über die Landstraße zurück. Die Zufahrt regelt hier ein großer Kreisverkehr. Vor mir drängelte sich eine Fahrschule rein, dahinter ein Ford. Damit war die Grenze zwischen „Ging-noch-so“ und „Etwas-knapp-mein-Lieber“ erreicht. Beide Fahrzeuge nahmen die Ausfahrt, die auch ich in Anspruch zu nehmen gedachte. Noch aus der Kurve raus gab der Ford Gas wie ein Irrer und überholte die Fahrschule über der hier noch durchgezogenen Linie.

Für so etwas habe ich wenig Verständnis. Natürlich kann eine Fahrschule schon mal ein wenig nerven, insbesondere dann, wenn sie vor einem her fährt. Aber man muß es doch nicht übertreiben. Wir haben doch alle mal angefangen. Seid nett zueinander. Entspannt euch. So wie ich auch. Die Fahrschule beschleunigte langsam bis auf 60 km/h. Hier sind 100 km/h erlaubt. Na ja, gleich kommt das 70-Schild, vielleicht tut sich ja was. Na also, geht doch. Oder auch nicht. Am 70-Schild verzögerte man auf 48 km/h. Die Schlange hinter uns wurde länger und länger. Der Gegenverkehr machte einen Überholvorgang unmöglich.

Wir erreichten das 50-Schild. Die Fahrschule behielt die Geschwindigkeit bei. Der nächste Kreisverkehr kam in Sichtweite. Etwa 100 Meter vor dem Kreisverkehr – keine Übertreibung – verzögerte die Fahrschule wieder. Wir überwandten die Distanz bis zum Einfädelpunkt mit satten 29 km/h. Brutto. Tachos zeigen ja meistens mehr an.

Natürlich behielt die Fahrschule auch weiterhin meine Wunschrichtung bei. Die Schlange hinter mir wurde unübersichtlich, aber niemand hupte. Die Fahrschule beschleunigte überraschend zügig – auf 48 km/h. Hier waren 70 km/h erlaubt. Ich biss in das Lenkrad. Wir haben ein Lenkradfell, die Zahnabdrücke werden nicht so dramatisch sein. Die nunmehr in meinem Mund befindlichen Fellhaare spuckte ich einfach wieder aus. Die Scheibe kann man später wieder säubern.

Vor der Fahrschule fuhren zwei Radfahrer. Nicht so gewöhnliche Radfahrer, sondern welche in einem vollverkleideten Liegefahrrad. Sehr interessant, sehr schlecht zu sehen, sehr langsam. Die Fahrschule verzögerte auf 19 km/h. Die Landstraße war leicht kurvig, was das Überholen aber nicht gänzlich unmöglich machte. Man muß die passenden Stellen eben kennen und so lange abwarten. Ich wartete. Die Schlange hinter mir wartete. Da kam so eine Stelle und – vorbei. Nein, nicht die Fahrschule. Die Gelegenheit. Es ging durch eine Baustelle, danach kam die nächste Überholgelegenheit. Oh, die Radfahrer fuhren von der Straße ab. Sehr gut. Die Fahrschule beschleunigte. Wir fuhren wieder 48 km/h. Ich hatte den Papp endgültig auf und gab Gas, bis der Drehzahlmesser knapp unter dem roten Bereich und ich endlich vorbei war. In mir wuchs ein tiefes Verständnis für den eingangs erwähnten Ford-Fahrer. Wozu überhaupt noch Fahrschulen. Es gibt schon genug Autofahrer in Deutschland. Jawohl.

Ich fuhr kurz zum Tanken. Benzin gab es heute zum Wochenendpreis. 160,9 Cent auf einen Liter.  Geile Sache, da muß man doch einfach zuschlagen. Insbesondere, wenn die Benzinstandsanzeige sich hartnäckig nach vorne drängt und nach mehr verlangt. Gestern wäre es billiger gewesen.

Weiter ging es, Feinkost Albrecht ruft. Meine Angetraute wünschte Ginger Ale zu trinken, und der von Albrecht ist ihr lieber als der vom Schwarz. Zu meiner Überraschung war das Zeug dieses Mal vorrätig, wenn auch in übersichtlichen Mengen. Aber immerhin. Gut, meine diesbezüglichen Geschäfte konnte ich schnell erledigen. Aber auch hier war die Hütte voll.

Schnell noch zum Onkel Tom rein. Ich wollte unter anderem Mohnbrötchen erstehen. Meine Angetraute liebt Mohnbrötchen, und der Onkel Tom hatte welche im Angebot. Sagte zumindest der Angebotszettel. Und das Schild in der Backwarenabteilung auch. Das waren aber auch die einzigen Hinweise auf ein eventuell angedachtes Vorhandensein der Mohnbrötchen. Dann eben nicht. Ich erledigte meine restlichen Besorgungen und steuerte Balduin wieder nach Hause.

Suuuuper Serie, vor dem Haus standen Fahrräder, die den Weg zum Hauseingang deutlich verengten und es mir darüber hinaus auch noch unmöglich machten, Balduin vor dem Haus zum Ausräumen abzustellen. Also ab in den Carport, meine Einkaufstasche auf die Kühlbox stellen und beides per Pedes in einem Zug in die Wohnung schleppen. Die Getränke blieben jetzt erst mal auf der Rückbank. Sollen sie vor sich hinkochen. Unser Kühlschrank bekommt das schon wieder in den Griff.

Nun noch Einkäufe verstauen, Waschmaschine leeren, Waschmaschine füllen, Spülmaschine leeren, warten, bis meine Angetraute in Richtung Friseur verschwindet, saugen und dann gaaaanz langsam wieder runterkommen.

Es ist Samstag. Und es ging zu lange gut.


1 Kommentar:

  1. Du Armer,
    es ist schon schwer, am Samstag in den Geschäften die Nerven zu behalten. Ich habe mir vorgenommen, meine Einkäufe wieder am Freitag zu erledigen. Lediglich die Bäckerei wird frequentiert.
    Einen lieben Samstagsgruß schickt dir
    Irmi

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