Donnerstag, 13. Juni 2013

Die Feier (1)

Seit einigen Wochen stand wieder ein Termin ins Haus, den ich am Liebsten aus der Nachschau betrachten würde. Was hiermit auch geschieht, denn er ist jetzt überstanden.

Meine Schwiegermutter beabsichtigte, in diesem Jahr ihren Geburtstag nicht nur im kleinsten, familiären Kreis zu feiern, sondern schon mit etwas mehr Tamtam. Keine große, wilde Feier, sondern schon noch übersichtlich. Nur mit etwa 27 bis 30 Gästen. Ganz bescheiden also. Meine Güte, ich kenne noch nicht mal so viele Leute, von denen ich sagen würde, daß ich ihnen so nahe stehe um behaupten zu können, daß es überhaupt angemessen wäre, mit ihnen irgendetwas persönliches zu feiern. Aber wer ein richtiger Vereinsmeier ist, der kennt eben viel mehr Menschen, die er dann als Freunde bezeichnet. Ein Begriff, der heute sowieso inflationär gebraucht wird. Aber das nur am Rande.

Natürlich bekam ich direkt den irren Blick, als uns schon vor geraumer Zeit verkündet wurde, daß die Anwesenheit meiner Angetrauten und mir ebenfalls erwünscht sei. So eine Veranstaltung ist für mich wie ein Kurztrip durch die Hölle. Da zieht die Phobie wieder eine ganze Reihe der stärkeren Register.

Nun ergab es sich anlässlich eines anderen schwiegerelterlichen Termins, daß wir zufällig auf die Phobie zu sprechen kamen. Man zeigte sich überrascht, daß die überhaupt noch bei mir vorhanden wäre, man hätte doch so lange nichts mehr davon gehört. Nun, warum sollte man auch? Sie ist regelmäßiger Bestandteil meines Lebens, darüber muß ich mich nicht bei jeder Begegnung mit Menschen, die dem Grunde nach darüber informiert sind, erneut austauschen. Ich vergleiche das immer ganz gerne mit meinem Cousin. Er ist eines der Contergan-Opfer. Im familiären Kreis hat man sich an diese Tatsache natürlich gewöhnt; der Umgang damit ist bei uns einfach Normalität. Von daher ist seine Behinderung auch kein Thema, es sei denn, daß sich gerade aus dieser Tatsache aktuell was Erwähnenswertes ergeben hat.

Meine Schwiegermutter zeigte Verständnis für meine Lage und stellte es mir frei, bei der Feier anwesend zu sein. Ich wollte es einfach von meiner Tagesform abhängig machen, wohl wissend, daß ich von dieser Veranstaltung keineswegs was haben würde, was sich auch nur annähernd in die Rubrik angenehme Unterhaltungeinsortieren ließe. Es wird stressig und unangenehm, nur die Ausprägung ist variabel.

Somit wäre ich eigentlich sauber aus der Nummer raus, wenn nicht… ja, wenn nicht meine Angetraute und ihre Mädels, namentlich Alexandra und Katja, geplant hätten, diesen Anlass mit einer tänzerischen Showeinlage zu bereichern. Eine Moderation durch mich war nicht vorgesehen, also bestand auch weiterhin keine Verpflichtung für mich, anwesend zu sein. Eigentlich. Jetzt kommt natürlich noch der moralische Aspekt hinzu. Meine Angetraute ist jetzt nicht der Mensch, der unendliches Lampenfieber vor einem Auftritt zeigt. Es sei denn, dieser Auftritt findet vor Verwandten und Bekannten statt. Bei so etwas tut es ihr immer ganz gut, wenn auch ich vor Ort bin. Also war meine Marschrichtung klar: Sofern es irgend geht, würde ich ebenfalls anwesend sein.


(wird fortgesetzt)


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