Donnerstag, 27. Juni 2013

Dieses daß und jenes dass

Frl. Hasenclever verzweifelt an mir. Also nicht direkt an mir, sondern an meiner Rechtschreibung. Genauer gesagt daran, daß ich weiterhin das alte daß und nicht das neue dass verwende. Im Büro ist das aber keine böse Absicht von mir. Ich sehe ja ein, daß ich im externen Schriftwechsel gezwungen bin, mich der nun nicht mehr ganz so neuen Rechtschreibung anzunähern. Im privaten Bereich sehe ich das allerdings so gar nicht ein. Ich bemühe mich weiterhin so zu schreiben, wie ich es in der Schule gelernt habe und nun seit grob 40 Jahren praktiziere. In der Zeit habe ich mich  – meine Schulzeugnisse können es belegen – schriftlich immer weitgehend in der älteren Form dudennah artikuliert. Es ist schwierig, davon wieder runterzukommen. Die ganzen Beeinflussungen durch andere aktuelle Texte haben jedoch dafür gesorgt, daß meine Schreibweise so langsam zu einer Mischung aus alt und neu verkommen ist.
                                                    
Nicht ohne eine gewisse Häme kann ich allerdings feststellen, daß auch Frl. Hasenclever die neuen Schreibweisen nicht vollends verinnerlicht hat. Sie schreibt ebenfalls noch viele Wörter in den alten Varianten, wohl ohne sich darüber im Klaren zu sein. Es gibt ja auch genügend Stolpersteine für uns Altvordere. Ich verkneife es mir, sie darauf hinzuweisen. Aber auf mein daß hat sie es nunmal abgesehen. Das Dumme ist nur, daß ich diesen Fehler noch nicht mal wahrnehme. 40 Jahre sind eine lange Zeit. Natürlich könnte ich die Texte im Büro über WORD vorschreiben und dann die Rechtschreibprüfung darüber laufen lassen, bevor ich alles in die jeweilige Anwendung reinkopiere. Bloß kommt da meine natürliche Sturheit durch. Ich will das einfach nicht. Ja, ich weiß, ich bin dahingehend im Unrecht.

Die zwischenzeitlich reformierte Rechtschreibreform möchte ich nicht in Grund und Boden verdammen, es gab sicherlich auch gute Ansätze, aber so manches ist doch ziemlich blöd geraten. Über die Details lasse ich mich an dieser Stelle nicht aus, die Diskussionen sind alle schon vor Jahren geführt worden. Das muß man nicht wieder aufwärmen.

Aber die weiße Masse auf den Pommes bleibt Mayonnaise und wird bei mir nicht zur Majonäse. Und das daßbleibt daß und wird nicht zum dass. Zumindest außerhalb des Büros. Denn da kann Frl. Hasenclever nicht meckern. Und wenn ich mal ganz böse mit ihr bin, dann mache ich sie doch darauf aufmerksam, daß man muß heute muss schreiben müssen tut.



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