Samstag, 15. Juni 2013

Die Feier (3)

Das gerade aufgebaute Buffet wurde von meiner Schwiegermutter eingehend inspiziert. Sie war ohnehin schon aufgekratzt, denn sie suchte ihre Freundin Yvonne, eine jener bei unserem Eintreffen bereits anwesenden Personen. Yvonne befand sich nicht im Saal des Vereinshauses und auch nicht auf dem kleinen Vorplatz. Aber das Auto war in Sichtweite, also müsse sie ja schließlich noch irgendwo vor Ort sein. Nur eben nicht in Sichtweite. Auch auf den sanitären Anlagen war sie nicht zu finden. Nein, wir starten jetzt keine großangelegte Suchaktion, sie wird schon wieder auftauchen.

Wenden wir uns also wieder der Sichtung des Buffets zu. Auch hier kam wieder das Unvermeidliche: Würde es für 27 Personen reichen? Schwiegermutter wurde - nicht unerwartet - unsicher und nahm die allgemein beruhigenden Worte, daß an ausreichender Menge wohl nicht die geringsten Zweifel bestehen würden, wohl zur Kenntnis. Doch über die bloße Kenntnisnahme hinaus ergab sich nichts. Sie wollte es von Yvonne bestätigt haben, denn diese hat einst in der Gastronomie gearbeitet. Der Koch, der das Buffet zusammengestellt hat, übrigens auch... Da Yvonne aber gerade nun mal nicht greifbar war, kamen wir an diesem Punkt nicht weiter.

Die ersten mir unbekannten Gäste trudelten ein. Wir waren noch zu wenige, als daß ich mich einer persönlichen Begrüßung hätte entziehen können. Ich hasse das, mein Adrenalinpegel steigerte sich, die Gedanken fokussieren sich immer mehr auf das Kommende. Und das nicht gerade in einer angenehmen Weise. Notlösung: Fluchtreaktion. Ab nach draußen, etwas dumm und abseits des Geschehens in der warmen Sonne stehen und wieder etwas runterkommen. Hier fand ich schließlich auch Schwiegermutters vermisste Freundin. Sie hatte es sich hinter dem Gebäude auf einem dort herumstehenden Terrassenstuhl bequem gemacht und die Sonne genossen. Wir plauderten etwas, dann ging es wieder in den Saal. Er hatte sich weiter gefüllt, also schön weiter Pfötchen geben. Für ein paar der üblichen hirnlosen Worte reicht es nicht.

Ein älterer Herr kam zur Begrüßung auf mich zu. Ich streckte die Hand aus, doch er grummelte etwas von wegen „Erst die Dame.“ Ups, ach so, leicht hinter mir befand sich außerhalb meines Blickfeldes Gustavs Frau. Ich hatte ihre Anwesenheit nicht bemerkt. Natürlich ist auch mir klar, wer hier zuerst wen zu begrüßen hat. Ein erklärbares Versehen meinerseits, an dem sich mit Sicherheit niemand mehr hochzieht. Außer ich. Solche Situationen tragen nicht zu meiner Beruhigung bei, im Gegenteil. Contenance bewahren, dann wieder Flucht nach draußen. Für den Rest des Abends würde ich immer wieder an diese Begebenheit denken müssen und mich richtig darin festbeißen. Es besteht durchaus eine gewisse Chance, gerade diesen Herrn in den nächsten Monaten und Jahren nochmals bei meinen Schwiegereltern anzutreffen, und ich weiß bereits jetzt, daß dieses kleine, an sich vollkommen unbedeutende Ereignis von jetzt an zwischen uns stehen wird. Zumindest aus meiner Sicht.

Ich wartete draußen noch eine ganze Weile, bis so viele Gäste eingetroffen waren, daß eine persönliche Begrüßung nur noch in den Fällen erforderlich wurde, in denen ich die Gäste schon von früher näher kannte. Es waren nicht viele.

Schließlich traf auch Alexandra ein. Endlich. Wir warteten die kurze Eröffnungsrede meiner Schwiegermutter ab, dann verschwanden meine Angetraute, Alexandra und ich, um Alexandras Sachen aus dem Wagen zu holen, während die restliche Meute sich über das Buffet hermachte. Wir würden erst nach dem Auftritt etwas essen. Meine Anwesenheit beim Abholen von Alexandras Gepäck war nun wirklich nicht erforderlich, aber es war eben ein willkommener Grund, aus dem Saal zu verschwinden. So überbrückten wir einige Zeit, aber irgendwann mussten wir wieder zurück in den Saal. Schließlich erschien auch Katja mit ihrer schon nahezu uralten, vierrädrigen Raubkatze. Die Haare waren wieder bunt und mit einer Feder-Dekoration versehen. Fragt mich nicht, wie man das nun wieder nennt. Ich wurde ruhiger.

(wird fortgesetzt)



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