Sonntag, 16. Juni 2013

Die Feier (4)

Als sich die Schlacht am Buffet den Desserts zuwandte, zogen sich die Mädels zurück, um die Kostüme anzulegen. Ich half meiner Angetrauten auf ihre Bitte hin noch in Teile ihres Kostüms, fühlte mich aber etwas unwohl in der Garderobe. Katja ist unkompliziert, wenn es um männliche Anwesenheiten geht, während sie sich umzieht. Außerdem hatten wir schon einige gemeinsame Saunabesuche hinter uns, so daß da kaum noch ein Überraschender Anblick zu erwarten sein dürfte. Mit Alexandra war das aber anders, so daß ich schon darauf achtete mich so zu stellen, daß ich offenkundig nicht in ihre Richtung sah. Meine Angetraute hatte zwar verkündet, daß ich noch auf ihren Wunsch hin vor Ort sei und gleich verschwinden würde, aber dennoch war ich froh, endlich rauszukommen.

Natürlich sah man mich seitens des Publikums vor und nach dem Auftritt auch als Ansprechpartner für verschiedene Fragen des Auftritts und der Organisation an. Dummerweise war ich nicht über alles informiert, was mich wieder in leichte Bedrängnis brachte und ein unangenehmes Gefühl in mir hinterließ. Egal, auch den Teil habe ich überstanden.

Nach dem erfolgreichen Auftritt machte sich Alexandra zeitnah aus dem Staub. Katja blieb ein paar Minuten länger, verschwand dann aber auch. Meine Angetraute und ich fanden einen Platz abseits des zentralen Geschehens und machten uns über das Buffet her. Die jetzt noch vorhandenen Reste hätten durchaus gereicht, eine spontan einfallende Fußballmannschaft zu verköstigen. Soviel zur Frage, ob es denn auch reichen würde…

Da wir soweit mit dem Rest der Gäste nicht mehr viel zu tun hatten, ging es mir wieder besser. Nur begann jetzt eben der langweilige Teil des Abends. Das ist die Zeit, die man noch aus Gründen der Höflichkeit absitzen muß. Gut, auch das ging vorbei, irgendwann begann die Abschiedsrunde. Mein Adrenalinspiegel ging nochmals in die Höhe; ich wollte mich nur kurz von den Personen persönlichen verabschieden, bei denen das unvermeidlich war und dann mit einem allgemeinen Gruß in die Runde absetzen. Das hat jetzt nicht ganz so geklappt, da man plötzlich meinte, noch im Rahmen der Verabschiedung längere Unterhaltungen mit meiner Angetrauten beginnen zu müssen.

Was mich betrifft zeigte meine Schwiegermutter nochmals ihre Freude darüber, daß ich doch gekommen sei. Gut, das ist schön. Nun hoffte ich, daß sie nicht die Frage stellen würde, auf die ich jetzt noch wartete. Oder zumindest, daß sie nicht der Hoffnung Ausdruck verlieh, daß es für mich nicht so schlimm gewesen sei. So manche Frage sollte einfach nicht gestellt werden. Denn dann hätte ich sagen müssen, daß es wieder einmal die Hölle für mich war. Ich weigere mich einfach, hier aus Höflichkeit noch zu lügen.

Schließlich verschwand ich vorzeitig mit Yvonne nach draußen, die aufgrund vorhandener Ortsunkenntnis bis zur nahen Autobahn hinter uns herfahren wollte. Manchmal kann es praktisch sein, einen Raucher zur Hand zu haben, der draußen noch eben die Luft aromatisieren möchte. Nach sage und schreibe einer halben Stunde war dann auch meine Angetraute mit ihrer Abschiedsrunde fertig. Es ging nach Hause.

Hier angekommen beabsichtigte ich, nach nunmehr fast 22 Stunden andauernder Aktivitätsphase nur noch ins Bett zu fallen, aber die zweitbeste Ehefrau von allen machte mir hier noch einen Strich durch die Rechnung. Sie hatte sich für den Tag eine gesteckte Frisur machen lassen. Ganz klasse, jetzt konnte ich noch ein gefühltes halbes Kilo Metall in Form von Klämmerchen und so einem Zeug aus ihren Haaren rausarbeiten. Aber auch das war irgendwann erledigt.

Jetzt habe ich es mir hoffentlich verdient, für die nächsten fünf Jahre nicht mehr mit so einer Veranstaltung und für weitere zehn Jahre nicht mehr mit Gustav konfrontiert zu werden.


(Ende)



1 Kommentar:

  1. Tja - ich sage es ja nur äußerst ungern, aber in fünf Jahren werden meine Eltern ihre goldene Hochzeit begehen......

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