Freitag, 14. Juni 2013

Die Feier (2)

In den Wochen bis zum großen Tag wurde ich verschiedentlich gefragt, ob ich denn nun auch anwesend sein würde. Um mich nicht zu früh festzulegen konnte ich nur – durchaus der Wahrheit entsprechend – erklären, daß sich das tatsächlich erst an dem entsprechenden Tag entscheiden würde. Wenn ich an diesem Tag schon im Vorfeld wieder eine Angst- oder gar eine Panikattacke hätte, wäre der Keks gegessen und das Thema durch.

Unerbittlich kam der Termin näher. Schon bei dem Gedanken daran wuchs in mir die Unruhe. Als ich an dem fraglichen Samstag pünktlich um 3.40 Uhr aufwachte und noch sinnlos im Bett herumlag, bekam ich nicht zum ersten Mal in diesem Zusammenhang schon leicht feuchte Augen. Meine Überlegungen kreisten nur noch um diese Feier. Was mich ein wenig aufrecht hielt war die Tatsache, daß Alexandra und Katja vor Ort sein würden. Dummweise jedoch nicht von Anfang an und schon gar nicht bis zum bitteren Ende, aber ich könnte einen Teil der Zeit wenigstens mit ihnen – nun, nennen wir es mal so – überbrücken.

Der Samstagmorgen schließlich stand unter einem schlechten Stern. Hierzu verweise ich auf diesen Blogeintrag. Es gab zusätzlich zu dem dort Geschilderten noch ein paar Kleinigkeiten, die nicht dazu dienten, meine Stimmungslage zu stabilisieren. Insgesamt stand die Sache schon auf der Kippe, aber es hat noch gereicht um entscheiden zu können, daß ich dabei sein werde. Ich lud den Akku der Kamera, suchte das Stativ raus und packte meine Sachen, denn der Auftritt wollte natürlich auch gefilmt werden.

Die zweitbeste Ehefrau von allen und ich waren frühzeitig vor Ort, um noch einige Dinge vorzubereiten. Meine Schwiegereltern und drei ihrer Freunde waren erwartungsgemäß bereits anwesend, darunter Gustav. Ich weiß nicht, was meine Schwiegereltern an Gustav mögen. Er ist ein fürchterlicher Mensch. Seine Devise lautet „Du sollst keine andere Meinung neben der Meinung von Gustav haben.“ Eventuell vermutete Anlehnungen an einen anderen prominenten Text sind hier durchaus nicht zufällig und entsprechen dem Bild, welches Gustav von sich vermittelt. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll er es schon geschafft haben, ein paar Zeugen Jehovas auf ihrer Missionierungstour in Grund und Boden zu reden. Es ist nicht bekannt, ob diese anschließend konvertiert sind…

Gustav stürzte sich auf mich, noch bevor ich alle Anwesenden begrüßen konnte, stellte eine wohl mehr rhetorisch gemeinte Eröffnungsfrage, um direkt klarzumachen, mit welchem Thema er mich zuzutexten gedachte. Man kann machen was man will, ihm beipflichten oder versuchen, dagegen zu halten, er hört einfach nicht auf, seine Meinung und sein Weltbild als einzige Wahrheit zu verkünden. Einwendungen nimmt er kaum zur Kenntnis. Selbst, wenn man sich auf die Ebene begibt, die seine Frau eingenommen hat, lässt er nicht ab. Ihre einzigen Worte bei seinen Redeflüssen lauten „Ja, Gustav.“

Meine Angetraute hat wiederholt versucht, mich aus seiner Umklammerung zu befreien. Schließlich ist es ihr gelungen, indem sie verkündete, ich müsse ihr bei der Bühnenvorbereitung behilflich sein. Gustav hat schnell ein anderes Opfer gefunden. Doch ich würde ihm im Laufe des Abends noch zwei Mal in die Hände fallen. Manche Dinge sind halt unvermeidlich.

Nun aber begann der Teil der Veranstaltung, der mir stets so richtig zusetzt.


(wird fortgesetzt)


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