Donnerstag, 6. Juni 2013

Die Katzenbande - Marty und Smilla (2)

Die dominantesten Katzen der Gruppe waren die graubraunen Geschwister Pablo und Polly. Sie hatten keinerlei Hemmungen mit uns zu spielen, waren aber dabei wild und ungestüm. Dann gab es noch ein weiteres, weiß-grau geflecktes Geschwisterpärchen sowie eine schwarze und eine braune Katze. Meiner Angetrauten fiel vor allen Dingen der gefleckte Kater auf, der sich ebenfalls nicht im Umgang mit uns zurückhielt, aber doch weniger wild war. Er wurde häufiger von Pablo angegangen, was er aber mit einer stoischen Ruhe über sich ergehen ließ. Also ein eher friedlicher Kandidat. Ich hingegen hatte seine Schwester im Auge. Diese allerdings war sehr zurückhaltend. Sie spielte mit uns, als die anderen Katzen gerade eine Pause machten und ließ sich anfassen, ohne aggressiv zu reagieren. An die beiden anderen Katzen kann ich mich nicht mehr so genau erinnern. Die Tendenz jedenfalls ging zu Marty, dem Kater, oder zu seiner Schwester Smilla. Ihre Mutter war trächtig auf dem Waldgut abgegeben worden. Sie waren dort also geboren und konnten zweifelsfrei als Wohnungskatzen vermittelt werden. Während der ganzen zwei Jahre ihres bisherigen Lebens hatten sie nur diesen kleinen Raum kennengelernt, in dem wir uns jetzt mit ihnen aufhielten. Wir verstanden nicht, warum die beiden – wie auch die anderen vier Angehörigen dieser Katzenmeute – in dieser Zeit nicht vermittelt werden konnten.

Sally

Einen ersten Eindruck hatten wir nun gewonnen und fuhren wieder nach Hause, um uns die Sache nochmal durch den Kopf gehen zu lassen. Außerdem warfen wir wieder einen Blick auf die Beschreibungen der verschiedenen Katzen, die ja im Internet zur Verfügung standen. Smilla war auch hier als schüchtern bezeichnet, sie würde ihre Zeit brauchen, um ihr Herz an jemanden zu verschenken. Marty sollte eher gutmütig sein, was unseren Eindruck bestätigte. Es stand für uns fest, daß es sich zwischen diesen beiden wohl entscheiden würde, allerdings gaben wir den anderen auch noch eine Chance.

Also fuhren wir einige Zeit später nochmal in Richtung Finkenheim und verbrachten fast zwei Stunden mit den sechs Katzen in ihrem Raum. Es gab ein Für und Wider. Marty würde sicherlich hervorragend zu Lilly passen, während Smilla eine passende Ergänzung für Sally wäre. Außerdem war unsere Wohnung groß genug, daß sie sich jederzeit zurückziehen konnte und bot auch noch genügend der von ihr so geliebten Aussichtsplätze. Mit Marty vermochte ich mich hingegen nicht so richtig anzufreunden. Meine Angetraute merkte jedoch zutreffend an, daß mit Smilla alleine unser Ziel, Lilly von Sally abzulenken, nicht erreicht werden könne. Außerdem tat sie sich schwer damit, die Geschwister, die nach unseren Beobachtungen auch sehr aneinander hingen, zu trennen. Dieser Meinung konnte ich mich durchaus anschließen, aber zwei Katzen zusätzlich bedeuten auch eine spürbare finanzielle Mehrbelastung. Doch war mir tief in meinem Inneren schon klar, wohin die Reise gehen würde.

So besuchten wir das Waldgut ein drittes Mal und hatten uns dazu entschieden, Marty und Smilla nicht zu trennen. Wir wollten beiden ein neues Obdach geben. Marty und Smilla wurden also zur Vermittlung an uns vorgemerkt. Voraussetzung für die Vermittlung war, daß wir seitens des Waldgutes auch für geeignet befunden wurden, die beiden aufzunehmen. Eine Mitarbeiterin würde die Bedingungen, die wir Marty und Smilla bieten können, in Augenschein nehmen. Das gefiel uns durchaus. Bei der Vermittlung von Lilly wurde seinerzeit zwar auch vereinbart, daß eine persönliche Inaugenscheinnahme der Wohnverhältnisse – clevererweise nach der Vermittlung – erfolgen könne, was aber tatsächlich nie geschah. Hier jedoch bestand man darauf, dies bereits im Vorfeld zu prüfen. Eine durchaus sinnvolle Sache.

Pünktlich zum vereinbarten Termin erschien die Mitarbeiterin des Waldgutes. Sie war mit den Wohnverhältnissen sehr zufrieden, stellte ein paar Fragen, die wir offensichtlich auch zu ihrer Zufriedenheit beantworten konnten, und befand, daß unsere Wohnung groß genug sei, um dann insgesamt vier Katzen zu beherbergen. Im Gespräch schilderte sie, daß Marty und Smilla schon häufiger zur Vermittlung vorgemerkt waren, diese jedoch stets von ihr nach Sichtung der Lage vor Ort oder den teilweise kruden Vorstellungen der Kandidaten abgelehnt wurde. Man war also tatsächlich konsequent und mehr um das Wohl der Tiere besorgt als darum, diese schnell wieder loszuwerden. Dies bestätigte uns, daß wir mit dem Waldgut die richtige Entscheidung getroffen hatten. So vereinbarten wir einen Termin, an dem wir die beiden abholen konnten.


(wird fortgesetzt)


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen