Sonntag, 30. Juni 2013

Dr. Strebsinger trifft eine Entscheidung

Dr. Strebsinger, der Leiter unserer LASA-Außenstelle, hat mich in sein Büro beordert.

„Herr Paterfelis, wir haben ein Problem.“

(Nur eines? Mir fallen da spontan ein Dutzend ein, aber wenn er meint…)

„Wie Sie ja wissen, hat Frau Bernemann gekündigt.

(Oh ja, und das wird uns allen noch seeeehr Leid tun.)

„Frau Bernemann sollte ja einen der Auszubildenden betreuen, die wir bald bekommen.“

(Ähm, ich bin hier der Fachrechtstutor. Wenn das jemand wissen sollte, dann bin ich das.)

„Das klappt jetzt ja leider nicht mehr. Darum müssen Sie jetzt doch da ran.“

Ich hatte so etwas durchaus befürchtet. Mist! An sich kümmere ich mich immer sehr gerne um unseren Nachwuchs, mal abgesehen davon, daß das ohnehin Teil meines Aufgabenfeldes ist. Nur im Moment…

„Herr Dr. Strebsinger, das wird aber eine sehr enge Sache. Ich habe meine eigenen Vorgänge, zusätzlich die Dauervertretung für die unbesetzten Stellen, jetzt in der Ferienzeit die reguläre verstärkte Sachbearbeitervertretung. Dazu kommt die Vertretung für Frl. Hasenclever, die in den nächsten Monaten häufiger und längerfristig abwesend sein wird, und die hochexklusive Aufgabe, einen ganzen Berg spezieller Vorgänge für andere aufzuarbeiten. Und das alles noch neben der Einarbeitung von Frau Schröder, die nach sieben Jahren Abwesenheit wegen Kindererziehung wieder in den Beruf einsteigen will.“

„Ähm, ja. Der Auszubildende steht jetzt kurz vor dem dritten Lehrjahr. Er soll ganz gut sein und schon alles können, was er für ihren Bereich benötigt.“

(Och nö, glaubt der wirklich an so etwas? Bislang hat unser Nachwuchs immer noch drei Jahre NACH der Ausbildung gebraucht, bis man ihn in unserem Fachbereich halbwegs sicher arbeiten lassen konnte.)

„Dr. Strebsinger, ich habe in der Zeit außerdem selber drei Wochen Urlaub. Der erste übrigens seit November und so wie es aussieht der einzige für dieses Jahr. Dann habe ich – nur so am Rande bemerkt – immer noch Resturlaub aus dem letzten Jahr übrig. Der Auszubildende muß aber eine Beurteilung von mir bekommen.“

„Die Beurteilung stellen wir auf eine breitere Basis, da sind doch viele dran beteiligt.“

„Wer denn noch?“

„Sven.“

(Oh mein Gott, da hat sich die Basis ja glatt verdoppelt.)

„Und was soll der Auszubildende machen?“

„Bei den Assistenten gibt es doch eine Langzeiterkrankung. Ich habe beschlossen, daß Karla da aushelfen wird. Der Auszubildende könnte sie unterstützen.“

„Ja, das mit Karla habe ich schon gehört. Die Kollegen vom Leistungsbereich sind hellauf begeistert, daß ihnen dringend benötigtes Personal abgezogen wird. Und ich bekomme auch die ganzen Akten von dem Auszubildenden vorgelegt, mit denen ich unter normalen Umständen nichts zu tun hätte?!“

(War nur eine rhetorische Frage, es klappt nicht anders.)

„Ja, Sie müssen ihn ja beurteilen können.“

(Weiß ich auch, und es ist immer so. Ich wollte nur auf die massive Mehrarbeit hinweisen, die das immer mit sich bringt.)

„Bekomme ich dann eine Sondergenehmigung für Überstunden und eine Ausweitung meiner Arbeitszeitgrenzen?“

„Das geht auf keinen Fall. Die Grenzen müssen eingehalten werden.“

(Gut, dann werden wir die Kiste eben weiter vor die Wand fahren. Jetzt aber mit Schwung. Und wehe dem der mich Ende des Jahres fragen wird, warum ich rund um meinen Schreibtisch die Alpen aus Aktenstapeln nachgebildet habe.)



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