Sonntag, 23. Juni 2013

Eigentlich

Wir haben im Moment eine Hospitantin in unserer LASA-Außenstelle. Mandy wurde damit beauftragt, ihr in elend knapper Zeit möglichst alles zu verschiedenen höchst komplexen Sachverhalten zu vermitteln. So weit, so gut.

Weniger gut ist, daß sie dieses Unterfangen in unserem Büro stattfinden lässt. Die beiden sind den ganzen Tag am Reden. Und am Reden. Und am Reden. Und wenn sie mal nicht schweigen, weil gerade Zigaretten- oder Pinkelpause angesetzt ist, dann reden sie einfach weiter. Insbesondere Mandy. Sie muß ihren Text ja auch an den Mann die Frau bringen, keine Frage. Ich finde ohnehin, daß sie in Anbetracht der Komplexität der Themen dazu viel zu wenig Zeit hat, aber wer fragt mich schon?

Natürlich reden die Damen nicht im Flüstermodus, was dazu führt, daß meine Konzentration schon am späten Vormittag im Keller war und sich bis Feierabend auch nicht wieder gewagt hat, bis in mein Obergeschoss zurückzukehren. Obwohl es in meinem Keller dunkel ist und da ganz üble Gestalten wohnen. Böse Sache. Gegen Feierabend habe ich Mandy darüber informiert, daß ich mein dienstliches Domizil für die nächsten Tage, in denen die Hospitantin noch unter uns weilt,  in das Zimmer vom Ökoklaus und Sven verlegen werde. Für Mandy war das schon ganz in Ordnung, denn sie selbst hatte keine Möglichkeit eines Wechsels. Karla war schon im Vorfeld ausquartiert worden, um Platz für die Hospitantin zu schaffen, und was Trudi in den nächsten Tagen macht, weiß ich nicht. Jeder ist sich selbst der Nächste; rette mich wer kann.

Wie viele von uns auch, hat Mandy ein Lieblingswort, welches sie immer und immer wieder in ihre Sätze einfließen lässt: eigentlich. Das war heute natürlich besonders massiv wahrzunehmen und hat zusätzlich genervt. Ich wies sie spaßeshalber darauf hin.

Mandy zeigte sich erstaunt. „Sage ich wirklich so oft eigentlich?

„Eigentlich schon.“

„Und warum hast du mir das noch nie gesagt?“

„Weil wir eigentlich an normalen Tagen nicht so viel sprechen, daß es so nerven könnte.“

„Ja, vor allen Dingen du redest viel zu wenig.“

„Der Kavalier genießt und schweigt. Hast du außerdem schon mal was vom Schweigen der Männer gehört? Das ist eigentlich vollkommen normal.“

„Boahh, jetzt sag nicht immer eigentlich.“

„Mache ich doch eigentlichnicht.“

„Wohl. Ärger mich nicht. So oft sage ich das gar nicht.“

„Eigentl… ähm, doch, machst du wohl. Ich habe hier einen königsblauen Zettel.“

„???“

„Ja, der war mal weiß, bis ich angefangen habe, für jedes eigentlich einen Strich zu machen. Wenn du pro zehn Striche einen Kuchen mitbringen müsstest, könntest du hier gleich eine Bäckerei aufmachen.“

„PATERFELIS!“


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