Mittwoch, 5. Juni 2013

Die Katzenbande - Marty und Smilla (1)

Unsere bisherige Chefkatze Daisy war tot. Da sie die Bezugskatze für unsere noch am Anfang ihrer besten Jahren stehenden Lilly war, machten wir uns Sorgen, wie sie darauf reagieren würde. Nach einigen Tagen der Verwirrung zeigte sich, daß unsere diesbezüglichen Befürchtungen zur Realität werden sollten. Lilly fing an, unsere alte Sally als Opfer Objekt ihres Interesses zu sehen. Doch Sally hatte nicht das allermindeste Interesse daran, sich mit diesem für sie allzu jungen Hüpfer abzugeben. Sie wollte in der Hauptsache schlafen und anschließend mit dem Papa kuscheln. Der nächste Platz in der Hitparade der in ihrem Leben durchaus noch vorkommenden wichtigen Dinge war es, mit der Mama zu kuscheln, sich der Nahrungsaufnahme zu widmen, zu kackensowie sich bei angenehmen Sonnenschein im Inneren der Wohnung vor dem entsprechenden Fenster auf dem Boden auszubreiten und der sich bewegenden Sonne zu folgen, allzeit bereit die hier aufgezählten Dinge ihrer Lieblingsbeschäftigungen wieder von vorne beginnen zu lassen. Mit Spielen, Herumraufen und der Erziehung jüngerer Katzen wollte sie nichts mehr zu tun haben. Dies führte natürlich zu ständigen Streitereien zwischen den beiden; Sallys aufgrund des kaputten Kehlkopfes unverwechselbares Fauchen war allgegenwärtig zu hören.

So gewöhnten wir uns an den Gedanken, einer weiteren, zu Lilly passenden Katze Obdach zu geben. Wir machten uns wieder auf die Suche, klapperten verschiedene Tierheime ab, doch so richtig fündig wurden wir nicht. Die Tierheime sehen alle Katzen, bei denen sie es nicht besser wissen, als Freigänger an und würden diese nachvollziehbarer Weise nicht an jemanden abgeben, der sie nur als reine Wohnungskatze halten wollte. Es fanden sich aber keine geeigneten Wohnungskatzen. Die wenigen Kandidaten waren entweder zu alt, was den Sinn der Aktion verfehlt hätte, oder sie waren gesundheitlich mit einer potentiell ansteckenden Krankheit vorbelastet.


Lilly

Das Neustädter Tierheim hat im ziemlich entfernten Finkenheim eine Art Außenstelle mit einer eigenen Internetpräsenz, das so genannte Waldgut. Dabei handelt es sich um einen ehemaligen Bauernhof, den man zu einem Gnadenhof umgebaut hat. Neben älteren und kranken Großtieren beherbergt man auch zahlreiche Hunde und Katzen, die der Vermittlung zur Verfügung stehen. Wir hatten aufgrund der Ferndiagnose einen guten Eindruck von dem Haus. Darüber hinaus gab es dort scheinbar auch einige jüngere Katzen, die als Wohnungskatzen vermittelt werden konnten. Also machten wir uns auf den Weg.

Die Anfahrt dauerte ihre Zeit, es lag Schnee, und die Entfernung war zu groß, als daß man sich da mal eben nach Feierabend blicken lassen könnte. Außerdem braucht so eine Sache Zeit. Also kam nur das Wochenende in Frage. Das Waldgut befindet sich relativ weit außerhalb der Stadt, das letzte Teilstück wurde noch nicht mal mehr von unserem Navigationsgerät erfasst, war aber zumindest ausgeschildert.

Wir wurden freundlich begrüßt und direkt in die Katzenabteilung geführt. Diese befindet sich unter dem Dach des alten Bauernhofes, den man komplett als Katzenquartier eingerichtet hat. Ein Großteil ist durch eine Gitterwand abgetrennt. Hier residieren die Freigänger. Der Raum ist gemütlich mit alten Sesseln, Sofas und Tischen eingerichtet, es liegen Decken und Kissen herum, auch Kratzbäume sind aufgestellt. Darüber hinaus gibt es für die Katzen die Möglichkeit, über eine eigene Rampenkonstruktion  den abgesicherten großen Außenbereich aufzusuchen. Die Querträger des Dachstuhls sind frei zugänglich, so daß die Katzen auch hier entlang marschieren können, wovon einige durchaus Gebrauch machten. So gemütlich würden die Fellnasen es in keinem anderen Tierheim haben.

In dem Rest der Dachetage befinden sich unter anderem noch kleinere, ebenfalls durch Gitter- und Mauerwände voneinander getrennte Räume, die deutlich kleiner sind und verhaltensauffällige, ältere und kranke Katzen beherbergten. Die Einrichtung ist durchaus mit der des großen Geheges zu vergleichen.

In einem etwa acht bis zehn Quadratmeter großen Raum hielten sich die jüngeren, potentiellen Wohnungskatzen auf. Wir betrachteten uns die Sache zunächst von außerhalb, bis man uns angeboten hat, einige Zeit alleine mit den Katzen in diesem Raum zu verbringen, damit wir diese näher kennen lernen könnten. So verbrachten wir eine gute Stunde mit den sechs dort befindlichen Jungkatzen, spielten ein wenig mit ihnen und beobachteten, wie sie sich verhielten. Denn wir gehören nicht zu den Leuten, die der Meinung sind, von der erstbesten Katze, die auf sie zukommt, als neue Dosenöffner auserwählt worden zu sein. Das ist einfach Blödsinn. Hier galt es, eine sehr sorgfältige Auswahl zu treffen, denn unsere neue Katze müsste sich gegen Lilly behaupten können, aber nicht so dominant sein, daß sie auch noch anfing, Sally zu unterdrücken. Keine leichte Aufgabe.


(wird fortgesetzt)



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